Multimodales Storytelling – Koblenz vor Ort

Firmenwagen von Dr. Franz Mayer-Alberti vor dem Haupteingang des Fabrikgebäudes, 1930er-Jahre (Archiv Familie Alberti).

Im Rahmen des Projektes „Multimodales Storytelling“ haben Studierende der Universität Koblenz-Landau Beiträge zum Thema „Koblenz vor Ort“ erstellt. Die angehenden Kulturwissenschaftler*innen haben unter anderem die Historikerin Judith Höhn-Engers vom Stadtarchiv zur Geschichte der Kulturfabrik befragt. Klicken und scrollen sie sich gerne durch die versteckten, regionalen Stories …

#Mayer-Alberti (Familie)

Bahn frei für „Confluentia“. Die Koblenzer Schuhfabrik J. Cornelius

Von unserem Gastautor Paul Dahms

Wird über Turnschuhe aus deutscher Produktion gesprochen, fallen ganz selbstverständlich die Namen der Marken mit den drei Streifen und der springenden Raubkatze. Denn seit 1924 sind die Artikel der Gebrüder Dassler Schuhfabrik(en) aus Herzogenaurach bei olympischen Athleten, Freizeitsportlern und jungen Leuten – auch ohne Neigung zu körperlicher Anstrengung – gleichermaßen beliebt. Ganz in Vergessenheit geraten ist, dass die ersten erfolgreichen deutschen Turnschuhe aus Koblenz kamen: Die Schuhfabrik „Confluentia“ fertigte dort schon 1909 Sportschuhe und eroberte mit ihrer Marke „Bahnfrei“ sogar international Märkte.

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Werbeanzeige, Koblenzer Adressbuch 1879.

Die Geschichte des Unternehmens beginnt 1874: Jakob Cornelius, Schuhmacher aus dem Hunsrück, eröffnet in der Löhrstraße 17 einen kleinen Schuhladen. Sein Sohn Joseph, 1849 geboren und später Schuhmacher wie der Vater, geht 1870 nach England, um sich spezielle Fabrikationskenntnisse anzueignen und kehrt, über Stationen in Brüssel und Paris, mit neuen Ideen nach Koblenz zurück. Er übernimmt das elterliche Geschäft, zieht damit 1875 in die Löhrstraße 30 und offeriert als „Englische Schuhfabrik“ Fertigware, Maßschuhe und „Patent-Gummisohlen“. Angesichts der nicht unerheblichen Konkurrenz in der Stadt – es gibt neun weitere Schuhläden und über 200 Schuster – scheint Cornelius seine „Schäftenfabrik, Schuhmacherartikel- und Lederhandlung“ Mitte der 1880er-Jahre aufgegeben zu haben. Der Geschäftseintrag ist aus dem Koblenzer Adressbuch verschwunden, stattdessen wird Joseph Cornelius als „Handlungsreisender“ geführt.

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Firmengründer Joseph Cornelius sen. (1849-1943) (privat).

1897 wagt er, inzwischen verheiratet und selbst Vater, den Neuanfang und macht in der Firmungstraße 27 eine „en gros en detail“ Schuhwarenhandlung auf. Einige Jahre darauf wiederholt sich die Familiengeschichte: 1906 gründet er mit seinem Sohn Joseph jun. die Firma „Jos. Cornelius & Sohn“. Der Betrieb hat drei Arbeiter und fertigt neben Straßenschuhen auch Turnschuhe, die guten Absatz finden. So guten, dass Cornelius und Sohn 1909 expandieren und in der Montalembertstraße 48 die Schuhfabrik „Confluentia“ eröffnen. Das Schuhwarenhaus wird aus der Altstadt in die Löhrstraße 51 verlegt. Geführt von der Gattin des Seniors, Wilhelmine, dient es zusätzlich dem „Allein-Verkauf“ der Eigenmarken.

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Briefkopf der Schuhfabrik „Confluentia“, um 1912 (StAK 623 Nr. 4122).

Seitdem „Turnvater“ Jahn mit paramilitärischer Leibeserziehung deutsche Männer für die Befreiungskriege gegen Napoleon siegreich stählte, genießt Sport im deutschen Kaiserreich einen hohen Stellenwert. Die Zahl der Turnvereine nimmt Ende des 19. Jahrhunderts zu, das Frauenturnen erlebt eine zarte Blüte. Die vielen Sportler auf Rasen und Aschenbahn, an Barren und Reck, brauchen Schuhwerk – und „Confluentia“ stellt das passende her. Worauf es dabei ankommt, weiß Joseph Cornelius sen. genau. Er ist Mitbegründer der „Koblenzer Turngesellschaft“ und engagierter Turner, der dies gern kundtut: „Unserm Stadtrat Turnen ich empfehle, denn es stärkt die Körper- und Geisteskraft.“ Die Spezialität seiner Fabrik ist der Turnschuh „Bahnfrei“, beworben als der „billigste und beste“, prämiert auf der Internationalen Ausstellung für Sport und Spiel in Frankfurt am Main 1910 und auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden 1911. Als in Leipzig anlässlich des 100. Jahrestags der Völkerschlacht das 12. Deutsche Turnfest stattfindet, stecken unzählige Füße in „Confluentia“-Modellen. Ein Jahr danach müssen die meisten der Träger den Wettkampfplatz gegen das Schlachtfeld tauschen: Von August 1914 an bestimmt der Erste Weltkrieg bis zum Waffenstillstand im November 1918 vier Jahre lang das Geschehen. Anschließend okkupieren die Siegermächte das Rheinland, Koblenz ist Hauptquartier der amerikanischen Besatzungstruppen.

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Werbung für „Confluentia“-Sportschuhe, 1912 (StAK KH 102: Turngesellschaft Koblenz e. V., Jahresbericht 1911-1912, S. 33). – Grußpostkarte 12. Deutsches Turnfest, Leipzig 1913 (privat).

Die Schuhfabrik übersteht den Krieg trotz Handelsbeschränkungen, Zwangsbewirtschaftung, Material- und Arbeitskräftemangel unbeschadet. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie im Zuge der Umstellung auf Kriegswirtschaft auch Schuhwerk für den Heeresbedarf produzierte. In der Nachkriegszeit zwingt die desolate wirtschaftliche Lage in Deutschland so manches Unternehmen zum Aufgeben, doch bei „Confluentia“ drehen sich die Räder der Nähmaschinen weiter, Schwierigkeiten mit den Besatzern haben eher unbedeutenden Charakter: „Der Führer der amerik. Kompagnie B I. Ing. beschwert sich darüber, dass in dem Hause neben der Kaserne in der Steinstraße die Abortgrube überläuft … In einer Entfernung von ungefähr 3 Mtr. dahinter befindet sich in einer Holzbaracke eine amerik. Küche … Bei Regenwetter und der entsprechenden Windrichtung geht ein Gestank nach den amerik. Baraken …“, heißt es in einem Polizeibericht. Joseph Cornelius jun., mittlerweile Firmenleiter, beauftragt die Leerung der Abortgrube auf dem Fabrikgelände – und er entscheidet sich dafür, ein modernes Fabrikgebäude im Moselweißer Weg 133 errichten zu lassen. Obwohl Maschinenpark und Räumlichkeiten am bisherigen Standort mehrfach erweitert wurden, reicht die Kapazität nicht aus, um die steigende Nachfrage zu befriedigen.

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Hauptgebäude der „Confluentia“-Schuhfabrik, Bauzeichnung, 1920 (StAK 623,1 Nr. 1595).

Am 27. Januar 1920 wird der Grundstein gelegt, am Jahresende ist der Neubau aus Eisenbeton betriebsfertig. „Derselbe umfaßt fünf übereinanderliegende durch Fahrstuhl verbundene große, helle Arbeitssäle, sowie Büro, Lagerräume und Versandabteilung.  Angeschlossen an das Hauptgebäude befindet sich der mit allen der Neuzeit erforderlichen Einrichtungen versehene Wohlfahrtsraum“, schwärmt die Sonderausgabe „Deutscher Städtebau Coblenz“. In der 5. Etage werden Stoffe zugeschnitten und Schäfte zusammengenäht, in der 4. Etage über den Leisten gezogen und in der 2. Etage mit Sohlen, welche die Stanzerei im Erdgeschoss aus verschiedenen Rohstoffen herstellt, zum Schuh zusammengesetzt. In der 3. Etage liegen Lager- und Versandräume für die fertige Ware. Sämtliche Maschinen werden mit „elektromotorischer Kraft“ angetrieben, in einem Nebengebäude befinden sich Schlosserei, Schreinerei, Mechanikerwerkstätten, Pferdestallungen und Wagenremise.

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Die neue Fabrik im Moselweißer Weg 133 (DARI 1922, S. 88).

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Näherinnen in der Stepperei (StAK S 54 Nr. 1, S. 9). – Sortieren der Ware im Versandlager (StAK S 54, Nr. 1, S. 10).

Ungeachtet der Tatsache, dass die ökonomische Situation der jungen Weimarer Republik instabil ist und die Geldentwertung stetig voranschreitet, wandelt Cornelius jun. das Familienunternehmen 1921 in eine Aktiengesellschaft um. Die „Confluentia AG“ gehört zu den größten und leistungsstärksten Betrieben in Koblenz und beschäftigt 1922 über 400 Arbeiter und Angestellte, ihre tägliche Produktionsrate beträgt 4000 Paar Schuhe. Das Prinzip, Massenware mit Qualität zu „billigen Preisen“ auf den Markt zu bringen, ist profitabel. Regelmäßig präsentiert „Confluentia“ bewährte und neueste Modelle auf der Leipziger Mustermesse. Mit dem Ende der Inflation 1923 kommt es im Land zu einem Konsumaufschwung, überdies ist der Geist der neuen Zeit umsatzfördernd. Die Zwanziger Jahre sind nicht nur in politischer Hinsicht bewegte – man wird mobiler, fährt Auto, Motorrad, verreist und treibt alle Arten von Sport, der sich zum Massenphänomen entwickelt, das auch die vom Korsett befreite Frau erfasst. Eine amerikanisch inspirierte Sportmode beeinflusst den Kleidungsstil beider Geschlechter und lässt Sportschuhe zu alltäglichen Gebrauchsartikeln werden.

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Aktie der „Confluentia AG“, nach Einführung der Rentenmark auf 20 Mark abgewertet (Auktionshaus Gutowski, Wolfenbüttel).

Die „Confluentia AG“ vergrößert ihr Angebot entsprechend, neben Turnschuhen gibt es Tennis-, Strand- und Promenadenschuhe und für die vom Hasten und Tanzen müden Füße der rastlosen Großstädter den Hausschuh „Siesta“ aus Kamelhaar. Das Personal ist 1925 auf 500 Mitarbeiter angewachsen, pro Tag werden 5000 Paar Schuhe hergestellt, der Inlandsverkauf und der Export über Europas Grenzen hinaus florieren. Auf dem Firmengelände Moselweißer Straße sind bauliche Erweiterungen nötig, 1931 wird eine neue Transformatorenstation errichtet.

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Katalog für Strand- und Tennisschuhe, um 1924. Zeitschriftenwerbung zur Leipziger Messe 1925 (StAK S 54 Nr. 1, S. 1-2, 4, 23).

Die „Confluentia AG“ vergrößert ihr Angebot entsprechend, neben Turnschuhen gibt es Tennis-, Strand- und Promenadenschuhe und für die vom Hasten und Tanzen müden Füße der rastlosen Großstädter den Hausschuh „Siesta“ aus Kamelhaar. Das Personal ist 1925 auf 500 Mitarbeiter angewachsen, pro Tag werden 5000 Paar Schuhe hergestellt, der Inlandsverkauf und der Export über Europas Grenzen hinaus florieren. Auf dem Firmengelände Moselweißer Straße sind bauliche Erweiterungen nötig, 1931 wird eine neue Transformatorenstation errichtet.

Zu diesem Zeitpunkt gibt es in Deutschland bereits fünf Millionen Erwerbslose. Denn die „Goldenen Zwanziger“ waren mit einem Paukenschlag zu Ende gegangen: Am 25. Oktober 1929 hatte der Zusammenbruch der New Yorker Börse eine Weltwirtschaftskrise ausgelöst. Infolgedessen war die Industrieproduktion gesunken, die Zahl der Konkurse beständig gewachsen. Im Jahr 1932 muss auch die „Confluentia AG“ ihre Tore für immer schließen. Das Fabrikgebäude funktioniert die Firma Jac. Brien Söhne – Kolonialwaren – zum Lagerhaus um.

Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin erringen Dassler-Schuhe sportliche Erfolge, „Bahnfrei“ sind längst Vergangenheit. Doch ein Stück der „Confluentia“-Geschichte lebt bis heute in der Koblenzer Innenstadt weiter. Am historischen Standort Löhrstraße 51 werden noch immer Schuhe verkauft – Geschäftsinhaber ist Rolf Lahr, der Urenkel von Joseph Cornelius sen.

 

*Joseph Cornelius sen. war ein bekannter Mundartdichter. Von ihm stammt auch das Schängellied, die Hymne der Koblenzer. 

 

 

Quellen und Literatur

Bellinghausen, Hans (Bearb.): Deutschlands Städtebau Coblenz, Deutscher Architektur- und Industrieverlag Berlin (DARI) 1922, S. 88-89.

Bellinghausen, Hans (Bearb.): Deutschlands Städtebau Coblenz, 2. Aufl., Deutscher Architektur- und Industrieverlag Berlin (DARI) 1925, S. 206-207.

Cornelius, Josef: Heiteres aus meiner Vaterstadt. Lieder und Gedichte in Coblenzer Mundart, Coblenz 1928, S. 161.

Nationalblatt, Ausgabe Koblenz, Nr. 84, 12.4.1934.

Stollenwerk, Alexander: Kurzbiographien vom Mittelrhein und Moselland, Landeskundliche Vierteljahrsblätter, Sonderhefte, Trier 1967/1975, S. 441.

Schütz, Wolfgang: Koblenzer Köpfe (2. Aufl.), Mülheim-Kärlich 2005, S. 118-119.

Winkler, Heinrich-August: Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie, München 1998, S. 143, 199, 237, 357.

StAK 623,1 Nr. 1465, 1595.

#Cornelius, Joseph sen. #Cornelius, Joseph jun.

Die Familie Mayer-Alberti und die „M. Mayer, Papierwaren-Fabrik und –Export“ – eine Koblenzer Familien- und Unternehmensgeschichte

Papierfabrik um 1920

Papierwerk „M. Mayer, Papierwaren-Fabrik und -Export, Coblenz-Lützel“. Kupfertiefdruck. Aus: Johann Jakob Wagner: Coblenz-Ehrenbreitstein. Biographische Nachrichten über einige ältere Coblenzer und Ehrenbreitsteiner Familien. Coblenz 1923, Tafel XVI.

 

„Seit wann trägt die Straße an der Koblenzer Kulturfabrik die Bezeichnung ‚Mayer-Alberti-Straße‘ und wie kamen wir eigentlich zu dem Doppelnamen ‚Mayer-Alberti‘?“. Was für Historikerin Judith Höhn-Engers vom Stadtarchiv Koblenz im Frühjahr 2018 auf den ersten Blick wie eine Routineanfrage aussieht, entwickelt sich innerhalb weniger Tage Recherchearbeit zu einem überaus spannenden und umfangreichen Forschungsprojekt – denn es sind die Nachfahren einer der erfolgreichsten Koblenzer Unternehmerfamilien des 19. und 20. Jahrhunderts selbst, die ihnen bisher unbekannte Details der eigenen Familiengeschichte erfragen…

 

Vortrag von Judith Höhn-Engers vor dem Verein für Geschichte und Kunst des Mittelrheins zu Koblenz am 3. Dezember 2019

Die Familie Mayer-Alberti. Eine Koblenzer Familien- und Unternehmensgeschichte

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Messestand der Firma M. Mayer, Koblenz-Lützel, auf der Mittelrheinischen Industrie-Ausstellung, 1924 (StAK FA 4,9 Nr. 1, Bild 93).

 

„Seit wann trägt die Straße an der Koblenzer Kulturfabrik die Bezeichnung Mayer-Alberti-Straße und wie kamen wir eigentlich zu dem Doppelnamen Mayer-Alberti?“ – Was für Historikerin Judith Höhn-Engers vom Stadtarchiv Koblenz im Frühjahr 2018 auf den ersten Blick wie eine Routineanfrage aussieht, entwickelt sich innerhalb weniger Tage Recherchearbeit zu einem überaus spannenden und umfangreichen Forschungsprojekt – denn es sind die Nachfahren einer der erfolgreichsten Koblenzer Unternehmerfamilien des 19. und 20. Jahrhunderts selbst, die ihnen bisher unbekannte Details der eigenen Familiengeschichte erfragen. Wie zahllose andere jüdische Mitbürger erleidet Familie Mayer-Alberti, die das wirtschaftliche, politische und in vielen Ehrenämtern auch das soziale Leben ihrer Heimatstadt über drei Generationen spürbar mitgestaltet hat, im Jahr 1938 das Schicksal der Zwangsenteignung und Vertreibung durch das nationalsozialistische Terrorregime.

Wie es zum Kontakt mit den Nachfahren der Unternehmerfamilie kam und welche Erkenntnisse ihre nunmehr eineinhalb Jahre andauernde Forschungsarbeit zur Familie und zum Unternehmen Mayer-Alberti inzwischen zutage gebracht hat, schildert Judith Höhn-Engers auf Einladung des Vereins für Geschichte und Kunst des Mittelrheins zu Koblenz im Rahmen ihres Vortrags am Dienstag, 3. Dezember 2019, um 18.00 Uhr im Landeshauptarchiv Koblenz.

#Mayer-Alberti, Familie #Höhn-Engers, Judith

 

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Amerikanische Besatzungssoldaten, im Hintergrund das Fabrikgebäude der Firma M. Mayer, um 1920 (StAK FA 4,7 Nr. 2, Bild 4).

Namen von Klang. Koblenzer Firmen erzählen ihre Geschichte

In der Wochenendausgabe Nr. 284 des 9./10. Dezember 1933 veröffentlichte der Koblenzer Generalanzeiger auf knapp vier Seiten die Geschichte von namhaften lokalen Firmen. Wahrscheinlich hatten die Firmen diese Veröffentlichung selbst finanziert, denn anderthalb Seiten zeigen im Grunde nichts Anderes als aktuelle Geschäftsanzeigen, ergänzt um das jeweilige Gründungsdatum der Firma. Das älteste Geschäft, dessen „Aufstieg und Entwicklung“ dann umrissen wird, war die seit 1849 bestehende Kürschnerei und Pelzwarenhandlung Ferdinand Schnabel. 1909 war die jüngste der porträtierten Firmen gegründet worden, die Bauunternehmung H. Neffgen.

Es fehlt die vermutlich älteste Koblenzer Firma, die heute noch existiert: Gemäß Schaufensteraufschrift wurde der Hutladen Schnell im Entenpfuhl 14 im Jahr 1806 gegründet. Im Einwohnerverzeichnis von 1818 taucht tatsächlich der Hutfabrikant Johann Schnell auf, der damals in der Firmungstraße Nr. 489 (heute Nr. 29) residierte und aus Krefeld stammte  (StAK 623 Nr. 2170, S. 454). Das Einzelhandelsgeschäft wechselte seitdem mehrfach den Inhaber, heute betreibt es die Leonard Heyden GmbH.

 

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Töpfer, Ziegeleien, Kalkbrennereien und Tonabbau in Koblenz

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Anzeige der Firma Gebrüder Peters mit Ansicht des Ringofens, Koblenzer Adressbuch 1883, Anzeigenteil, S. 47; vgl. Dilibri.

Peter Kleber widmet sich in seinem Aufsatz diesem bislang vernachlässigten Aspekt der Koblenzer Stadtgeschichte:

Töpfer- und Ziegelwesen, Kalkbrennereien und Tonabbau in Koblenz. Ein Rekonstruktionsversuch

Koblenzer Häuserbuch

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Koblenzer Häuserbuch
Herr Manfred Gillissen hat in jahrzehntelanger, mühevoller Forschungstätigkeit eine umfangreiche Materialsammlung zusammengetragen, die die Geschichte der Koblenzer Profanbauten (Wohnhäuser, Adelssitze, Wirtschaftsgebäude etc.) zum Teil bis zurück in die Zeit des Hochmittelalters dokumentiert. Seine überarbeiteten Exzerpte aus Archivalien des Stadtarchivs Koblenz, des Landeshauptarchivs Koblenz sowie weiterer staatlicher und Familienarchive hat Herr Gillissen freundlicherweise dem Stadtarchiv überlassen mit der Erlaubnis, sie im Internet zu publizieren. Somit steht nunmehr ein reicher stadt- und baugeschichtlicher, aber auch genealogischer und sozialgeschichtlicher Fundus zur Verfügung, dessen Wert für die Koblenzer Lokalgeschichte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Das Stadtarchiv wird in den kommenden Monaten das Material nach und nach veröffentlichen.

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Dilbecker-Plan, 1794  (StAK K Nr. 279).

Die Informationen zu den einzelnen Häusern werden straßenweise in PDF-Dateien zusammengefasst. Die Erfassung erfolgt auf der Grundlage des sogenannten Dilbecker-Plans (StAK K Nr. 279) mittels eines einfachen Schemas, dessen Aufbau sich dem Benutzer rasch erschließt. Zu einem späteren Zeitpunkt soll das Material durch historische und/oder aktuelle Fotos der jeweiligen Gebäude veranschaulicht werden. Ergänzend tritt ein Überblick über die bereits erfassten Häuser hinzu, außerdem ein Glossar, ein Abkürzungsverzeichnis sowie ein Quellen- und Literaturverzeichnis.
Kritik und Verbesserungsvorschläge nimmt das Stadtarchiv gern unter der E-Mail-Adresse stadtarchiv@stadt.koblenz.de entgegen.
Häuser nach Straßen:
Altengraben (in Arbeit)
Am Plan (komplett)
Auf der Danne (komplett)
Entenpfuhl (in Arbeit)
Florinspfaffengasse (komplett)
Görgenstraße (in Arbeit)
Kastorgasse (in Arbeit)
Kornpfortstraße (komplett)
Löhrstraße (komplett)
Unterm Stern (komplett)
Gegenüberstellung der alten, von ca. 1769 bis 1851 verwendeten, und der seit 1851 gültigen Hausnummern:
Zwei ältere Aufsätze befassen sich mit Koblenzer Häusernamen und Hausschildern:
Georg Reitz: Häuserbezeichnungen im alten Coblenz. In: Mittelrheinische Geschichtsblätter 1 (1920), Nr. 12, S. 7;
Georg Reitz: Ehemalige Koblenzer Hausschilder. In:

Die Geschichte des Steindrucks in Koblenz

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Lithographische Sternpresse, um 1840.

Besonders im 19. Jahrhundert blühte in Koblenz das Lithographen-Gewerbe. Zwischen 1820 und 1945 sind insgesamt 40 Steindruckereien nachweisbar. Peter Kleber zeichnet die Biographien der Inhaber nach und schildert eingehend den sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Hintergrund dieses Handwerkszweigs:

Die Geschichte des Steindrucks in Koblenz

#Becker, Gebrüder (Lithographen) #Kleber, Peter