Bilder über Bilder. Das Rademachersche Haus Am Plan 14

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„Gemählde Verzeichniß des Radermacherischen Hauses“ (wohl 1792). – Ausschnitt aus StAK KH 250 Nr. 1, S. 1.

 

Die Geschichte des Hauses „Zum Kaiser“ (alte Hausnummer 620, heute Am Plan 14) reicht bis in das Jahr 1534 zurück, als der Ratsgenosse (Mitglied des Stadtrats) Johann von Merl als Hauseigentümer nachweisbar ist (vgl. Koblenzer Häuserbuch, Am Plan 14). 1688, zu Beginn des Pfälzischen Erbfolgekrieges, wurde das Haus bei der Beschießung der Stadt durch französische Truppen unter Marschall Boufflers zerstört und um das Jahr 1700 wieder aufgebaut. Von 1764 bis 1770 befand es sich im Besitz des kurtrierischen Geheimrats, Oberkriegsdirektors und Vizekanzlers Hubert Miltz; 1792 gelangte es in den Besitz seines Schwiegersohns, des kurtrierischen Geheimrats Johann Jakob Rademacher.

Die Inneneinrichtung des Hauses war nach der Schilderung von Fritz Michel aus dem Jahr 1908 zum damaligen Zeitpunkt noch nahezu originalgetreu erhalten. Michel schildert die Aufteilung der mit reich ornamentierten Stuckdecken verzierten Räume im Obergeschoss, die er dem Stuckateur Michael Eytel zuschreibt, und beschreibt dabei auch einige Gemälde des 18. Jahrhunderts, darunter solche von der Hand des Malers Januarius Zick. Auf den beigegebenen Fotos (Michel, vor S. 101 sowie S. 103) sind einige der Gemälde im Hintergrund zu erkennen.

 

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Michel_Mitt_RhVDH_1908_2_S_103

 

Kürzlich kam im Stadtarchiv bei Revisionsarbeiten ein „Gemählde Verzeichniß“ ans Licht, das mutmaßlich aus Anlass der Inbesitznahme des Hauses „Zum Kaiser“ durch Rademacher aufgesetzt wurde (jetzt StAK KH 250 Nr. 1). Auf drei Folioseiten werden unter 81 Positionen insgesamt  147 Bilder zusammengestellt. Neben knappen Angaben zum Titel oder zumindest zum Genre sowie – bei ungefähr der Hälfte der Stücke – zum jeweiligen Künstler sind der Liste auch Informationen zur Größe der Gemälde (Höhe mal Breite in Fuß und Zoll) und zum geschätzten Wert in Florin (Gulden) und Albus (trierischer Weißpfennig) zu entnehmen. Michel nimmt an, dass sich der Besitzer des Hauses vom Kunstsinn des Kurfürsten Johann Philipp von Walderdorff anstecken ließ: „Der ‚Geheimbde Rath‘ Miltz war einer der hervorragendsten Beamten jener Zeit und gehörte zu den Vertrauten Johann Philipps, den letzterer öfter mit seinem Besuche beehrte. Dann soll der hohe Herr in jenem Saale dem Schachspiel gehuldigt haben. Der Kunstsinn des Fürsten und seine Vorliebe für Schmuck, schöne Möbel und dergleichen übertrug sich auch auf seine Umgebung“ (Michel, S. 104). Und dieser kurfürstliche Kunstsinn sorgte letztendlich wohl auch dafür, dass zu Ende des 18. Jahrhunderts die möglicherweise bedeutendste private Gemäldesammlung von Koblenz zusammengetragen wurde.

 

Quellen

Fritz Michel: Ein Saalbau der Rokokozeit. In: Mitteilungen des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz 2 (1908), Heft 2, S. 101-105.

Fritz Michel: Die Zerstörung der Stadt Koblenz in den Kriegsjahren 1944-1945. In: Koblenz an Rhein und Mosel. Das Stadtbild einst und jetzt. Hrsg. von Karl August Müller. Koblenz 1949, S. 60-101, hier S. 84.

Die Kunstdenkmäler der Stadt Koblenz. Die profanen Denkmäler und die Vororte. Bearb. von Fritz Michel. München, Berlin 1986, S. 237-240.

 

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Koblenzer Häuserbuch

häuser

Koblenzer Häuserbuch
Herr Manfred Gillissen hat in jahrzehntelanger, mühevoller Forschungstätigkeit eine umfangreiche Materialsammlung zusammengetragen, die die Geschichte der Koblenzer Profanbauten (Wohnhäuser, Adelssitze, Wirtschaftsgebäude etc.) zum Teil bis zurück in die Zeit des Hochmittelalters dokumentiert. Seine überarbeiteten Exzerpte aus Archivalien des Stadtarchivs Koblenz, des Landeshauptarchivs Koblenz sowie weiterer staatlicher und Familienarchive hat Herr Gillissen freundlicherweise dem Stadtarchiv überlassen mit der Erlaubnis, sie im Internet zu publizieren. Somit steht nunmehr ein reicher stadt- und baugeschichtlicher, aber auch genealogischer und sozialgeschichtlicher Fundus zur Verfügung, dessen Wert für die Koblenzer Lokalgeschichte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Das Stadtarchiv wird in den kommenden Monaten das Material nach und nach veröffentlichen.
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Dilbecker-Plan, 1794  (StAK K Nr. 279).

Die Informationen zu den einzelnen Häusern werden straßenweise in PDF-Dateien zusammengefasst. Die Erfassung erfolgt auf der Grundlage des sogenannten Dilbecker-Plans (StAK K Nr. 279) mittels eines einfachen Schemas, dessen Aufbau sich dem Benutzer rasch erschließt. Zu einem späteren Zeitpunkt soll das Material durch historische und/oder aktuelle Fotos der jeweiligen Gebäude veranschaulicht werden. Ergänzend tritt ein Überblick über die bereits erfassten Häuser hinzu, außerdem ein Glossar, ein Abkürzungsverzeichnis sowie ein Quellen- und Literaturverzeichnis.
Kritik und Verbesserungsvorschläge nimmt das Stadtarchiv gern unter der E-Mail-Adresse stadtarchiv@stadt.koblenz.de entgegen.
Häuser nach Straßen:
Altengraben (in Arbeit)
Am Plan (komplett)
Auf der Danne (komplett)
Entenpfuhl (in Arbeit)
Florinspfaffengasse (komplett)
Görgenstraße (in Arbeit)
Kastorgasse (in Arbeit)
Kornpfortstraße (komplett)
Löhrstraße (komplett)
Unterm Stern (komplett)
Gegenüberstellung der alten, von ca. 1769 bis 1851 verwendeten, und der seit 1851 gültigen Hausnummern:
Zwei ältere Aufsätze befassen sich mit Koblenzer Häusernamen und Hausschildern:
Georg Reitz: Häuserbezeichnungen im alten Coblenz. In: Mittelrheinische Geschichtsblätter 1 (1920), Nr. 12, S. 7;
Georg Reitz: Ehemalige Koblenzer Hausschilder. In: