Vor 200 Jahren: Eröffnung der Schiffbrücke am 18. April 1819

 

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Ansicht von Koblenz mit der Schiffbrücke, um 1825. Stahlstick von Johann Baptist Bachta.

 

„Die fliegende Brücke zwischen Koblenz und Ehrenbreitstein setzt auf einmal 16 Wagen mit 2 Pferden über, oder 120 Kavalleristen, und geht täglich 60-mal von einem Ufer zum anderen, mittelst der bloßen Bewegung des Steuerruders.“[1] Die Fliegende Brücke war jedoch instandsetzungsbedürftig, wobei man mit Kosten von 12.000 Talern über fünf Jahre kalkulierte.

 

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Wiedergabe der Fliegenden Brücke auf dem „Dilbecker-Plan“ von 1794 (StAK K Nr. 279).

 

Auf Drängen von Generalmajor Aster begannen Ende 1817 Verhandlungen über den Bau einer Schiffbrücke, da die Fliegende Brücke den Verkehrsbedürfnissen besonders wegen des Festungsbaus nicht mehr gewachsen war. Aster argumentierte, die neue Brücke sei nicht nur im Falle eines Krieges, sondern auch im Frieden von größter Wichtigkeit. Im Mai 1818 erfolgte die öffentliche Ausschreibung.[2] Den Zuschlag erhielten die Gebrüder Hermann und Matthias Stinnes aus Ruhrort. Die ursprünglich auf den 1. März 1819, dann auf den 1. April verschobene Eröffnung fand schließlich am 18. April 1819 statt, also genau vor 200 Jahren. An diesem Tag wurden die vorgefertigten Brückenteile unter Leitung von Pionierhauptmann Linde aufgeschlagen. Die auf 21.000 Taler veranschlagten Kosten erhöhten sich auf 35.709 Taler. Gleichzeitig mit dem Brückenbau wurde in Nieder-Ehrenbreitstein ein Sicherheitshafen für die Schiffsbrücke angelegt, für den man das Gelände der ehemaligen Reitbahn aushob. Im Januar 1841 ließ die Königliche Fortifikations-Behörde aufgrund von Reparaturarbeiten an der Schiffbrücke erneut eine fliegende Brücke anlegen, die mindestens noch bis 1845 in Betrieb war. 1842 stellte die Rheinbrücken-Verwaltung, die dem Militär unterstand, einen besonderen Nachen zum Transport von Schulkindern für den Fall zur Verfügung, dass die Schiffbrücke eingefahren war.[3]

Das Lucassche „Zeitbuch“ berichtet über die Eröffnung der Schiffbrücke:[4] „Sonntags am 18. April wurde eine stehende Schiffbrücke – ruhend auf 36 Pontons, 480 Schritte oder 1136 Schuhe lang und 24 Schuhe breit[5] – an der Stelle wo sonst die fliegende Brücke war, dahier aufgeschlagen, um künftig den befestigten Plätzen zu einer ununterbrochenen Verbindung zu dienen. Abends um 7 Uhr hatte der erste Übergang über dieselbe von Seiten der hiesigen Civil- und Militär-Autoritäten, unter einem großen Volks-Zulaufe an beiden Rheinufern, statt, wobei man jenseits die Böller löste und verschiedene Musikchöre spielten. Diese vom Halbdunkel seltsam grundirte Scene versetzte die Phantasie in die Zeiten des ersten Rhein-Übergangs der Römer. Man weiß nur von zwei stehenden Schiffbrücken, die in der Kurfürstlich-Trierischen Zeit hier errichtet wurden. Die erste wurde im Jahre 1663 aufgestellt, und nach einer Privat-Chronik und den Rechnungen war der erste Übergang Sonntags am 21. Mai. Dieselbe blieb aber nur bis zum Jahre 1670, in welchem Jahr wahrscheinlich die Brückenschiffe durch den außerordentlich heftigen Eisgang zertrümmert wurden. Im Anfange des folgenden Jahrhunderts ließ die kurfürstliche Hofkammer abermals eine stehende Brücke über den Rhein schlagen, aber auch diese blieb nur einige Jahre. Beide Brücken standen am ehemaligen alten Rheinthor, bei der Stiftskirche zu St. Castor. Die heftigen, auf dieser Stelle andringenden Nordwinde verursachten viele Unfälle; dieses sowohl als auch den Mangel eines bequemen Winterhafens mögen die Beweggründe gewesen seyn, daß man eine fliegende Brücke wieder hinstellte (Cobl. Anzeiger J. 1819, Nr. 17). Die älteren Schiffbrücken, welche hier aufgerichtet wurden, die Spinolas 1620, die von 1669, die von 1704, über welche Marlborough nach dem Schellenberge und nach Hochstädt zog, die der Östreicher in den Jahren 1745 und 1794[6], standen sämmtlich auf weniger bequemen Punkten (siehe Rheinischer Herold J. 1819, Nr. 34).“[7]

[1] Johann Daniel Ferdinand Neigebaur: Statistik der Preußischen Rheinprovinzen, in den drei Perioden ihrer Verwaltung. Köln 1817, S. 156.

[2] Coblenzer Anzeiger Nr. 19, 8.5.1818, mit Angaben über Art und Umfang der erforderlichen Arbeiten.

[3] Stadtarchiv Koblenz (StAK) DB 8 Nr. 1: Stadtumwallung mit Brücken.

[4] StAK 623 Nr. 998, Nr. 785, S. 434-435.

[5] Die Schiffbrücke wäre demnach rund 346 Meter lang und ca. 7,30 Meter breit gewesen.

[6] Diese Schiffbrücke überspannte in Höhe des Kurfürstlichen Schlosses den Rhein und ist als „kayserliche bruck“ auf dem „Dilbecker-Plan“ (StAK K Nr. 279) eingezeichnet; vgl. https://stadtarchivkoblenz.files.wordpress.com/2016/01/dilbecker-plan.jpg.

[7] Vgl. auch Max Bär: Aus der Geschichte der Stadt Koblenz 1814-1914. Koblenz 1922, S. 195-196; URL: https://www.dilibri.de/rlb/content/pageview/6369 (Fliegende Brücke und Schiffbrücke); Erich Franke: Geschichte der Koblenzer Brücken. In: Koblenz – Stadt der Brücken. Dokumentation zur Einweihung der Koblenzer Balduinbrücke. Koblenz 1975 (Dokumentationen der Stadt Koblenz), S. 14-68, hier S. 43-46 (Fliegende Brücke), 47-52 (Schiffbrücke).

 

StAK_FA_1-801_Schiffbrücke_1937

Der Raddampfer „Rheingold“ passiert die Schiffbrücke, 1937 (StAK FA 1-801 Schiffbrücke).

#Aster, Ernst Ludwig von

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Die Militärbäckereien der preußischen Festung Koblenz und Ehrenbreitstein

Militärbäckereien

 

„Der 1816 beginnende Ausbau von Koblenz und Ehrenbreitstein zur preußischen Festung zog den Aufbau einer militärischen Infrastruktur zur Versorgung der Festung und der Garnison nach sich. Bei der Bereitstellung des wichtigen Grundnahrungsmittels Brot setzte die preußische Militärverwaltung in Koblenz auf Selbstversorgung. 1821 ging die im Festungsbauhof/Proviantamt am Clemensplatz (heute Reichenspergerplatz) untergebrachte Garnisonsbäckerei mit zwei in der französischen Zeit installierten Backöfen in Betrieb. Für den Kriegsfall sollten in den folgenden Jahren weitere Bäckereien in den Festungsteilen eingerichtet werden, sodass im Falle einer Armierung ausreichende Kapazitäten zum Brotbacken zur Verfügung standen. So entstand 1827 in dem soeben fertig gestellten Rheinkasemattenkorps (später Rheinanschlusskaserne) der Prototyp eines gänzlich neuen Ofens, der ausgiebig getestet und für gut befunden wurde. Er sollte als Vorbild für drei weitere Backöfen dienen, von denen 1828 zwei in Fort Großfürst Konstantin und einer im Untergeschoss des Kehlturms der Feste Kaiser Franz zur Ausführung kamen. Der Letztgenannte ist heute der einzige noch erhaltene Festungsbackofen der gesamten Festung Koblenz und Ehrenbreitstein“ (Klappentext).

Matthias Kellermann: Die Militärbäckereien der preußischen Festung Koblenz und Ehrenbreitstein. Zur Geschichte der Koblenzer Militärbäckereien unter besonderer Berücksichtigung der Kriegsbäckerei in der Feste Kaiser Franz. Koblenz: Fölbach, 2018. – 84 S., zahlr. Ill., Kt. ISBN 978-3-95638-414-1. – 12,80 EUR.

Ausstellung anlässlich 20 Jahre Feste Kaiser Franz e. V.

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2017 jährt sich die Grundsteinlegung der drei Hauptwerke der Festung Koblenz und Ehrenbreitstein zum 200. Mal. Zeitgleich feiert der Verein Feste Kaiser Franz e. V. sein 20-jähriges Bestehen.
Aus Anlass dieser zwei Jubiläen beleuchten die Ausstellung und der parallel erscheinende Begleitband „Impressionen der Entfestigung“ die Geschichte der Festung Koblenz und Ehrenbreitstein von ihrem Ende her. Dabei liegt der Fokus der Ausstellung primär auf der ersten Phase der Koblenzer Entfestigung (1920-1922), in der nach dem Ersten Weltkrieg in zwei Abschnitten das linke Rheinufer entfestigt wurde. Die betroffenen Festungswerke hielt der in Koblenz ansässige Fotograf Joseph Ring (1877-1932) im Auftrag des Entfestigungsamts Koblenz im Bild fest. Diese im Rahmen seiner Arbeit entstandenen Fotografien sind Glücksfall und Unglück zugleich, bieten sie doch einerseits ein authentisches Bild der Koblenzer Festungswerke, zeigen sie aber andererseits gleichzeitig deren Ende in Trümmern.
Die Ausstellung präsentiert ausgewählte Reproduktionen der Entfestigungsbilder aus dem Bestand des Stadtarchivs Koblenz. Diese werden jeweils von einem zeitgenössischen Zitat begleitet.

Impressionen der Entfestigung
Festung Koblenz und Ehrenbreitstein 1920-1922
Fotografien von Joseph Ring

Ausstellung im Mittelrhein-Museum Koblenz
Museumsschaufenster/Foyer
15. Oktober – 4. November 2017
Eintritt frei.

#Ring, Joseph