Koblenz im Ersten Weltkrieg

Verkauf von Freibankfleisch im Städtischen Schlachthof, 1917 (StAK FA 2 Nr. 1714, Foto Max Rupricht).

Beate Dorfey befasst sich mit dem Thema „Koblenz im Ersten Weltkrieg“ (Link).

Für manch einen jedoch schien im August 1914 der Krieg noch weit weg zu sein. In der zweiten Monatshälfte lag das Große Hauptquartier in Koblenz und war im Städtischen Kaiser-Wilhelm-Realgymnasium untergebracht. Der österreichische Offizier Josef Graf Stürgkh war dem deutschen Generalstab als Militärattaché zugeteilt und logierte im Hotel Bellevue/Koblenzer Hof. Er erinnerte sich: Ich verfügte über zwei elegant und mit allem Komfort eingerichtete Zimmer und ein anstoßendes Badezimmer; und was Küche und Keller des Hotels bieten konnten, stand mir bei den Mahlzeiten zu Gebote. Das sah doch wohl nicht nach Mühsal und Entbehrung des Krieges aus! Unter meinen Fenstern floß, im Sonnenlichte funkelnd, der mächtige Rheinstrom mit seinem regen Schiffsverkehr; gegenüber lag das malerische Ehrenbreitstein, und soweit das Auge stromauf- und abwärts reichte, breitete sich das lachende, üppige und gesegnete Rheintal aus, mit seinen Rebenhängen, seinen anmutigen Dörfern und Städtchen, seinen alten Burgen und Ruinen, […] Zeugen alter Pracht und Größe […]. Das herrliche Sommerwetter und die schöne Umgebung von Koblenz verlockte uns wiederholt zu Fahrten und Ausflügen in die benachbarten sehenswürdigen Orte und Gegenden, zumal wir ein Auto und dermalen auch noch Zeit hierzu zur Verfügung hatten. Auf diese Weise besuchten wir das Kloster Maria Laach, Limburg mit seinem herrlichen alten romanischen Dom, die tief in einem Seitental der Mosel versteckt liegende Burg Eltz, ein Juwel mittelalterlicher Baukunst, Bad Ems und andere Orte rheinauf- und abwärts, wobei wir uns auch von der Leistungsfähigkeit unseres Kraftwagens und von der Geschicklichkeit der beiden uns zugewiesenen Chauffeure überzeugen konnten.[1]

Ein in der Tat unwirkliches Bild, das im Lauf der kommenden Monaten und Jahren immer mehr verblasste. Die Erstarrung der Front im Stellungskrieg, die Meldungen über Tausende Tote und Verwundete, trauernde Familien, die Verknappung von Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs, Krankheiten und Entbehrungen jeglicher Art – dies alles führte auch der „Heimatfront“ die grausame Wirklichkeit des Krieges in drastischer Weise vor Augen. Rund 1240 Koblenzer Soldaten, so schätzte der städtische Bürodirektor Josef Funken im Februar 1922, fielen bis November 1918 „im Felde“ oder starben Monate oder Jahre später an ihren Verwundungen.[2]

Aber selbst die Propaganda scheute keine noch so kitschige Stereotype, wenn es galt, den beabsichtigten Zweck zu erreichen. Auf dieser undatierten Ansichtskarte unter dem Motto „Stolzenfels am Rhein“ heißt es:[3]

Gib ihr diesen Ring zurück und sag‘ ihr,

Daß ich treu, ihr treu gestorben sei.

Es sollt nicht sein, ich kehr nicht heim

Nach Stolzenfels am Rhein.


[1]   Josef Stürgkh: Im Deutschen Großen Hauptquartier. Leipzig 1921, S. 28-29.

[2]   Josef Funken: Die Stadt Koblenz während des Weltkrieges. In: Jubiläumsnummer 50 Jahre Coblenzer Volks-Zeitung, 18./19.2.1922 [S. 32].

[3]   Christine Brocks: Die bunte Welt des Krieges. Bildpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg 1914-1918. Essen 2008 (Frieden und Krieg. Beiträge zur Historischen Friedensforschung 10), S. 69.


A Piece of the Rhine. Amerikanische Besatzung im Brückenkopf Koblenz 1918-1923

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Paul Dahms: A Piece of the Rhine. Amerikanische Besatzung im Brückenkopf Koblenz 1918-1923. Montabaur: Verl. der Museen des Westerwaldkreises, 2018. – 218 S., zahlr. Ill., Kt. ISBN 978-3-9300-8122-6.

Publikation anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Landschaftsmuseum Westerwald, Hachenburg, Dezember 2018 bis Juli 2019.

Klappentext: „Im Dezember 2018 marschierten amerikanische Truppen zum ersten Mal in Deutschland ein. Als Folge des 1. Weltkrieges besetzten sie bis Januar 1923 Teile des Rheinlandes. Im Brückenkopf Koblenz, der in den Westerwald hineinragte, waren die US-Soldaten in über 100 Orten bei der Bevölkerung einquartiert. Wie erlebten die Menschen der Region die Besatzungszeit? Was geschah bei der Annäherung der einstigen Feinde? Darüber ist nur wenig bekannt. Das vorliegende Buch, als Begleitband zur gleichnamigen Sonderausstellung des Landschaftsmuseums Westerwald erschienen, rekonstruiert mit zahlreichen Quellen und Fotografien eine fast vergessene Episode deutsch-amerikanischer Geschichte.“

#Dahms, Paul

 

Die Entfestigung von Koblenz nach dem Ersten Weltkrieg. Fortifikatorische und stadtgeschichtliche Aspekte

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Amerikanische Besatzungstruppen paradieren anlässlich des Abzugs aus Koblenz vor dem Hauptbahnhof, 24. Januar 1923 (StAK FA 1-015).

Vortrag zur Ausstellung von Herrn Matthias Kellermann, Bonn,

am Dienstag, 4. Dezember, 18.00 Uhr, im Landeshauptarchiv Koblenz.

#Kellermann, Matthias

Die Amerikaner am Rhein. Neue Quellen zur Besatzungspolitik der Vereinigten Staaten nach dem Ersten Weltkrieg

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„Ehrenbreitstein – das Gibraltar des Rheins“. Grußkarte der amerikanischen Besatzungstruppen (StAK FA 1-015).

 

Über die „Amerikaner am Rhein“ sprach Dr. Kai-Michael Sprenger, Referent für Landesgeschichte im rheinland-pfälzischen Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, in einem Vortrag vor dem Geschichtsverein für Mittelrhein und Vorderhunsrück am 14. Januar 2017 in Boppard. In der Regel verbinden sich Erinnerungen an die amerikanische Besatzungszeit mit den Jahren nach 1945. Doch in Koblenz und Umgebung, in der Eifel und im Westerwald waren die Amerikaner als Besatzungsmacht bereits nach dem Ersten Weltkrieg, ein Umstand, der durch die umstürzenden Ereignisse des 20. Jahrhunderts und den Zweiten Weltkrieg nahezu vollends aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden ist. Es war das Verdienst des Referenten, diese Jahre nach dem Ersten Weltkrieg in seinem durch viele Quellen belegten Vortrag dem Vergessen entrissen zu haben. Zahlreiche Nachfragen gaben zu erkennen, dass ein gewichtiges zeitgeschichtliches Thema der Geschichte unseres Landes geradezu darauf wartet, durch weitere Forschungsarbeiten erschlossen zu werden.

Kontakt zum Geschichtsverein für Mittelrhein und Vorderhunsrück: Dr. Rainer Lahme (Vorsitzender), Postfach 1463, 56138 Boppard, geschichtsverein-boppard@gmx.de.

Dr. Sprenger hält seinen Vortrag noch einmal am 7. Dezember 2017 im Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz, Bahnhofplatz 14, 56068 Koblenz.

 

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Abzugsparade der amerikanischen Streitkräfte vor dem Koblenzer Hauptbahnhof, 24. Januar 1923. Rechts salutieren französische Soldaten, die die US-Truppen ablösen (StAK FA 1-015).

 

Literatur:

Anton Golecki: Vom Ersten Weltkrieg bis zum Ende der Weimarer Republik. In: Geschichte der Stadt Koblenz. Bd. 2: Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. Gesamtred.: Ingrid Bátori in Verbindung mit Dieter Kerber u. Hans Josef Schmidt. Stuttgart 1992, 2. Aufl. 1995, S. 119-169, 567-570 (Anmerkungen), hier S. 129-145, 568-569 (Anmerkungen).

Martin Schlemmer: Die Rheinland-Besetzung (1918-1930). Landschaftsverband Rheinland, Portal Rheinische Geschichte.

Gewitterstimmung. Die Julikrise 1914 in Koblenz

Attentat von Sarajewo CZ 1914-06-29

Artikel über das Attentat von Sarajewo aus der Coblenzer Volks-Zeitung vom 29. Juni 1914.

Im Juli 1914 herrschte in ganz Europa politische „Gewitterstimmung“: der Ausbruch des Ersten Weltkriegs stand unmittelbar bevor. Wie reagierte die Koblenzer Bevölkerung auf die politischen Spannungen und die wachsende Kriegsgefahr nach dem Attentat von Sarajewo? Anhand der „veröffentlichten“ Meinung in der Koblenzer Presse sowie persönlichen Quellen, nämlich Tagebuchaufzeichnungen und Memoiren, soll die Stimmung der Menschen in Koblenz, die zwischen Hoffen und Bangen schwankte, verdeutlicht werden.

Julikrise 1914

 

 

August 1914: Das Große Hauptquartier in Koblenz

 

Städtisches Kaiser-Wilhelm-Realgymnasium

Städtisches Kaiser-Wilhelm-Realgymnasium, 1907.

Das Städtische Kaiser-Wilhelm-Realgymnasium (heute Eichendorff-Gymnasium) war aus der 1855 eröffneten städtischen Gewerbeschule hervorgegangen, die das Alte Kaufhaus am Florinsmarkt nutzte. Im Oktober 1907 bezog man den Neubau am Kaiser-Wilhelm-Ring (heute Friedrich-Ebert-Ring), den Stadtbaurat Maeckler nach Vorentwürfen der Stuttgarter Architekten Mehlein und Herpisch im Stil der rheinischen Renaissance errichtet hatte. Vom 16. bis 30. August 1914 beherbergte das Gymnasium mit dem Geschäftszimmer des Großen Generalstabs das Herzstück des Großen Hauptquartiers unter Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke. Hierüber berichtete der kommissarische Direktor, Professor Anton Enste, ausführlich im Jahresbericht für das Schuljahr 1914/1915:

Das Große Hauptquartier in Koblenz, August 1914

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