Memorbücher der jüdischen Gemeinden Koblenz und Ehrenbreitstein

Dank der finanziellen Förderung durch die Koblenzer Kultur Stiftung konnte das Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen nach zwei Jahren die wissenschaftliche Bearbeitung der Memorbücher der jüdischen Gemeinden Koblenz und Ehrenbreitstein abschließen. Die Edition wird künftig im Internet recherchierbar sein.

Die offizielle Freischaltung, zu der die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen ist, findet statt am Mittwoch, 15. November 2017, um 19.00 Uhr im Historischen Rathaussaal der Stadt Koblenz, Eingang Jesuitenplatz (Veranstaltungsprogramm).

Für nähere Informationen über die Memorbücher klicken Sie bitte hier.

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Gesellenbrief der Ehrenbreitsteiner Zünfte (zwischen 1768 und 1786)

Gesellenbrief_Ehrenbreitstein

Gesellenbrief  der Ehrenbreitsteiner Zünfte, zwischen 1768 und 1786 (aus StAK 655,10 Nr. 281).

Jens Fachbach behandelt in seinem jüngst erschienenen Grundlagenwerk über die Hofkünstler und Hofhandwerker am kurtrierischen Hof[1] auch die Ehrenbreitsteiner Zünfte. Die Datierung des Gesellenbriefs ergibt sich aus dem Wappen des Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen sowie aus der Tatsache, dass Ehrenbreitstein im Text noch als Residenzstadt bezeichnet wird. Neben diesem Exemplar wurde im Jahr 2012 auch ein ausgefülltes Stück im Kunsthandel angeboten.[2]

#Fachbach, Jens #Sachsen, Clemens Wenzeslaus von

  • [1] Fachbach, Jens: Hofkünstler und Hofhandwerker am kurtrierischen Hof in Koblenz/Ehrenbreitstein 1629-1794. Studie, Handbuch, Quellen. Bd. 1-2. Petersberg 2017.
  • [2] Ebd., Bd. 1, S. 214 (Abb. des Gesellenbriefs) sowie S. 727 Anm. 1011.
  • Festung Koblenz und Ehrenbreitstein – Kalender 2017

    im kalender_festung_koblenz_und_ehrenbreitstein_1917

     

    „Mit gleicher Post sende ich einen Entwurf, der dartut, wie mit mehr oder weniger geringen Mitteln eine Verwandlung des grosszügigen Baues in ein Stadion möglich ist.“ Diese Zeilen schrieb der Berliner Architekt Bodo Ebhardt am 20. Oktober 1922 im Hinblick auf das Kernwerk der Feste Kaiser Alexander an den Koblenzer Oberbürgermeister Dr. Carl Russell (Stadtarchiv Koblenz 623 Nr. 8078, S. 7-9, hier S. 7). Sie sind auf dem Monatsblatt Mai des informativen und anschaulichen Kalenders wiedergegeben, den Matthias Kellermann konzipiert und der Verein Feste Kaiser Franz e. V. herausgegeben hat. Hintergrund des Ebhardschen Vorschlags war die Schleifung der Koblenzer Festungsanlagen, die, im Versailler Friedensvertrag festgeschrieben, von 1920 bis 1923 in Teilen vorangetrieben wurde und verschiedene Planungen für Um- und Neunutzungen der ehemaligen Festungsbauten in Gang setzte.

    Das Stadtarchiv verwahrt ein Album mit Bildern des Fotografen Josef Ring (Langenschwalbach 14.10.1877 – 11.9.1933 Koblenz), der von 1906 bis 1933 im Haus Entenpfuhl 14 ein Fotoatelier betrieb. Ring war mit der fotografischen Dokumentation der Entfestigungsarbeiten beauftragt.

    2017 wird mit etlichen Veranstaltungen an den Baubeginn der Festung Koblenz und Ehrenbreitstein vor 200 Jahren erinnert – der Kalender, der zwölf Aufnahmen Rings präsentiert, rollt indessen die Koblenzer Festungsgeschichte von ihrem Ende her auf. Er kann beim Verein Feste Kaiser Franz e. V. bezogen werden.

    #Ring, Josef #Ebhardt, Bodo #Russell, Carl

    13. November 1817: Das erste Dampfschiff erreicht Koblenz

    FA1 Dampfschiff Rhein (Stich) 1825-09-14

    Nach Abschluss der Manöver auf dem Urmitzer Feld (10.-13. September 1825) fährt der preußische König Friedrich Wilhelm III. am 14. September 1825 mit dem Dampfschiff „Der Rhein“ von Koblenz nach Köln (Fotografie eines Stichs, StAK FA 1-81).

     

    Im November 1817 erreichte das erste Dampfschiff, das rheinaufwärts fuhr, die Stadt Koblenz. „Es war die CALEDONIA, die von James Watt jr., dem Sohn des Dampfmaschinenbauers, geführt wurde. Nun hatte am 13.11.1817 auch Koblenz die Ehre, Endstation der Erprobungs- bzw. Vorführungsfahrt eines Dampfschiffes auf dem Rhein zu sein. Auch dieses Schiff konnte mit seinem Dampfantrieb noch nicht recht überzeugen, es hatte für die letzte Strecke Pferde zu Hilfe nehmen müssen. Die Bemühungen der Engländer, bei der preußischen Regierung eines Konzession für ihre Dampfschiffe auf dem Rhein zu erhalten, wurden abgewiesen: Die preußische Schiffahrt brauche die Dampfer nicht, und im übrigen sei die Brauchbarkeit der Dampftechnik ganz und gar nicht bewiesen.“ – Zitat aus: Klaus Schmitt: Das Dampfschiff kommt auf den Rhein. In: 2000 Jahre Rheinschiffahrt. Begleitpublikation zur Ausstellung des Landesmuseums Koblenz und des Rhein-Museums e. V. Koblenz 1991 (Veröffentlichungen des Landesmuseums Koblenz, Reihe B, Bd. 40), S. 85-98, hier S. 92 (ohne Quellenangabe).

     

    StAK_623_Nr_998_Seite_401_Nr_724

    Auszug aus dem Lucasschen Zeitbuch (StAK 623 Nr. 998, S. 401 Nr. 724).

    Darüber hinaus berichtet das Lucassche „Zeitbuch“: „Am 13ten November kömt das erste Dampfschiff hier an, wo es gleich unter der fliegenden Brücke landet. Am 15ten kehrte dasselbe nach Cöln zurück.“ – Der Privatier (Rentner) Josef Anton Lucas führte eine ausführliche Chronik, deren großer Wert für die Koblenzer Stadtgeschichte sich auch im vorliegenden Fall wieder einmal erweist, berichtete doch die Zeitung „Koblenzer Anzeiger“ mit keiner Zeile über dieses Ereignis. Damals pendelte noch die im „Zeitbuch“ erwähnte Fliegende Brücke zwischen Koblenz und Ehrenbreitstein – eine Art Gierponte, die durch die Strömung von einem Ufer zum anderen befördert wurde. Die Schiffbrücke nahm erst im April 1819 ihren Betrieb auf.

     

    Fliegende_Brücke_Ausschnitt_aus_StAK_K_Nr_279

    Die „Fliegende Brücke“ am Koblenzer Rheinufer; Ausschnitt aus dem „Dilbecker-Plan“ von 1794 (StAK K Nr. 279).

    #Friedrich Wilhelm III. (preuß. König) #Watt, James (jr.) #Lucas, Josef Anton #Dilbecker, Johann Peter

    Zur Ehrenbreitsteiner Verwaltungsgeschichte

    Coblentz Ehrenbreitstein Fortress (Francis Frith), um 1870

    Ehrenbreitstein, Festung und Ort, um 1870 (Foto von Francis Frith, StAK).

     

    Der folgende Aufsatz von Michael Koelges erschien erstmals in den Landeskundlichen Vierteljahrsblättern 43 (1997), Heft 3, S. 119-131. Die Seitenumbrüche der gedruckten Vorlage sind im Text durch Seitenzahlen in eckigen Klammern gekennzeichnet.

    *   *   *

    Die neuzeitliche Geschichte Ehrenbreitsteins und der umliegenden Gemeinden ist, bis auf einige zum Teil beachtliche Arbeiten auf kunsthistorischem, personengeschichtlich-genealogischem und kulturhistorischem Gebiet[1], zum guten Teil noch nicht aufgearbeitet. Das gilt insbesondere für die Zeit nach 1802, und hier wiederum vor allem für die politische, Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Man mag dem vorliegenden Beitrag schon am Titel anmerken, daß er als Vorwort zu einem Findbuch entstanden ist, und verwaltungsgeschichtliche Fragestellungen mögen vielleicht naturgemäß etwas trocken sein und eine Lektüre nicht geraten erscheinen lassen: Wenn die folgenden Ausführungen jedoch hier und da einen Anstoß vermitteln, sich mit der Ehrenbreitsteiner Ortsgeschichte – auch und vor allem mit der Zeitgeschichte – näher zu befassen, dann haben sie ihren Zweck erfüllt.

    Ehrenbreitstein, im Gegensatz zu der auf dem Berg gelegenen Festung als „Tal Ehrenbreitstein“ bezeichnet, bildete seit alters her den Verwaltungsmittelpunkt für das umliegende rechtsrheinische Gebiet. Der Bau der Philippsburg durch Kurfürst Philipp Christoph von Sötern 1626 bis 1629, die Verlegung des Gerichts Niederberg nach Ehrenbreitstein (um 1675) und die Konzentration der kurtrierischen Landesverwaltung im „Tal“ unter Kurfürst Johann Hugo von Orsbeck (1676-1711) verdeutlichen die wachsende Zentralitätsfunktion Ehrenbreitsteins. Hier befand sich auch die Kellereiverwaltung des gleichnamigen Amtes, und in den Jahren 1796 bis 1802 war die Regierung für den rechtsrheinischen Teil des Kurfürstentums Trier hier ansässig.[2]

    Auch nach dem Ende des Kurstaates behielt Ehrenbreitstein seine Funktion als zentraler Verwaltungssitz staatlicher Behörden. Durch den Reichsdeputationshauptschluß vom 25. Februar 1803 wurden Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg, die als Erben von Nassau-Saarbrücken alle Besitzansprüche an der Saar und in der Pfalz durch den Frieden von Lunéville (1801) an Frankreich verloren hatten, mit rechtsrheinischen Gebieten entschädigt. Fürst Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg erhielt unter anderem die rechtsrheinischen kurtrierischen Ämter Montabaur, Limburg, Herschbach, Wellmich, Ehrenbreitstein, Vallendar, Engers, Camberg und Wehrheim.[3] Schon im Dezember 1802 trat neben die bestehenden nassau-weilburgischen [S. 120] Regierungen in Weilburg und Hachenburg eine solche in Ehrenbreitstein für die ehemals kurtrierischen Landesteile.[4] Nachdem beide nassauischen Linien am 30. August 1806 das gemeinsame Herzogtum für unteilbar und souverän erklärt hatten, brachte das Jahr 1809 mit einer Verwaltungsreform die Auflösung der usingischen Regierungsadministration in Wiesbaden und der weilburgischen Regierung in Hachenburg. Die Folge war ein Kompetenzzuwachs für die Regierung des „oberen“ Herzogtums in Wiesbaden und die des „unteren“ Herzogtums in Ehrenbreitstein. Neben der Regierung war als weitere zentrale Verwaltungsbehörde das nassauische Münzamt in Ehrenbreitstein angesiedelt.

    Darüber hinaus war Ehrenbreitstein Sitz eines Amtmanns. Nach der nassauischen Gemeindeverfassung nahmen die Ämter sowohl gerichtliche Funktionen als auch Aufgaben der Zivilverwaltung wahr, unterstanden den Regierungen in Wiesbaden und Ehrenbreitstein und übten die Aufsicht über Städte und Landgemeinden aus. Der Hauptunterschied zur linksrheinischen (französischen) Mairie lag darin, daß die Städte und Gemeinden eigene Verwaltungskörperschaften mit eigenen Vorständen geblieben waren. Diese hießen in den Landgemeinden Schultheißen, Schöffen oder Sendschöffen und in den Städten Bürgermeister. Allerdings ging auch im Herzogtum Nassau die Tendenz dahin, daß die staatliche Verwaltung die Unterschiede zwischen den Ämtern einerseits und den Städten und Landgemeinden andererseits nach und nach einebnete.[5]

    In den Verträgen vom 31. Mai 1815 und 23. August 1816 trat Nassau alle Gebiete an Preußen ab, aus denen dann die preußischen Kreise Neuwied, Linz (1822 zum Kreis Neuwied vereinigt), Altenkirchen und Wetzlar sowie der rechtsrheinische Teil des Kreises Koblenz gebildet wurden. Dafür erhielt das Herzogtum bis auf das Siegerland alle nassau-dillenburgischen Besitzungen, die Preußen von Fürst Wilhelm VI. von Nassau-Oranien gegen Luxemburg eingetauscht hatte. Im Zuge dieser territorialen Veränderungen gelangte das Kerngebiet des nassauischen Amts Ehrenbreitstein mit Arenberg, Arzheim, Ehrenbreitstein, Horchheim, Immendorf, Neudorf, Niederberg, Niederwerth, Pfaffendorf und Urbar an Preußen.[6] Niederwerth wurde später der Bürgermeisterei Vallendar zugeschlagen.

    Am 21. Juni 1815 erging das entsprechende Besitzergreifungspatent des preußischen Königs. Die tatsächliche Übergabe der nassauischen Besitzungen an Preußen erfolgte am 3. und 28. Juli nach Verhandlungen in Ehrenbreitstein und Dillenburg. Am 8. August 1815 veröffentlichte der nunmehrige Oberpräsident Johann August Sack in Koblenz eine Bekanntmachung [S. 121] über die faktische Besitznahme, in der noch einmal das Patent vom 21. Juni veröffentlicht wurde.[7] Nassauisch blieben vom ehemaligen Amt Ehrenbreitstein: Niederlahnstein mit Allerheiligenberg, der Arnsteiner Hof, Hohenrhein und der Hof Mausloch, die zum Amt Braubach kamen, das Gericht Arzbach mit Arzbach, Kadenbach, Eitelborn und Neuhäusel sowie Simmern aus dem ehemals kurtrierischen Gericht Niederberg (zum Amt Montabaur).[8]

    Die Bedeutung von Ehrenbreitstein als Verwaltungssitz schwand mit Beginn der preußischen Zeit. Zwar wurden nach der faktischen Besitzergreifung durch Preußen am 3. Juli 1815 sowohl die nassauische Regierung als auch der Justizsenat in Ehrenbreitstein als nunmehr preußische Behörden mit der Weiterführung ihrer Geschäfte beauftragt, doch war diese Regelung nur eine vorläufige. Indem die neugeschaffene Regierung in Koblenz am 22. April 1816 ihre Tätigkeit aufnahm, wurde die Regierung in Ehrenbreitstein am gleichen Tag nominell, am 20. Mai faktisch aufgelöst; ihre Aufgaben gingen auf die Koblenzer Regierung über. Hingegen wurde der Justizsenat nach einer Zeit der Ungewißheit zunächst in Ehrenbreitstein belassen, ja, seine Kompetenzen wurden sogar erweitert.[9]

    Auf dem Gebiet der Kommunalverfassung gelang es der Koblenzer Regierung gegen den Widerstand der Standesherren und des Berliner Innenministeriums bis zum April 1817, durch das bloße Schaffen von Fakten – sie hatte zwischenzeitlich die provisorischen und neugewählten Bürgermeister und Gemeindevorsteher bestätigt und in ihr Amt eingeführt –, die linksrheinische Bürgermeistereiverfassung auch im ehemals nassauischen Gebiet durchzusetzen.[10] Die „Instruction für die von der Königlichen Regierung zu Coblenz provisorisch ernannten Bürgermeister“ vom 19. Mai 1817[11] führte in der Folge die französische Munizipalverfassung, wenn auch in revidierter Form, bis zur Einführung der Gemeindeordnung für die Rheinprovinz vom 23. Juli 1845 fort.[12]

    Als erster preußischer Bürgermeister der Bürgermeisterei Ehrenbreitstein war schon am 24. Januar 1817 der vormalige nassauische Amtmann und Justizrat Weber bestätigt worden.[13] Über die Stellung Webers gab es in der Folgezeit zwischen ihm selbst, der Regierung und dem Koblenzer Landrat unterschiedliche Auffassungen und auch Auseinandersetzungen. Weber hatte, aus nassauischer Tradition herrührend, sowohl richterliche als auch – weil er zugleich Polizei- und Finanzbeamter war – exekutive Funktionen inne, was eigentlich gemäß der von Preußen in den rechtsrheinischen, ehemals nassauischen Gebieten eingeführten Trennung von Justiz und Verwaltung nicht mehr statthaft war.[14] Das Problem erledigte sich erst mit dem Tode [S. 122] Webers am 1. Juni 1832.[15] Die Bürgermeisterei wurde daraufhin von dem Beigeordneten von Eyß kommissarisch verwaltet, bis dieser 1836 zum (anfangs provisorischen) Bürgermeister avancierte.[16]

    In den Amtsjahren Webers wurde die neugebildete Verwaltungseinheit verschiedentlich, auch seitens der Regierung und des Landrats, als „Oberbürgermeisterei Ehrenbreitstein“ bezeichnet, der Leiter der Verwaltung selbst firmierte regelmäßig als „Oberbürgermeister“. Sein Nachfolger von Eyß bezeichnete sich noch 1832 als „Oberbürgermeistereiverwalter“. Die offizielle Bezeichnung lautete jedoch ausweislich der am 1. Januar 1817 in Kraft getretenen Kreiseinteilung des Regierungsbezirks Koblenz „Bürgermeisterei Ehrenbreitstein“.[17] Es scheint, daß die Bezeichnungen Oberbürgermeister und Oberbürgermeisterei vornehmlich in den Anfangsjahren der preußischen Verwaltung üblich und mit der Person Webers verknüpft waren. Nach dem definitiven Amtsantritt des neuen Bürgermeisters von Eyß 1836 tauchen diese Amtsbezeichnungen jedenfalls nicht mehr auf.[18]

    Seit 1820 berieten die zuständigen staatlichen Behörden über die Einführung einer rheinischen Gemeindeordnung. Seit 1826 waren auch die Rheinischen Provinziallandtage mit diesem Problemkreis befaßt. Auf königliche Anordnung arbeitete das Staatsministerium einen Entwurf aus, der Städte und Landgemeinden gleich behandelte und somit die alten Absichten des Innenministeriums verwarf, den Städten – wie in den altpreußischen Gebieten – einen gegenüber den Gemeinden herausgehobenen Rechtsstatus zu verschaffen. Die neue Gemeindeordnung vom 23. Juli 1845[19] hat denn auch für die Landgemeinden Gemeinderäte geschaffen und sie mit den Städten innerhalb der Bürgermeisterei gleichgestellt.

    Die Städteordnung für die Rheinprovinz vom 15. Mai 1856 verlieh dann den Städten gegenüber den Landgemeinden eine besondere Rechtsqualität.[20] Die Eigenschaft des Ortes Ehrenbreitstein als „Stadt“ im soziologisch-historischen Sinn (im Gegensatz zu den mit ihm in der gleichnamigen Bürgermeisterei vereinigten Landgemeinden) stand auch für die Koblenzer Regierung von Anbeginn an außer Frage, wie schon die Aufnahme in das „Verzeichniß der Städte in dem Regierungs-Bezirke Coblenz“ von Ende 1816 zeigt, das 36 Städte umfaßt.[21] Die Städteordnung wurde in Ehrenbreitstein jedoch nicht eingeführt, weil die Stadt keinen entsprechenden Antrag stellte. Folglich wurde Ehrenbreitstein als sogenannte Titularstadt nach der Landgemeindeordnung verwaltet. Auf dem Rheinischen Provinziallandtag war Ehrenbreitstein im Stand der Städte vertreten.[22]

    [S. 123] In der Gemeinderatssitzung vom 8. April 1891 beantragte eine Gruppe von Ratsmitgliedern um den Ersten Beigeordneten Grohe, daß die Gemeinde Ehrenbreitstein um die Verleihung der Stadtrechte nach der Städteordnung von 1856 nachsuchen solle.[23] Der Antrag wurde damit begründet, daß die Stadt aus ihrer Zugehörigkeit zur Bürgermeisterei keinerlei Nutzen ziehe: Ehrenbreitstein habe „mit den Landgemeinden der Bürgermeisterei, mit Ausnahme von Pfaffendorf, welches ebenfalls eine größere städtische Bevölkerung zählt, sehr wenig Interessen-Gemeinschaft“. Vielmehr trage die Stadt rund drei Siebtel der Gesamtkosten der Bürgermeistereiverwaltung, seitdem die Anteile der Mitgliedsgemeinden nicht mehr nach der Bevölkerungszahl, sondern nach dem Aufkommen an Staatssteuern berechnet würden. Auf der anderen Seite stelle Ehrenbreitstein in der Bürgermeistereiversammlung nur fünf Vertreter, während die Landgemeinden mit 18 Stimmen vertreten seien. „Die Bevölkerung der Stadt, welche in den letzten 10 Jahren unter dem Druck des Festungsgürtels keiner Vermehrung fähig war und so ziemlich auf derselben Höhe geblieben ist, betrug nach der letzten Volkszählung ca. 2750 Seelen; mit Militär jedoch zusammen 5300 Seelen, ist also sieben unter den 24 Städten des Regierungsbezirks Coblenz, welche die Städte-Ordnung eingeführt haben, an Bevölkerungszahl bedeutend überlegen“.

    Die Koblenzer Regierung lehnte jedoch den Antrag am 27. Juli 1891 mit der Begründung ab,[24] daß „in der Ausdehnung und der baulichen Gestaltung von Ehrenbreitstein sowie in den Erwerbsverhältnissen der Einwohnerschaft Veränderungen von Belang nicht eingetreten und die Gesammtziffer der letzteren in jüngster Zeit nicht nur nicht gestiegen, sondern nicht unerheblich zurückgegangen“ sei. Auch der Umstand, daß der Bürgermeister die Polizeiverwaltung seinerzeit von dem Koblenzer Polizeidirektor übernommen habe,[25] könne nicht als Argument für die Einführung der Städteordnung und die Abtrennung der Gemeinde von der Landbürgermeisterei angeführt werden, „da doch außer Frage steht, daß dadurch die dem Bürgermeister obliegende Thätigkeit keineswegs in dem Maße vermehrt worden ist, daß sie die Kräfte eines Beamten überstiegen“. Die Anstellung eines Stadt- und eines Landbürgermeisters sei zu teuer und die Vereinigung beider Ämter in einer Hand deshalb nicht ratsam, weil dies „erfahrungsmäßig mannigfache Unzuträglichkeiten und darunter besonders häufig die zur Folge hat, daß solchen Beamten die Vernachlässigung der Interessen entweder der Stadt oder der ländlichen Gemeinden zum Vorwurf gemacht wird“.

    [S. 124] Nach über 40 Jahren wurde der Gedanke wiederaufgegriffen. Die NSDAP stellte in der Sitzung der Gemeinderäte vom 15. März 1934 den Antrag, die Gemeinde solle um die Verleihung der Stadtrechte nachsuchen,[26] doch wurde er durch die Eingemeindung nach Koblenz zum 1. Juli 1937 hinfällig.

    Das „Gesetz über die Regelung verschiedener Punkte des Gemeindeverfassungsrechtes“ vom 27. Dezember 1927[27] änderte die Bürgermeistereiverfassung in einigen wichtigen Punkten und verfügte die Abänderung der Bezeichnung von „Bürgermeisterei“ in „Amt“. Damit einher gingen Bestrebungen, die Zahl der Amtsbezirke in der Rheinprovinz durch Zusammenlegung zu verkleinern.[28] In diesem Zusammenhang sind auch die Überlegungen von Amtsbürgermeister Karl Wagner aus den Jahren 1927/28 zu sehen, Arenberg, Immendorf, Neudorf und Niederberg nach Ehrenbreitstein einzugemeinden[29]. Die Ehrenbreitsteiner Gemeinderäte stimmten in ihrer Sitzung vom 4. Mai 1934 dem Antrag der Gemeinde Neudorf auf Eingemeindung nach Ehrenbreitstein zu,[30] dessen Einwohnerzahl damit um 103 wuchs. Die Eingemeindung erfolgte ohne Vermögensauseinandersetzung. In der Sitzung wurde besonders betont, daß Ehrenbreitstein nun neues Bauland bekomme und daß das Festungsgelände nun ganz in Ehrenbreitsteiner Besitz sei.[31]

    [S. 125] Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verfügte ein Erlaß des preußischen Ministerpräsidenten schon am 21. Februar 1933 die Einstellung der Neugliederungsmaßnahmen, zum einen, um die durch die zahlreichen erzwungenen Bürgermeisterwechsel eingetretene Unruhe zu dämpfen, zum anderen, weil erneut die grundsätzliche Frage einer Abschaffung der Amtsverfassung aufbrach. Schließlich verfügte jedoch die Amtsordnung vom 8. Oktober 1934[32] den unveränderten Fortbestand der bestehenden Amtsverfassung, die nach der Verkündung der Deutschen Gemeindeordnung im Jahr 1935 ihre endgültige Form erhielt.[33]

    Das 1936 offiziell verliehene, aber wohl schon 50 Jahre früher geführte Wappen der Gemeinde Ehrenbreitstein zeigt in geteiltem Schild oben in Silber ein rotes Kreuz, unten in Rot einen silbernen liegenden Schlüssel. Noch in den dreißiger Jahren wurde den meisten Gemeinden des Amts ein eigenes Wappen verliehen.[34]

    Die Remilitarisierung des Rheinlands im März 1936 machte deutlich, daß im Stadtgebiet von Koblenz kaum noch Liegenschaften zur Verfügung standen, die für Zwecke der Wehrmacht, insbesondere für Kasernen, nutzbar zu machen waren. Die Planung neuer Kasernenbauten auf der rechten Rheinseite ging daher auch von Anfang an von der Prämisse aus, daß der Koblenzer Oberbürgermeister die gesamte Garnison – mit Ausnahme des zur Provinz Hessen-Nassau gehörenden Niederlahnstein – hinsichtlich der Zivilverwaltung in eine Hand bekommen müsse, auch damit der geschäftliche Verkehr mit den zuständigen Wehrmachtdienststellen erleichtert würde. Dies kam natürlich den Ambitionen des Oberbürgermeisters Otto Wittgen, aber auch den Absichten des Gauleiters der NSDAP, Gustav Simon, seine „Gauhauptstadt“ gegenüber der Konkurrentin Trier aufzuwerten, entgegen. Aufgrund des § 1 des Gesetzes über die Änderung der Grenzen von Landkreisen wurde durch Verordnung des Preußischen Staatsministeriums vom 5. Juni 1937 und Erlaß des Oberpräsidenten der Rheinprovinz vom 21. Juni 1937 das Amt Ehrenbreitstein aufgelöst.[35] Die Stadt Ehrenbreitstein sowie die Gemeinden Horchheim, Pfaffendorf, Neudorf und Niederberg, ferner Teile der Gemarkungen Arzheim (das Gebiet der früheren Goeben-Kaserne, heute Goeben-Siedlung) und Urbar (das Gebiet der Flakkaserne, jetzt Fritsch-Kaserne), wurden nach Koblenz eingemeindet.[36] Arenberg, Arzheim, Immendorf und Urbar gliederte man dem Amt Vallendar-Land an.

    Der „Anschluß“ an Koblenz hatte jedoch nicht nur Befürworter. Am 5. Juni 1948 richteten Ehrenbreitsteiner Bürger eine Petition an die Landesregierung, mit der sie die Scheidung der „seinerzeit unter Gauleiter Simon ge-[S. 126]schlossenen Zwangsehe“ erreichen wollten.[37] Sie blieb jedoch ebenso folgenlos wie die im Jahr 1959 angestellten Überlegungen, Arenberg, Arzheim, Immendorf und Urbar nach Koblenz einzugliedern, um einen einheitlichen Verkehrs- und Wirtschaftsraum zu schaffen.[38] Hier griff man erneut Überlegungen auf, die schon im Zusammenhang mit der Erarbeitung des Koblenzer Generalbebauungs- und Wirtschaftsplans ab 1937 angestellt worden waren.[39] Erst im Zuge der kommunalen Gebietsreform seit Anfang der sechziger Jahre aber kamen dann sukzessive alle übrigen Gemeinden des ehemaligen Amts Ehrenbreitstein an Koblenz, bis auf Urbar, das vom aufgelösten Amt Vallendar-Land der Verbandsgemeinde Vallendar zugeschlagen wurde. Das 6. Landesgesetz über die Verwaltungsvereinfachung vom 10. April 1969[40] gliederte Teile der Arzheimer Gemarkung nach Koblenz ein. Mit dem 9. Landesgesetz vom 28. Juli 1970[41] wurden dann Arenberg-Immendorf – die beiden Gemeinden hatten sich am 7. Juni 1969 zusammengeschlossen, um der Eingemeindung zu entgehen – und Arzheim nach Koblenz eingemeindet. Die Auseinandersetzungsverträge datieren vom 2. November 1970.

    Auf dem Gebiet der Gerichtsorganisation stand der am 11. November 1806 wiedereingerichtete nassauische Justizsenat Ehrenbreitstein in der Tradition seines kurtrierischen Vorgängers. Er bildete die zweite Instanz in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten für das „untere Herzogtum“ (erste Instanz waren die Ämter, da Justiz und Verwaltung nicht getrennt waren), die erste Instanz für Angelegenheiten der Standesherren und sonstigen ehemals rechtlich Privilegierten (zweite Instanz für diesen Personenkreis war das Hofgericht in Wiesbaden), die zweite Instanz für Kriminalsachen des unteren Herzogtums, sofern Prozesse von der Kriminalkommission Ehrenbreitstein weiterverwiesen wurden, und die erste Instanz in Lehnsstreitigkeiten.

    In preußischer Zeit hatte der rechtsrheinische Teil des Regierungsbezirks Koblenz infolge seiner nassauischen Vergangenheit nach 1815 eine Sonderstellung inne, insofern auf dem linken Rheinufer das aus der französischen Zeit herrührende Rheinische Recht weiterhin Gültigkeit behielt, während rechtsrheinisch Gemeines Recht galt.[42] Als örtliche Justizorgane fungierten in den ehemals kurtrierischen Gebieten die Schöffengerichte, von denen es im Gebiet der Bürgermeisterei Ehrenbreitstein fünf gab (in Arenberg, Arzheim, Ehrenbreitstein, Horchheim und Pfaffendorf).[43] Der Justizsenat blieb als nächsthöhere Instanz bestehen, wurde aber im Januar 1821 nach Koblenz verlegt[44] und unter Beibehaltung seiner bisherigen Organisation und seiner Bezeichnung als besondere Abteilung des Landgerichts geführt. Nach mehrfachen Bemühungen der Stadt Ehrenbreitstein verfügte eine Kabinettsorder [S. 127] die Rückverlegung des Justizsenats nach Ehrenbreitstein zum 1. Oktober 1842.[45] Obergericht des Justizsenats war bis 1831/32 die „Abteilung für die ostrheinischen Sachen des Regierungsbezirks Koblenz“ des rheinischen Appellationsgerichtshofs in Köln. Danach wurden das Hofgericht in Arnsberg und – für die wiedischen Landesteile – der Berliner Revisionshof zur nächsten Instanz für Kriminalsachen bestimmt, für die übrigen Rechtsgebiete erhob man den Justizsenat selbst zum landesherrlichen Obergericht für die ostrheinischen Landesteile.[46] 1846 wurde nach Auflösung der wiedischen Regierung deren Justizabteilung dem Justizsenat angegliedert.[47]

    Die neue preußische Gerichtsverfassung von 1849 ließ die Funktion des Justizsenats als Obergericht für den rechtsrheinischen Teil des Regierungsbezirks unangetastet. In Ehrenbreitstein wurde eine Gerichtskommission eingerichtet, die dem Kreisgericht in Neuwied – zuständig für den gleichnamigen Kreis und den rechtsrheinischen Teil des Kreises Koblenz – unterstand. Die Stadt war auch Sitz der Oberstaatsanwalts für den Bezirk des Justizsenats, bis dieser 1852 nach Neuwied übersiedelte.[48]

    Erst das Preußische Ausführungsgesetz zum Gerichtsverfassungsgesetz vom 24. April 1878[49] beendete diesen Zustand und etablierte zum 1. Oktober 1879 das Amtsgericht Ehrenbreitstein, dessen Sprengel sich auf die Bürgermeistereien Vallendar und Ehrenbreitstein erstreckte. Nächsthöhere Instanz war das Landgericht Neuwied, nun in der Nachfolge des aufgelösten Justizsenats zuständig unter anderem für den rechtsrheinischen Teil des Landkreises Koblenz. Es gehörte zum Oberlandesgerichtsbezirk Frankfurt am Main. Mit dem Inkraftreten des Bürgerlichen Gesetzbuches am 1. Januar 1900 erfolgte dann die Bildung der Ortsgerichte,[50] die in der Nachfolge der schon 1878 aufgelösten Schöffengerichte ausschließlich für zivilrechtliche Streitfälle zuständig waren. Im Bereich der Bürgermeisterei Ehrenbreitstein bestanden Ortsgerichte in Arenberg (für Arenberg und Immendorf), Arzheim, Horchheim, Niederberg (für Niederberg und Neudorf), Pfaffendorf und Urbar.[51] Die drei Ortsgerichte Horchheim, Niederberg und Pfaffendorf wurden durch Verordnung vom 2. Februar 1939 wegen der zwei Jahre zuvor erfolgten Auflösung des Amts aufgehoben.[52]

    Das Amtsgericht Ehrenbreitstein – es gehörte seit der Auflösung des Landgerichts Neuwied 1933 zum Oberlandesgerichtsbezirk Köln – wurde zum 15. Juni 1943 faktisch, wenn auch nicht de jure, aufgelöst und dem Amtsgericht Koblenz zugeteilt.[53] Schon 1937 waren im Zusammenhang mit der Eingemeindung Überlegungen angestellt worden, den Ehrenbreitsteiner Gerichtssprengel dem des Amtsgerichts Koblenz einzuverleiben.[54] Es wurde zwar im [S. 128] Juni 1945 noch einmal für kurze Zeit zusammen mit dem Koblenzer Amtsgericht im Prinzeß-Luisen-Weg (heute Januarius-Zick-Straße) eröffnet – im Ehrenbreitsteiner Amtsgerichtsgebäude war das Landgericht untergebracht worden[55] –, schon bald jedoch wieder geschlossen und sein Sprengel endgültig mit dem des Koblenzer Amtsgerichts vereinigt. Auch auf dem Gebiet der Jurisdiktion war das Gebiet der ehemaligen Bürgermeisterei Ehrenbreitstein nun mit Koblenz „vereinigt“.

    Zur Geschichte Ehrenbreitsteins und der umliegenden Gemeinden sind Quellen aus drei Archiven heranzuziehen. Im Stadtarchiv Koblenz sind dies die Bestände 620 (Stadt Ehrenbreitstein, zehn Faszikel aus kurtrierischer und nassauischer Zeit), 655,10 (Bürgermeisterei Ehrenbreitstein) und – für die Zeit nach 1937 – 623 (Stadt Koblenz). Das Landeshauptarchiv Koblenz verwahrt – neben den grundsätzlich zu berücksichtigenden Unterlagen der staatlichen Aufsichtsbehörden – Archivalien unter den Bestandsbezeichnungen 591 (Justizsenat Ehrenbreitstein), 602,14 (Amtsgericht Ehrenbreitstein) und 603,16 (Schöffengericht Ehrenbreitstein). Zur Geschichte Ehrenbreitsteins in kurtrierischer Zeit ist grundsätzlich der Bestand 1 C (Kurtrier, Akten der geistlichen und staatlichen Verwaltung) heranzuziehen (hier: Kellerei und Amt Ehrenbreitstein). Die Bestände 593,3 (Preußisches Justizamt Ehrenbreitstein), 600,6 (Kreisgerichtskommission Ehrenbreitstein) und 510,12 (Rentei Ehrenbreitstein) wurden im Zweiten Weltkrieg vernichtet. Für die nassauische Zeit sind vornehmlich die Abteilungen 112 (Amt Ehrenbreitstein) und 291 (Justizsenat Ehrenbreitstein) im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden zu konsultieren.

     

    [1]       Die Kunstdenkmäler der Stadt Koblenz. Die profanen Denkmäler und die Vororte. Bearb. von Fritz Michel. 1954, Nachdruck München, Berlin 1986 (Kapitel Ehrenbreitstein, Horchheim, Neudorf, Niederberg und Pfaffendorf); Marianne Schwickerath: Wo stand eigentlich die Philippsburg? Die ehemalige kurfürstliche Residenz in Ehrenbreitstein. Koblenz 1992; Johann Jakob Wagner: Coblenz-Ehrenbreitstein. Biographische Nachrichten über einige ältere Coblenzer und Ehrenbreitsteiner Familien. Coblenz 1923; Gustav Bereths: Die Musikpflege am kurtrierischen Hofe zu Koblenz-Ehrenbreitstein. Mainz 1964 (Beiträge zur mittelrheinischen Musikgeschichte 5).

    [2]       Die spätmittelalterliche Entwicklung bei Dieter Kerber: Herrschaftsmittelpunkte im Erzstift Trier. Hof und Residenz im späten Mittelalter. Sigmaringen 1995 (Residenzenforschung 4); zur kurtrierischen Zeit zusammenfassend Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum Geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz. 2. Bd.: Die Karte von 1789. Einteilung und Entwicklung der Territorien von 1600 bis 1794. 1898, Nachdruck Bonn 1965 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 12), S. 158-161, 205 f. – Emil Schaus: Stadtrechtsorte und Flecken im Regierungsbezirk Koblenz. Teil II: Die Kreise Koblenz, Kochem, Mayen, St. Goar und Zell. In: Rheinische Heimatpflege 8 [S. 129] (1936), S. 561-590, hier: S. 570 f., 587; Städtebuch Rheinland-Pfalz und Saarland. Hrsg. von Erich Keyser. Stuttgart 1964 (Deutsches Städtebuch, IV,3), S. 215-220 (Koblenz-Ehrenbreitstein).

    [3]       Zur nassauischen Zeit Ehrenbreitsteins vgl. Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. Gemeinsam mit der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz hrsg. von der Historischen Kommission für Nassau. Wiesbaden 1958 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau 13), S. 486-488; Karl E. Demandt: Geschichte des Landes Hessen. Revidierter Nachdruck der 2., neubearb. u. erw. Aufl. 1972, Kassel 1980, S. 534-539; Max Bär: Die Behördenverfassung der Rheinprovinz seit 1815. 1919, Nachdruck Bonn 1965 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 35), S. 59-63.

    [4]       Vgl. Stadtarchiv Koblenz (im folgenden StAK) 623 Nr. 3488, S. 25: Provisorisches Besitzergreifungspatent Friedrich Wilhelms von Nassau-Weilburg über Ehrenbreitstein, Dezember 1802.

    [5]       Dietmar Flach: Stadt und Bürgermeisterei. Beobachtungen zur Behandlung der Städte im Regierungsbezirk Koblenz während der Diskussion um die revidierte Städteordnung vom 5. Oktober 1816. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 7 (1981), S. 279-302, hier: S. 283. – Zur nassauischen Gemeindeverfassung Erich Becker: Die Gemeindeverfassung in Nassau seit Ausgang des 18. Jahrhunderts. In: Rheinische Vierteljahrsblätter 2 (1932), S. 19-42.

    [6]       Abdruck des Vertrages vom 31.5.1815 in: The Consolidated Treaty Series. Ed. by Clive Perry. Bd. 64. Dobbs Ferry, N. Y. 1969, S. 387-394 (Hauptvertrag), 395-397 (Zusatzvertrag). Zusammenfassend Norbert Zabel: Räumliche Behördenorganisation im Herzogtum Nassau (1806-1866). Wiesbaden 1981 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau 29), S. 19-21. – Zu den Auswirkungen der Grenzziehung zwischen Nassau und Preußen auf das Gebiet der späteren Bürgermeisterei Ehrenbreitstein vgl. StAK 655,10 Nr. 2 und 3 sowie Alois Honsdorf: Horchheim und seine Grenzen. Teil III. In: Horchheimer Kirmes-Magazin 1995. Hrsg. von der Horchheimer Kirmesgesellschaft St. Maximinus e. V. Koblenz 1995, S. 14-17.

    [7]       Bär: Behördenverfassung (wie Anm. 3), S. 94-96.

    [8]       Übersicht über die Bestände des Hessischen Hauptstaatsarchivs Wiesbaden. Wiesbaden 1970, S. 51 (mit Beschreibung der Abt. 112 [Amt Ehrenbreitstein] im Hessischen Hauptstaatsarchiv). – Zur wechselnden Grenzziehung zwischen dem Regierungsbezirk Koblenz und dem Herzogtum Nassau H. Köppe: Der Regierungsbezirk Koblenz und seine Verwaltungsstruktur – historische, territoriale und administrative Entwicklung. In: Der Regierungsbezirk Koblenz. Ein gesunder Lebens- und Wirtschaftsraum im Lande Rheinland-Pfalz. Koblenz 1978, S. 192-212.

    [9]       Bär: Behördenverfassung (wie Anm. 3), S. 115 f., 123; Bruno Zeitz: Der Justizsenat Ehrenbreitstein. In: 50 Jahre Oberlandesgericht und Generalstaatsanwaltschaft Koblenz 1996. Frankfurt/Main u. a. 1996 (Schriftenreihe des Ministeriums der Justiz 5), S. 109-121, 575-577, bes. S. 118-121.

    [10]      Hierzu Bär: Behördenverfassung (wie Anm. 3), S. 273-277; Flach (wie Anm. 5), S. 284 f. – Karl-Georg Faber: Die kommunale Selbstverwaltung in der Rheinprovinz im 19. Jahrhundert. In: Rheinische Vierteljahrsblätter 30 (1965), S. 132-151.

    [11]      Landeshauptarchiv Koblenz (im folgenden LHAK) 441 Nr. 16577. Vgl. auch LHAK 403 Nr. 373 und LHAK 441 Nr. 10562.

    [12]      Einzelheiten über die Stellung der Bürgermeister, Beigeordneten, Ortsschöffen und Schöffenräte nach der „Instruction“ von 19.5.1817 bei Flach (wie Anm. 5), S. 291-294.

    [13]      StAK 655,10 Nr. 36.

    [14]      Vgl. das regierungsinterne Promemoria vom 27.7.1826 in LHAK 441 Nr. 16757, S. 29-34.

    [15]      Ebd., S. 47.

    [16]      Johann Jakob Joseph von Eyß, * 7.10.1803 Horchheim, + 20.9.1874 Ehrenbreitstein. Nach seiner Ernennung zum Bürgermeister 1836 hatte er dieses Amt bis zu seinem Tod inne (ebd., S. 53-56, 153). [S. 130]

    [17]      Der Regierungs-Bezirk Coblenz, nach seiner Lage, Begränzung, Größe, Bevölkerung und Eintheilung, samt einem doppelten Ortschafts-Verzeichniße. Coblenz 1817.

    [18]      Vgl. StAK 655,10 Nr. 36 und LHAK 441 Nr. 16757.

    [19]      Carl Weber: Geschichte der rheinischen Gemeindeordnung vom 23. Juli 1845. Diss. iur. Bonn 1924.

    [20]      Bär: Behördenverfassung (wie Anm. 3), S. 283-289. Analog zur Städteordnung trat für die Landgemeinden das Gemeindeverfassungsgesetz in Kraft, daß die Gemeindeordnung vom 23.7.1845 ergänzte und ihr wieder Gültigkeit verschaffte.

    [21]      LHAK 441 Nr. 11525, fol. 86. – 1817 belief sich die Einwohnerzahl der Bürgermeisterei auf 5832, die Stadt Ehrenbreitstein allein hatte 2343 Einwohner (Der Regierungs-Bezirk Coblenz [wie Anm. 17], S. IX und 3).

    [22]      Städtebuch Rheinland-Pfalz und Saarland (wie Anm. 2), S. 215.

    [23]      StAK 655,10 Nr. 906, S. 15-23. Die folgenden Zitate aus StAK 655,10 Nr. 560, S. 2-6.

    [24]      Die folgenden Zitate aus StAK 655,10 Nr. 560, S. 41-44.

    [25]     Durch Erlaß der Regierung war die Stadt Ehrenbreitstein mit Wirkung vom 15.2.1861 aus dem Bezirk der Polizeidirektion Koblenz herausgelöst und die Ortspolizeiverwaltung wieder dem Bürgermeister übertragen worden; Max Bär: Aus der Geschichte der Stadt Koblenz 1814-1914. Koblenz 1922, S. 99-102.

    [26]      Koblenzer Volkszeitung vom 16.3.1934; StAK 655,10 Nr. 911, S. 420. Eine Denkschrift zu diesem Antrag, vermutlich von Ende Februar/Anfang März 1934, in StAK 655,10 Nr. 464. Danach sollte die Gemeinde die offizielle Bezeichnung „Festungsstadt Ehrenbreitstein“ führen.

    [27]      Preußische Gesetzessammlung 1927, S. 211.

    [28]      Horst Romeyk: Verwaltungs- und Behördengeschichte der Rheinprovinz 1914-1945. Düsseldorf 1985 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 63), S. 336 f.

    [29]      Koblenzer Volkszeitung vom 8.6.1927 sowie StAK 655,10 Nr. 463 (Denkschrift Wagners vom 9.8.1928).

    [30]      Nationalblatt, Ausgabe Koblenz, vom 5.5.1934; StAK 655,10 Nr. 911, S. 430.

    [31]      Am 11. Juni 1934 beantragte Gemeindeschulze Heinrich Reitz beim Koblenzer Regierungspräsidenten die Überlassung der Festung Ehrenbreitstein an die Gemeinde zu treuen Händen. Von den Eintrittsgeldern sollte ein Viertel an den preußischen Staat abgeführt werden, die restlichen 75 Prozent werde die Gemeinde im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zur Instandsetzung und Instandhaltung der Festung verwenden, um die Zahl der Unterstützungsempfänger zu verringern, die sich nach diesen Ausführungen auf 1371 oder 43 Prozent der Gesamtbevölkerung belief (StAK 655,10 Nr. 464).

    [32]      Preußische Gesetzessammlung 1934, S. 393.

    [33]      Romeyk (wie Anm. 28), S. 338.

    [34]      Ehrenbreitstein: StAK 655,10 Nr. 690; Horchheim: ebd. Nr. 875. – Gegenüberlieferung im Landeshauptarchiv Koblenz (offizielle Wappenverleihungen und Wappenbeschreibungen): Arenberg: LHAK 705,1 Nr. 72 (24.8.1935); Arzheim: ebd. Nr. 106 (8.5.1936); Ehrenbreitstein: ebd. Nr. 104 (7.5.1936); Horchheim: ebd. Nr. 103 (6.5.1936); Immendorf: LHAK 880 Nr. 1593 (5.6.1950); Pfaffendorf: LHAK 705,1 Nr. 104 (8.5.1936); Urbar: ebd. Nr. 71 (16.8.1935). – Niederberg führte kein offizielles Gemeindewappen, doch findet sich in LHAK 705,1 Nr. 104 der Entwurf einer Wappenbeschreibung: „In Blau ein Ritter (hl. Pankratius), in der Rechten eine Lanze, in der Linken ein Schwert, an dem ein Schild hängt, der in Gold einen schwarzen Adler trägt“ (Entwurf eines Schreibens des Staatsarchivs Koblenz an die Bürgermeisterei Ehrenbreitstein, 21.2.1934).

    [35]      Amtsblatt der Preußischen Regierung zu Koblenz Nr. 28 vom 26.6.1937, S. 101 f. – Vgl. auch LHAK 441 Nr. 35210: Eingemeindungen nach Koblenz und Auflösung der Ämter Ehrenbreitstein und Ko[S. 131]blenz-Land, 1935-1937, sowie die einschlägigen Akten im Bestand 623 (Stadt Koblenz) des Stadtarchivs Koblenz.

    [36]      Zum militärisch-politischen Hintergrund der Eingemeindungen siehe Hans Josef Schmidt: Die Eingemeindung neuer Stadtteile. In: Geschichte der Stadt Koblenz. Bd. 2: Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. Hrsg. von der Energieversorgung Mittelrhein. Redaktion: Ingrid Bátori in Verbindung mit Dieter Kerber und Hans Josef Schmidt. 2. unveränd. Aufl. Stuttgart 1995, S. 225-252, 577-580, hier: S. 247-249. – Ein weiterer Beleg für die fast ausschließlich militärische Bedingtheit der damaligen Stadtplanung ist die Tatsache, daß – neben Behördenrivalitäten auf lokaler Ebene, besonders zwischen Oberbürgermeister und Koblenzer Landrat – die Eingemeindung auch deshalb vom 1.4. auf den 1.7.1937 verschoben werden mußte, weil durch Umplanungen des Luftkreiskommandos IV in Münster die Flakkaserne etwas weiter nördlich als ursprünglich beabsichtigt gebaut werden sollte, so daß kurzfristig noch weitere Parzellen erworben werden mußten (LHAK 441 Nr. 35210, S. 177-201, 331 f.).

    [37]      Rhein-Zeitung vom 6.2.1950.

    [38]      Ebd. 28.2./1.3. und 10.3.1959.

    [39]      Vgl. etwa StAK 623 Nr. 9229 (Einbeziehung der Gemeinden Arzheim, Arenberg und Urbar in den städtischen Generalbebauungs- und Wirtschaftsplan, 1937-1942).

    [40]      Gesetz- und Verordnungsblatt für Rheinland-Pfalz Nr. 8 vom 14.4.1969, S. 91.

    [41]      Ebd. Nr. 15 vom 5.8.1970, S. 302 f.

    [42]      Vgl. StAK 655,10 Nr. 27 (Die Organisation des Gerichtswesens im rechtsrheinischen Teil des Regierungsbezirks Koblenz, 1839-1842); Bär: Behördenverfassung (wie Anm. 3), S. 417-420; Carl W. Kockerols: Das Rheinische Recht, seine zeitliche und räumliche Begrenzung. Hannover 1902, S. 60-68; August Welker: Die Gerichtsorganisation des rechtsrheinischen Teiles des Landgerichtsbezirks Koblenz von 1783 bis 1945. In: Jahrbuch für Geschichte und Kunst des Mittelrheins 12/13 (1960/61), S. 55-69; Maria Dirks: Geschichte des Landgerichtsbezirks Koblenz. In: 50 Jahre Oberlandesgericht (wie Anm. 9), S. 125-143, 577-579.

    [43]      Vgl. StAK 655,10 Nr. 546.

    [44]      Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Coblenz 1821, S. 10.

    [45]      Ebd. 1842, S. 359. – StAK 655,10 Nr. 26: Die Gesuche der Stadt Ehrenbreitstein um Erhaltung höherer Verwaltungs- und Justizbehörden in ihrer Mitte, 1815-1870.

    [46]      Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Coblenz 1831, S. 668, 735 und ebd. 1832, S. 261.

    [47]      Coblenzer Anzeiger vom 1.7.1846, S. 1.

    [48]      Bär: Behördenverfassung (wie Anm. 3), S. 433 f.

    [49]      Preußische Gesetzessammlung 1878, S. 230.

    [50]      Bär: Behördenverfassung (wie Anm. 3), S. 442 f.

    [51]      StAK 655,10 Nr. 610, S. 1 f. – Zu den spätmittelalterlichen Wurzeln der Ortsgerichte Dietmar Flach: Das Horchheimer Gericht. Frühe Spuren seiner Existenz aus dem Beginn des 14. Jahrhunderts. In: Horchheimer Kirmes-Magazin 1996. Hrsg. von der Horchheimer Kirmesgesellschaft St. Maximinus e. V. Koblenz 1996, S. 68-71.

    [52]      Reichsgesetzblatt I, S. 135 (Exemplar in StAK 623 Nr. 6192, S. 47).

    [53]      Welker (wie Anm. 42), S. 69; Romeyk (wie Anm. 28), S. 497, 500.

    [54]      LHAK 441 Nr. 35210, S. 387-408. Ausschlaggebend für den Verzicht auf die Zusammenlegung der beiden Gerichte waren der Platzmangel im Koblenzer Amtsgerichtsgebäude und die ablehnenden Stellungnahmen der Bürgermeister von Ehrenbreitstein und Bendorf sowie des Koblenzer Landrats (ebd.).

    [55]      Bekanntmachungen des Bürgermeisters der Stadt Koblenz vom 1.6. und 6.6.1945 (StAK 623 Nr. 6235, S. 79, 85).