„Mit KdF ans Deutsche Eck“. Die Ankurbelung des Massentourismus an Rhein und Mosel im Dritten Reich

 

Neben dem Weinbau zählt der Fremdenverkehr heute ganz selbstverständlich zu den ökonomischen Säulen an Rhein und Mosel. Mochten auch schon die ersten englischen Touristen Mitte des 19. Jahrhunderts die idyllische Flusslandschaft rund um Koblenz für sich entdeckt haben, so waren es bis nach dem ersten Weltkrieg – insbesondere an der Mosel – zunächst fast ausschließlich die wenigen größeren Orte und Städte, die einen gewissen finanziellen Nutzen aus dieser langfristigen Entwicklung zogen. Dass die Region insgesamt schlagartig zum beliebten Reiseziel Abertausender Feriengäste avancierte – wobei der Urlauberstrom erst jetzt auch das kleinste Winzerdorf erreichte(!) – ist indes letztlich nichts anderes als ein Erbe des Dritten Reiches! Begünstigt durch den forcierten Wirtschaftsaufschwung nach 1933 – und nicht zuletzt maßgeblich gefördert vom gigantomanischen Organisationsdrang des NS-Regimes – entwickelte sich der Fremdenverkehr erst in den kurzen Friedensjahren des „Tausendjährigen Reiches“ zu einer der entscheidenden wirtschaftlichen Grundlagen in den Weinanbaugebieten des westlichen Grenzlandes.

„Die Ankurbelung des Massentourismus an Rhein und Mosel im Dritten Reich…“, so lautet folgerichtig das Thema eines Vortrages, in dem der Traben-Trarbacher Museumsleiter Christof Krieger seine wissenschaftlichen Forschungsergebnisse dieses ungewöhnliche Kapitels der lokalen NS-Geschichte vorstellen möchte. Der Vortrag findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe des „Verein für Geschichte und Kunst des Mittelrheins zu Koblenz e.V.“ im Lesesaal des Landeshauptarchivs in Koblenz statt. Die Veranstaltung beginnt um 18.00 Uhr. Der Eintritt ist frei!

 

Vortrag von Dr. Christof Krieger, Traben-Trarbach, vor dem Verein für Geschichte und Kunst des Mittelrheins zu Koblenz am Dienstag, 4. Februar 2020, um 18.00 Uhr im Landeshauptarchiv Koblenz.

Denkmal im politischen Raum. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck

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Band 1, Klappentext (Prof. em. Dr. Lucian Hölscher): „Lutz Engelskirchen erzählt die hundertjährige Geschichte des Kaiserdenkmals am Deutschen Eck in Koblenz als spektakuläre Geschichte wechselnder nationaler Identitäten: Sie zieht sich vom kaiserlichen Reichsdenkmal der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg über das autoritäre Staatssymbol der Weimarer Republik und der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft bis hin zum Mahnmal der europäischen Einigung und des geteilten Deutschland. Die aufwendige Rekonstruktion der Kaiserstatue verdankte das Deutsche Eck Anfang der 1990er Jahre allerdings ironischerweise gerade dem politischen Bedeutungsverlust der nationalen Denkmalskultur, die heute nur noch als touristische Attraktion und nostalgisch-kritische Erinnerung überlebt. Von den Intentionen der Stifter über die politischen Interpretationen der politischen Parteien bis zur Rezeption des Denkmals durch die Besucher durchschreitet diese spannende Darstellung das ganze Arsenal der einschlägigen Gesichtspunkte.“

Lutz Engelskirchen: Denkmal im politischen Raum. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck in seinem Jahrhundert. Bd. 1-2. Berlin: Lit, 2016. ISBN 978-3-643-13348-9. – Zugl.: Bochum, Univ., Diss., 2013.

Das Denkmal am Deutschen Eck

Deutsches Eck 2011

Blick auf die Kastorkirche, das Deutsche Eck und die Seilbahn zur Festung Ehrenbreitstein, April 2011. Foto: Holger Weinandt (CC-BY-SA).

„Es ist sicher des Nachdenkens wert, wie dieses Denkmal im Laufe der Zeit ein Eigenleben entwickelt hat. 1896 von Bruno Schmitz in einem großartigen Entwurf als Schiffsbug am Zusammenfluß von Rhein und Mosel gestaltet, wurde es zum Wahrzeichen von Koblenz, ja ein Stück Identität dieser Stadt. Dieser Aspekt hat das Kaiserreich, den preußischen Staat und die Zerstörung des Standbilds überlebt und schließlich zu seiner Wiedererrichtung geführt. Der Sinn des Denkmals, an die Einigung der deutschen Staaten zum ‚Zweiten Reich‘ zu erinnern, wurde weitergeführt durch die Umwidmung des Denkmaltorsos in ein Mahnmal der Teilung Deutschlands. Seit der Wiedervereinigung schließlich zeugt die schlichte Geste der am Eck gehißten Flaggen der 16 neuen und alten Bundesländer von dem bescheiden gewordenen Selbstverständnis Deutschlands als Bundesrepublik. Der überdimensionale Sockel ist damit frei geworden für den Blick in die Geschichte.“

Zitat aus: Ingrid Bátori: Editorial. In: Koblenzer Beiträge zur Geschichte und Kultur N. F. 3 (1993) [Schwerpunkt: Das Denkmal am Deutschen Eck], S. 5-6, hier S. 5.

Michael Koelges: Das Deutsche Eck in Koblenz (2012)

Medien im Geschichtsunterricht. Ein Blog von Daniel Bernsen (Suchergebnisse Deutsches Eck)

Katharina Ritt, Gymnasium auf der Karthause, Koblenz: Das Deutsche Eck. Symbol nationaler Einheit oder Zeichen übertriebenen Nationalstolzes? (2013)

Marco Zerwas: Lernort „Deutsches Eck“. Besprechung im Rezensionsjournal „Sehepunkte“, Ausgabe 15 (2015), Nr. 12

Lutz Engelskirchen: Denkmal im politischen Raum. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck in seinem Jahrhundert. Bd. 1-2. Berlin: Lit, 2016. ISBN 978-3-643-13348-9. Zugl.: Bochum, Univ., Diss., 2013.

#Wilhelm I. (dt. Kaiser) #Schmitz, Bruno