A Piece of the Rhine. Amerikanische Besatzung im Brückenkopf Koblenz 1918-1923

Dahms_Ausstellungskatalog

Paul Dahms: A Piece of the Rhine. Amerikanische Besatzung im Brückenkopf Koblenz 1918-1923. Montabaur: Verl. der Museen des Westerwaldkreises, 2018. – 218 S., zahlr. Ill., Kt. ISBN 978-3-9300-8122-6.

Publikation anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Landschaftsmuseum Westerwald, Hachenburg, Dezember 2018 bis Juli 2019.

Klappentext: „Im Dezember 2018 marschierten amerikanische Truppen zum ersten Mal in Deutschland ein. Als Folge des 1. Weltkrieges besetzten sie bis Januar 1923 Teile des Rheinlandes. Im Brückenkopf Koblenz, der in den Westerwald hineinragte, waren die US-Soldaten in über 100 Orten bei der Bevölkerung einquartiert. Wie erlebten die Menschen der Region die Besatzungszeit? Was geschah bei der Annäherung der einstigen Feinde? Darüber ist nur wenig bekannt. Das vorliegende Buch, als Begleitband zur gleichnamigen Sonderausstellung des Landschaftsmuseums Westerwald erschienen, rekonstruiert mit zahlreichen Quellen und Fotografien eine fast vergessene Episode deutsch-amerikanischer Geschichte.“

#Dahms, Paul

 

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Die Entfestigung von Koblenz nach dem Ersten Weltkrieg. Fortifikatorische und stadtgeschichtliche Aspekte

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Amerikanische Besatzungstruppen paradieren anlässlich des Abzugs aus Koblenz vor dem Hauptbahnhof, 24. Januar 1923 (StAK FA 1-015).

Vortrag zur Ausstellung von Herrn Matthias Kellermann, Bonn,

am Dienstag, 4. Dezember, 18.00 Uhr, im Landeshauptarchiv Koblenz.

#Kellermann, Matthias

Kinder der Kastorgasse

Heute ist viel vom demographischen Wandel die Rede. Kaum mehr vorstellbar ist, wieviele Kinder noch vor rund 100 Jahren in manchen Stadtvierteln lebten, oftmals aber unter unzureichenden räumlichen und hygienischen Bedingungen.

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Kinderkirmes in der Kastorgasse, „Mehlgesichter“, 1933 (StAK FA 1-06 Kastorgasse).

Am 5. Mai 1922 schrieb Oberbürgermeister Dr. Carl Russell an den amerikanischen Kreisdelegierten Hauptmann Fieker[1]: „Der unerfreulichste Teil unserer Stadt ist unzweifelhaft der Bezirk der Kastorstrasse. In den alten engen Bauten sind die Menschen vielfach in geradezu unwürdiger Weise zusammengepfercht. Licht und Luft dringen kaum in die Räume. Infolgedessen ist der Gesundheitszustand, insbesondere der Kinder, ein ausserordentlich mangelhafter. Die Kinder sind für das Spielen auf den Hospitalvorplatz angewiesen. Der dadurch entstehende Lärm belästigt die Kranken aufs Aergste. Nach einer Schätzung des Polizeireviers sollen in der Kastorstrasse etwa 2500 Kinder leben. Im vorigen Jahr hatte die Stadtverwaltung die Absicht, einen grossen Kinderspielplatz hinter dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal anzulegen. Ehe er aber fertiggestellt war, wurde der grösste Teil des Geländes als Tennisplatz beschlagnahmt. Ich habe schon damals mir erlaubt darauf hinzuweisen, dass die Beschlagnahme dieses Platzes in den Bürgerkreisen grosse Beunruhigung hervorgerufen hat. Nachdem nunmehr mit dem Weggang der amerik. Truppen zu rechnen ist,[2] erneuere ich meine Bitte dahin, dass das Gelände der Stadt wiederum zur Verfügung gestellt wird, damit endlich den Kindern eine geeignete Gelegenheit, sich in guter Luft zu tummeln, geboten werden kann. Dann würden auch die Kranken Ruhe haben.“

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Hinterhof des Hauses Kastorgasse 73, 1939 (StAK FA 1-06 Kastorgasse).

Das Oberkommando der amerikanischen Streitkräfte in Deutschland lehnte jedoch am 17. Mai 1922 das Gesuch Russells ab. „Die Tennisplätze in den Rheinanlagen wurden dieses Jahr von diesen Streitkräften nicht beschlagnahmt, weil die Tennisplätze am Denkmal verfügbar waren. Es wird deshalb für uns unmöglich sein, diese Plätze freizugeben, bis alle amerik. Streitkräfte den Abschnitt [die amerikanisch besetzte Koblenzer Zone] räumen.“[3] Die Kastorgässer Kinder mussten weiterhin mit dem Hospitalplatz vorliebnehmen.

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Kastorgasse 112-114, Gaststätte „Zum alten Fritz“ (links), um 1938 (StAK FA 1-06 Kastorgasse).

#Russell, Carl #Fieker, amerikanischer Kreisdelegierter

[1] StAK 623 Nr. 5786, S. 326.

[2] Bereits 1920 leiteten die Amerikaner eine Reduzierung ihrer Besatzungstruppen ein, die nach dem deutsch-amerikanischen Friedensschluss im August 1921 noch verstärkt wurde. Im Frühjahr 1922 rechnete die Koblenzer Stadtverwaltung mit einem baldigen Abzug der Amerikaner; vgl. Anton Golecki: Vom Ersten Weltkrieg bis zum Ende der Weimarer Republik. In: Geschichte der Stadt Koblenz. Bd. 2: Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. 2. Aufl. Stuttgart 1995, S. 119-169, 567-570 (Anmerkungen), hier S. 142 mit Anm. 68 (S. 569).

[3] StAK 623 Nr. 5786, S. 327.

 

„Die Stadt ist ein einziges Trümmerfeld.“ Dokumente der Nachkriegszeit in Wort und Bild

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Programm des Stadttheaters Koblenz, Dezember 1945 (StAK P Nr. 185).

Vortrag von Dr. Petra Weiß und Michael Koelges (Stadtarchiv Koblenz) im Rahmenprogramm zu der Ausstellung „Mut zur Freiheit. Informel aus der Sammlung Anna und Dieter Grässlin.“ Donnerstag, 6. Juli 2017, 19 Uhr, Mittelrhein-Museum Koblenz, Zentralplatz 1. Kosten: 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, Schüler und Studierende haben freien Eintritt

Das Stadtarchiv besitzt einen reichen Schatz an Zeugnissen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit in Koblenz. Im Vortrag werden Film-, Bild- und Schriftdokumente in Zusammenhang gebracht. Dabei kommen persönliche Erinnerungen ebenso zur Sprache wie offizielle Verlautbarungen, Plakate und Zeitungen. So eröffnet sich ein vielfältiges Panorama, in dem neben den Alltagssorgen auch die Energie des Aufbruchs in Kultur und Gesellschaft deutlich wird.

 

 

Die Amerikaner am Rhein. Neue Quellen zur Besatzungspolitik der Vereinigten Staaten nach dem Ersten Weltkrieg

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„Ehrenbreitstein – das Gibraltar des Rheins“. Grußkarte der amerikanischen Besatzungstruppen (StAK FA 1-015).

 

Über die „Amerikaner am Rhein“ sprach Dr. Kai-Michael Sprenger, Referent für Landesgeschichte im rheinland-pfälzischen Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, in einem Vortrag vor dem Geschichtsverein für Mittelrhein und Vorderhunsrück am 14. Januar 2017 in Boppard. In der Regel verbinden sich Erinnerungen an die amerikanische Besatzungszeit mit den Jahren nach 1945. Doch in Koblenz und Umgebung, in der Eifel und im Westerwald waren die Amerikaner als Besatzungsmacht bereits nach dem Ersten Weltkrieg, ein Umstand, der durch die umstürzenden Ereignisse des 20. Jahrhunderts und den Zweiten Weltkrieg nahezu vollends aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden ist. Es war das Verdienst des Referenten, diese Jahre nach dem Ersten Weltkrieg in seinem durch viele Quellen belegten Vortrag dem Vergessen entrissen zu haben. Zahlreiche Nachfragen gaben zu erkennen, dass ein gewichtiges zeitgeschichtliches Thema der Geschichte unseres Landes geradezu darauf wartet, durch weitere Forschungsarbeiten erschlossen zu werden.

Kontakt zum Geschichtsverein für Mittelrhein und Vorderhunsrück: Dr. Rainer Lahme (Vorsitzender), Postfach 1463, 56138 Boppard, geschichtsverein-boppard@gmx.de.

Dr. Sprenger hält seinen Vortrag noch einmal am 7. Dezember 2017 im Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz, Bahnhofplatz 14, 56068 Koblenz.

 

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Abzugsparade der amerikanischen Streitkräfte vor dem Koblenzer Hauptbahnhof, 24. Januar 1923. Rechts salutieren französische Soldaten, die die US-Truppen ablösen (StAK FA 1-015).

 

Literatur:

Anton Golecki: Vom Ersten Weltkrieg bis zum Ende der Weimarer Republik. In: Geschichte der Stadt Koblenz. Bd. 2: Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. Gesamtred.: Ingrid Bátori in Verbindung mit Dieter Kerber u. Hans Josef Schmidt. Stuttgart 1992, 2. Aufl. 1995, S. 119-169, 567-570 (Anmerkungen), hier S. 129-145, 568-569 (Anmerkungen).

Martin Schlemmer: Die Rheinland-Besetzung (1918-1930). Landschaftsverband Rheinland, Portal Rheinische Geschichte.

Klaus Kemp: Regiebahn. Reparationen, Besetzung, Ruhrkampf, Reichsbahn

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Klaus Kemp: Regiebahn. Reparationen, Besetzung, Ruhrkampf, Reichsbahn. Die Eisenbahnen im Rheinland und im Ruhrgebiet 1918-1930. Freiburg i. Br.: EK-Verl., 2016. – 304 S., zahlr. Ill., Kt. ISBN 978-3-8446-6404-1. – 45,00 EUR.

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Koblenz S. 19, 55, 64, 90, 106, 173-174, 192, 197, 256; Kapellen-Stolzenfels S. 106; Königsbach (zu Kapellen-Stolzenfels) S. 132, 209, 296; Lützel S. 297.