Zuwachs für den Urkundenbestand des Stadtarchivs

 

Das Landeshauptarchiv Koblenz hat zwei Urkunden aus dem Vorbesitz des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz/Rheinische Landesbibliothek an das Stadtarchiv Koblenz abgegeben. Es handelt sich zum einen um den Verkauf eines Hauses aus dem Besitz des Kartäuserklosters auf dem Beatusberg in der Weißer Gasse im Jahr 1664, zum anderen um ein Privileg für die Schnallenherzen-Fabrik in Ehrenbreitstein von 1791.

Näheres finden Sie im Urkunden-Findbuch auf den Seiten 122 (StAK 623 Nr. 648) und 129 (StAK 623 Nr. 649).

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Das Einwohnerverzeichnis von 1818

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Formularkopf des Einwohnerverzeichnisses von 1818, hier Haus Nr. 802 in der Weißer Gasse (StAK 623 Nr. 2166, S. 198).

 

Das Einwohnerverzeichnis von 1818 ermöglicht einen Einblick in die Sozialstruktur der Koblenzer Bevölkerung zu Beginn der preußischen Zeit. Leider ist es nicht vollständig überliefert, doch sind hier mit knapp 8500 Personen ca. 83 Prozent der damaligen Koblenzer Bevölkerung dokumentiert, die sich auf rund 10.300 Einwohner belief. Hier können einzelne Namen recherchiert werden, was sicherlich für Familienforscher interessant ist. Darüber hinaus lassen sich bis zu einem gewissen Grad auch sozial-, wirtschafts- und bevölkerungsgeschichtliche Fragestellungen beantworten. Die teilweise beengten und unhygienischen Wohnverhältnisse veranschaulicht die Tatsache, dass sich im am dichtesten besiedelten Gebäude der Stadt, dem Haus Nr. 264 in der Kastorgasse, sage und schreibe 46 Menschen drängten. Die Angaben zu Konfession, Geburtsjahr, Beruf, Kinderzahl und Herkunft lassen Rückschlüsse auf Wanderungsbewegungen oder Stadt-Umland-Beziehungen zu.

Einwohnerverzeichnis 1818

 

 

Das napoleonische Stadtwappen von Koblenz

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Das napoleonische Stadtwappen von Koblenz. (Stadtarchiv Koblenz, Best. 623 Nr. 1036, S.10.)

1809 sollten Vorschläge zur Gestaltung neuer Stadtwappen vorgelegt werden – die kurfürstlichen Wappen hatten ausgedient. Die bonnes villes de l’Empire Aachen, Mainz und Köln erhielten 1811 Wappen mit goldenen Bienen, bekrönt vom kaiserlichen Adler. Das Wappen der Stadt Koblenz musste bescheidener ausfallen.

Der Munizipalrat beauftragte am 19. Januar 1810 Maire Gayer, dem Innenminister den Wappenentwurf zur Genehmigung vorzulegen. Auch drei weitere, leicht abweichende Alternativen sind der Akte beigefügt. Alle bestanden aus einem azurblauen Wappenfeld mit Symbolen der Flüsse Rhein und Mosel, einem Mittelfeld mit rotem Kreuz (aus dem traditionellen Koblenzer Wappen) und einem Schildhaupt mit grünen Weinblättern. Die Krone des alten Wappens wurde ersetzt durch eine Sonnenblume. Zwei Delphine, aus denen Wasser strömt, stellen Mosel (links) und Rhein (rechts) dar. Die Flüsse vereinigen sich als Symbol der Confluentia. Aus der Mosel ströme – so die Begründung – silbernes Wasser, da diese in den Vogesen entspringe, wo des Silberminen gebe. Der Rhein verströme goldenes Wasser wegen seines Reichtums seiner Landschaft. Die Weinblätter habe man gewählt, da die Ufer dieser beiden Flüsse wetteifern um die reiche Produktion exzellenten Weines. Am 15. März 1811 teilte der Präfekt dem Maire mit, dass der Innenminister das neue Wappen am 26. Februar 1811 genehmigt habe.

Literatur:
Bernhard Gondorf: Das Napoleonische Wappen für Koblenz. In: Landeskundliche Vierteljahrsblätter 34 (1988), Heft 3, S. 103-108;
Große Leute – Kleine Leute [Ausstellungskatalog]. Koblenz 1992, S. 50 Nr. 5.1.17;
Napoleon. Der Kaiser kommt! Verehrung und Mythos in Koblenz. Hrsg. von Mario Kramp. Ausstellung Mittelrhein-Museum Koblenz, 27. März bis 25. April 2004. Koblenz 2004 (Mittelrhein-Museum Koblenz, Kleine Reihe 4), S. 41.

#Napoleon I. (frz. Kaiser)

Satzungs- und Mitgliederbuch der Elendigenbruderschaft zu Koblenz, 1441-1772

Armenfürsorge war im Mittelalter fast ausschließlich Sache der Kirche. Da Mildtätigkeit allgemein als heilspendend angesehen wurde, bildeten sich religiöse Gemeinschaften mit dem Ziel, Gutes zu tun. Die 1441 bei der Liebfrauenkirche gegründete Koblenzer Elendigenbruderschaft hat ihre Aufgaben am 11. März 1454 in einer Satzung genau festgelegt: Den in Koblenz verstorbenen Armen sollte ein anständiges Begräbnis gegeben werden. Mitglieder der Bruderschaft waren vor allem Geistliche, angeführt vom Trierer Weihbischof. Daneben gab es eine Vielzahl von Laien aus der Koblenzer Bürgerschaft, die als Brüder und Schwestern ebenfalls eingetragen wurden.                                                               Pergamenthandschrift, Ledereinband, 123 Blatt, 28,5 x 20 cm. Signatur: StAK 623 Nr. 1374

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Buchmalerei „Ecce homo“, 15. Jahrhundert.

 

Die ausdrucksvolle Darstellung des gegeißelten Christus („Erbärmdemann“, Ecce homo) gehört zu den hervorragenden Werken Koblenzer und mittelrheinischer Buchmalerei.

 

Literatur:
Josef Mündnich: Das Hospital zu Coblenz. Coblenz 1905, S. 36-50. – Josef Heinsberg: Die Elendenbruderschaft des Mittelalters als soziologisches Phänomen. Köln 1933, S. 6-9 (Edition der Statuten der Koblenzer Elendenbruderschaft). – Große Leute – Kleine Leute. 2000 Jahre Koblenzer Geschichte [Ausstellungskatalog]. Koblenz 1992, S. 60 (mit Abb. S. 85). – Caritas. Nächstenliebe von den frühen Christen bis zur Gegenwart. Katalog zur Ausstellung im Erzbischöflichen Diözesanmuseum Paderborn. Hrsg. von Christoph Stiegemann. Petersberg 2015, S. 450-451 (Exponatbeschreibung mit Wiedergabe der Buchmalerei aus StAK 623 Nr. 1374).

Elendenbruderschaft

„Im Namen Jesu“. Dankgebet eines Durchreisenden, 1720

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Scherenschnitt, koloriert, in oktogonaler Form, 34,5 x 44 cm. Signatur: StAK Best. 623 Nr. 2783, nach S. 138.

 

Diesem paßant geben pro viatico 27 alb. So heißt es auf der Rückseite des Scherenschnitts, der als Beleg Nr. 118 der Beilagen zur Stadtrentmeistereirechnung 1720/21 Aufnahme in die städtischen Akten gefunden hat. Wie aus mehreren anderen Belegen pro viatico hervorgeht, gewährte der Rat Durchreisenden einen Zuschuss zur Reisekost, gewissermaßen im Sinne einer „heiligen Wegzehrung“, deren Zuwendung an die „Elenden“, also die in der Fremde Weilenden, als Christenpflicht galt.

Literatur:
Große Leute – Kleine Leute. 2000 Jahre Koblenzer Geschichte. Katalog zur Ausstellung im Haus Metternich, 12.5. – 2.8.1992. Hrsg. vom Mittelrhein-Museum Koblenz in Verbindung mit dem Stadtarchiv Koblenz. Koblenz 1992, S. 61 Nr. 5.4.2.4.