Gedanken zum Weihnachtsfest

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StAK P Nr. 78: Weihnachtsfreude für Kriegsgefangene in Frankreich, 1945.

Kaum zu glauben: zwischen diesen beiden Plakaten liegen nur sieben Jahre.

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StAK P Nr. 232: Dein Weihnachtseinkauf in Koblenz, 1952; Graphik: Emil Grüttner.

#Grüttner, Emil

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Kardinal Krementz und Bismarck – zwei Koblenzer Ehrenbürger und der Kulturkampf

Philipp Kardinal Krementz, Sohn eines Metzgers aus dem Altlöhrtor, war der erste Koblenzer Ehrenbürger überhaupt. Am 19. Februar 1868 sprach ihm die Stadtverordnetenversammlung die Ehrenbürgerwürde zu. Reimund Hass porträtiert Krementz jetzt im Portal Rheinische Geschichte.

 

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Philipp Kardinal Krementz, Koblenz 1.12.1819 – 6.5.1899 Köln (StAK FA 1-24).

 

27 Jahre später beantragte ein Dutzend Koblenzer Stadtverordneter, dem ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Der Antrag stieß bei einigen ihrer Kollegen auf Ablehnung, die sie in einer Eingabe von Anfang März 1895 an Oberbürgermeister Emil Schüller folgendermaßen begründeten:

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Quelle: StAK 623 Nr. 6672, S. 31.

Nach § 6 der Städteordnung kann das Ehrenbürger-
recht nur solchen Männern verliehen werden, welche
sich um die Stadt verdient gemacht haben. Diese Voraus-
setzung trifft unseres Erachtens in vorliegendem Falle
nicht zu, indem es sowohl an besonderen Verdiensten
des Fürsten Bismark [!] um unsere Stadt, wie auch an
jeder näheren Beziehung desselben zu Coblenz fehlt.
Überdies aber ist die politische Wirksamkeit des Fürsten
Bismark [!] für uns untrennbar verbunden mit dem viele
Jahre hindurch gegen die katholische Kirche, ihre Organisation
und ihre Institutionen geführten erbitterten Kampfe,
einem Kampfe, der auch dem Vaterlande schwere
Wunden geschlagen, insbesondere den innern Frieden
tief erschüttert hat und der in seinen beklagenswerthen
Folgen heute noch fortdauert. Speciell für Coblenz kommt
noch der Umstand in Betracht, daß es wenig angemessen
sein dürfte, den Vater des Culturkampfes dessem [!] ersten
Opfer als Ehrenbürger[1] zuzugesellen.
Aus diesen Gründen ist es uns unmöglich, dem
Antrage zuzustimmen, so sehr wir auch die Freude der
Antragsteller über die politische Einigung der deutschen
Stämme theilen und so gerne wir anerkennen, daß neben
den großen und seltenen Eigenschaften Kaiser Wilhelm[s] I.,
neben der unvergleichlichen Tüchtigkeit und Genialität
unserer Heerführer, neben der heldenmüthigen
Tapferkeit des deutschen Heeres und der begeisterten
Mitwirkung des ganzen Volkes wesentlich die eminente

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Quelle: StAK 623 Nr. 6672, S. 32.

Staatskunst des Fürsten Bismark [!] es ist, der wir die
Aufrichtung des deutschen Reiches und seine
gegenwärtige äußere Machtstellung zu verdanken
haben.

Die (zentrumsnahen) Antragsteller drangen nicht durch. Am 11. März verlieh die Stadtverordnetenversammlung dem „Eisernen Kanzler“ für seine Verdienste um die Reichseinigung die Ehrenbürgerwürde.

[1] Philipp Krementz (Koblenz 1.12.1819 – 6.5.1899 Köln), Januar 1848 Pfarrer von St. Kastor in Koblenz, 22.10.1867 Wahl zum Bischof von Ermland, 19.2.1868 Ehrenbürger von Koblenz, 15.12.1885 Inthronisation als Erzbischof von Köln, 16.1.1893 Kardinal.

#Krementz, Philipp #Bismarck, Otto von

Memorbücher der jüdischen Gemeinden Koblenz und Ehrenbreitstein

Dank der finanziellen Förderung durch die Koblenzer Kultur Stiftung konnte das Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen nach zwei Jahren die wissenschaftliche Bearbeitung der Memorbücher der jüdischen Gemeinden Koblenz und Ehrenbreitstein abschließen. Die Edition wird künftig im Internet recherchierbar sein.

Die offizielle Freischaltung, zu der die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen ist, findet statt am Mittwoch, 15. November 2017, um 19.00 Uhr im Historischen Rathaussaal der Stadt Koblenz, Eingang Jesuitenplatz (Veranstaltungsprogramm).

Für nähere Informationen über die Memorbücher klicken Sie bitte hier.

Ausstellung „Koblenz im Zweiten Weltkrieg“

 

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Amerikanische Soldaten vor dem Rathaus, 18. März 1945 (StAK FA 2 Nr. 4336).

Die Dauerausstellung „Koblenz im Zweiten Weltkrieg“ im Fort Konstantin geht in die Winterpause und ist letztmalig am Sonntag, 22. Oktober 2017, von 11.00 bis 17.00 Uhr zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.

Die Ausstellung, die auch als außerschulischer Lernort gedacht ist, befindet sich in den vier Kasematten des nördlichen Erdgeschoss-Flügels von Fort Konstantin (ein barrierefreier Zugang ist vorhanden) und besteht aus folgenden Teilen:

  • Hülle der 1999 in Metternich gefundenen Luftmine,
  • Propellerblatt eines abgeschossenen US-Bombers,
  • 23 Ausstellungstafeln mit jeweils mehreren Abbildungen,
  • vier Vitrinen, zwei Wandnischen und ein Durchgang mit Exponaten,
  • mehrere großformatige Fotoreproduktionen (Leitmotiv Deutsches Eck),
  • Modelle eines amerikanischen und eines britischen Bombers,
  • Hörstation mit einem Tondokument vom März 1945 sowie
  • Film „Koblenz in Trümmern 1946“.

Bei der Konzeption wurde besonderer Wert auf die Einbettung der Thematik in den historischen Kontext gelegt: Um eine Verwechselung von Ursachen und Wirkung auszuschließen, wird zunächst Koblenz im Dritten Reich näher beleuchtet. Dabei liegt wiederum ein Schwerpunkt auf dem Thema Verfolgung. Erst dann wird die eigentliche Thematik aufgegriffen und behandelt. Die Ausstellung profitiert dabei von der Authentizität des Ortes: 1944 wurden die Kasematten zu einem Bunker ausgebaut und im März 1945 beherbergte das Fort das letzte Widerstandsnest der Wehrmacht.

Der Offene Kanal Koblenz e. V. drehte im September 2015 einen Filmbericht über die Ausstellung, der auf Youtube zu sehen ist

Koblenzer Kulturnutzerstudie

Kulturelle Teilhabe in Koblenz und der Region

Jetzt mitmachen!

In einer großen Fragebogenaktion sollen die kulturellen Interessen und Bedürfnisse der Bürger/innen und Bewohner/innen von Stadt und Region Koblenz erfragt werden.

Egal ob Rock-Festival, Zeichenworkshop, Reisen oder Theaterbesuche, jegliche Form von kultureller Aktivität und Interessen steht im Mittelpunkt.

Zum Fragebogen der Kulturnutzerstudie (nähere Infos hier), die das Institut für Kulturwissenschaft der Universität Koblenz-Landau zusammen mit dem Kulturdezernat der Stadt Koblenz durchführt, geht es hier.

Kinder der Kastorgasse

Heute ist viel vom demographischen Wandel die Rede. Kaum mehr vorstellbar ist, wieviele Kinder noch vor rund 100 Jahren in manchen Stadtvierteln lebten, oftmals aber unter unzureichenden räumlichen und hygienischen Bedingungen.

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Kinderkirmes in der Kastorgasse, „Mehlgesichter“, 1933 (StAK FA 1-06 Kastorgasse).

Am 5. Mai 1922 schrieb Oberbürgermeister Dr. Carl Russell an den amerikanischen Kreisdelegierten Hauptmann Fieker[1]: „Der unerfreulichste Teil unserer Stadt ist unzweifelhaft der Bezirk der Kastorstrasse. In den alten engen Bauten sind die Menschen vielfach in geradezu unwürdiger Weise zusammengepfercht. Licht und Luft dringen kaum in die Räume. Infolgedessen ist der Gesundheitszustand, insbesondere der Kinder, ein ausserordentlich mangelhafter. Die Kinder sind für das Spielen auf den Hospitalvorplatz angewiesen. Der dadurch entstehende Lärm belästigt die Kranken aufs Aergste. Nach einer Schätzung des Polizeireviers sollen in der Kastorstrasse etwa 2500 Kinder leben. Im vorigen Jahr hatte die Stadtverwaltung die Absicht, einen grossen Kinderspielplatz hinter dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal anzulegen. Ehe er aber fertiggestellt war, wurde der grösste Teil des Geländes als Tennisplatz beschlagnahmt. Ich habe schon damals mir erlaubt darauf hinzuweisen, dass die Beschlagnahme dieses Platzes in den Bürgerkreisen grosse Beunruhigung hervorgerufen hat. Nachdem nunmehr mit dem Weggang der amerik. Truppen zu rechnen ist,[2] erneuere ich meine Bitte dahin, dass das Gelände der Stadt wiederum zur Verfügung gestellt wird, damit endlich den Kindern eine geeignete Gelegenheit, sich in guter Luft zu tummeln, geboten werden kann. Dann würden auch die Kranken Ruhe haben.“

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Hinterhof des Hauses Kastorgasse 73, 1939 (StAK FA 1-06 Kastorgasse).

Das Oberkommando der amerikanischen Streitkräfte in Deutschland lehnte jedoch am 17. Mai 1922 das Gesuch Russells ab. „Die Tennisplätze in den Rheinanlagen wurden dieses Jahr von diesen Streitkräften nicht beschlagnahmt, weil die Tennisplätze am Denkmal verfügbar waren. Es wird deshalb für uns unmöglich sein, diese Plätze freizugeben, bis alle amerik. Streitkräfte den Abschnitt [die amerikanisch besetzte Koblenzer Zone] räumen.“[3] Die Kastorgässer Kinder mussten weiterhin mit dem Hospitalplatz vorliebnehmen.

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Kastorgasse 112-114, Gaststätte „Zum alten Fritz“ (links), um 1938 (StAK FA 1-06 Kastorgasse).

#Russell, Carl #Fieker, amerikanischer Kreisdelegierter

[1] StAK 623 Nr. 5786, S. 326.

[2] Bereits 1920 leiteten die Amerikaner eine Reduzierung ihrer Besatzungstruppen ein, die nach dem deutsch-amerikanischen Friedensschluss im August 1921 noch verstärkt wurde. Im Frühjahr 1922 rechnete die Koblenzer Stadtverwaltung mit einem baldigen Abzug der Amerikaner; vgl. Anton Golecki: Vom Ersten Weltkrieg bis zum Ende der Weimarer Republik. In: Geschichte der Stadt Koblenz. Bd. 2: Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. 2. Aufl. Stuttgart 1995, S. 119-169, 567-570 (Anmerkungen), hier S. 142 mit Anm. 68 (S. 569).

[3] StAK 623 Nr. 5786, S. 327.

 

Ausstellung anlässlich 20 Jahre Feste Kaiser Franz e. V.

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2017 jährt sich die Grundsteinlegung der drei Hauptwerke der Festung Koblenz und Ehrenbreitstein zum 200. Mal. Zeitgleich feiert der Verein Feste Kaiser Franz e. V. sein 20-jähriges Bestehen.
Aus Anlass dieser zwei Jubiläen beleuchten die Ausstellung und der parallel erscheinende Begleitband „Impressionen der Entfestigung“ die Geschichte der Festung Koblenz und Ehrenbreitstein von ihrem Ende her. Dabei liegt der Fokus der Ausstellung primär auf der ersten Phase der Koblenzer Entfestigung (1920-1922), in der nach dem Ersten Weltkrieg in zwei Abschnitten das linke Rheinufer entfestigt wurde. Die betroffenen Festungswerke hielt der in Koblenz ansässige Fotograf Joseph Ring (1877-1932) im Auftrag des Entfestigungsamts Koblenz im Bild fest. Diese im Rahmen seiner Arbeit entstandenen Fotografien sind Glücksfall und Unglück zugleich, bieten sie doch einerseits ein authentisches Bild der Koblenzer Festungswerke, zeigen sie aber andererseits gleichzeitig deren Ende in Trümmern.
Die Ausstellung präsentiert ausgewählte Reproduktionen der Entfestigungsbilder aus dem Bestand des Stadtarchivs Koblenz. Diese werden jeweils von einem zeitgenössischen Zitat begleitet.

Impressionen der Entfestigung
Festung Koblenz und Ehrenbreitstein 1920-1922
Fotografien von Joseph Ring

Ausstellung im Mittelrhein-Museum Koblenz
Museumsschaufenster/Foyer
15. Oktober – 4. November 2017
Eintritt frei.

#Ring, Joseph