Neuendorfer Chronik

Neuendorf_Ansichtskarte_1940

Ansichtskarte, um 1940 (StAK FA 5 Nr. 12-Neuendorf).

Willi Gabrich und Anke Sürtenich haben in mühevoller Kleinarbeit eine Chronik zur Neuendorfer Ortsgeschichte zusammengestellt. Sie ist ab sofort verfügbar. Bitte klicken Sie hier.

#Gabrich, Willi #Sürtenich, Anke

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Hofkünstler und Hofhandwerker in Koblenz/Ehrenbreitstein 1629-1794

Fachbach_Hofkünstler

 

Neuerscheinung:

Jens Fachbach: Hofkünstler und Hofhandwerker am kurtrierischen Hof in Koblenz/Ehrenbreitstein 1629-1794. Studie, Handbuch, Quellen. 2 Bände. Petersberg: Imhof, 2017 (Artifex. Quellen und Studien zur Künstlersozialgeschichte; Sources and Studies in the Social History of the Artist). – Bd. 1: 750 S., Ill.; Bd. 2: 794 S. ISBN 978-3-7319-0389-5, zusammen 49,95 EUR.

„Gleich welche Ausdifferenzierung der Begriff des Hofkünstlers/Hofhandwerkers in Zukunft noch erfahren wird, Dr. Jens Fachbach kommt das Verdienst zu, hiermit eine Quellenedition vorgelegt zu haben, an der sich Forschungen ähnlicher Ausrichtung werden messen lassen“ (Bd. 1, S. 8, Zitat aus dem Geleitwort von Andreas Tacke).

#Fachbach, Jens

Wohnungsnot, städtisches Erscheinungsbild und leere Kassen – Déjà-vu im Stadtarchiv !

Dass Wohnungsnot und „hässliche Ecken“ im städtischen Erscheinungsbild keineswegs aktuelle Phänomene sind und wünschenswerte Maßnahmen zur Abhilfe nicht nur im 21. Jahrhundert an den leeren Kassen der Kommunen und des Staates scheitern, belegen zwei Zufallsfunde aus dem Jahr 1863.

Ein Artikelchen aus der Coblenzer Zeitung vom 23. April 1863 [1] macht eindringlich deutlich, dass es auch vor mehr als 150 Jahren „einen immer steigenden Nothstand [sic!] an Wohnungen, namentlich für die mittlere Klasse“ gegeben hat. Ausdrücklich begrüßt werden vom Autor eine im Jahr 1863 offensichtlich gesteigerte Bau- und Umbautätigkeit sowie Planungen, die eine Vielzahl an neuen Bauplätzen in der Rhein-Mosel-Stadt schaffen werden – und damit Entlastung zumindest in Aussicht stellen. Den geplanten Abriss eines ausgesprochenen Schandflecks („partie honteuse“) der Stadt, des Seilerwalls [2], würdigt der Schreiber, neben den privaten Baumaßnahmen, als lobenswertes Bemühen der städtischen Verwaltung, der Stadt „ein freundliches Ansehen zu verschaffen, auf welches jeder Fremde bei ihrer reizenden Lage rechnen zu können vermeint“. Im Hinterkopf hat er in diesem Zusammenhang sicher nicht nur den baulich unschönen Zustand des Geländes rund um den Seilerwall, sondern vor allem die Tatsache, dass es sich um eine äußerst verrufene Gegend handelte. Hier lebten in der Mitte des 19. Jahrhunderts sieben bis acht Prostituierte aus der Stadt in einzelnen Wohnungen und gingen dort – trotz wiederholter polizeilicher Intervention – ihrem Gewerbe nach. Sehr zum Leidwesen der Anwohner, wie eine Beschwerde derselben aus dem Jahr 1844 offenbart [3].

Als ganz und gar unerfreulich wird darüber hinaus ausgerechnet der Zustand einiger staatlichen Liegenschaften beschrieben – explizit des Areals zwischen Karmeliterstraße und Regierungsgebäude [4], welches von der städtischen Verwaltung an den Fiskus zwecks Errichtung eines neuen Gefängnisses abgetreten worden war. Moniert werden zum Beispiel der „wüste Platz [5], der sich in der Carmelitenstraße nach Abbruch (…) des Mähler’schen Hauses [6] dem Fremden darbietet“ sowie das schon seit Jahren unerfüllte Versprechen von staatlicher Seite, eine neue, breite Straße zwischen Karmeliterstraße und Regierungsgebäude anzulegen. Bemerkenswert ist, dass der Autor bei seiner Kritik auch schon vor mehr als 150 Jahren das Ansehen seiner Heimatstadt gerade bei den auswärtigen Besuchern im Blick hat.

Wie der Vorläufer einer modernen Pressemitteilung mutet ein zweiter Artikel aus der Coblenzer Zeitung vom 23. Mai 1863 [7] an, der inhaltlich offensichtlich auf die exakt vier Wochen ältere Meldung Bezug nimmt. Die städtische Verwaltung sah sich offenbar genötigt, den Vorwurf, dass „die Ausführung der neuen Straßenprojecte lässig betrieben und wie viele andere Dinge ins Unbestimmte vertagt würde“, zu entkräften. Man sei im Gegenteil „aufs eifrigste bemüht“ gewesen, „dem Projecte Leben zu verschaffen“. Gemeint sind an dieser Stelle der oben schon erwähnte Ausbau der Verbindung zwischen Karmeliterstraße und Regierungsgebäude sowie die Anlage einer neuen Straße vom Bahnhof bis zur Casinostraße. Allerdings muss man schon wenige Zeilen später die Aufgabe zumindest der ersten der beiden Straßenbaumaßnahmen einräumen – sie scheitert an den leeren Kassen des Staates. Alles andere als komfortabel erscheint aber auch die finanzielle Lage der Stadt Koblenz, die „in ihren beschränkten Mitteln keine 300.000 Thaler (…) für den Abbruch des Seilerwalls und eine neue Straße ausgeben kann“. Somit bleibt die „partie honteuse“ entgegen der im ersten Artikel geäußerten Hoffnung sowohl den Koblenzern als auch ihren Gästen weiterhin auf unbestimmte Zeit erhalten.

Angesichts der momentanen Debatte um die Notwendigkeit der Schaffung bezahlbaren Wohnraums vor allem in den Städten bei gleichzeitig chronisch leeren Kassen muten diese historischen Zeitungsartikel geradezu aktuell an und haben bei den Archivmitarbeitern für ein ‚Déjà-vu-Erlebnis‘ gesorgt. Getreu dem alten Sprichwort bleibt also festzuhalten: „Es kommt alles wieder!“ – nicht nur in der Mode …

 

 

 

 

 

 

  • [1]Coblenzer Zeitung vom 23.4.1863, Zweites Blatt, S. 1.
  • [2]Beim Seilerwall handelt sich um die frühere Bezeichnung der heutigen Fischelstraße, da hier hinter der mittelalterlichen Stadtmauer die Seiler ihr Handwerk betrieben. „Der Seilerwall folgte dem Verlauf der barocken Stadtmauer und ‚verlief von der Löhrstraße, dem Kleinschmittsgäßchen gegenüber, an der inneren Seite der Stadtmauer nach der Weisergasse‘“, Zitat aus: Petra Weiß, Prostitution in Koblenz im 19. Jahrhundert. In: Koblenzer Beiträge zur Geschichte und Kultur 11/12. Koblenz 2001/2002, S. 45, Anm. 59. Ab 1861 trug die Straße den Namen „Eisenbahnstraße“, da sie teilweise neben der damals angelegten linksrheinischen Bahnlinie verlief. Hier befand sich der frühere Rheinische Bahnhof, in Betrieb bis 1902, zerstört 1944. Zwischenzeitlich verschwand die Fischelstraße während der sechziger und siebziger Jahre anlässlich der Neugliederung des Gebietes zwischen Altengraben, Löhrstraße, Herz-Jesu-Kirche und Eisenbahnlinie. Vgl. StAK DB 17, Straßennamen, S. 49 sowie Udo Liessem, Koblenzer Straßennamen. In: 2000 Jahre Koblenz. Geschichte der Stadt an Rhein und Mosel. Hrsg. von Hans Bellinghausen. Boppard 1971, S. 420.
  • [3]Vgl. Petra Weiß, Prostitution in Koblenz im 19. Jahrhundert. In: Koblenzer Beiträge zur Geschichte und Kultur 11/12. Koblenz 2001/2002, S. 45, 46.
  • [4]Heutiges Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw.
  • [5]Im Sprachgebrauch des 19. Jahrhunderts ist mit ‚wüster Platz‘ ein leerer, unbebauter Platz gemeint.
  • [6]Ehemaliges Wohnhaus des früheren Koblenzer Bürgermeisters Johann Abundius Anton Joseph Mähler (1777–1853) in der Karmeliterstraße. Mähler hatte der Stadt von 1818 bis 1847 als Bürgermeister vorgestanden. Vgl. Geschichte der Stadt Koblenz. Band 2: Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. Stuttgart 1992, S. 620.
  • [7]Coblenzer Zeitung vom 23.5.1863, S. 3.

Abiturienten- und Schülerliste des Kaiserin-Augusta-Gymnasiums

Ansichtskarte_Gymnasium_um_1897

Kaiserin-Augusta-Gymnasium Koblenz, Ansichtskarte, gelaufen 1897 (StAK FA 5). – Zum Kartenschreiber Ludwig Bringmann vgl. Abiturientenliste, ID-Nr. 1054.

 

Die nachfolgende Excel-Tabelle enthält die Schüler und Abiturienten des Koblenzer Gymnasiums aus den Schuljahren 1819/20 bis 1914/15 sowie 1924/25. Quellengrundlage sind die entsprechenden Gymnasialprogramme, die im Bestand KH 95 des Stadtarchivs überliefert sind. Der Schülerliste wurden 203 Schüler vorangestellt, die 1792 das Kurfürstliche Gymnasium in Koblenz besuchten (aus StAK KH 25 Nr. 8, S. 8-14).

Jede einzelne Person trägt eine Identifikationsnummer (ID-Nr.). Neben Familien- und Vornamen erscheinen das Geburtsdatum bzw. die Altersangabe, der Geburtsort, das Schuljahr, in der das Abitur abgelegt wurde, die Quellenangabe und eventuelle Bemerkungen. In der Schülerliste (wie wurde von 1821/22 bis 1826/27 sowie in den Schuljahren 1855/56 und 1856/57 veröffentlicht) wird für das jeweilige Schuljahr die Klassenstufe genannt, in der der Schüler das Gymnasium besuchte, sowie unter Umständen ein Vermerk über den Zu- oder Abgang während des Schuljahrs. Anhand der Schülerliste kann die „Laufbahn“ eines Schülers vom Beginn des Gymnasialbesuchs bis zur Oberprima über die Jahre verfolgt werden. Weitere biographische Angaben, die nur in gewissen Schuljahren gemacht werden und in ihrem Aussagegehalt variieren – so etwa Informationen über Stand und Wohnort des Vaters oder den Berufswunsch der Abiturienten –, müssen den Gymnasialprogrammen selbst entnommen werden.

„Berühmte“ Koblenzer Abiturienten waren beispielsweise 1856 (ID-Nr. 393) Eugen Richter (1838-1906), Politiker und Reichstagsabgeordneter (Fortschrittliche Volkspartei), 1895 (ID-Nr. 1032) Paul Silverberg (1876-1959), Industrieller im Braunkohletagebau, seit 1927 stellvertretender Vorsitzender des Reichsverbandes der deutschen Industrie, 1934 in die Schweiz emigriert, oder 1906 (ID-Nr. 1423) Otto Schniewind (1887-1964), 1934 Chef des Stabes des Flottenkommandos der Kriegsmarine, 1941 Flottenchef, 1944 Generaladmiral.

Für Fragen und Anregungen steht das Stadtarchiv unter stadtarchiv@stadt.koblenz.de gern zur Verfügung.

Abiturienten- und Schülerliste des Kaiserin-Augusta-Gymnasiums (XLS-Datei, 537 KB)

#Richter, Eugen #Silverberg, Paul #Schniewind, Otto

„Die Stadt ist ein einziges Trümmerfeld.“ Dokumente der Nachkriegszeit in Wort und Bild

Theater StAK_P_185

Programm des Stadttheaters Koblenz, Dezember 1945 (StAK P Nr. 185).

Vortrag von Dr. Petra Weiß und Michael Koelges (Stadtarchiv Koblenz) im Rahmenprogramm zu der Ausstellung „Mut zur Freiheit. Informel aus der Sammlung Anna und Dieter Grässlin.“ Donnerstag, 6. Juli 2017, 19 Uhr, Mittelrhein-Museum Koblenz, Zentralplatz 1. Kosten: 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, Schüler und Studierende haben freien Eintritt

Das Stadtarchiv besitzt einen reichen Schatz an Zeugnissen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit in Koblenz. Im Vortrag werden Film-, Bild- und Schriftdokumente in Zusammenhang gebracht. Dabei kommen persönliche Erinnerungen ebenso zur Sprache wie offizielle Verlautbarungen, Plakate und Zeitungen. So eröffnet sich ein vielfältiges Panorama, in dem neben den Alltagssorgen auch die Energie des Aufbruchs in Kultur und Gesellschaft deutlich wird.

 

 

Namen von Klang. Koblenzer Firmen erzählen ihre Geschichte

In der Wochenendausgabe Nr. 284 des 9./10. Dezember 1933 veröffentlichte der Koblenzer Generalanzeiger auf knapp vier Seiten die Geschichte von namhaften lokalen Firmen. Wahrscheinlich hatten die Firmen diese Veröffentlichung selbst finanziert, denn anderthalb Seiten zeigen im Grunde nichts Anderes als aktuelle Geschäftsanzeigen, ergänzt um das jeweilige Gründungsdatum der Firma. Das älteste Geschäft, dessen „Aufstieg und Entwicklung“ dann umrissen wird, war die seit 1849 bestehende Kürschnerei und Pelzwarenhandlung Ferdinand Schnabel. 1909 war die jüngste der porträtierten Firmen gegründet worden, die Bauunternehmung H. Neffgen.

Es fehlt die vermutlich älteste Koblenzer Firma, die heute noch existiert: Gemäß Schaufensteraufschrift wurde der Hutladen Schnell im Entenpfuhl 14 im Jahr 1806 gegründet. Im Einwohnerverzeichnis von 1818 taucht tatsächlich der Hutfabrikant Johann Schnell auf, der damals in der Firmungstraße Nr. 489 (heute Nr. 29) residierte und aus Krefeld stammte (StAK 623 Nr. 2170, S. 454). Das Einzelhandelsgeschäft wechselte seitdem mehrfach den Inhaber, heute betreibt es die Leonard Heyden GmbH.

 

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