Koblenzer Frauengeschichte

La_Roche_Sophie

Sophie La Roche, um 1776. Gemälde von Georg Oswald May im Gleimhaus Halberstadt (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:LaRocheMS.jpg?uselang=de).

Das Stadtarchiv setzt seine Reihe zur Geschichte der Frauen in Koblenz fort. In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule spricht Frau Dr. Petra Weiß, stellvertretende Leiterin des Stadtarchivs, am Mittwoch, 18. Oktober, zum Thema „Frauen in der kurfürstlichen Residenz“. Die Veranstaltung findet von 17.30 bis 19.00 Uhr im Lesesaal des Stadtarchivs, Alte Burg, Burgstraße 1, statt und kann als VHS-Kurs unter www.vhs-koblenz.de online gebucht werden.

#La Roche, Sophie #May, Georg Oswald

Advertisements

Gesellenbrief der Ehrenbreitsteiner Zünfte (zwischen 1768 und 1786)

Gesellenbrief_Ehrenbreitstein

Gesellenbrief  der Ehrenbreitsteiner Zünfte, zwischen 1768 und 1786 (aus StAK 655,10 Nr. 281).

Jens Fachbach behandelt in seinem jüngst erschienenen Grundlagenwerk über die Hofkünstler und Hofhandwerker am kurtrierischen Hof[1] auch die Ehrenbreitsteiner Zünfte. Die Datierung des Gesellenbriefs ergibt sich aus dem Wappen des Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen sowie aus der Tatsache, dass Ehrenbreitstein im Text noch als Residenzstadt bezeichnet wird. Neben diesem Exemplar wurde im Jahr 2012 auch ein ausgefülltes Stück im Kunsthandel angeboten.[2]

#Fachbach, Jens #Sachsen, Clemens Wenzeslaus von

  • [1] Fachbach, Jens: Hofkünstler und Hofhandwerker am kurtrierischen Hof in Koblenz/Ehrenbreitstein 1629-1794. Studie, Handbuch, Quellen. Bd. 1-2. Petersberg 2017.
  • [2] Ebd., Bd. 1, S. 214 (Abb. des Gesellenbriefs) sowie S. 727 Anm. 1011.
  • Wohnungsnot, städtisches Erscheinungsbild und leere Kassen – Déjà-vu im Stadtarchiv !

    Dass Wohnungsnot und „hässliche Ecken“ im städtischen Erscheinungsbild keineswegs aktuelle Phänomene sind und wünschenswerte Maßnahmen zur Abhilfe nicht nur im 21. Jahrhundert an den leeren Kassen der Kommunen und des Staates scheitern, belegen zwei Zufallsfunde aus dem Jahr 1863.

    Ein Artikelchen aus der Coblenzer Zeitung vom 23. April 1863 [1] macht eindringlich deutlich, dass es auch vor mehr als 150 Jahren „einen immer steigenden Nothstand [sic!] an Wohnungen, namentlich für die mittlere Klasse“ gegeben hat. Ausdrücklich begrüßt werden vom Autor eine im Jahr 1863 offensichtlich gesteigerte Bau- und Umbautätigkeit sowie Planungen, die eine Vielzahl an neuen Bauplätzen in der Rhein-Mosel-Stadt schaffen werden – und damit Entlastung zumindest in Aussicht stellen. Den geplanten Abriss eines ausgesprochenen Schandflecks („partie honteuse“) der Stadt, des Seilerwalls [2], würdigt der Schreiber, neben den privaten Baumaßnahmen, als lobenswertes Bemühen der städtischen Verwaltung, der Stadt „ein freundliches Ansehen zu verschaffen, auf welches jeder Fremde bei ihrer reizenden Lage rechnen zu können vermeint“. Im Hinterkopf hat er in diesem Zusammenhang sicher nicht nur den baulich unschönen Zustand des Geländes rund um den Seilerwall, sondern vor allem die Tatsache, dass es sich um eine äußerst verrufene Gegend handelte. Hier lebten in der Mitte des 19. Jahrhunderts sieben bis acht Prostituierte aus der Stadt in einzelnen Wohnungen und gingen dort – trotz wiederholter polizeilicher Intervention – ihrem Gewerbe nach. Sehr zum Leidwesen der Anwohner, wie eine Beschwerde derselben aus dem Jahr 1844 offenbart [3].

    Als ganz und gar unerfreulich wird darüber hinaus ausgerechnet der Zustand einiger staatlichen Liegenschaften beschrieben – explizit des Areals zwischen Karmeliterstraße und Regierungsgebäude [4], welches von der städtischen Verwaltung an den Fiskus zwecks Errichtung eines neuen Gefängnisses abgetreten worden war. Moniert werden zum Beispiel der „wüste Platz [5], der sich in der Carmelitenstraße nach Abbruch (…) des Mähler’schen Hauses [6] dem Fremden darbietet“ sowie das schon seit Jahren unerfüllte Versprechen von staatlicher Seite, eine neue, breite Straße zwischen Karmeliterstraße und Regierungsgebäude anzulegen. Bemerkenswert ist, dass der Autor bei seiner Kritik auch schon vor mehr als 150 Jahren das Ansehen seiner Heimatstadt gerade bei den auswärtigen Besuchern im Blick hat.

    Wie der Vorläufer einer modernen Pressemitteilung mutet ein zweiter Artikel aus der Coblenzer Zeitung vom 23. Mai 1863 [7] an, der inhaltlich offensichtlich auf die exakt vier Wochen ältere Meldung Bezug nimmt. Die städtische Verwaltung sah sich offenbar genötigt, den Vorwurf, dass „die Ausführung der neuen Straßenprojecte lässig betrieben und wie viele andere Dinge ins Unbestimmte vertagt würde“, zu entkräften. Man sei im Gegenteil „aufs eifrigste bemüht“ gewesen, „dem Projecte Leben zu verschaffen“. Gemeint sind an dieser Stelle der oben schon erwähnte Ausbau der Verbindung zwischen Karmeliterstraße und Regierungsgebäude sowie die Anlage einer neuen Straße vom Bahnhof bis zur Casinostraße. Allerdings muss man schon wenige Zeilen später die Aufgabe zumindest der ersten der beiden Straßenbaumaßnahmen einräumen – sie scheitert an den leeren Kassen des Staates. Alles andere als komfortabel erscheint aber auch die finanzielle Lage der Stadt Koblenz, die „in ihren beschränkten Mitteln keine 300.000 Thaler (…) für den Abbruch des Seilerwalls und eine neue Straße ausgeben kann“. Somit bleibt die „partie honteuse“ entgegen der im ersten Artikel geäußerten Hoffnung sowohl den Koblenzern als auch ihren Gästen weiterhin auf unbestimmte Zeit erhalten.

    Angesichts der momentanen Debatte um die Notwendigkeit der Schaffung bezahlbaren Wohnraums vor allem in den Städten bei gleichzeitig chronisch leeren Kassen muten diese historischen Zeitungsartikel geradezu aktuell an und haben bei den Archivmitarbeitern für ein ‚Déjà-vu-Erlebnis‘ gesorgt. Getreu dem alten Sprichwort bleibt also festzuhalten: „Es kommt alles wieder!“ – nicht nur in der Mode …

     

     

     

     

     

     

    • [1]Coblenzer Zeitung vom 23.4.1863, Zweites Blatt, S. 1.
    • [2]Beim Seilerwall handelt sich um die frühere Bezeichnung der heutigen Fischelstraße, da hier hinter der mittelalterlichen Stadtmauer die Seiler ihr Handwerk betrieben. „Der Seilerwall folgte dem Verlauf der barocken Stadtmauer und ‚verlief von der Löhrstraße, dem Kleinschmittsgäßchen gegenüber, an der inneren Seite der Stadtmauer nach der Weisergasse‘“, Zitat aus: Petra Weiß, Prostitution in Koblenz im 19. Jahrhundert. In: Koblenzer Beiträge zur Geschichte und Kultur 11/12. Koblenz 2001/2002, S. 45, Anm. 59. Ab 1861 trug die Straße den Namen „Eisenbahnstraße“, da sie teilweise neben der damals angelegten linksrheinischen Bahnlinie verlief. Hier befand sich der frühere Rheinische Bahnhof, in Betrieb bis 1902, zerstört 1944. Zwischenzeitlich verschwand die Fischelstraße während der sechziger und siebziger Jahre anlässlich der Neugliederung des Gebietes zwischen Altengraben, Löhrstraße, Herz-Jesu-Kirche und Eisenbahnlinie. Vgl. StAK DB 17, Straßennamen, S. 49 sowie Udo Liessem, Koblenzer Straßennamen. In: 2000 Jahre Koblenz. Geschichte der Stadt an Rhein und Mosel. Hrsg. von Hans Bellinghausen. Boppard 1971, S. 420.
    • [3]Vgl. Petra Weiß, Prostitution in Koblenz im 19. Jahrhundert. In: Koblenzer Beiträge zur Geschichte und Kultur 11/12. Koblenz 2001/2002, S. 45, 46.
    • [4]Heutiges Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw.
    • [5]Im Sprachgebrauch des 19. Jahrhunderts ist mit ‚wüster Platz‘ ein leerer, unbebauter Platz gemeint.
    • [6]Ehemaliges Wohnhaus des früheren Koblenzer Bürgermeisters Johann Abundius Anton Joseph Mähler (1777–1853) in der Karmeliterstraße. Mähler hatte der Stadt von 1818 bis 1847 als Bürgermeister vorgestanden. Vgl. Geschichte der Stadt Koblenz. Band 2: Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. Stuttgart 1992, S. 620.
    • [7]Coblenzer Zeitung vom 23.5.1863, S. 3.

    Namen von Klang. Koblenzer Firmen erzählen ihre Geschichte

    In der Wochenendausgabe Nr. 284 des 9./10. Dezember 1933 veröffentlichte der Koblenzer Generalanzeiger auf knapp vier Seiten die Geschichte von namhaften lokalen Firmen. Wahrscheinlich hatten die Firmen diese Veröffentlichung selbst finanziert, denn anderthalb Seiten zeigen im Grunde nichts Anderes als aktuelle Geschäftsanzeigen, ergänzt um das jeweilige Gründungsdatum der Firma. Das älteste Geschäft, dessen „Aufstieg und Entwicklung“ dann umrissen wird, war die seit 1849 bestehende Kürschnerei und Pelzwarenhandlung Ferdinand Schnabel. 1909 war die jüngste der porträtierten Firmen gegründet worden, die Bauunternehmung H. Neffgen.

    Es fehlt die vermutlich älteste Koblenzer Firma, die heute noch existiert: Gemäß Schaufensteraufschrift wurde der Hutladen Schnell im Entenpfuhl 14 im Jahr 1806 gegründet. Im Einwohnerverzeichnis von 1818 taucht tatsächlich der Hutfabrikant Johann Schnell auf, der damals in der Firmungstraße Nr. 489 (heute Nr. 29) residierte und aus Krefeld stammte (StAK 623 Nr. 2170, S. 454). Das Einzelhandelsgeschäft wechselte seitdem mehrfach den Inhaber, heute betreibt es die Leonard Heyden GmbH.

     

    Koblenzer_Geschäfte_1

    Koblenzer_Geschäfte_2

    Koblenzer_Geschäfte_3

    Koblenzer_Geschäfte_4

     

     

    Klaus Kemp: Regiebahn. Reparationen, Besetzung, Ruhrkampf, Reichsbahn

    kemp_regiebahn_vorderseite

    Klaus Kemp: Regiebahn. Reparationen, Besetzung, Ruhrkampf, Reichsbahn. Die Eisenbahnen im Rheinland und im Ruhrgebiet 1918-1930. Freiburg i. Br.: EK-Verl., 2016. – 304 S., zahlr. Ill., Kt. ISBN 978-3-8446-6404-1. – 45,00 EUR.

    kemp_regiebahn_ruckseite

    Koblenz S. 19, 55, 64, 90, 106, 173-174, 192, 197, 256; Kapellen-Stolzenfels S. 106; Königsbach (zu Kapellen-Stolzenfels) S. 132, 209, 296; Lützel S. 297.

    Töpfer, Ziegeleien, Kalkbrennereien und Tonabbau in Koblenz

    Anzeige_Ziegelei_Peters

    Anzeige der Firma Gebrüder Peters mit Ansicht des Ringofens, Koblenzer Adressbuch 1883, Anzeigenteil, S. 47; vgl. Dilibri.

    Peter Kleber widmet sich in seinem Aufsatz diesem bislang vernachlässigten Aspekt der Koblenzer Stadtgeschichte:

    Töpfer- und Ziegelwesen, Kalkbrennereien und Tonabbau in Koblenz. Ein Rekonstruktionsversuch

    13. November 1817: Das erste Dampfschiff erreicht Koblenz

    FA1 Dampfschiff Rhein (Stich) 1825-09-14

    Nach Abschluss der Manöver auf dem Urmitzer Feld (10.-13. September 1825) fährt der preußische König Friedrich Wilhelm III. am 14. September 1825 mit dem Dampfschiff „Der Rhein“ von Koblenz nach Köln (Fotografie eines Stichs, StAK FA 1-81).

     

    Im November 1817 erreichte das erste Dampfschiff, das rheinaufwärts fuhr, die Stadt Koblenz. „Es war die CALEDONIA, die von James Watt jr., dem Sohn des Dampfmaschinenbauers, geführt wurde. Nun hatte am 13.11.1817 auch Koblenz die Ehre, Endstation der Erprobungs- bzw. Vorführungsfahrt eines Dampfschiffes auf dem Rhein zu sein. Auch dieses Schiff konnte mit seinem Dampfantrieb noch nicht recht überzeugen, es hatte für die letzte Strecke Pferde zu Hilfe nehmen müssen. Die Bemühungen der Engländer, bei der preußischen Regierung eines Konzession für ihre Dampfschiffe auf dem Rhein zu erhalten, wurden abgewiesen: Die preußische Schiffahrt brauche die Dampfer nicht, und im übrigen sei die Brauchbarkeit der Dampftechnik ganz und gar nicht bewiesen.“ – Zitat aus: Klaus Schmitt: Das Dampfschiff kommt auf den Rhein. In: 2000 Jahre Rheinschiffahrt. Begleitpublikation zur Ausstellung des Landesmuseums Koblenz und des Rhein-Museums e. V. Koblenz 1991 (Veröffentlichungen des Landesmuseums Koblenz, Reihe B, Bd. 40), S. 85-98, hier S. 92 (ohne Quellenangabe).

     

    StAK_623_Nr_998_Seite_401_Nr_724

    Auszug aus dem Lucasschen Zeitbuch (StAK 623 Nr. 998, S. 401 Nr. 724).

    Darüber hinaus berichtet das Lucassche „Zeitbuch“: „Am 13ten November kömt das erste Dampfschiff hier an, wo es gleich unter der fliegenden Brücke landet. Am 15ten kehrte dasselbe nach Cöln zurück.“ – Der Privatier (Rentner) Josef Anton Lucas führte eine ausführliche Chronik, deren großer Wert für die Koblenzer Stadtgeschichte sich auch im vorliegenden Fall wieder einmal erweist, berichtete doch die Zeitung „Koblenzer Anzeiger“ mit keiner Zeile über dieses Ereignis. Damals pendelte noch die im „Zeitbuch“ erwähnte Fliegende Brücke zwischen Koblenz und Ehrenbreitstein – eine Art Gierponte, die durch die Strömung von einem Ufer zum anderen befördert wurde. Die Schiffbrücke nahm erst im April 1819 ihren Betrieb auf.

     

    Fliegende_Brücke_Ausschnitt_aus_StAK_K_Nr_279

    Die „Fliegende Brücke“ am Koblenzer Rheinufer; Ausschnitt aus dem „Dilbecker-Plan“ von 1794 (StAK K Nr. 279).

    #Friedrich Wilhelm III. (preuß. König) #Watt, James (jr.) #Lucas, Josef Anton #Dilbecker, Johann Peter