Vor 75 Jahren: erste Deportation Koblenzer Juden am 22. März 1942

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Zerstörte Bahnanlagen und Gleise auf dem Güterbahnhof Lützel, 16. März 1945 (StAK FA 2 Nr. 4331). Von hier aus verließ nur wenige Wochen zuvor der siebte und letzte Deportationszug die Stadt.

 

Der Förderverein Mahnmal Koblenz, die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit, der Freundschaftskreis Koblenz-Petah Tikva und der DGB – Region Koblenz – laden für Mittwoch, 22. März, 18 Uhr, in den Hof der Freiherr-vom-Stein-Schule, Steinstraße 20, ein. Dort nimmt ein Gedenkgang seinen Anfang, der durch die Schlachthofstraße und über die Balduinbrücke zum Bahnhof Lützel führt. Mit ihm soll an die erste Deportation von 338 Juden aus Koblenz und Umgebung „in den Osten“ erinnert werden, die am 22. März 1942 von Lützel aus ihren Anfang nahm. Bis Kriegsende fanden sechs weitere Deportationen statt, die letzte am 18. Februar 1945.

Förderverein Mahnmal Koblenz in der Datenbank der Bundeszentrale für politische Bildung

Mahnmal

Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Reichenspergerplatz (Foto: Förderverein Mahnmal Koblenz)

Im Jahr 1996 gründeten Bürgerinnen und Bürger den Förderverein, um zunächst ein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz zu errichten. Dieses erste große Ziel erreichte der Verein mit der Einweihung des Mahnmals auf dem Reichenspergerplatz am 23. August 2001. Seitdem leistet der Verein vielfältige Erinnerungs- und Gedenkarbeit in Koblenz und Umgebung.

Nähere Informationen über die Arbeit des Fördervereins finden Sie auf den folgenden Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung.

#Förderverein Mahnmal Koblenz e. V.

Jüdische Grabsteine als Treppenstufen am Kindergarten in Koblenz-Lützel

Jüdische_Grabsteine_Lützel_1947

Jüdische Grabsteine in der Treppe zum Antonius-Kindergarten, Juni 1947.

Im Frühsommer 1950 geriet eine Freilandtreppe mit zwei seitlichen Aufgängen am St.-Antonius-Kindergarten im Koblenzer Stadtteil Lützel ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit. Der Grund: Ein jüdischer Besucher hatte empört festgestellt, dass die Stufen der stark frequentierten Treppe aus jüdischen Grabsteinen bestanden und die Trittflächen noch deutlich erkennbar hebräische Schriftzeichen aufwiesen. Der Fall wurde in der Auslandspresse bekannt und löste sowohl dort als auch bei Holocaust-Überlebenden Entrüstung aus. Die Zweckentfremdung von Grabsteinen war mit dem religiösen Empfinden von Juden völlig unvereinbar und wurde auch von Christen als pietätlos empfunden. Über den amerikanischen Hohen Alliierten Kommissar John McCloy gelangte der Vorfall an dessen für Rheinland-Pfalz zuständigen französischen Amtskollegen André François-Poncet, weiter an den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Peter Altmeier und schließlich sogar ins Bonner Bundeskanzleramt. Im Zentrum der Kritik stand die Stadtverwaltung Koblenz, die mit Oberbürgermeister Josef Schnorbach (1893-1973) an der Spitze das Ausmaß der internationalen Empörung und ihre Folgen unterschätzte. Jede Verantwortung von sich weisend, richtete sie ihren Fokus darauf, Kosten zu vermeiden und das Ansehen der Stadt Koblenz zu wahren.

Mehr dazu finden Sie unter folgendem Link:

Jüdische Grabsteine als Treppenstufen

Deportierte jüdische Kinder und Jugendliche

Vom 6. bis 8. März 2009 machte der „Zug der Erinnerung“ in Koblenz Station, der von annähernd 6000 Besuchern frequentiert wurde. Schwerpunkt der im Zug gezeigten Ausstellung bildete die Deportation von Kindern und Jugendlichen aus Deutschland und dem besetzten Europa in die nationalsozialistischen Vernichtungslager. Entsprechend dieser Vorgabe begann das Stadtarchiv mit Recherchen speziell zum Deportationsgeschehen junger jüdischer Menschen, die von Koblenz oder als gebürtige Koblenzer von anderen Orten in die Todeslager transportiert und dort ermordet wurden. Über das reine Datenmaterial hinaus wurde versucht, das Leben und familiäre Umfeld dieser Jugendlichen zu erfassen. Es entstand eine vorläufige Zusammenstellung, deren nüchterner Titel Deportierte jüdische Kinder und Jugendliche (ab Jahrgang 1925) aus Koblenz nur unzureichend die Monströsität des dahinter stehenden Menschheitsverbrechens widerspiegelt. Weitere Informationen finden Sie unter folgendem Link:

Deportierte jüdische Kinder und Jugendliche