Neuerscheinung: Auswahlkatalog des Mittelrhein-Museums Koblenz

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Mittelrhein-Museum Koblenz. Auswahlkatalog. Hrsg. von Matthias von der Bank u. Ines Heisig. Petersberg: Imhof, 2017. – 227 S., zahlr. Ill. ISBN 978-3-7319-0478-6. – 19,95 EUR.

„Mit diesem Auswahlkatalog legt das Mittelrhein-Museum die erste Bestandsübersicht seit seiner Neueröffnung im Jahr 2013 vor. Das Museum kommt damit nicht nur einem vielfach geäußerten Wunsch der Besucher nach, sondern reagiert auch auf seine verbesserten Ausstellungsmöglichkeiten. In den großzügigen Räumen im ‚Forum Confluentes‘ kann eine viel umfangreichere Auswahl aus den Beständen präsentiert werden als zuvor. Zudem konnte die Sammlung durch eine Reihe von Neuerwerbungen ergänzt werden“ (S. 7).

Ein Besuch im Staatsarchiv Koblenz, August 1929

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Blick von der Kastorkiche auf Deutschherrenhaus und Deutsches Eck, 1938 (StAK FA 2 Nr. 134).

 

 

Erich Tross (Troß), von 1924 bis 1929 Leiter der Beilage „Hochschule und Jugend“ der renommierten „Frankfurter Zeitung“  (vgl. Wikipedia), beschreibt in einem Essay seinen dreitägigen Besuch, den er im August 1929 dem Staatsarchiv Koblenz abstattete. Das Staatsarchiv war von 1897 bis 1945 im Deutschherrenhaus in unmittelbarer Nähe des Deutschen Ecks ansässig. Der Artikel ist ein Zufallsfund aus einem Konvolut von Zeitungsausschnitten, den das Stadtarchiv Trier freundlicherweise dem Stadtarchiv Koblenz überlassen hat:

„Koblenz, Ende August. Ich habe heute ein feines Kopfweh, wenn ich etwas sehen will, muß ich die Augen zusammenziehen. Drei Tage arbeitete ich im Staatsarchiv Koblenz. Jeden Tag habe ich acht Stunden hastig in alten Schriften gelesen. Es war so spannend, daß ich vor 8 und vor 3 Uhr am Portal stand, in der Hoffnung, einige Minuten früher hereingelassen zu werden. Zweimal ist es mir geglückt. Ich mußte durch Koblenz gehen. Reisebetrieb, Rhein. Man hört holländische und sächsische Laute. Die Nebenstraßen mit ihrem bürgerlichen Barock sind leer, Koblenz bleibt unentdeckt. Die Leute stehen am Gestade in Koblenz: das ist der Rhein, das ist Ehrenbreitstein, ihre Gesichter sind leer und fragend. Viele helfen sich damit, daß sie mit Getöse Koffer tragen und neue Reisevorbereitungen treffen. Ich biege rasch in die Castor[pfaffen]straße ein, parallel dem Rheinufer, vollkommene Stille. Man geht über den großen Platz, mit dem Denkmal des französischen Siegs über die Russen, auf das der russische Kommandant 1813 höhnisch schreiben ließ: vu et approuvé par nous commandant Russe de la ville de Coblentz. Im Eck steht das Deutschherrenhaus. Man läutet. Es dauert einige Zeit. Wie genau kenne ich das von den wenigen Besuchen, die ich nie vergesse. Dann öffnet sich endlich die Tür, man geht auf einem alten Pflaster durch einen Obstgarten, wie in einem Klosterhof an der Mosel. Wenn ich dort aber ans Ziel komme, sitzen Kölner Kurgäste darin und trinken Wein. Hier werde ich etwas anderes finden. Ich gehe rasch die von den Preußen bemalte alte Treppe hinauf in den Remter, der so hoch ist wie eine Kirche. Ein paar Benutzer sitzen schon da, ein paar katholische Pfarrer darunter, wie überall im Rheinland. Die Stimmen der beiden Archivare haben merkwürdigerweise ganz den gleichen Klang: sie hallen, sind längst dem großen Raum angepaßt, wecken die Benutzer, die in ihre Akten versunken und in ihren Wünschen unersättlich sind, aus ihren Träumen. In Kürze sitze ich – so liebenswürdg und rasch wie immer bedient – vor dem riesigen Register meines Studienfelds, dem ‚Repertorium‘. Ich strecke meine Füße aus, schaue nochmals nach dem großen Saal und blättere im Register: die Welt steht mir offen. Das ist die schönste Stunde im Archiv. Man notiert sich zur Seite eine Menge Akten, die einem dienen könnten. Später ist man in etwas Einzelnes versponnen, jagt man einem bestimmten Problem durch viele Akten nach, schwankt man stundenlang zwischen Hoffnung und Enttäuschung, und naht schon der Abschied. Aber in dieser ersten Stunde denkt man, man hätte Zeit und könnte tausend Fragen verfolgen. Es ist die glückliche Stunde im Archiv. […].“

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Erich Troß: Drei Tage im Archiv. In: Frankfurter Zeitung Nr. 650, 1. September 1929.

Weitere Angaben zu Erich Troß jetzt auf Archivalia.

#Troß, Erich

Teile der Bibliothek des Görres-Gymnasiums in der ULB Bonn

bibliotheca.gym berichtet über Teile der Bibliothek des Görres-Gymnasiums (vormals Kaiserin-Augusta-Gymnasium bzw. Königliches Gymnasium Koblenz) in der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn, die seinerzeit in Koblenz „entbehrlich“ schienen und 1821 an die Universitätsbibliothek Bonn abgegeben wurden (via Archivalia).

 

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Jesuitenplatz mit Jesuitenkirche und (rechts) ehemaligem Jesuitenkolleg, bis 1895 Sitz des Koblenzer Gymnasiums. Das Foto ist eine der ältesten Farbaufnahmen von Koblenz; Quelle: Fritz Michel: Coblenz. In: Die Rheinlande in Farbenphotographie. Hrsg. von Edmund Renard. Berlin, Köln 1922 (Deutschland in Farbenphotographie 7,2), S. 1-9, hier S. 5.

 

Näheres zur Bibliothek des Görres-Gymnasiums finden Sie hier.

 

 

Zuwachs für den Urkundenbestand des Stadtarchivs

 

Das Landeshauptarchiv Koblenz hat zwei Urkunden aus dem Vorbesitz des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz/Rheinische Landesbibliothek an das Stadtarchiv Koblenz abgegeben. Es handelt sich zum einen um den Verkauf eines Hauses aus dem Besitz des Kartäuserklosters auf dem Beatusberg in der Weißer Gasse im Jahr 1664, zum anderen um ein Privileg für die Schnallenherzen-Fabrik in Ehrenbreitstein von 1791.

Näheres finden Sie im Urkunden-Findbuch auf den Seiten 122 (StAK 623 Nr. 648) und 129 (StAK 623 Nr. 649).

Das napoleonische Stadtwappen von Koblenz

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Das napoleonische Stadtwappen von Koblenz. (Stadtarchiv Koblenz, Best. 623 Nr. 1036, S.10.)

1809 sollten Vorschläge zur Gestaltung neuer Stadtwappen vorgelegt werden – die kurfürstlichen Wappen hatten ausgedient. Die bonnes villes de l’Empire Aachen, Mainz und Köln erhielten 1811 Wappen mit goldenen Bienen, bekrönt vom kaiserlichen Adler. Das Wappen der Stadt Koblenz musste bescheidener ausfallen.

Der Munizipalrat beauftragte am 19. Januar 1810 Maire Gayer, dem Innenminister den Wappenentwurf zur Genehmigung vorzulegen. Auch drei weitere, leicht abweichende Alternativen sind der Akte beigefügt. Alle bestanden aus einem azurblauen Wappenfeld mit Symbolen der Flüsse Rhein und Mosel, einem Mittelfeld mit rotem Kreuz (aus dem traditionellen Koblenzer Wappen) und einem Schildhaupt mit grünen Weinblättern. Die Krone des alten Wappens wurde ersetzt durch eine Sonnenblume. Zwei Delphine, aus denen Wasser strömt, stellen Mosel (links) und Rhein (rechts) dar. Die Flüsse vereinigen sich als Symbol der Confluentia. Aus der Mosel ströme – so die Begründung – silbernes Wasser, da diese in den Vogesen entspringe, wo des Silberminen gebe. Der Rhein verströme goldenes Wasser wegen seines Reichtums seiner Landschaft. Die Weinblätter habe man gewählt, da die Ufer dieser beiden Flüsse wetteifern um die reiche Produktion exzellenten Weines. Am 15. März 1811 teilte der Präfekt dem Maire mit, dass der Innenminister das neue Wappen am 26. Februar 1811 genehmigt habe.

Literatur:
Bernhard Gondorf: Das Napoleonische Wappen für Koblenz. In: Landeskundliche Vierteljahrsblätter 34 (1988), Heft 3, S. 103-108;
Große Leute – Kleine Leute [Ausstellungskatalog]. Koblenz 1992, S. 50 Nr. 5.1.17;
Napoleon. Der Kaiser kommt! Verehrung und Mythos in Koblenz. Hrsg. von Mario Kramp. Ausstellung Mittelrhein-Museum Koblenz, 27. März bis 25. April 2004. Koblenz 2004 (Mittelrhein-Museum Koblenz, Kleine Reihe 4), S. 41.

#Napoleon I. (frz. Kaiser)