Die Militärbäckereien der preußischen Festung Koblenz und Ehrenbreitstein

Militärbäckereien

 

„Der 1816 beginnende Ausbau von Koblenz und Ehrenbreitstein zur preußischen Festung zog den Aufbau einer militärischen Infrastruktur zur Versorgung der Festung und der Garnison nach sich. Bei der Bereitstellung des wichtigen Grundnahrungsmittels Brot setzte die preußische Militärverwaltung in Koblenz auf Selbstversorgung. 1821 ging die im Festungsbauhof/Proviantamt am Clemensplatz (heute Reichenspergerplatz) untergebrachte Garnisonsbäckerei mit zwei in der französischen Zeit installierten Backöfen in Betrieb. Für den Kriegsfall sollten in den folgenden Jahren weitere Bäckereien in den Festungsteilen eingerichtet werden, sodass im Falle einer Armierung ausreichende Kapazitäten zum Brotbacken zur Verfügung standen. So entstand 1827 in dem soeben fertig gestellten Rheinkasemattenkorps (später Rheinanschlusskaserne) der Prototyp eines gänzlich neuen Ofens, der ausgiebig getestet und für gut befunden wurde. Er sollte als Vorbild für drei weitere Backöfen dienen, von denen 1828 zwei in Fort Großfürst Konstantin und einer im Untergeschoss des Kehlturms der Feste Kaiser Franz zur Ausführung kamen. Der Letztgenannte ist heute der einzige noch erhaltene Festungsbackofen der gesamten Festung Koblenz und Ehrenbreitstein“ (Klappentext).

Matthias Kellermann: Die Militärbäckereien der preußischen Festung Koblenz und Ehrenbreitstein. Zur Geschichte der Koblenzer Militärbäckereien unter besonderer Berücksichtigung der Kriegsbäckerei in der Feste Kaiser Franz. Koblenz: Fölbach, 2018. – 84 S., zahlr. Ill., Kt. ISBN 978-3-95638-414-1. – 12,80 EUR.

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70 Jahre Rittersturz-Konferenz

Rittersturz_1892

Gaststätte auf dem Rittersturz kurz vor der Eröffnung, 1892 (StAK FA 1-931).

 

Sebastian Gleixner bietet in seiner pädagogischen Handreichung zur Arbeit von Schülern mit archivischen Quellen folgenden Einführungstext zur Geschichte des Rittersturzes und der Rittersturzkonferenz:[1]

Beim Rittersturz handelt es sich um einen steil abfallenden Felsen des Hunsrücks, der direkt an die Stadt Koblenz heranreicht. Der Sage nach stürzte sich dort im Mittelalter ein unglücklich verliebter Ritter in den Tod.

Seit dem 19. Jahrhundert war der Aussichtspunkt wegen seines herrlichen Ausblicks über das Rheintal besonders beliebt. Deshalb wurde 1892 auf dem Rittersturz eine erste Gartenwirtschaft eröffnet, die man 1925 zum Hotel ausbaute. Ab 1928 führte eine über 400 m lange Zahnradbahn, die Rittersturzbahn, dorthin. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Hotel eines der wenigen unzerstörten Gebäude für größere Veranstaltungen in Koblenz. In den ersten Wochen nach der Befreiung durch die Amerikaner diente es als Sitz der US-Militärregierung und wurde dann von den Franzosen beschlagnahmt.

Auf Einladung des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Peter Altmeier, trafen sich die Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder sowie Louise Schroeder, die Oberbürgermeisterin von Berlin, das damals unter der Blockade der Sowjets zu leiden hatte, vom 8. bis 10. Juli 1948 im Hotel auf dem Rittersturz. Thema der Konferenz waren die Frankfurter Dokumente, die ihnen von den Militärgouverneuren der westlichen Besatzungszonen vorgelegt worden waren. Diese sahen v. a. die Gründung eines deutschen Weststaates vor. Die Ministerpräsidenten beschlossen aber einheitlich, dass diese Gründung nur ein Provisorium bis zur Errichtung eines gesamtdeutschen Staates sein sollte. Daher sollte es auch keine verfassunggebende Nationalversammlung, sondern einen Parlamentarischen Rat zur Ausarbeitung eines Grundgesetzes geben. Beratungen zur geforderten Neuregelung der Ländergrenzen wurden vertagt. Dem Entwurf eines Besatzungsstatuts trat man sehr selbstbewusst entgegen und versuchte, mit eigenen Vorschlägen das Zusammenspiel zwischen den deutschen Institutionen und den Alliierten festzuschreiben.

Auch wenn die Alliierten, v. a. die Amerikaner, enttäuscht reagierten, dass die Ministerpräsidenten einen so zurückhaltenden Standpunkt zur Gründung eines Weststaates einnahmen, einigte man sich schließlich kurz darauf am 26. Juli 1948: Der Ausarbeitung des Grundgesetzes und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland stand nun nichts mehr im Wege. Indem die Ministerpräsidenten den provisorischen Charakter des neuen Staates besonders betonten, wurde letztlich die Chance auf eine Wiedervereinigung, wie sie 1990 stattfand, überhaupt erst möglich. Das wiederum zeigt die große Bedeutung der Rittersturzkonferenz für die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Dass auf dem Rittersturz nach der Gründung der Bundesrepublik am 25./26. August 1949 noch eine zweite Ministerpräsidentenkonferenz stattfand, ist weniger bekannt. Die Länderchefs behandelten hier u. a. die Fragen, wann und wie der Bundestag, der Bundesrat und die Bundesversammlung erstmals einberufen werden sollten.

Trotz seiner bewegten Geschichte begann in den 1950er-Jahren der Niedergang des Hotels. Nachdem der Rittersturzfelsen abzurutschen drohte, wurde das Hotel 1974 abgerissen. Bereits 1959 war der inzwischen unwirtschaftliche Bahnbetrieb eingestellt worden.

Auf Initiative des damaligen Ministerpräsidenten Altmeier wurde später ein Denkmal zur Rittersturzkonferenz errichtet, das zum 31. Jahrestag am 8. Juli 1979 eingeweiht wurde. Zum 60. Jubiläum, 2008, erfolgte die Erneuerung des gesamten Geländes.

 

Rittersturz_um_1930

Berghotel Rittersturz, um 1930 (StAK FA 1-931).

 

Literatur:

50 Jahre Rittersturzkonferenz 1948-1998. Die Stunde der Ministerpräsidenten. Wissenschaftliches Symposion im Bundesarchiv in Koblenz am 8. Juli 1998. Hrsg. von Heinz-Günther Borck. Koblenz 1998.

Düwell, Kurt: Die Rittersturz-Konferenz vom Juli 1948. In: Rheinland-Pfalz entsteht. Beiträge zu den Anfängen des Landes Rheinland-Pfalz in Koblenz 1945-1951. Boppard am Rhein 1984 (Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz 5), S. 411-432.

Duppré, Fritz: Einübung in die Politik unter Peter Altmeier. In: Rheinland-Pfalz persönlich. Erinnerungen und Begegnungen. Mainz 1987, S. 39-67, hier S. 45-50 (persönliche Erinnerungen an die Rittersturz-Konferenz).

Gleixner, Sebastian: Mit Schülern an die Quellen: Projektarbeit in Archiven. In: Unterrichtsmaterialien Geschichte, Sekundarstufe I, 8. Ergänzung. Hallbergmoos: Stark-Verl., 2013, S. 1-44.

Himbert, Alexa: Rittersturzkonferenz. In: Zeugnisse rheinischer Geschichte. Urkunden, Akten und Bilder aus der Geschichte der Rheinlande. Eine Festschrift zum 150. Jahrestag der Einrichtung der staatlichen Archive in Düsseldorf und Koblenz. Red.: Franz-Josef Heyen und Wilhelm Janssen. Neuss 1982 (Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Jahrbuch 1982/83), S. 164-166, 432.

Michels, Willi K.: Die Rittersturz-Konferenz 1948. Ein historisches Ereignis im Koblenzer Stadtwald. In: Unser Stadtwald. Die grüne Lunge von Koblenz. – Amt für Liegenschaften und Forsten der Stadt Koblenz. – Koblenz 1993, S. 144-148.

Rittersturz-Konferenz. Konferenz der Ministerpräsidenten elf westdeutscher Länder im Hotel Rittersturz bei Koblenz vom 8. bis 10. Juli 1948. Katalog zur Ausstellung aus Anlaß des 40. Jahrestages. – Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz. – Koblenz 1988.

[1] Gleixner, S. 21.

 

 

Neuerscheinung: Louis-Lazare Hoche (1768-1797). Französischer General am Rhein

Hoche

 

„Am 24. Juni 2018 jährt sich nun Hoches Geburtstag zum 250sten Mal. Dies allein wäre schon Anlass genug, sich noch einmal intensiv mit dem Leben und Wirken eines Generals auseinanderzusetzen, der sich zeitlebens für die republikanische Idee eingesetzt und versucht hat, seine eigenen Vorstellungen im Sinne der Republik militärisch wie politisch umzusetzen. Bei aller Bewunderung für seine Leistungen, die er in seiner knappen Zeit erbrachte, sollte aber nicht vergessen werden, dass Hoche durch und durch Soldat war, der zur Erreichung seiner Ziele auch unpopuläre, ja grausame Maßnahmen ergriff, Todesurteile über die Feinde der Republik fällte und vollstrecken ließ. Dieses Buch erzählt daher nicht nur sein kurzes Leben, sondern gibt auch Einblicke in die Irrungen und Wirrungen der Revolution, deren Opfer er beinahe geworden wäre. Es berichtet zudem anschaulich über seine Bemühungen zur Stabilisierung der Republik gegen innere und äußere Feinde sowie eine sinnvolle und verträgliche Integration der eroberten linksrheinischen Gebiete, die sein früher Tod jedoch zunichtemachte“ (aus dem Vorwort von Matthias Kellermann, S. 10-11).

Jean-Noël Charon: Louis-Lazare Hoche (1768-1797). Französischer General am Rhein. Koblenz: Fölbach, 2018. – 197 S., zahlr. Abb. ISBN 978-3-95638-415-8, 14,80 EUR.

 

#Hoche, Louis-Lazare #Charon, Jean-Noël

Vortrag und Ausstellung: Die Revolution von 1848/49 in Koblenz

 

Bürgerwehr-Marsch

„Anfang des alten 1848er Bürgerwehr-Marsches“ (StAK KH 127 Nr. 36).

Die Revolution von 1848/49, die freiheitlichen und demokratischen Ideen für kurze Zeit zum Durchbruch verhalf, hat auch in Koblenz die Gemüter heftig bewegt. Eine paradierende Bürgerwehr, die Formulierung politischer Programme, die Bildung parteiartiger Vereinigungen sowie eine lebhafte Publizistik zeugen davon, dass sich die Ideen von Freiheit, Einheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit mit Macht Bahn brachen. Michael Koelges, Leiter des Stadtarchivs Koblenz, hält am Freitag, 1. Juni 2018, um 18 Uhr im Mittelrhein-Museum einen bebilderten Vortrag zu den Ereignissen in der Stadt. Der Eintritt ist frei. Darüber hinaus ist im Stadtarchiv in der Alten Burg, Burgstraße 1, bis zum 14. Juni während der Öffnungszeiten (Mo 14-17 Uhr, Do 10-13 Uhr) eine Kabinettausstellung kostenfrei zu besichtigen, die diese bewegten Jahre der Stadtgeschichte anhand schriftlicher und bildlicher Quellen veranschaulicht.

Vortrag und Ausstellung sind der Beitrag des Stadtarchivs zu den Koblenzer Wochen der Demokratie. Vom 25. Mai bis zum 15. Juni 2018 bieten rund 30 Akteure 50 Veranstaltungen der verschiedensten Art zum Thema Demokratie an. Anlass ist die Rittersturz-Konferenz, die vom 8. bis 10. Juli 1948 im Koblenzer Hotel Rittersturz stattfand und die sich zum 70. Mal jährt.

 

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Dauerausstellung „Koblenz im Zweiten Weltkrieg“ auf Fort Konstantin

 

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Ab Donnerstag, 17. Mai 2018, ist die Dauerausstellung „Koblenz im Zweiten Weltkrieg“ auf Fort Konstantin wieder geöffnet.

Bei der Konzeption wurde besonderer Wert auf die Einbettung der Thematik in den historischen Kontext gelegt: Um eine Verwechselung von Ursachen und Wirkung auszuschließen, wird zunächst Koblenz im Dritten Reich näher beleuchtet. Dabei liegt wiederum ein Schwerpunkt auf dem Thema Verfolgung. Erst dann wird die eigentliche Thematik aufgegriffen und behandelt. Die Ausstellung profitiert dabei von der Authentizität des Ortes: 1944 wurden die Kasematten zu einem Bunker ausgebaut und im März 1945 beherbergte das Fort das letzte Widerstandsnest der Wehrmacht.

 

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