Schifffahrt und Handel auf dem Rhein vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert

 

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Looz-Corswarem, Clemens von: Schifffahrt und Handel auf dem Rhein vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Beiträge zur Verkehrsgeschichte. Mit digitalem Verzeichnis der Akten der Handelskammer Köln im RWWA zur Schifffahrt und zum Stapelrecht, 1795 bis 1830. Wien, Köln, Weimar: Böhlau, 2020 (Schriften zur rheinisch-westfälischen Wirtschaftsgeschichte 48). – 560 S., Ill., Kt. ISBN 978-3-412-51771-7.

Sammlung von Aufsätzen aus der Feder des ehemaligen Leiters des Düsseldorfer Stadtarchivs. Koblenz und seine Stadtteile sind zahlreich vertreten.

 

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#Looz-Corswarem, Clemens von

Max Jacoby. Leben und Werk eines jüdischen Fotografen

 

Die Ausstellung, die neben dem fotografischen Werk Jacobys auch seine Familie und das jüdische Leben in Koblenz von 1910 bis 1938 in den Blick nimmt, öffnet am Freitag, 15. Mai. Die Ausstellung wurde gemeinsam von Landesmuseum und Stadtarchiv konzipiert.
Nähere Informationen des Landesmuseums Koblenz finden Sie hier.

 

 

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#Jacoby, Max

Woher der Wind weht. Das Mysterium des „Burgvogts“

Von unserem Gastautor Paul Dahms

Abb 1 - StAK S 53 Nr 2

Abb. 1: Protokollfragment von 1834.

Aus der Stadtbibliothek gelangte unlängst ein rätselhaftes Schriftstück in das Stadtarchiv. Es stammt aus dem Jahr 1834 und ist das Fragment eines Protokolls. Der Text, dessen Anfang fehlt, lautet:

[…]ießer Pfeil ist den ersten May 1834
neu gemacht; von Peter Rath und
auf die Burg auf gesetzt worden
Er soll der Fabrik Guten Wind
und Segen bringen; ein gutes
Frucht und Wein Jahr
den wir alle sehr gerne Trinken
             Amen

Welches Ereignis verbirgt sich dahinter? Das Protokoll haben 18 Herren unterzeichnet, deren Namen nicht auf bekannte Koblenzer Persönlichkeiten hindeuten, obwohl die letzte Unterschrift den Zusatz „Burgvogt“ trägt. Trotzdem gelang der erste Schritt zur Lösung des Rätsels anhand der Namen. Durch ihren Vergleich mit Einträgen in den Koblenzer Adressbüchern kam heraus, dass Peter Rath Klempner war und August Heydt, der die Reihe der Unterzeichner anführt, „Werkmeister in der Blechfabrik“. Im Jahre 1834 gab es nur eine solche in Koblenz, und die saß in der Alten Burg am Moselufer.

Damit war der Ort des Geschehens lokalisiert, dessen bauliche Anfänge in das Jahr 1185 zurückreichen, als dort aus Resten eines römischen Rundturms ein Wohnhaus errichtet wurde. Seit 1277 ließ sich der Trierer Erzbischof Heinrich II. von Finstingen das Haus zu einer Zwingburg ausbauen, die im Lauf der Jahrhunderte unter ihren wechselnden herrschaftlichen Besitzern Umbauten und Erweiterungen erfuhr, wobei der Geschmack der jeweiligen Epoche architektonische Spuren hinterließ. Nach dem Ableben des Kurfürsten Johann Hugo von Orsbeck im Januar 1711 wurde die Alte Burg zur Mietsache und von Hofbeamten als Wohnort genutzt.

1794, in der Franzosenzeit, verstaatlichte man den ehemaligen Wehrbau und führte ihn im Zuge des beginnenden Industriekapitalismus einem entsprechend praktischen Zweck zu: Seit etwa 1804 produzierte die Fabrik Fink & Comp. zwischen den alten Mauern Blechwaren. Firmeninhaber Sebastian Fink kaufte die Burg 1806, ab 1818 betrieb sein Kompagnon Hubert Josef Schaaffhausen das Unternehmen als „Schaaffhausen & Dietz” erfolgreich weiter. Es gehörte mit seinen Schmuck- und Gebrauchsgegenständen aus lackiertem Blech zur Spitze der Branche und ließ europäische Konkurrenz aus Berlin, Wien und Paris lange hinter sich. Die geschmackvoll gestalteten und bemalten Brotkörbe, Präsentierteller, Toiletten-Eimer, Kohlenkästen oder Ofenschilde waren sehr beliebt und in den meisten Bürgerhäusern vorzufinden.

Mit der Herstellung der begehrten Blechwaren beschäftigten sich bis zu 400 Arbeiter, und zu diesen gehörten neben Werkmeister August Heydt wohl weitere der Unterzeichner des Protokolls, von denen zwei Gürtler waren und sieben Klempner wie Peter Rath, der den Pfeil „neu gemacht“ und auf die Burg „auf gesetzt“ hatte. Welcher Pfeil damit gemeint ist, klärte ein Blick zum Himmel vom Standort Balduinbrücke/Ecke Burgstraße: Noch heute zeigt auf der Alten Burg ein blecherner Pfeil an, woher der Wind weht. Seit wann die Wetterfahne das Gebäude ziert, ließ sich nicht genau ermitteln. Eine Zeichnung aus dem Jahr 1792 zeigt das abgewalmte Satteldach noch oben ohne – vorausgesetzt, der Künstler hat detailgenau gearbeitet.

Abb 2 - Alte Burg 1792

Abb. 2: Blick auf die Alte Burg von Südwesten, 1792. Tuschezeichnung von Johann Heinrich Verflassen.

Auf einem um 1830 gemalten Aquarell hingegen ist ein Windrichtungsanzeiger abgebildet.

Abb 3 - Alte Burg 1830

Abb. 3: Alte Burg um 1830. Aquarell von O. C. Robinson.

So erklärt sich auch die Formulierung, dass Peter Rath den Pfeil „neu gemacht“, sprich den vorhandenen ersetzt hat – begleitet von guten Wünschen einer Herrenrunde, bei der es sich vermutlich um eine berufsständische Vereinigung handelt. Zwölf der Namen auf dem Protokoll finden sich im Folgejahr als Mitglieder des frisch gegründeten Katholischen Sterbekassenvereins der Koblenzer Blechschläger, Kupferschläger, Gürtler und Zinngießer wieder.

Vielleicht hatten jene Handwerker beschlossen, ihrer Fabrik einen neuen Windanzeiger zu stiften? Vielleicht geschah die Niederschrift vom Mai 1834 zur Erinnerung an den Akt des Aufsetzens der Wetterfahne, der bei einem „Richtfest“ mit Wein –„den wir alle sehr gerne Trinken“ – gefeiert wurde („Burgvogt“ ist ein Scherz) und das „Amen“ am Schluss auch als „Prosit“ gelesen werden darf? – Aber, das sind nur Gedankenspiele. Tatsache bleibt, dass das nun enträtselte Protokoll dorthin zurückkehrte, wo es einst herkam und wo es auch hingehört – in die Alte Burg, die seit 1980 das Stadtarchiv beherbergt.

Abb 4 - Alte Burg 1928

Abb. 4: Ansichtskarte von 1928. Der Wetterpfeil auf dem Dach der Alten Burg ist gut erkennbar.

Quellen und Literatur

Biller, Thomas: Alte Burg, in: Die Burgen im Welterbegebiet Oberes Mittelrheintal. Ein Führer zu Architektur und Geschichte, Regensburg 2013, S. 198-200.

Kleber, Hans-Peter: Blechwarenfabrik Fink & Comp. – Ursprung der Koblenzer Blechwarenfabrik Schaaffhausen & Dietz (Manuskript), Koblenz 2008.

Kleber, Hans-Peter: Von der Feinblechwarenfabrik zum Schweinestall. Das unrühmliche Ende der Koblenzer Blechwarenfabrik Schaaffhausen & Dietz, in: Koblenzer Beiträge zur Geschichte und Kultur, Neue Folge 13 (2003), S. 107-114.

Liessem, Udo: Die „Alte Burg“ in Koblenz. Eine bau- und kunsthistorische Studie, in: Burgen und Schlösser 16 (1975), Heft 1, S. 21-33.

Michel, Fritz: Die Kunstdenkmäler der Stadt Koblenz. Die profanen Denkmäler und die Vororte, Düsseldorf 1986, S. 80-94.

Michel, Fritz: Die Kurfürstliche Burg zu Koblenz, Koblenz 1928.

StAK Best. 623 Nr. 9652: Rechnungsbuch über die Sterbekasse der Koblenzer Blechschläger, Kupferschläger, Gürtler und Zinngießer, 1835-1900.

Abbildungsnachweis

Abb. 1: StAK S 53 Nr. 2, vormals Stadtbibliothek Koblenz, Altbestand, Nr. 197.

Abb. 2: https://www.bildindex.de/document/obj42133277; Abdruck in: Vom Beruf zur Berufung. Die Künstlerfamilie Verflassen zwischen Barock und Biedermeier. Katalog zur Ausstellung im Mittelrhein-Museum Koblenz, 19. Oktober 2019 – 2. Februar 2020. Hrsg. von Matthias von der Bank u. Adolf T. Schneider. Petersberg 2019, S. 168 Nr. D-Z001.

Abb. 3: Michel, Fritz: Die Kurfürstliche Burg zu Koblenz. Koblenz 1928, nach S. 14.

Abb. 4: StAK FA 5, Zug. 32/1985.

Mütterlein, lieb Mütterlein …

Anlässlich des amerikanischen Bürgerkrieges (1861 bis 1865) ursprünglich von der Friedensaktivistin Ann Jarvis und Julia Ward Howe zunächst als „Mother´s Day of Peace“ begründet, setzte sich der „Mother´s Day“ auf Betreiben der Tochter Ann Jarvis Junior zunächst in West-Virginia, ab 1914 dann in den ganzen USA als offizieller Feiertag durch. Ursprünglich von Woodrow Wilson auf den 8. Mai datiert, findet er in Anlehnung an den Todestag von Anne Jarvis in der Regel am zweiten Sonntag im Mai statt. Die schon bald darauf einsetzende Kommerzialisierung des neuen Gedenktages brachte den „Mother´s Day“ in die Welt, so auch um 1923 nach Deutschland. Im Rahmen ihres Familien- und Frauenbildes erhoben die Nationalsozialisten 1933 den „Muttertag“ zum nationalen Feiertag. Wenige Jahre später wurde der neue „eingedeutschte“ Feiertag durch das sogenannte „Ehrenkreuz der Deutschen Mutter“ (Mutterkreuz) als Pendant zum „Eisernen Kreuz“ für die Soldaten ergänzt, das jede Mutter ab dem vierten Kind „für ihren Einsatz von ´Leib und Leben´ bei der Geburt und Kinderaufzucht“[1] erhielt. Trotz dieser Vorbelastung durch den Nationalsozialismus wird der Muttertag wohl vor allem aus ökonomischen Beweggründen bis heute begangen, in Deutschland traditionell immer am zweiten Sonntag im Mai.[2]

Inge Bergweiler, geboren 1922 in Koblenz, Schülerin der Ursulinenschule in der Hohenzollernstraße (heute: Bischöfliches Cusanus-Gymnasium Koblenz),[3] verfasste vermutlich zwischen 1928 und 1930 für ihre Mutter folgendes Gedicht[4], das wir Ihnen anlässlich des bevorstehenden Muttertages nicht vorenthalten wollen:

Für den Fall, dass Sie kein Sütterlin lesen können, haben wir eine Transkription für Sie vorbereitet.

[1] Siehe Kipp, Michaela: Das Mutterkreuz, in: LeMO – Lebendiges Museum Online, 12. September 2014, abrufbar unter URL: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/innenpolitik/mutterkreuz.html (Aufruf: 7.5.2020).

[2] Vgl. Göttert, Karl-Heinz: Alle unsere Feste. Ihre Herkunft und Bedeutung, Stuttgart 2007, S. 138-140.

[3] Vgl. StAK Zugang Nr. 18/2019 Nr. 2 und Nr. 5.

[4] Vgl. StAK Zugang Nr. 18/2019 Nr. 2.

Zugang Nr. 18_2019, Nr. 2   Inge Bergweiler bei ihrer Kommunion 1932. StAK Zug. 18/2019 Nr. 2.

Screenshot (86)Gedicht von Inge Bergweiler. StAK Zug. 18/2019 Nr. 2.

Der Nachlass Walter Hoerder und die Evangelische Bühnengilde Koblenz

 

Ein Beitrag von Andrea Rönz im Blog des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Literaturhinweis:

Jochen Rath: „Es geht hier um höhere Dinge als nur blosses Theaterspielen!“ Die Evangelische Bühnengilde Koblenz. In: Pragmatisch, preußisch, protestantisch. Die Evangelische Gemeinde Koblenz im Spannungsfeld von rheinischem Katholizismus und preußischer Kirchenpolitik. Hrsg. vom Evangelischen Gemeindeverband Koblenz. Bonn 2003, S. 196-216.

Update 22. Mai 2020: https://blog.archiv.ekir.de/2020/05/22/die-evangelische-buehnengilde-koblenz-eine-digitale-ausstellung-mit-ddb-studio/

#Rönz, Andrea #Hoerder, Walter