Karl August Groos (1789-1861), evangelischer Pfarrer und Konsistorialrat in Koblenz

 

StAK_623,2_Sterbeeintrag_Groos_Karl_August

Sterbeeintrag Karl August Groos; Stadtarchiv Koblenz (StAK) 623,2 Nr. 559/1861, Standesamt Koblenz.

 

Am 21. November 1861 erschienen vor dem Koblenzer Personenstandsbeamten, Oberbürgermeister Hubert Josef Cadenbach, der Gerichtsassessor Karl August Groos, 32 Jahre alt, und der 61-jährige Pfarrer Ferdinand Schütte, um den Tod des 72-jährigen Konsistorialrats Karl August Groos am Vortag anzuzeigen. Der Verstorbene war in erster Ehe mit Christiane Hinzpeter (gest. 1832)[1] verheiratet gewesen und hinterließ seine zweite Ehefrau Henriette geb. Aster. Groos‘ Eltern waren Heinrich Groos, „Fürstlich-Wittgensteinischer Kammer-Rath“, und Hedwig Wilhelmine geb. Koch, beide zuletzt wohnhaft in Laasphe, Regierungsbezirk Arnsberg (Westfalen).

Groos hat auch in Koblenz seine Spuren hinterlassen.[2] Am 16. Februar 1789 in Saßmannshausen (Kreis Wittgenstein) geboren, trat er nach dem Studium der evangelischen Theologie und kirchlichem Vorbereitungsdienst im Jahr 1821 seine erste Pfarrstelle in Bendorf an. Dort heiratete er am 28. Mai 1835 in zweiter Ehe[3] Henriette (Jettchen) Aster[4], die ledige Schwester seines engen Freundes Erst Ludwig Aster, General und leitender Festungsingenieur von Koblenz und Ehrenbreitstein sowie Namensgeber des Koblenzer Stadtteils Asterstein. Bei dieser Verbindung handelte es sich möglicherweise um eine „Freundschafts- und Versorgungsehe“.[5] Groos, der selbst an den Befreiungskriegen teilnahm, ist durch die Vertonung von Gedichten bekannt geworden, die an die Zeit des Kampfes gegen Napoleon erinnern; sein Name ist insbesondere mit der Melodie zu Max von Schenkendorfs[6] „Freiheit, die ich meine“ verbunden.[7]

1827 verließ Groos Bendorf und übernahm die Stelle des Garnisonpredigers in Koblenz, die er bis 1838 inne hatte.[8] Von 1833 bis 1838 amtierte er als Militäroberpfarrer und gehörte 1834 zu den Gründungsmitgliedern des Evangelischen Frauenvereins.[9] Zu Konflikten zwischen dem Berliner Ministerium und der evangelischen Zivilgemeinde kam es, als Groos als Nachfolger des ersten evangelischen Pfarrers von Koblenz, Johann Justus Cunz (Amtszeit 1803-1835), in die Koblenzer Pfarrstelle eingesetzt wurde, da die Gemeinde ihr Pfarrerwahlrecht missachtet sah. Groos‘ Nachfolger als Militäroberpfarrer wurde 1838 Pfarrer Möllhausen. Nachdem Groos 1843 zum Konsistorialrat ernannt worden war, übernahm sein Nachfolger Friedrich Schütte aus Ende im Regierungsbezirk Arnsberg die Koblenzer Zivilpfarrstelle.

 

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Coblenzer Anzeiger Nr. 9, 21.1.1838, S. 1 (StAK MF 9 Nr. 11).

Coblenzer_Anzeiger_1844-02-13_Seite_1

Coblenzer Anziger Nr. 36, 13.2.1844, S. 1 (StAK MF 9 Nr. 19).

 

Groos wohnte zunächst im Haus Nr. 456 b am Paradeplatz.[10] Dann zog er zu einem unbekannten Zeitpunkt in das neue evangelische Pfarrhaus in der Neugörgenstraße (später Viktoriastraße 15), dessen Grundstein noch von seinem Vorgänger, Pfarrer Cunz, am 15. August 1834 gelegt worden war.[11]

 

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Evangelisches Pfarrhaus, Viktoriastraße 15, um 1938 (StAK FA 1-420).

Unter dieser Anschrift vermerken ihn auch das Adressbuch von 1840[12] und die „Liste der Zivileinwohner von Koblenz“ aus dem folgenden Jahr.[13] Zum Haushalt gehörten seine Ehefrau Henriette (46 Jahre), die Söhne Gisbert (17), Moritz (16), Ernst (14) und Karl (12) sowie die Nichten Eleonora Hinzpeter (15) und Auguste Speck (14), ferner die Mägde Katharina Dampmann (26) und Ludovica Heinrich (22). Nach der Liste der Zivileinwohner von 1850[14] wohnte die Familie im Haus Nr. 1008 (später Neustadt 5) in unmittelbarer Nachbarschaft des Theaters. Sohn Moritz (25) wird als „Rechtskandidat“ bezeichnet, Sohn Gisbert (26) als „Kandidat der Theologie“. Zum Haushalt gehörte außerdem die Magd Elisabeth Heigerwald (26).

Nach den Adressbüchern von 1857, 1859 und 1863[15] bewohnte die Familie – Karl August Groos starb am 20. November 1861 – das Haus Paradeplatz 3, unmittelbar neben dem Verlagshaus und der Buchhandlung Karl Baedeker (Paradeplatz 1) gelegen. Sohn Gisbert wurde nach wie vor als Kandidat der Theologie bezeichnet, Sohn Moritz erschien jetzt als Landgerichtsreferendar. Laut Adressbuch 1868 wohnte Dr. Gisbert Groos, nunmehr Divisions-Prediger, im Haus Rheinstraße 24, während Henriette Groos weiterhin unter der Adresse Paradeplatz 3 geführt wurde.[16]

 

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Ausschnitt aus dem „Adressbuchplan“ von 1840 (StAK K Nr. 213) mit den verschiedenen Wohnsitzen der Familie Groos: Haus Nr. 456 b (später Paradeplatz 7, heute Josef-Görres-Platz), das evangelische Pfarrhaus in der Neugörgenstraße (Haus Nr. 1093, später Viktoriastraße 15, rechts oben), das Haus Nr. 1008 (später Neustadt 5) nahe dem Theater und das Haus Nr. 456 (später Paradeplatz 3, links unten) unmittelbar neben dem Verlagshaus und der Buchhandlung Karl Baedeker (Haus Nr. 455, später Paradeplatz 1).

 

Karl August Groos zählte zum Freundeskreis des Generals von Bardeleben[17], dem „Riesenklub“, so genannt nach seinem Versammlungsort, dem Gasthof „Zum Riesen“ in der Rheinzollstraße.[18] Wohl 1815 von dem nachmaligen preußischen Kriegsminister Gustav von Rauch gegründet[19], geriet dieser informelle Zirkel in den 1830er-Jahren beim preußischen Innenminister Karl Albert von Kamptz in den Ruch demagogischer Umtriebe, woraufhin sich die Vereinigung auflöste. Wenige Jahre später durch Bardeleben wiederbelebt, war auch der Koblenzer Regierungsrat Gerd Eilers[20] für kurze Zeit Mitglied des Riesenklubs. Von ihm ist eine kurze Charakterisierung Groos‘ überliefert: „Groos hatte ein reiches humoristisches Talent, das sich mit einem tief gemütvollen Christentum verband. Eilers sagt, daß er niemand kennen gelernt habe, der mehr wie Groos, nicht nach der Schnur konfessioneller Hadersymbole, sondern in dem Gefühle des Erlösungsbedürfnisses der Menschheit eine so reine und wahrhaftige christliche Herzensbildung erlangt habe.‘“[21]

Dieser Beitrag ist Teil einer Blog-Kooperation mit dem Kreisarchiv Siegen-Wittgenstein  und dem Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland (Beiträge von Tatjana Klein und Andreas Metzing). Dank an Thomas Wolf für die Anregung!

#Groos, Karl August

 

[1] Pfarrer-Datenbank, Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland (AEKR) Düsseldorf; URL: https://blog.archiv.ekir.de/wp-content/uploads/2019/02/Pfarrerbuch_Karl_August_Groos.pdf (Zugriff 28.2.2019).

[2] Zu Groos allgemein vgl. den Wikipedia-Eintrag unter URL https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_August_Groos (Zugriff 27.2.2019).

[3] Pfarrer-Datenbank, AEKR Düsseldorf (wie Anm. 1).

[4] Dresden 1794 oder 1795 – 6.10.1869 Koblenz (StAK 623,2 Nr. 507/1869, Standesamt Koblenz).

[5] Erich Engelke: „Mit Gott für König und Vaterland“. Die preußische Militärgemeinde in Koblenz. In: Pragmatisch, preußisch, protestantisch… Die Evangelische Gemeinde Koblenz im Spannungsfeld von rheinischem Katholizismus und preußischer Kirchenpolitik. Hrsg. von Markus Dröge u. a. Bonn 2003 (Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte 161), S. 243-266, Zitat S. 265.

[6] Maximilian Gottfried Schenck von Schenkendorf (so die Namensangabe im Sterbeeintrag, StAK 623,2 Nr. 406/1817, Standesamt Koblenz; Tilsit/Ostpreußen 11.12.1783 – 11.12.1817 Koblenz), 1816-1817 Regierungsrat bei der Königlichen Regierung Koblenz, wo er die Militärsachen bearbeitete. „Obwohl Schenkendorf als geborener Ostpreuße den Rheinlanden völlig fremd war, hat doch seine von warmer Liebe zum Rheinlande erfüllte Persönlichkeit, die durch seine Begeisterung für rheinische Kunst und sein Gefallen an der Art des katholischen Gottesdienstes die Herzen der Bevölkerung gewonnen, es vermocht, unvermeidliche Härten in milderem Lichte erscheinen zu lassen. Nur allzufrüh setzte ein Nervenschlag seinem Leben am 11. Dezember 1817 ein Ende. Die Regierung konnte bei der Anzeige seines Todes an den Oberpräsidenten mit Fug erklären, daß das Kollegium in ihm ‚eines seiner ausgezeichnetsten und würdigsten Mitglieder‘ verliere“ (Hans Schubert: Die preußische Regierung in Koblenz. Ihre Entwicklung und ihr Wirken 1816-1918. Bonn 1925, S. 180). – Im Übrigen war einer der Zeugen, der den Tod Schenkendorfs anzeigte, sein Nachbar Josef Görres.

[7] Wilhelm Josef Becker: Karl Groos, der Komponist von „Freiheit, die ich meine“. In: Koblenzer Heimatblatt 3 (1926), Nr. 41, S. 3; URL: https://www.dilibri.de/rlb/periodical/pageview/179553. – Veränderter Wiederabdruck in: Rhein-Zeitung Nr. 10 vom 11.1.1952.

[8] Zu Groos‘ beruflichem Wirken in Koblenz vgl. Andreas Metzing: Karl August Groos (1789-1861) – ein Pfarrerleben in Zeiten des Umbruchs; URL: https://blog.archiv.ekir.de/2019/02/16/karl-august-groos-1789-1861-ein-pfarrerleben-in-zeiten-des-umbruchs/ (Zugriff 26.2.2019).

[9] Barbara Koops: Zwei evangelische Frauenvereine in Koblenz. In: Pragmatisch, preußisch, protestantisch (wie Anm. 5), S. 217-242, hier S. 219.

[10] Koblenzer Adressbuch 1828, S. 62; URL: https://www.dilibri.de/nav/classification/55302 (Zugriff 26.2.2019), auch für die im Folgenden angegebenen Fundstellen aus den Koblenzer Adressbüchern. – Die Angabe bei Engelke (wie Anm. 5), S. 266, Groos hätte „zunächst das Umbscheiden’sche Kanonikerhaus“ bewohnt, ist nicht nachvollziehbar.

[11] Max Bär: Aus der Geschichte der Stadt Koblenz 1814-1914. Koblenz 1922, S. 315; URL: https://www.dilibri.de/rlb/content/pageview/6489 (Zugriff 27.2.2019). – Andreas Metzing: Aus Rheinländern werden Preußen. Die Evangelische Gemeinde Koblenz 1815-1848. In: Pragmatisch, preußisch, protestantisch (wie Anm. 5), S. 29-50, hier S. 47. Das Pfarrhaus wurde auf dem Gelände der ehemaligen Festungsbaumschule errichtet; das 87 Ruten große Grundstück hatte die Gemeinde für den Betrag von 564 Talern vom Militärfiskus erworben; Theodor Link: Die Anfänge der evangelischen Gemeinde Coblenz. Coblenz 1891, S. 43-45, URL: https://www.dilibri.de/rlb/content/pageview/261535 (Zugriff 28.2.2019).

[12] Koblenzer Adressbuch 1840, S. 39 und 45 („Groos, Consistorialrath und Pfarrer der evangelischen Gemeinde hierselbst, Ritter des rothen Adlerordens 4r Klasse“).

[13] StAK 623 Nr. 2172.

[14] StAK 623 Nr. 2173.

[15] Koblenzer Adressbuch 1857, S. 133; 1859, S. 141; 1863, S. 123.

[16] Koblenzer Adressbuch 1868, S. 94.

[17] Karl Moritz Ferdinand von Bardeleben (Prenzlau 7.7.1777 – 14.2.1868 Koblenz), Gouverneur von Koblenz und Ehrenbreitstein, zuletzt Generalleutnant und, nach seiner Reaktivierung aus seinem zeitweiligen Ruhestand, Stellvertretender Kommandierender General des VIII. Armeekorps. Bardeleben war seit 1827 in Koblenz ansässig (StAK DB 8 Nr. 26 s. v. Bardeleben).

[18] Bär (wie Anm. 11), S. 365 f.; URL: https://www.dilibri.de/rlb/content/pageview/6539 (Zugriff 27.2.2019).

[19] Gustav Johann Georg von Rauch (Braunschweig 1.4.1774 – 2.4.1841 Berlin), seit 1814 Generalinspekteur der Festungen, hielt sich im Frühjahr 1815 am Rhein und somit wohl auch in Koblenz auf, wo er den Riesenklub aus der Taufe hob (vgl. StAK DB 8 Nr. 26, Anhang Ingenieuroffiziere, s. v. Rauch).

[20] Gerd Eilers (Grabstede/Oldenburg 31.1.1788 – 4.5.1863 Saarbrücken), 1833 bis 1840 Schul- und Regierungsrat bei der Koblenzer Regierung. Seine Memoiren erschienen unter dem Titel: Meine Wanderung durchs Leben. Ein Beitrag zur innern Geschichte der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bd. 1-6, Leipzig 1856-1861 (vgl. URL https://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Eilers, Zugriff 28.2.2019).

[21] Karl Zimmermann: General v. Bardeleben und sein Koblenzer Freundeskreis. In: Koblenzer Heimatblatt 5 (1928), Nr. 6-8, der Absatz über Groos mit dem Zitat Eilers‘ in Nr. 8, S. 4; URL: https://www.dilibri.de/rlb/periodical/pageview/258923 (Zugriff 28.2.2019). – Wiederabdruck des Aufsatzes in: Alt-Koblenz. Eine Sammlung heimatkundlicher Abhandlungen. Hrsg. von Hans Bellinghausen. Koblenz 1932, S. 246-262, hier S. 261.

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