Kardinal Krementz und Bismarck – zwei Koblenzer Ehrenbürger und der Kulturkampf

Philipp Kardinal Krementz, Sohn eines Metzgers aus dem Altlöhrtor, war der erste Koblenzer Ehrenbürger überhaupt. Am 19. Februar 1868 sprach ihm die Stadtverordnetenversammlung die Ehrenbürgerwürde zu. Reimund Hass porträtiert Krementz jetzt im Portal Rheinische Geschichte.

 

Krementz_Philipp

Philipp Kardinal Krementz, Koblenz 1.12.1819 – 6.5.1899 Köln (StAK FA 1-24).

 

27 Jahre später beantragte ein Dutzend Koblenzer Stadtverordneter, dem ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Der Antrag stieß bei einigen ihrer Kollegen auf Ablehnung, die sie in einer Eingabe von Anfang März 1895 an Oberbürgermeister Emil Schüller folgendermaßen begründeten:

StAK_623_Nr_6672_Seite_31

Quelle: StAK 623 Nr. 6672, S. 31.

Nach § 6 der Städteordnung kann das Ehrenbürger-
recht nur solchen Männern verliehen werden, welche
sich um die Stadt verdient gemacht haben. Diese Voraus-
setzung trifft unseres Erachtens in vorliegendem Falle
nicht zu, indem es sowohl an besonderen Verdiensten
des Fürsten Bismark [!] um unsere Stadt, wie auch an
jeder näheren Beziehung desselben zu Coblenz fehlt.
Überdies aber ist die politische Wirksamkeit des Fürsten
Bismark [!] für uns untrennbar verbunden mit dem viele
Jahre hindurch gegen die katholische Kirche, ihre Organisation
und ihre Institutionen geführten erbitterten Kampfe,
einem Kampfe, der auch dem Vaterlande schwere
Wunden geschlagen, insbesondere den innern Frieden
tief erschüttert hat und der in seinen beklagenswerthen
Folgen heute noch fortdauert. Speciell für Coblenz kommt
noch der Umstand in Betracht, daß es wenig angemessen
sein dürfte, den Vater des Culturkampfes dessem [!] ersten
Opfer als Ehrenbürger[1] zuzugesellen.
Aus diesen Gründen ist es uns unmöglich, dem
Antrage zuzustimmen, so sehr wir auch die Freude der
Antragsteller über die politische Einigung der deutschen
Stämme theilen und so gerne wir anerkennen, daß neben
den großen und seltenen Eigenschaften Kaiser Wilhelm[s] I.,
neben der unvergleichlichen Tüchtigkeit und Genialität
unserer Heerführer, neben der heldenmüthigen
Tapferkeit des deutschen Heeres und der begeisterten
Mitwirkung des ganzen Volkes wesentlich die eminente

StAK_623_Nr_6672_Seite_32

Quelle: StAK 623 Nr. 6672, S. 32.

Staatskunst des Fürsten Bismark [!] es ist, der wir die
Aufrichtung des deutschen Reiches und seine
gegenwärtige äußere Machtstellung zu verdanken
haben.

Die (zentrumsnahen) Antragsteller drangen nicht durch. Am 11. März verlieh die Stadtverordnetenversammlung dem „Eisernen Kanzler“ für seine Verdienste um die Reichseinigung die Ehrenbürgerwürde.

[1] Philipp Krementz (Koblenz 1.12.1819 – 6.5.1899 Köln), Januar 1848 Pfarrer von St. Kastor in Koblenz, 22.10.1867 Wahl zum Bischof von Ermland, 19.2.1868 Ehrenbürger von Koblenz, 15.12.1885 Inthronisation als Erzbischof von Köln, 16.1.1893 Kardinal.

#Krementz, Philipp #Bismarck, Otto von

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