Koblenzer Kultur-Kreis (K 3)

 

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Näheres über die neue Form der Zusammenarbeit Koblenzer Kultur- und Geschichtsvereine finden Sie auf den Seiten des Vereins für Geschichte und Kunst des Mittelrheins zu Koblenz e. V.

 

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Die Koblenzer „High Society“ um 1870

Agnes zu Salm-Salm, um 1875

Prinzessin Agnes zu Salm-Salm, um 1874. Aus: Prinzessin Felix zu Salm-Salm: Zehn Jahre aus meinem Leben. 1862-1872, Bd. 1. Stuttgart 1875 (vor Titelblatt).

 

Koblenz aus ungewöhnlicher Perspektive – das liefern uns die Memoiren der Agnes zu Salm-Salm (1840-1912), einer exzentrischen Amerikanerin, verheiratet mit einem preußischen Prinzen, der als Berufsoffizier Ende 1868 in Koblenz stationiert wurde. 20 Monate verbrachten die beiden in Koblenz, bis Prinz Felix im Juli 1870 in den Deutsch-Französischen Krieg zog.

 

Felix zu Salm-Salm, um 1868

Prinz Felix zu Salm-Salm, um 1867. Aus: Felix Prinz zu Salm-Salm, General, erstem Flügel-Adjutanten und Chef des Hauses Sr. Hochseligen Majestät des Kaisers Maximilian von Mexiko: Querétaro. Blätter aus meinem Tagebuch in Mexico. Nebst einem Auszuge aus dem Tagebuche der Prinzessin Agnes zu Salm-Salm, Bd. 2. Stuttgart 1868 (vor Titelblatt).

Auf Einladung der Evangelischen Superintendantur hielt Dr. Petra Weiß vom Stadtarchiv Koblenz am 19. November 2014 einen Vortrag mit dem Titel „Die Koblenzer ‚High Society’ am Vorabend des Deutsch-Französischen Krieges – aus Sicht der Agnes zu Salm-Salm“. Der Vortrag war zugleich die Auftaktveranstaltung der neuen Veranstaltungsreihe „Salon in der Suptur“ im historischen Gebäude der Superintendantur in der Mainzer Straße 81.

 

Königin Augusta (1811-1890)

Die preußische Königin und spätere Deutsche Kaiserin Augusta. Die Regimentsschleife am Ärmel mit der Initiale „A“ weist sie als Regimentschefin des 4. Garde-Grenadier-Regiments Königin aus. Aus: Maximilian Braumüller: Geschichte des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4. Mit Abbildungen, Plänen und Übersichtskarten. Berlin 1901, nach S. 6.

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Koblenz unter englischer Besatzung?

 

Im August 1925 löste eine Meldung der Kölnischen Volkszeitung in der Stadtverwaltung Koblenz hektische Betriebsamkeit aus. Gerüchteweise sollte die Interalliierte Rheinlandkommission nach Wiesbaden übersiedeln, sobald die englischen Besatzungstruppen die Kölner Zone geräumt haben würden. In Koblenz sollten englische Besatzungssoldaten das französische Militär ablösen.

 

Kölnische_Volkszeitung_Nr_589_1925-08-12

Ausschnitt aus der Kölnischen Volkszeitung Nr. 589 vom 11. August 1925 (Kopie in StAK 623 Nr. 4642, S. 20).

 

Der Koblenzer Regierungspräsident riet auf Nachfrage der Stadtverwaltung zur Gelassenheit und erklärte, dass ihm von einer geplanten Belegung der Stadt Koblenz durch englisches Militär nichts bekannt sei. „Man wird den Verlauf der Dinge abwarten müssen“ (StAK 623 Nr. 4642, S. 3). Gleichzeitig wandte sich Dr. Herbert Wirtz in seiner Eigenschaft als Besatzungsdezernent an seinen Kölner Kollegen mit der Bitte, einen Beamten des städtischen Besatzungsamts in die Domstadt schicken zu dürfen, damit dieser sich ein Bild von den dortigen Verhältnissen machen könne. Wirtz schrieb, es sei „bekannt, dass die Ansprüche der englischen Armee bezgl. der Quartiergestellung höher sind als die der franz. Armee, vielleicht auch höher als die der Rheinlandkommission. […] Da die englische Armee sich aus Söldnern rekrutiert und erfahrungsgemäss ein Söldnerheer wesentlich mehr Verheiratete aufweist als eine reguläre Armee, so ist es zweifelhaft, ob Coblenz in der Lage ist, die dortseits gestellten Quartieransprüche vollauf zu befriedigen“ (ebd., S. 4).

Oberstadtinspektor John, Leiter des Koblenzer Besatzungsamts, schilderte in einem ausführlichen Bericht die Arbeitsweise der städtischen Besatzungsverwaltung in Köln. Wegen der gehobenen Ansprüche der Engländer und ihres zahlreichen Familienanhangs müssten in Koblenz im Falle eines Umzugs bis zu 350 weitere Wohnungen für Quartierzwecke zur Verfügung gestellt werden. Hinzu komme, dass nahezu alle englischen Offiziere ein privates Automobil besäßen, was in Köln die Beschlagnahmung von 53 Garagen nötig gemacht habe. Die dortige Besatzungsverwaltung sei wegen der hohen englischen Erwartungen „sehr stark, um nicht zu sagen überorganisiert. […] Gemessen an dem, was ich gesehen und gehört habe, muss die Organisation bei der [französischen] Armee [in Koblenz] und selbst bei der Rheinlandkommission dagegen als stümperhaft bezeichnet werden“ (ebd., S. 13). Während in Köln 100 städtische Bedienstete für die Besatzungsangelegenheiten von 5000 englischen Soldaten zuständig seien, erledigten in Koblenz 43 Beamte und Angestellte diese Aufgaben bei einer französischen Truppenstärke von 8000 Mann. „Das Kölner System auf Coblenz [zu] übertragen, würde […] einen Apparat von 125 Köpfen erforderlich machen“ (ebd., S. 14). Besonders erwähnte der Berichterstatter das große Sportbedürfnis der Engländer, das eine entsprechende Infrastruktur erfordere. „Sie unterhalten weiterhin eine aus 6 Kanonenbooten bestehende Rheinflottille, die dem Vernehmen nach auch in Coblenz stationiert werden soll“ (ebd., S. 16).

John schloss mit dem Fazit: „Für den Fall, dass Coblenz mit englischer Besatzung belegt werden sollte, scheint mir das dringlichste Erfordernis zu sein, alsbald mit dem Bau von Offizierswohnungen nach Kölner Vorbild zu beginnen, da unsere hiesigen Besatzungsbauten nach englischen Begriffen wahrscheinlich nur Mannschaftswohnungen sein dürften. […] Alles in allem kann gesagt werden, dass, wenn auch nur die Hälfte der augenblicklichen Kölner Besatzung nach Coblenz verlegt werden sollte, mit einer Abnahme der Quartierlast kaum zu rechnen sein dürfte, da ausser [in] Ehrenbreitstein und vielleicht noch [in] Pfaffendorf sich keine Unterbringungsmöglichkeiten bieten dürften und die Stabs- und Zentralstellen usw. in der Stadt untergebracht werden müssten. Auf Coblenz sollen die Engländer deshalb gekommen sein, weil ausreichende Kasernen zur Verfügung stehen, was in Wiesbaden nicht der Fall sei (in Köln sind 19 Kasernen in Anspruch genommen)“ (ebd., S. 18).

Die Verlegung der englischen Truppen von Köln nach Koblenz blieb aus, und auch die Rheinlandkommission zog nicht nach Wiesbaden um. Die Erleichterung in der Koblenzer Stadtverwaltung dürfte nicht gering gewesen sein.

 

Oberpräsidium_Kronprinzenstraße_1918

Dienstgebäude des Oberpräsidiums der Rheinprovinz in der Kronprinzenstraße (heute Stresemannstraße), 1918 (StAK FA 1-534). Seit 1920 war hier die Interalliierte Rheinlandkommission (IRKO) untergebracht.

 

Quelle: StAK 623 Nr. 4642: Einzug der englischen Besatzung in den Stadtbezirk Koblenz (nicht erfolgt), 1925.

Zum Zusammenhang mit der „großen Politik“ vgl. Angela Kaiser: Lord D’Abernon und die englische Deutschlandpolitik 1920-1926. Frankfurt am Main u. a. 1989 (Europäische Hochschulschriften, Reihe III, Bd. 362), S. 287-305 (Kapitel: Die Räumung der Kölner Zone im Rahmen der Entwaffnungsverhandlungen).

#Wirtz, Herbert #John, Oberstadtinspektor