Digitalisierte Koblenzer Adressbücher

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Titelblatt des Adressbuchs von 1857.

 

Ein Adressbuch erfüllt als Verzeichnis der Anschriften von Privatpersonen, Gewerbetreibenden, Firmen, Vereinen und Behörden einen ähnlichen Zweck wie die späteren Telefonbücher. Für Familienforscher und Historiker sind die Adressbücher eine wichtige Quelle, weil sich mit ihrer Hilfe der Zeitraum eingrenzen lässt, innerhalb dessen eine Person in einer Stadt gelebt hat. Die Adressbücher für das 19. Jahrhundert sind von besonderer Bedeutung, da es noch keine Einwohnermeldeunterlagen gab. Sehr nützlich sind auch die diversen Behördenverzeichnisse. Branchenübersichten und gewerbliche Anzeigen sind ein wahrer Fundus für wirtschaftsgeschichtliche Fragestellungen, und die Listen von Vereinen enthalten oftmals den einzigen Hinweis auf einzelne Genossenschaften, wirtschaftliche Organisationen, religiöse, wohltätige oder Sport- und Turnvereine sowie diejenigen Personen, die im Vorstand tätig waren.

Im Rahmen des Projekts „Dilibri“ digitalisiert das Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz die seit 1794 erschienenen Koblenzer Adressbücher und stellt sie via Internet zur Nutzung bereit. Der lückenhafte Bestand der Rheinischen Landesbibliothek wird durch Exemplare aus der Bibliothek des Stadtarchivs Koblenz ergänzt. Inzwischen sind alle Adressbücher bis zur Ausgabe 1939/40 unter folgendem Link online recherchierbar:

Koblenzer Adressbücher 1794-1940

Zwangsarbeit während des „Dritten Reiches“ in Koblenz

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Zwangsarbeiterinnen bei Aufräumarbeiten in der Eltzerhofstraße nach dem Luftangriff vom 24. April 1944 (Foto: Stadtarchiv Koblenz).

Zwangsarbeit war während der Kriegsjahre im „Dritten Reich“ allgegenwärtig und beschränkte sich nicht auf die Rüstungsindustrie. Auch in Koblenz wurde die Kriegswirtschaft mit Hilfe vieler Tausender Zwangsarbeitskräfte in Gang gehalten, über deren Schicksal bisher nur wenig bekannt ist. Einen Überblick über Forschung zur Zwangsarbeit im Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz finden Sie hier.

Das Stadtarchiv Koblenz war von 2001 bis 2004 am Projekt „Nachweisbeschaffung für ehemalige Zwangsarbeiter“ beteiligt, das vom Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen, dem Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte und dem Bundesarchiv getragen wurde. Im Zuge der Recherchearbeiten konnten rund 4700 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter namentlich ermittelt werden, die in Koblenz und den heutigen Stadtteilen beschäftigt waren.

Judith Höhn-Engers hat in Nr. 49 (2004) der Zeitschrift „Unsere Archive“, S. 26-38, die Geschichte der Zwangsarbeit in Koblenz auf der Basis der geschilderten Forschungsarbeit erstmals dargestellt. Ihren instruktiven Aufsatz finden Sie hier:

Zwangsarbeit in Koblenz

Das napoleonische Stadtwappen von Koblenz

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Das napoleonische Stadtwappen von Koblenz. (Stadtarchiv Koblenz, Best. 623 Nr. 1036, S.10.)

1809 sollten Vorschläge zur Gestaltung neuer Stadtwappen vorgelegt werden – die kurfürstlichen Wappen hatten ausgedient. Die bonnes villes de l’Empire Aachen, Mainz und Köln erhielten 1811 Wappen mit goldenen Bienen, bekrönt vom kaiserlichen Adler. Das Wappen der Stadt Koblenz musste bescheidener ausfallen.

Der Munizipalrat beauftragte am 19. Januar 1810 Maire Gayer, dem Innenminister den Wappenentwurf zur Genehmigung vorzulegen. Auch drei weitere, leicht abweichende Alternativen sind der Akte beigefügt. Alle bestanden aus einem azurblauen Wappenfeld mit Symbolen der Flüsse Rhein und Mosel, einem Mittelfeld mit rotem Kreuz (aus dem traditionellen Koblenzer Wappen) und einem Schildhaupt mit grünen Weinblättern. Die Krone des alten Wappens wurde ersetzt durch eine Sonnenblume. Zwei Delphine, aus denen Wasser strömt, stellen Mosel (links) und Rhein (rechts) dar. Die Flüsse vereinigen sich als Symbol der Confluentia. Aus der Mosel ströme – so die Begründung – silbernes Wasser, da diese in den Vogesen entspringe, wo des Silberminen gebe. Der Rhein verströme goldenes Wasser wegen seines Reichtums seiner Landschaft. Die Weinblätter habe man gewählt, da die Ufer dieser beiden Flüsse wetteifern um die reiche Produktion exzellenten Weines. Am 15. März 1811 teilte der Präfekt dem Maire mit, dass der Innenminister das neue Wappen am 26. Februar 1811 genehmigt habe.

Literatur:
Bernhard Gondorf: Das Napoleonische Wappen für Koblenz. In: Landeskundliche Vierteljahrsblätter 34 (1988), Heft 3, S. 103-108;
Große Leute – Kleine Leute [Ausstellungskatalog]. Koblenz 1992, S. 50 Nr. 5.1.17;
Napoleon. Der Kaiser kommt! Verehrung und Mythos in Koblenz. Hrsg. von Mario Kramp. Ausstellung Mittelrhein-Museum Koblenz, 27. März bis 25. April 2004. Koblenz 2004 (Mittelrhein-Museum Koblenz, Kleine Reihe 4), S. 41.

#Napoleon I. (frz. Kaiser)

Rheinland-Pfälzische Personendatenbank

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Personenkartei des Stadtarchivs.

Die Rheinland-Pfälzische Personendatenbank (RPPD) ist eine regionale Dokumentation zu Personen aus dem Bundesland und seinen historischen Vorläufern. Quellen sind Bücher, Aufsätze aus Zeitschriften, Jahrbüchern, Tages- und Wochenzeitungen sowie Einzelbeiträge aus Sammelwerken. Die Datenbank ist im Aufbau begriffen. Die RPPD wird von Mitarbeitern der Stadtbibliotheken Mainz und Trier sowie des Landesbibliothekszentrums an den Standorten Speyer und Koblenz gemeinsam erarbeitet. Die Personen werden in den einzelnen Bibliotheken mit dem Datenbank-Programm allegro-c dezentral erfasst. Die Rheinische Landesbibliothek führt das biographische Material redaktionell zusammen und betreut die für die Herstellung der Datenbank erforderliche EDV.
Das Stadtarchiv Koblenz hat seine Personenkartei zur Verfügung gestellt, der Informationen zu 941 Koblenzer Persönlichkeiten entnommen wurden. Ausgewertet wurde außerdem eine unveröffentlichte Dokumentation zu den städtischen Beigeordneten von 1817 bis 1957.

 

Rheinland-Pfälzische Personendatenbank

Satzungs- und Mitgliederbuch der Elendigenbruderschaft zu Koblenz, 1441-1772

Armenfürsorge war im Mittelalter fast ausschließlich Sache der Kirche. Da Mildtätigkeit allgemein als heilspendend angesehen wurde, bildeten sich religiöse Gemeinschaften mit dem Ziel, Gutes zu tun. Die 1441 bei der Liebfrauenkirche gegründete Koblenzer Elendigenbruderschaft hat ihre Aufgaben am 11. März 1454 in einer Satzung genau festgelegt: Den in Koblenz verstorbenen Armen sollte ein anständiges Begräbnis gegeben werden. Mitglieder der Bruderschaft waren vor allem Geistliche, angeführt vom Trierer Weihbischof. Daneben gab es eine Vielzahl von Laien aus der Koblenzer Bürgerschaft, die als Brüder und Schwestern ebenfalls eingetragen wurden.                                                               Pergamenthandschrift, Ledereinband, 123 Blatt, 28,5 x 20 cm. Signatur: StAK 623 Nr. 1374

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Buchmalerei „Ecce homo“, 15. Jahrhundert.

 

Die ausdrucksvolle Darstellung des gegeißelten Christus („Erbärmdemann“, Ecce homo) gehört zu den hervorragenden Werken Koblenzer und mittelrheinischer Buchmalerei.

 

Literatur:
Josef Mündnich: Das Hospital zu Coblenz. Coblenz 1905, S. 36-50. – Josef Heinsberg: Die Elendenbruderschaft des Mittelalters als soziologisches Phänomen. Köln 1933, S. 6-9 (Edition der Statuten der Koblenzer Elendenbruderschaft). – Große Leute – Kleine Leute. 2000 Jahre Koblenzer Geschichte [Ausstellungskatalog]. Koblenz 1992, S. 60 (mit Abb. S. 85). – Caritas. Nächstenliebe von den frühen Christen bis zur Gegenwart. Katalog zur Ausstellung im Erzbischöflichen Diözesanmuseum Paderborn. Hrsg. von Christoph Stiegemann. Petersberg 2015, S. 450-451 (Exponatbeschreibung mit Wiedergabe der Buchmalerei aus StAK 623 Nr. 1374).

Elendenbruderschaft

„Im Namen Jesu“. Dankgebet eines Durchreisenden, 1720

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Scherenschnitt, koloriert, in oktogonaler Form, 34,5 x 44 cm. Signatur: StAK Best. 623 Nr. 2783, nach S. 138.

 

Diesem paßant geben pro viatico 27 alb. So heißt es auf der Rückseite des Scherenschnitts, der als Beleg Nr. 118 der Beilagen zur Stadtrentmeistereirechnung 1720/21 Aufnahme in die städtischen Akten gefunden hat. Wie aus mehreren anderen Belegen pro viatico hervorgeht, gewährte der Rat Durchreisenden einen Zuschuss zur Reisekost, gewissermaßen im Sinne einer „heiligen Wegzehrung“, deren Zuwendung an die „Elenden“, also die in der Fremde Weilenden, als Christenpflicht galt.

Literatur:
Große Leute – Kleine Leute. 2000 Jahre Koblenzer Geschichte. Katalog zur Ausstellung im Haus Metternich, 12.5. – 2.8.1992. Hrsg. vom Mittelrhein-Museum Koblenz in Verbindung mit dem Stadtarchiv Koblenz. Koblenz 1992, S. 61 Nr. 5.4.2.4.

Koblenzer Wegweiser durch Christian von Stambergs „Rheinischen Antiquarius“

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Christian von Stramberg (1785-1868).

 

Die Meinungen über Christian von Strambergs vielbändigen „Rheinischen Antiquarius“, ab 1851 in Koblenz bei Rudolf Friedrich Hergt erschienen, sind geteilt. Verschiedentlich als „Fundgrube“ für Orts- und Regionalhistoriker, die noch manche Überraschung berge, gelobt, macht sich schon bei oberflächlicher Lektüre unangenehm bemerkbar, dass der Autor seine Quellen nicht nennt, was denWert des Werks von vornherein schmälert. Bereits die Zeitgenossen kritisierten das überbordende Beiwerk, sei es sprachlich-stilistischer Art – schon der volle Titel mutet barock an –, seien es die weitschweifigen Ausflüge des Verfassers in die deutsche, ja europäische Geschichte oder die ausführliche Darlegung komplizierter Genealogien zahlreicher Fürstenhäuser und Adelsgeschlechter, die die Geduld des Lesers manchmal arg strapazieren.

Warum auch immer man sich auf den „Antiquarius“ einlässt: Seit jeher wird das Fehlen eines sachlich-systematischen Zugangs als Mangel empfunden. Die Erstellung eines Registers, auch nur zu einem Teil des Gesamtwerks, wäre jedoch von einem einzelnen Bearbeiter kaum zu leisten. Als Mittelweg bietet sich an, das recht ausführliche, streckenweise in narrativem Stil gehaltene Inhaltsverzeichnis am Schluss eines jeden Bandes als Grundlage eines Index zu nehmen. Zwar besteht dann die nicht geringe Gefahr, dass an manchen Stellen Namen, Ortsbezeichnungen oder Sachverhalte unberücksichtigt bleiben, weil sie durch die generalisierenden Angaben des Inhaltsverzeichnisses nicht erfasst sind. Dass dies tatsächlich so ist, haben verschiedene Stichproben ergeben. Andererseits sollte man die Möglichkeit, mit vertretbarem Aufwand zumindest Teile dieses umfangreichen Werks grob zugänglich zu machen, nicht ungenutzt lassen.

Index zum Rheinischen Antiquarius, Koblenz-Betreffe

#Hergt, Friedrich Rudolf #Stramberg, Christian von