Beobachtungen zur Verbürgerlichung des Feuerwerks und den Ursprüngen von „Rhein in Flammen“

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Werbeplakat für „Rhein in Flammen“, ca. 1931/1932 (StAK P Nr. 144).

 

Von unserer Gastautorin Katharina Thielen

 

Vor 210 Jahren lasen die Koblenzer unter der Überschrift „Öffentliche Lustbarkeiten“ folgende Ankündigung im Koblenzer Anzeiger:

 

Kröll_Anzeige

 

„Nächsten Montag wird in dem Hasischen Garten vor der Moselbrück zu jedermanns Beleichtung seyn, wo jeder frey eingehen kann, und nach belieben allmögliche Erfrischungen in den billigsten Preisen zu haben seyn wird.“[1]

Der Anlass der Feierlichkeit wird dem deutschsprachigen Leser verschwiegen und nur der französischen Übersetzung beigefügt. Da jedoch der Großteil der zeitungslesenden Koblenzer Bürgerinnen und Bürger im Jahre 1808 der französischen Sprache mächtig war, erfuhren sie in der nächsten Zeile, dass das Feuerwerk „à l’occasion du fête de St. Napoléon“ d.h. am Napoleonstag veranstaltet werden sollte. – Eine Zusatz-Information, die angesichts der umfangreichen Festkultur in der sogenannten Franzosenzeit (1794-1813) ohnehin allgemein bekannt war.[2] Auch „der Garten des Herrn Kröll“ sollte laut Anzeiger am Geburtstag des Kaisers „recht schön beleuchtet werden.“

Beide Gastgeber hatten von der französischen Herrschaft am Rhein profitiert und gehörten zu einer neuen gesellschaftlichen Elite, die es im Staatsdienst unter Napoleon zu Reichtum und Ansehen gebracht hatte. Dass sie ihre Gärten zu Ehren des Staatsoberhauptes beleuchteten, verwundert demnach kaum. Johann Kröll war als Mitglied einer angesehenen Schifferfamilie aus Neuendorf, Besitzer des Gasthofes Zu den Drei Schweizern und saß von 1801 bis in die preußische Zeit hinein im Koblenzer Munizipal- bzw. Stadtrat. Johann Baptist Haas leitete ein Advokatenbüro, dem unter anderen Franz von Lassaulx angehörte. Auch er war Munizipalrat und sollte einige Jahre später zum Mitglied des Collège électoral du département aufsteigen. Vermutlich war es sein Bruder Peter, der 1807 einen Tanzsaal an der Moselbrücke errichtete und seitdem „den Sommer hindurch“ zu „echten guten rothen und weißen Weinen“ einlud. Er war Kaufmann und ebenfalls Mitglied der Munizipalität.[3]

Öffentliche Spektakel am Himmel kannte man in der ehemaligen kurtrierischen Residenzstadt seit dem 16. Jahrhundert. Als ein für alle Einwohnerinnen und Einwohner sichtbares Mittel der Verherrlichung wurden sie hauptsächlich zu Ehren der Obrigkeit bei höfischen Festveranstaltungen oder anlässlich des Besuchs hochrangiger Gäste eingesetzt. Dabei handelte es sich um wohldurchdachte Darbietungen, die künstlerische und technische Fertigkeiten erforderten und sehr kostspielig waren. Mit figürlichen Lichtreflexen, heroischen Bildformen oder biblischer Symbolik transportierten Feuerwerke diverse Bedeutungsinhalte, sodass sie mit Schauspielinszenierungen verglichen werden können und im historischen Kontext zweifellos eine höchst imposante Art der Unterhaltung abgaben.[4]

In der Franzosenzeit ließ die Begeisterung für Feuerwerke und Lichtspiele nicht nach. Im Gegenteil, der Wegfall der strengen Brandordnung ermöglichte es zahlreichen Einwohnern, solche Unterhaltungskünste vorzuführen und sie nicht nur anlässlich der staatlich vorgegebenen Feiertage abzubrennen. Eine schleichende „Verbürgerlichung der Oberschicht“[5], verbunden mit der Möglichkeit des Grundstückserwerbs im Rahmen der Nationalgüterversteigerungen, führte vielmehr dazu, dass man in Koblenz das ganze Jahr über Raketen in die Luft schoss. So bekam Johann Kröll beispielsweise Konkurrenz durch den wohlhabenden Handelsmann Ludwig van Gelder. Beide leisteten sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts förmlich einen Kampf um die Kunst der Illumination, der in der Zeitung dokumentiert wurde. Zwischen 1806 und 1810 schienen beide ihr Unterhaltungsangebot parallel zu steigern. Während Johann Kröll seinen Garten am Rhein stets „recht schön beleuchtet[e]“[6], dabei „Wein oder sonstige Erfrischungen“[7] reichte und Sonn- und Feiertags „Tanzmusik“[8] spielte, wurde in „Van Gelders Garten bei niedlicher Beleuchtung“[9] meistens zur gleichen Zeit „ein großes Feuerwerk abgebrannt“[10], von Zeit zu Zeit aber auch „schöne Musik gehalten“[11] und 1809 gar „eine schöne Flöten Uhr, welche 8 Tage ohne Aufziehen, Stund und halbe Stund schlagt und repetiert, Secund, Stund, Minuten wie auch Monatslauf und Datum anzeigt, zu 90 Loos mit 6 Würfeln ausgespielet.“[12] Im Winter empfahl sich Van Gelder „seinen Freunden […] auf ein gut Glas Wein in seinem Hause. Sein Billardzimmer [sei] bereits morgens um 8 Uhr geheizt, wo alltäglich deutsche und französische Zeitung zur Unterhaltung beihanden“[13] lagen – diesem Angebot hatte Kröll schließlich nichts mehr entgegenzusetzen.

 

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Anzahl der von Kröll und Van Gelder im Koblenzer Anzeiger geschalteten Annoncen.

 

[1] Koblenzer Anzeiger (KA), Nr. 32 vom 10.8.1808.

[2] Schneider, Ute: Politische Festkultur im 19. Jahrhundert. Die Rheinprovinz von der französischen Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges (1806–1918). Essen 1995.

[3] Zur Transformation der Koblenzer Gesellschaft während der Franzosenzeit vgl. Müller, Jürgen: Von der alten Stadt zur neuen Munizipalität. Die Auswirkungen der Französischen Revolution in den linksrheinischen Städten Speyer und Koblenz. Koblenz 1990.

[4] Dülmen, Richard van: Kultur und Alltag in der Frühen Neuzeit. Bd. 2: Dorf und Stadt (16.–18. Jahrhundert). München 1992 und Brommer, Peter/Krümmel, Achim: Höfisches Leben am Mittelrhein unter Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Trier (1739–1812). Zum 200. Todestag des letzten Trierer Kurfürsten. Koblenz 2012 (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz Bd. 114).

[5] Müller, Jürgen: Die Französische Herrschaft. In: Geschichte der Stadt Koblenz, Bd. 2 Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. Hrsg. v. Energieversorgung Mittelrhein GmbH. Stuttgart 1993, S. 19–48, hier S. 40.

[6] KA, Nr. 33 (1808). Vgl. KA, Nr. 32 und Nr. 37 (1810).

[7] KA, Nr. 34 (1806).

[8] KA, Nr. 40 (1809).

[9] KA, Nr. 33 (1807).

[10] KA, Nr. 23 (1808).

[11] KA, Nr. 8 (1810).

[12] KA, Nr. 26 (1804).

[13] KA, Nr. 44 (1810).

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„Über die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern“. Die Vergnügungskultur in Koblenz um 1800

 

Von unserer Gastautorin Katharina Thielen[1]

 

„Die Kunst das menschliche Leben zu verlängern:

          Erstens eine Herkunft von gesunden, weder zu alten noch zu jungen Aeltern, und ein Körper ohne Gebrechen, dabei zweitens der Genuß einer vernünftigen Erziehung […] Vierzehntens: Vergnügen, Zufriedenheit, Bekämpfung der Leidenschaften, vernünftige Religion, stete angenehme Hoffnungen für dieses und das künftige Leben, fröhlicher Umgang mit Freunden. Fünfzehntens: Freudiges Lachen ist sehr gesund […] Sechzehntens: Angenehme Geistesbeschäftigungen und Unterhaltungen, Betrachtungen der Natur, der Werke Gottes u. s. w. Siebzehntens: Ungezwungenes Betragen gegen andere und das stete gleichbleiben in seinem eigenen Charakter. Achtzehntens: Angenehme Sinnreizungen des Gehörs, des Geschmacks, des Geruchs und des Gefühls. Alles dieses befördert die Lebensdauer, der Mensch sei in welchem Alter er wolle.“[2]

 

Diese von Wundarzt- und Arzneykundedoctor Wallich zusammengestellte Empfehlung er­schien im September 1798 im Kalender zum Gebrauche der Bewohner der vier neuen Departements auf dem linken Rheinufer in der Stadt Koblenz. Vier Jahre zuvor, am 23. Oktober 1794, hatten die französischen Revolutionstruppen die Stadt eigenommen und seitdem sukzessive nach französischem Vorbild umgeformt. Wie der Titel des Kalenders impli­ziert, sollte er den Einwohnern in erster Linie praktische Hilfestellungen für das alltägliche Leben bieten. Dementsprechend beinhaltet auch die Liste der Verlängerungsmittel des Lebens – Ueberhaupt und für jedes Alter hauptsächlich Ratschläge, die die physische Gesundheit betreffen. Die letzten fünf Punkte zeugen jedoch von der hohen Bedeutung, die dem Verlän­gerungsmittel Vergnügen in verschiedener Ausprägung beigemessen wurde. Doch was genau verstanden die Zeitgenossen unter Vergnügen?

Auf den ersten Blick scheinen die Quellen über „Freudiges Lachen“, „Angenehme Sinnesrei­zungen“, „Geistesbeschäftigungen und Unterhaltungen“[3] in Koblenz zu schweigen. Wirft man unmittelbar vor der sogenannten Franzosenzeit einen Blick in die Zeitungen, findet man bei­spielsweise nur drei verschiedene Einrichtungen, die Musik-und Tanzveranstaltungen anbo­ten.[4] 1810 luden hingegen über zehn Gastgeber zu solchen Vergnügungen ein.[5]

Wie diese Entwicklung von statten ging, soll Gegenstand der folgenden Ausführungen sein. Ziel ist es, den Vergnügungs- und Unterhaltungsange­boten zur Zeit der französischen Herrschaft und somit gleichzeitig an der Schwelle der Mo­derne nachzuspüren. Dabei werden Kontinuitäten und Brüche im Vergleich zur Koblenzer Vergnügungskultur in der kürfürstlichen Zeit herausgestellt, um anschließend Rückschlüsse auf die Veränderung der dortigen Gesellschaftsstruktur ziehen zu können.[6]

 

Städtische Vergnügungskultur zur Zeit des letzten Trierer Kurfürsten

Um 1500 gab es im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation etwa 3500 Städte, wovon ca. 25 zu den Großstädten mit mehr als 10.000 Einwohnern und 175–200 zu den Mittelstädten mit 2000–10.000 Einwohnern gehörten. Hinzu kamen einige hundert Kleinstädte mit 1000–2000 Einwohnern und knapp 3000 Kleinst- oder Zwergstädte, die jeweils bis zu 1000 Einwohner zählten.[7]

Koblenz ist, mit einer Einwohnerzahl von unter 5000[8] gegen Ende des 17. Jahrhunderts und 8300–8500[9] kurz vor dem Einmarsch der Revolutionstruppen 100 Jahre später, den Mittelstädten zuzuordnen und war nach Trier die zweitgrößte Stadt im Kurfürstentum Trier, zu dem es seit 1562 gehörte. Dabei machten Immigranten einen beträchtlichen Anteil der Gesamtbevölkerung aus, wobei die Gründe hierfür keineswegs wirtschaftlicher Natur waren. Denn trotz der günstigen Lage am Zusammenfluss von Rhein und Mosel stand die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Koblenz in der Frühen Neuzeit hinter jener anderer Städte wie zum Beispiel Köln und Mainz hinten an. In politischer und kultureller Hinsicht wird sie durch ihren Status als „kurfürstlich trierische niedererzstiftische Haupt-, Direktorial- und Residenzstadt“[10] jedoch umso bedeutsamer eingestuft. Im Jahre 1626 führte der Bau der kurfürstlichen Residenz, der Phillippsburg, im rechtsrheinischen Ehrenbreitstein zur ständigen Präsenz des Herrschers und zur Ansiedlung zahlreicher Hof- und Verwaltungsbeamte auf der unmittelbar gegenüberliegenden Rheinseite in Koblenz. Seitdem wurde die administrative Herrschaftsorganisation zunehmend von dort gehandhabt, sodass Koblenz zur zweiten Hauptstadt bzw. zum „weltlichen Machtzentrum“[11] des Kurfürstentums aufstieg, wohingegen Trier als „geistliches Zentrum“[12] fungierte. Mit dem Schlossbau in der Koblenzer Neustadt durch Kurfürst Clemens von Wenzeslaus war diese Entwicklung 1786 schließlich beendet und eine Phase kultureller Blüte eingeleitet.[13]

Mit dem Kurfürst siedelte auch der Hofstaat, die Garnison sowie weitere 200 bis 300 Adelige in die linksrheinische Stadt über, sodass sich die dortige Bevölkerungsstruktur[14] schlagartig veränderte.[15] Insgesamt machte die Oberschicht mit 2347 Personen nun 30,6% der Gesamtbevölkerung aus. Davon standen ca. 1000 Personen (12,5%)[16] direkt im Dienste des Kurfürsten. Diese Bevölkerungsgruppe ließ sich überwiegend in der kurz zuvor angelegten Neustadt nieder, modifizierte dort mit dem Bau neuer prächtiger Adelshöfe das bisher mittelalterlich geprägte Stadtbild und verhalf so den 2508 Handwerken zu neuen Aufträgen. Diese waren Teil der Koblenzer Mittelschicht, die mit 3163 Personen (42%) recht ausgeprägt war, und als größte Berufsgruppe (32,7%) überhaupt einen „zentralen und beherrschenden Platz innerhalb der städtischen Gesellschaft“[17] einnahm. Ihren Wohnraum im mittelalterlichen Stadtkern teilten sich die Handwerker mit den Kaufleuten. Beide Gruppen wiesen auf eine große Bandbreite von Tätigkeitsprofilen und Spezialisierungen auf und gelten als „Prototypen des Stadtbürgertums“.[18] Auch in Koblenz waren sie in Zünften zusammengefasst und richteten ihr Handeln mehr als andere Berufsgruppen nach ehrbaren Idealen und kirchlichen Moralvorstellungen aus.[19] Da Arbeit und Freizeit in der Frühen Neuzeit nicht voneinander getrennt werden kann, waren sie untereinander nicht nur in ein wirtschaftliches, sondern auch in ein soziales Abhängigkeitsverhältnis eingebunden, das ihnen auf der einen Seite ihre Lebensgrundlage sicherte, ihnen auf der anderen Seite den Ausbruch aus diesen Strukturen aber verwehrte. Die stabilen Vermögensverhältnisse der Koblenzer Handwerkerschaft belegt die Tatsache, dass sie kurz vor dem Einmarsch der Franzosen über 23,7 % des Hausbesitzes in Koblenz verfügten.[20] Doch es gab auch weniger gut gestellte Handwerker, allen voran die Schuhmacher und Schneider, die sich auf die dichtbebauten Straßen zwischen Altstadt und Stadtmauer verteilten und in Bezug auf ihr Vermögen eher der Unterschicht zuzuordnen sind. Die Angehörigen der untersten sozialen Schicht lebten „in einem Zustand dauernder Abhängigkeit, bewohnten enge unhygienische Wohnungen“ unmittelbar entlang der Mauer oder in der parallel zur Mosel verlaufenden Kastorgasse, „die ihnen selten gehörten und waren daher vor allem ‚Ausgeschlossene’“[21].

Der reformbereite Kurfürst versuchte dieser Situation Abhilfe zu schaffen und leitete eine Reihe von Maßnahmen zur Verbesserung der innerstädtischen Verhältnisse ein. So ließ er beispielsweise einen öffentlich zugänglichen Trinkwasserbrunnen anlegen, das Zuchthaus errichten und den Friedhof aus der Stadt heraus verlegen. Des Weiteren gab er den Anstoß für kulturelle Neuheiten im Sinne der Aufklärung: Er förderte 1796 den Bau des Stadttheaters und 1779 die Eröffnung der ersten öffentlichen Bibliothek im Kollegium, der fünf Jahre später bereits eine Lesegesellschaft angehörte.[22]

Getragen wurden diese Fortschritte jedoch ausschließlich von der Koblenzer Oberschicht. Der Großteil der Bevölkerung war nach wie vor in traditionellen ständischen Denkweisen verhaftet, bis auf wenige Ausnahmen streng katholisch und bewegte sich stets in kirchlich vorgegebenen Zyklen. Reformvorschlägen des Kurfürsten stand es kritisch gegenüber, konnte aber, allen Bemühungen zum Trotz, nur selten Ansprüche auf Selbstbestimmung und politisches Mitspracherecht durchsetzen.[23] Dafür sorgte die sogenannte Leyana, das Koblenzer Stadtrecht, welches von der Unterwerfung unter Kurfürste Johann VI. von der Leyen bis zur Franzosenzeit durchgängig Geltung besaß und den Bürgern nur wenige Freiheiten einräumte.[24] Dem wachsenden städtischen Selbstbewusstsein wirkten außerdem die für den aufgeklärten Absolutismus typischen Normierungs- und Disziplinierungsbestrebungen seitens der Obrigkeit und der Kirche entgegen. Ein dafür erschaffenes Instrument war das ab 1785/86 wöchentlich in Koblenz erscheinende Allgemeine Churtrierische Intelligenzblatt auf höchster Anordnung.[25] Diese ebenfalls von Clemens Wenzeslaus ins Leben gerufene und von ihm nahe stehenden Personen betreute Zeitung verdeutlicht die restriktiven Ziele des Landesherrn: Politische Nachrichten durften nicht veröffentlicht werden, dafür sollten „alle edlen Handlungen“[26] und „alle vollzogenen Strafurteile“[27], Gesetzesänderungen und Beförderungen im Erzstift bekannt gegeben werden.[28]  Berichte über offiziellen Festlichkeiten, bei welchen der Kurfürst stets eine hervorgehobene Position einnahm, und „Aufsätze aus dem Fach der Philosophie, Landwirtschaft, Haushaltskunst, Moral und dergleichen“[29] wurden ebenfalls abgedruckt. Städtische Angebote fanden sich im Anzeigenteil. Hier erfuhr der Leser von Geburten, Sterbefällen und Eheschließungen, konnte sich über Dienst-, Verpachtungs- und Verkaufsangebote informieren und las von Zeit zu Zeit auch etwas über städtische Vergnügungs- und Unterhaltungsangebote.[30]

Das Programm des Intelligenzblattes zeigt, dass zwar auch Koblenz mit einer überregionalen Zeitung als Zentrum von Kommunikation bewertet werden kann, die neuen Medien aber hauptsächlich Sache der Obrigkeit und des Adels waren und vornehmlich dazu dienten, die Ansichten der Stadtbewohner zu beeinflussen. Ob ihnen dies gelang, sei an dieser Stelle dahingestellt; wichtig ist, dass das Zeitungswesen auf Seiten der Bürgerschaft zweifellos zur langsamen Sensibilisierung für gesellschaftliche Belange und den Wert von Informationsübermittlung führte und somit langfristig zu der Entstehung einer „öffentlichen Meinung“[31] beitrug.[32]

Obwohl in der städtischen Zeitung nur selten Unterhaltungsangebote abgedruckt waren, fiel „der Höhepunkt der Musikpflege am kurtrierischen Hofe […] ohne Einschränkung in die Regierungszeit des letzten Kurfürsten Clemens Wenzeslaus.“[33] Er galt als überaus musika­lisch, übte sich im Gesang, im Klavier-, Bratschen- und Flötenspiel und wusste ein ganzes Orchester zu dirigieren. Unter seiner Herrschaft wurde die Hofkapelle ausgebaut, hochqualifizierte Musiker angeworben, öffentliche Konzerte gegeben, die Kirchen- und Hausmusik gepflegt und eine Hofakademie mit festem Programm eingerichtet.[34]

Doch musiziert und getanzt wurde nicht nur am Hofe, sondern auch in bürgerlichen Häusern, in der Kirche, auf dem Markt, im Garten, in Gastwirtschaften, Wirts- und Kaffeehäusern, in den großen Adelshöfen und Tanzsälen; zur Karnevalszeit, an Weihnachten, zum Neujahrstag, an kirchlichen und weltlichen Festen, bei städtischen Umzügen, Hochzeiten, Kindstaufen und wann immer man die Zeit dazu hatte – kurz: nahezu überall und jederzeit. Dabei beteiligten sich alle Einwohner an der wohl „beliebtesten Kurzweil in der Frühen Neuzeit,“[35] wobei grundsätzlich gilt: Alle Gesellschaftsgruppen tanzten, doch sie tanzten nicht miteinander.[36] Reigentänze um Kirmes- oder Maibäume, Zunfttänze bei Handwerkerumzügen zur Karne­valszeit oder „danses du salon“[37] wie das Menuett in dem beliebten Tanzsaal des Gasthauses  Zu den Drei Reichskronen sind nur wenige Beispiele dafür, dass Tänze zur performativ-symbolischen Praxis bestimmter Gruppen gehörten und als öffentliche Repräsentationsform und stilvolle Art der Selbstinszenierung eingesetzt wurden.[38]

Das Tanzen war in der Frühen Neuzeit „also mehr als lediglich ein Amüsement am Feier­abend.“[39] Neben seiner Funktion als aktive Vergnügungsform, wurde es zum Abbild der sozialen Rangordnung, was sich schließlich in zeitgenössischen Klassifi­zierungen, wie Bauern-, Bürger- und Fürsten-„täntz“ äußerte.[40] Diese schichtspezifischen Tanzformen reichten von anspruchsvollen, züchtigen Tanzformen wie der Courante über schwungvolle Drehungen der Volte bis hin zu wildem Herumspringen und zügellosem Walzen. Letzteres versuchte Clemens Wenzeslaus durch strikte Tanzordnungen zu unterbinden.[41] Angesichts der Allgegenwart der Musik- und Tanzveranstaltungen erwies sich die staatliche Kontrolle dieses ausgeprägten Aspektes der frühneuzeitlichen Vergnügungskul­tur allerdings als schwierig.[42] So sind für die Koblenzer Wirtshäuser im 18. Jahrhundert „mancherlei Ungehö­rigkeiten“ überliefert. Wir wissen von ausschweifenden Zunftgelagen der Kaufleute,[43] von „sogenannten Gumbel-Bällen“[44] und davon, „daß, zumal bei Hochzeiten und bei Kindstau­fen, die Schwelgereien dermaßen überhand genommen […] daß in gewissen Gegenden unse­rer Kurlande, die Taufpathen sogar genötigt sind, die Nachbarsweiber in den Wirtshäusern zu bewirten, wodurch dann geschehen, daß oft die neugeborenen Kinder halben Täge lang in den Wirtshäusern liegen geblieben.“[45] Sogar die Geistlichen sollen an diesen Vergnügungen in den städtischen Wirtshäusern teilgenommen haben, denn am 18. Juli 1768 wurden „alle Pfarr- Ordens-, Säkular und Regular-Geistliche angewiesen, die öffentlichen Wirtshäuser, Estami­nets und Versammlungsorte, außer bei nothwendigen Reisen, nicht zu besuchen und in kei­nem Falle an den in denselben stattfindenden schwelgerischen Gelagen zu betheiligen.“[46]

Die Koblenzer Wirte hatten genauestens auf ihre Gäste zu achten, mussten vorgeschriebene Speise- und Getränketaxen einhalten und dem bunten Treiben im Sommer um 22.00 Uhr, im Winter um 21.00 Uhr ein Ende bereiten; andernfalls drohten ihnen hohe Geldstrafen.[47] Zur Karnevalszeit, der Hochphase aller Musik- und Tanzveranstaltungen im Kurfürstentum, machte Wenzeslaus eine Ausnahme und gestattete, „täglich Abends bis 9 Uhr, und an den Donnerstagen, nebst Haltung öffentlicher Musik, bis 12 Uhr Nachts Wein zu schen­ken.“[48]„Um die Belustigungen und öffentlichen Zusammenkünfte während der Carnevals-Zeit (von 3 Königen Tag bis Aschermittwoch) in den Schranken der Ehrbarkeit zu erhalten, auch viele Aergernisse und Ruhestörungen der Mitbüger zu beseitigen“[49] durfte außerdem „allwöchentlich ein öffentlicher Masquenball unter obrigkeitlicher Auffsicht gehalten“[50] werden, der in der Zeitung angekündigt wurde. Er fand bis zur Verordnung eines allgemeinen Tanz- und Maskenverbot 1790 und 1792 im Gasthof Zu den Drei Reichskronen, ab 1788 im neueröffneten Stadttheater statt, war jedoch keineswegs der einzige seiner Art (Abb. 1).[51]

 

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Abb. 1

 

Über ähnliche Veranstaltungen im Hof zu Holland, im Wilden Mann, im Trierer Hof oder im Schloss erfährt der Leser des Churtrierischen Intelligenzblattes nichts. Doch ebenso wie der Adel dort lieber für sich blieb, konnten auch Musik- und Tanzveranstaltungen im Wirtshaus – wenn es sich nicht ohnehin um geschlossene Gesellschaften in Form von Stammtischen, Hochzeiten, Taufen etc. handelte – von einer, nicht von vorneherein vorhandenen, aber durchaus praktizierten, soziale Exklusivität der Bürger bestimmt werden.[52]

Die Möglichkeiten der Gastgeber solcher Veranstaltungen waren in kurtrierischer Zeit weitreichend und begrenzt zugleich. Grundsätzlich war es jedem Einwohner gestattet, sich zu vergnügen, sodass jede soziale Gruppe – mal mehr, mal weniger – an der Vergnügungskultur in Koblenz teilhaben konnte. Um diese Vergnügungen kontrollieren zu können, entschied die Obrigkeit darüber, wer, wann, wo und auf welche Art dem menschlichen Bedürfnis nachgehen konnte. Neue bürgerliche Formen von Vergnügun­gen fanden zwar durchaus Eingang in die gegebene Vergnügungskultur, doch die Mehrheit der Einwohner war Teil „einer weitgehend katholisch und traditionell gebliebenen Ge­sellschaft, deren Sozial- und Bewusstseinsstrukturen anscheinend von der Entwicklung des Jahrhunderts nicht tiefgreifend verändert wurden“[53] und deshalb kaum an diesen beteiligt. Öffentliche Vergnügungen und Unter­haltungen standen zur Zeit des letzten Trierer Kurfürsten nicht permanent zur Verfügung, sondern richteten sich nach saisonalen Zeitmustern oder kirchlich bzw. staatlich festgesetzten Zeitpunkten.[54] Sie nahmen zwar einen festen Platz im Lebensrhythmus der Koblenzer ein, gehörten jedoch nicht zur Alltagskultur der Stadt, sondern waren an feste, für sie bestimmte Örtlichkeiten geknüpft und jeweils unterschiedlichen Gruppen vorbehalten, sodass sie meis­tens nur eingeschränkt öffentlich waren und nicht in direkter Konkurrenz zueinander standen.

 

Städtische Vergnügungskultur zur Zeit der französischen Herrschaft

Um 1800 war die Zahl der Städte auf dem Gebiet des Alten Reichs auf 4000 angestiegen. Die Zahl der Groß- und Mittelstädte hatte sich binnen drei Jahrhunderten verdoppelt, die der Klein- und Kleinststädte war währenddessen weitgehend gleich geblieben.[55] Nur in Koblenz und in etwa 50–100 weiteren Städten links des Rheins hatte zu diesem Zeitpunkt ein tiefgreifender Wandel eingesetzt, der die wirtschaftlichen und rechtlichen Sphä­ren, ebenso wie die sozialen und kulturellen Gegebenheiten maßgeblich beeinflussen sollte.[56]

Die französischen Revolutionstruppen nahmen 1792 die Städte Mainz, Worms und Speyer ein und besetzten am 23./24. Oktober 1794 auch die Residenzstadt des Kurfürstentums Trier.[57] Für die Koblenzer Bevölkerung brachten die darauf folgenden Jahre zunächst immense Belastungen in Form von Ein­quartierungen, unerfüllbaren Kontributionszahlungen, Sachleistungen und Requisitionen mit sich.[58] Erst mit der Abtretung der linksrheinischen Gebiete an Frankreich im Friede von Campo Formio 1797 trat eine allmähliche Verbesserung der Lebenssituation der Bevölkerung ein: Die Kontributionen wurden gemildert, die Einquartierungen nahmen ab und die inner­städtischen Konflikte zwischen den konservativen Kräften und der radikalrepublikanischen Bewegung um Joseph Görres wurden beigelegt.[59] Damit einher ging die systemati­sche Einführung des französischen Herrschaftssystems, die dazu notwenige Umgestaltung der städtischen Strukturmerkmale, eine folgenreiche Umschichtung der Gesellschaft und deutlich spürbare Veränderungen in der konkreten Lebenswelt des Einzelnen. Insgesamt zog sich diese Entwicklung bis zum Inkrafttreten der französischen Verfassung am 23. September 1802 hin, bewirkte aber, dass ein modernes Staatswesen in Koblenz „die individuelle Freiheit, die all­gemeine Gleichheit vor dem Gesetz, die Einhaltung rechtsstaatlicher Grundsätze und den Schutz des Eigentums garantierte“[60] und „für die Ausbildung der bürgerlichen Gesellschaft und ihre ungehemmte wirtschaftliche Entfaltung“[61] sorgte.

Am Beginn stand zunächst eine umfangreiche Verwaltungsreform unter Regierungskommis­sar François Joseph Rudler. Die linksrheinischen Gebiete wurden in vier Departements eingeteilt und Koblenz zur Hauptstadt des Departément Rhin-et-Moselle erklärt. Nach dem französischen Vorbild wich die kommunale Verwaltung daraufhin einem „bürokrati­schen Zentralismus“,[62] womit die Stadt ihre vorherige Rolle als politisches Zentrum zurückerlangte. Im neuen Präfektursystem hatte nun der Maire zusammen mit einem 30-köpfigen Munizipalrat und verschiedenen Beamten und Angestellten die Reformierung der Zoll-, Steuer-, Finanz- und Güterverwaltung, des Post- und Justizwesens und der Schul- und Kirchenorganisation sowie der Polizei zur Aufgabe.[63]

Im alltäglichen Leben verdeutlichte die Anwesenheit zahlreicher Franzosen und die Allge­genwart der französischen Sprache, die formale Geltung der französischen Währung und der französischen Maße und Gewichte den Beginn der französischen Herrschaft. Hin­zu kam der republikanischen Kalender, der nun auch dem Letzten vor Augen führen sollte, dass – im wahrsten Sinne des Wortes – eine neue Zeit angebrochen war.[64]

Einen weitaus drastischeren Einschnitt in die herrschenden Ordnungsvorstellungen als der 1806 bereits wieder abgeschaffte Revolutionskalender, markierte die Einführung der Rechts­gleichheit 1797/98. Im Zusammenspiel mit der Säkularisierung, der Gewerbefreiheit und der Aufhebung des Zunftsystems negierte sie alle bisher gültigen gesellschaftlichen Strukturprin­zipien und nahm nicht nur dem Adel, sondern auch den Handwerkern und Kaufleuten ihre wirtschaftlich wie rechtlich privilegierte Stellung innerhalb der Koblenzer Gesellschaft.[65] Sie verloren faktisch ihr Vorrecht auf den Bürgerbegriff, da fortan jeder, mit Ausnahme der Frau­en und Besitzlosen, als citoyen, d. h. als französischen Staatsbürger, die gleichen Rechte und Pflichten besaß.[66] Obsolet wurden daher auch traditionelle Verhaltensweisen und identitäts­stiftende Symbolformen, die in der städtischen Alltagskultur u.a. zur Darstellung und Repro­duktion dieser Vorrangstellung eingesetzt worden waren.[67] Vorteile hatte diese neue Freizügigkeit für auswärtige Kaufleute, Handwerker und Tagelöh­ner, die sich nach und nach in Koblenz niederließen. In den ersten zehn Jahren der Franzosenzeit stieg die Gesamtbevölkerung daher um 25%[68], an deren Ende kann Koblenz mit 10 190 bzw. 11 853 Einwohnern sogar als Großstadt bezeichnet werden.[69]

Im Jahre 1794 war sie jedoch zunächst auf 7374 Personen zusammengeschrumpft, da Kurfürst Clemens Wenzeslaus und die meisten Angehörigen der Oberschicht kurz vor dem Einmarsch der Sambre-Maas-Armee geflohen waren.[70] Die Konsequenz zeigte sich in einer raschen „Verbürgerlichung der Oberschicht, in der nun die Großhändler und Unternehmer sowie die höheren Beamten dominierten.“[71] Sie hatte 1801 bereits die alte Führungselite aus den politi­schen Ämtern verdrängt und bildeten gemeinsam mit den Freiberuflern und vielen vermögen­den Wirten die neue Koblenzer Notabelnschicht.[72] Jürgen Müller sieht in ihr „eine beträcht­lich verjüngte, relativ wohlhabende, konfessionell gemischte und stark mit Zuwanderern durchsetzte kommunale Führungsschicht mit deutlicher Dominanz der bildungs- und besitz­bürgerlichen Komponente“.[73]

Somit waren die sozialen Aufstiegschancen im Vergleich zur kurfürstlichen Zeit um ein Vielfaches angestiegen. Angehörige der Mittelschicht konnten sich entweder im französischen Staatsdienst oder im freien Wettbewerb Wohlstand und Ansehen erarbeiten. Diese Möglich­keiten nutzte vor allem das aufstrebende Handelsbürgertum, „das sich in napoleonischer Zeit als wirtschaftlich führende Schicht in der Stadt etablierte“.[74] Die Umverteilung des Immobilien­besitzes durch die Veräußerung des Kirchen-, Adels- und Zunftbesitzes reflektiert diese Ent­wicklung, indem „der Anteil der hausbesitzenden Beamten gegenüber der kurfürstlichen Zeit zurückgegangen war, während die Kaufleute, Unternehmer und Wirte eine tendenziell steigende Besitzerquote aufweisen“[75] und die Zahl ihrer Haushalte von 161 in kurfürstlicher Zeit auf 264 im Jahre 1804 anstieg. Die Handwerker wurden so in der sozialen Hierarchie von den Kaufleuten überholt, konnte sich aber trotz Zunftverbot und einer hohen Gewerbesteuer als größte Berufsgruppe behaupten.[76] Auch die Unterschicht blieb eine weiterhin starke Komponente der Bevölkerungsstruktur. Ihre Lebenssituation hatte sich im Vergleich zur kurfürstlichen Zeit nicht verbessert, obwohl auch Napoleon versuchte, den herr­schenden Missständen ein Stück weit entgegen zu wirken. Er gründete beispielsweise ein Pfandhaus und ein Bürgerhospital.[77] Ebenfalls in napoleonische Zeit fällt die Eröffnung einer Rechtsschule, eines Musikinstituts sowie der Freimaurerloge L’union desirée und der Casinogesellschaft. Letztere hatten sich dem Geist von Freiheit, Urbanität und Eintracht verschrieben und veranschaulichen, dass der Koblenzer Bildungs- und Kulturbereich von dem Eindruck der Französischen Re­volution profitierte.[78]

Zu den Verlierern dieser Entwicklung gehörte die katholische Kirche. Neben der bereits erwähnten Enteignung, wurde den Bewohnern der linksrheini­schen Gebiete bis zum Konkordat mit Papst Pius am 15. Juli 1801 die öffentliche Glau­bensausübung verboten. Dies stieß in Koblenz auf den vehementen Widerstand der Bevölke­rung und konnte nicht realisiert werden, hätte es doch einen weiteren tiefgreifenden Einschnitt in die Alltagskultur der rein katholisch geprägten Stadt bedeutet.[79]

In besonders paradoxer Weise war auch das Presse- und Zeitungswesen von den revolutionä­ren Leitideen betroffen. Auf der einen Seite war die Pressefreiheit als Aspekt der freien Meinungsäußerung in der Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen von 1789 fest verankert und somit auch für die Gebiete links des Rheins gültig. Auf der anderen Seite wurde sie am 17. Januar 1800 durch das erste Verbot zahlreicher Zeitungen de facto wieder aufgehoben.[80] Nichtsdestotrotz lässt sich mit Beginn der französi­schen Herrschaft eine schichtübergreifende Nutzung des Kommunikationsmediums Zeitung feststellten, die insbesondere im Anzeigenteil evident wird. Am öffentlichen Vergnügungs- und Unterhaltungsangebot des Koblenzer Anzeigers beteiligten sich in den Jahren 1798 bis 1811 Handwerker, Wirte und Witwen ebenso aktiv wie Beamte, Gelehrte, Freiberufler und Händler (Abb. 2).

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Abb. 2

 

Einer der ersten, der das neue Kommunikationsmedium einzusetzen wusste, war Wund- und Arzneykunde Doctor Wallich. Er gab in einer Extrabeilage vom 1. April 1798 bekannt, dass er sich dazu entschlossen habe, „über die Kunst das menschliche Leben zu verlängern“ „dem Sommerhal­benjahre wöchentlich 2 Stunden Vorlesungen zu halten, um durch Auseinandersetzung der darin vokommengen [sic!] Begriffe und Ausdrücke, es so zu verdeutlichen, daß auch der Nichtsgelehrte dessen Lehren begreife, und sie gehörig anzuwenden wisse.“[81] Zwei Wochen später wurde die genaue Uhrzeit publiziert und versprochen, „daß, um die Zuhörer wegen der Neuheit und Sonderbarkeit dieser Vorlesung nicht abzuschrecken, jedem, dem es zuzuhören beliebt, ein Eintrittsbillet auf die zwey ersten Monathe bei mir [Wallich] Nro. 513, umsonst abgereicht werde.“[82]

Bis 1811 folgten an die 500 weitere Bildungs-, Vergnügungs- und Unterhaltungsangebote dieser Art, sodass im Gegensatz zur kurfürstlichen Zeit von einer breiten Mediennutzung aus­gegangen werden kann, obwohl sich die Auflagenzahl der Zeitung gegenüber dem Vorgänger kaum verändert hatte.[83] Gestützt wird diese Behauptung durch eine bemerkenswert hohe Alphabetisierungsrate[84] der Bevölkerung und die gestiegene Anzahl an Einrichtungen, die zur Verbreitung der Druckwerke beitrugen. So werben im Koblenzer Anzeiger nicht nur die 1798 neu gegründete Lesegesellschaft, sondern auch mehrere Kaffee- und Wirtshäuser und die nunmehr fünf Buchhandlungen mit ihrem Zeitschriften- und Bücherbestand. [85]

Von den in den Jahren von 1798 bis 1811 bzw. 1814 publizierten Zeitungs­annoncen[86] befasste sich der größte Teil, nämlich 60% bzw. 287 von 490 Anzeigen mit dem Thema Musik und Tanz (Abb. 3).

 

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Abb. 3

 

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Abb. 4

 

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Abb. 5

 

Durchschnittlich wurden 20 Anzeigen im Jahr aufgegeben (Abb. 4), wobei sich viele Anzeigen (40%) nicht auf einmalig stattfindende Musik- und Tanzveranstaltungen bezog, sondern diese gleich für mehrere Tage oder eine ganze Saison ankündigte (Abb. 5). Die reelle Zahl an tatsächlich gegebenen Bällen und Maskenbällen, an tatsächlich gespielter Musik, Tanzmusik und Kirchenmusik ist daher weitaus höher zu ver­anschlagen, als es das Anzeigenbild im Koblenzer Anzeiger suggeriert.

Mehr als die Hälfte der Anzeigen kündet von Bällen (35%) oder Maskenbällen (23%), wie es sie schon zu kurfürstlicher Zeit gab (Abb. 6).

 

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Abb. 6

 

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Abb. 7

 

Letztere waren erst ab 1801 er­laubt, woraus sich der schlagartige Anstieg der Anzeigenzahl von null auf zehn erklärt (Abb. 7). Die meisten Ballveranstaltungen wurden über den gesamten Zeitraum hinweg in den bekannten Etablissements, im Stadttheater (17%), im Gasthof Zu den Drei Reichskronen (14%), im „Mäurerischen Saale“ in Ehrenbreitstein (10%) und im Assembléesaal in Bad Ems (5%) gegeben. Der Nassauer Hof zu Pfaffendorf, das französische Kaffeehaus am Paradeplatz und die Tanzschule im Krämerbau luden ebenfalls je neun Mal zu Ballveranstaltungen ein.

Gleichzeitig lässt sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein signifikanter Anstieg der Begriffe Musik und Tanzmusik feststellen. Sie schienen den Ball zeitweise abzulösen und wurden vor allem von Wirten und Handwerkern gebraucht. Diese waren mit je 24 Anzeigen die am häufigsten ver­tretenen Berufsgruppen insgesamt (Abb. 8).

 

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Abb. 8

 

Franz Mosler, ein wohlhabender Konditor­meister verkündete beispielsweise im Jahr 1801 „daß er den Hauptbau des ehemaligen Deutschhauses dahier ganz neu in Stand gesetzt, und zu öffentlichen Vergnügungen bestimmt habe.“[87] Seitdem wurde im ehemaligen Kloster des Deutschherren Ordens am Zusammenfluss von Rhein und Mosel ständig Musik gespielt und „durch schöne Beleuchtung, Reinlichkeit, gute Getränke und Speisen aller Art in den bil­ligsten Preisen den Wünschen“[88] der Besucher nachgekommen (Abb. 9).

 

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Ansicht des Deutschen Ecks von der Festung Ehrenbreitstein aus, um 1875 (StAK FA 1-534 Deutsches Eck).

Abb. 9

 

Auch die Orte korrespondieren mit der Begriffsverschiebung, da die hohe Anzahl der Ballan­zeigen mit den 49 Anzeigen des Stadttheaters und den 55 des Gasthofs Zu den Drei Reichs­kronen in Verbindung gebracht werden können, wohingegen Musik und Tanzmusik vorzugs­weise in den 34 mal erwähnten Privathäusern, 23 Gärten und neun Wirtshäusern gespielt wurde. Witwe Eppert gab 1801 bekannt, dass sie „Musik auf dem soge­nannten Oberwerth halten, und den Sommer hindurch auf alle Sonn- und Feyertage damit fortfahren werde.“[89] Auch „bei Bäcker Lambricht am Rhein“,[90] bei Jakob Zimmermann am Paradeplatz,[91] „in Siegels Haus an der Schwanenpfort“[92] und „bei Hern Reitz in der ehem. Florinsdekanai“,[93] sowie in den Wirts- und Kaffeehäusern Zum Grünen Wald in Ehrenbreits­stein, In der Lilie am Rheinthor, bei Johann Herrmann auf der Karthaus, bei Sauerborn in der Nagelgasse und bei Weiß in der Löhrstraße wurde Musik oder Tanzmusik gespielt.[94] Tanzgelegenheiten in den Gärten am Stadtrand boten u.a. Weinschenk Gilsbach „alle Decadi“,[95] der Moselweißer Syndicus Scherhag „den Sommer hindurch“[96], die Kaufleute Kröll „alle Sonn- und Feyertage“[97] und Van Gelder „alle Dienstage bis Karneval“[98]. Viele Gastgeber entstammten der oberen Mittelschicht und inserierten nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen. Die Oberschicht beteiligte sich mit je 18 Anzeigen vor allem an den Vergnügungsangeboten in den bestehenden Einrichtungen und nutzen diese, wie zuvor der Adel, zu repräsentativen Zwecken. Aus den Reihen der Freiberufler, Künstler, Buchdrucker, Verleger und Lehrer rekurrierten sich nur wenige Initiatoren. Daraus ergibt sich, dass das Medium Zeitung von fast allen gesellschaftlichen Schichten für die „beliebteste Kurzweil der Frühen Neuzeit“[99] genutzt wurde und sich nicht nur das Angebot sondern auch die dazugehörigen Orte und Zeiten entsprechend breit auffächerten. Aufgrund der Aufhebung der Sonntagsheiligung,[100] war der arbeitsfreie Sonn- und Feiertag wohl der am häufigsten genannte Zeitpunkt. Doch auch an jedem anderen Wochentag, im Sommer oder im Winter, Regelmäßig (18%), über Fastnacht (14%) oder gleich an mehreren Tagen (8%) konnte in Koblenz zur Zeit der französischen Herrschaft getanzt werden.

Angesichts dieser breiten Angebotspalette, lässt sich in diesem Bereich der Koblenzer Vergnügungskultur eine zunehmende Konkurrenzsituation erkennen. So verzeichneten nicht einmal die Hälfte aller angebotenen Musik- und Tanzveranstaltungen Eintrittspreise. 35% beinhalteten zusätzliche Extras, die unter anderem Rabatte für „Frauenzimmer“, den Transfer, Feuerwerkskünste und Konzerte umfassten. Letztere wurden vermutlich von Amateurmusikern zum Bestens gegeben.[101] Zusätzlich extistierten „une réunion d’amateurs pour donner des concerts à jour indiqué“[102] sowie Benefiz- und Abonnementkonzerte im Gasthof Zu den Drei Reichskronen, die jedoch nicht kontinuierlich beworben wurden und meistens in Verbindung mit Bällen stattfanden.[103] Sie wurden insge­samt acht Mal abgedruckt und machten den geringsten Anteil (3%) der Musik- und Tanzveranstaltungen aus. Gänzlich unerwähnt bleiben die zahlreichen Bälle zu Ehren des französischen Kaisers oder im Rahmen der Nationalfeiertage.[104] Stattdessen wur­den traditionelle Festtage, allen voran Karneval, aber auch Ostern, Pfingsten und die Kirmes, zum Anlass genommen, Musik- und Tanzveranstaltungen in der Zeitung publik zu machen. Ein direktes Einwirken der französischen Administration auf die in der Zeitung veröffentli­chen Vergnügungsangebote ist daher nicht erkennbar. Von Franzosen in Auftrag gegeben oder in die französische Sprache übersetzt sind wesentlich weniger Anzeigen, als zuvor angenommen. Im Bereich der Musik- und Tanzveranstaltungen konnte man hauptsächlich die Ballanzeigen in den traditionellen Einrichtungen sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch lesen. Während sich hier gegenüber der kurfürstlichen Zeit den Formulierungen zu Folge nicht viel geändert zu haben scheint, künden alle weiteren An­zeigen von den immensen Anstrengungen selbstbewusster Bürger, die sich Einiges einfallen ließen, um die Leser des Koblenzer Anzeigers von ihrem Vergnügungs- und Unterhaltungsan­gebot zu überzeugen.

 

Fazit

Im März 1811 wurde das Erscheinen des Koblenzer Anzeigers eingestellt. Stattdessen brachte die Druckerei Krabben ein Jahr später das zweisprachig Feuille d’Affiches, Annonces et Avis divers de Coblenz – Koblenzer Nachrichts- und Anzeigeblatt  heraus.[105] Vergnügungs- und Unterhaltungsangebote waren fortan in beiden Sprachen zu lesen, in ihrer Anzahl jedoch deut­lich geringer als zuvor. Ob dies an den mangelnden Sprachkenntnissen der Inserenten lag oder von ihrem Unwillen kündet, die Angebote einem französischen Publikum preiszugeben, kann nicht beantwortet werden. Sicher ist, dass die Vergnügungskultur in Koblenz zur Zeit der französischen Herrschaft weder vom französischen Staat noch von französischen Staatsdienern be­stimmt wurde. Im Großen und Ganzen war es vor allem die obere Mittelschicht, die Handwerker, die mittleren Beamten und Angestellten sowie die Wirte, die das Medium Zeitung für ihre Zwecke zu ge­brauchen wussten und das vorhandene Vergnügungs- und Unterhaltungsangebot um ein Vielfaches bereicherten. Die gezeigte Verwendung gleichbleibender Formulierungen gepaart mit bestimmten Begriff­lichkeiten kann als Beispiel dafür bewertet werden, dass es einzelnen Personen gelang, Bereiche der frühneuzeitlichen Vergnügungskultur, die wenige Jahre zuvor noch vornehmlich den Regeln des Kurfürsten und des Adels gehorchten, nach ihren Vorstellun­gen zu formen und neue Maßstäbe zu setzen. Eine diskursanalytische Erschließung dieser neuen, schriftlichen Kommunikationsstrategien erscheint daher lohnenswert und steht für wei­tere Forschungsarbeit noch aus.[106]

Bereits zur Zeit des letzten Trierer Kurfürsten stand den Einwohnern der Stadt Koblenz eine facettenreiche, historisch gewachsene Vergnügungskultur offen, die hier nur in Ansätzen vorgestellt werden konnte und in ihren inneren Ausdifferenzierungen keineswegs  erschöpft ist. Unbeachtet blieben unter anderem kirchliche Prozessionen und Weinfeste, das sogenannte Kutterrufschneiden an Fronleichnam, das „Fastnachts-, Hagel-, Johannis- oder Martinsfeuer,“[107] die Dirnen in den städtischen Gärten oder der Billard-, Kegel- und Kartenspiel in den Wirtshäusern.[108] Die Inhaltsanalyse des Koblenzer Anzeigers hat jedoch eine quantitative Ausweitung und qualitative Ausdifferenzierung der einzelnen Angebote zur Zeit der französischen Herrschaft zu Tage geführt. Dabei stand deren Anzahl noch in keinem Vergleich zu den massenhaft verbreite­ten Kulturwaren des 19. Jahrhunderts, doch sie war im Jahre 1810 bereits so hoch, dass von einer ständigen Sichtbarkeit und durchgehenden Verfügbarkeit gesprochen werden kann. Vergnügungen und Unterhaltungen standen durch ihre Bekanntgabe im Koblenzer Anzeiger nun zumindest in der Theorie allen offen und waren grundsätzlich an eine breite Öffent­lichkeit gerichtet. Wer wollte konnte das ganze Jahr über an einem beliebigen Tag der Woche ausgehen und hatte dabei durchaus Auswahlmöglichkeiten, ob er an einem Ball, einer Attrak­tion oder an einer Spielpartie im Garten teilhaben wollte. Einige Angebote wurden im Laufe der Zeit erweitert, miteinander kombiniert oder durch Zusatzangebote und reine Werbeanzei­gen hervorgehoben, sodass mit dem Angebot auch der Konkurrenzdruck stieg – dem so man­cher, wie zum Beispiel der Gasthof Zu den Drei Reichskronen, zeitweise nicht Stand halten konnte. Hier und im Stadttheater wurden noch immer Schauspielinszenierungen, Bälle und Konzerte gegeben, doch ihre unter Clemens Wenzeslaus ausgeübte Monopolstel­lung für öffentlich angekündigte Musik- und Tanzveranstaltungen konnte ab 1800 nicht mehr Aufrecht erhalten werden.

Neu waren weniger die einzelnen Vergnügungs- und Unterhaltungsformen, als vielmehr ihre mediale Präsenz und die hohe Eigeninitiative der Koblenzer Bürger. Zwar blieben durch den hier verfolgten kommunikationstheoretischen Ansatz soziale Praktiken im Dunkeln und verwehren sichere Aussagen über das konkrete Verhalten der Rezipienten, doch die quantitative und qualitative Steigerung aufseiten der Angebote trug unweigerlich zur allmählichen Öffnung und beginnenden Kommerzialisierung der Koblenzer Vergnügungskultur bei. Die französische Herrschaft begünstigte und beschleu­nigte diese Entwicklung insofern, dass neue Organisations- und Rechtsformen die allmähliche Auflösung vorhandener Grenzen zwischen einzelnen gesellschaftlichen Gruppen hervorrief. Druckmedien konnten daher erstmals von und für jeden Stadtbewohner eingesetzt werden, sodass sich einzelne Vertreter aus nahezu allen sozialen Schichten an der schriftlichen Diskussion rund um öffentliche Vergnügungen beteiligten. Dies legt die Vermutung nahe, dass viele Einwohner der Stadt Koblenz die eingangs erwähnten Ratschläge „über die Kunst das Menschliche Leben zu verlängern“ um 1800 ernst genommen hatten.

 

Quellen- und Literaturverzeichnis

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[1] Der Aufsatz beruht auf einer 2015 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz angenommenen Abschlussarbeit und erschien 2017 im Hansen-Blatt. Schriftenreihe des Internationalen Hansenordens e.V. zu St. Goar am Rhein Jg. 70.

[2] Wallich, Die Kunst, S. 25.

[3] Ebd.

[4] Koblenzer Anzeiger (KA) Nr. 13 (1794) und Nr. 57 (1794).

[5] Im Folgenden wird auf Grund der besseren Lesbarkeit stets die männliche Form verwendet, die weibliche Form ist jedoch immer miteingeschlossen. Bekannt gegeben werden Maskenbälle und Konzerte im Gasthof Zu den Drei Reichskronen (Nr. 7, 16.2. u.a.), im Stadttheater (Nr. 8, 23.3. u.a.) und in anderen städtischen Etablissements (Nr. 21 vom 25.5.). Außerhalb von Koblenz in Bad Ems (Nr. 33, 17.8) und in Pfaffendorf (Nr. 23, 8.6.). Auch in Privatwohnungen, Wirtshäusern und Gärten wird „Tanzmusik“ (Nr. 31, 3.8., Nr.8, 23.3., Nr. 32, 10.8., Nr. 34, 24.8., 16, 20.4 u.a.).

[6] Somit reiht sich die Arbeit in die, u.a. von Etienne François in seiner Dissertation Population et société à Coblence au XVIIIe siècle von1974 detailliert analysierte, sozialgeschichtlich ausgerichtete Stadtforschung zu Koblenz ein. Neben François sind die Überblicks­werke von Hans Bellinghausen [Hrsg.]: 2000 Jahre Koblenz. Geschichte einer Stadt an Rhein und Mosel. Boppard 1971 und Energiever­sorgung Mittelrhein GmbH [Hrsg.]: Geschichte der Stadt Koblenz. 2 Bde, Stuttgart 1993 zu nennen. Mit der hier behandelten Zeit setzen sich auch Degen, Koblenz und die Franzosen, sowie die Dissertationen von Rapp, Stadtverfassung und von Müller, Von der alten Stadt und von Henke, Coblentz auseinander.

[7] Die demographischen Werte werden bei Schilling, Die Stadt, S. 2–12 erläutert.

[8] Schätzung für das Jahr 1687 nach Müller, Von der alten Stadt, S. 36.

[9] François, Koblenz, S. 22. Zu der Bevölkerungsentwicklung in Koblenz siehe zusammenfassend Ders., Bevölkerungs- und Sozialstrukturen im 18. Jahrhundert. In: Geschichte der Stadt Koblenz, Bd. 1. Hrsg. v. Energieversorgung Mittelrhein GmbH, Stuttgart 1992, S. 286–312 und Müller, Von der alten Stadt, S. 34–36.

[10] So die offizielle Bezeichnung zitiert nach Müller, Von der alten Stadt, S. 35. Zur Bedeutungsverschiebung von Handels- hin zu Residenzstädten vgl. Schilling, Die Stadt, S. 36f.

[11] Rapp, Stadtverfassung, S. 33.

[12] Ebd. Zur genauen Verteilung der Behörden siehe Rapp, Stadtverfassung, S. 32–36 und François, Koblenz, S. 21.

[13] François, Bevölkerungs- und Sozialstrukturen, S. 312., Müller, Von der alten Stadt, S. 35. Vgl. Ders., Bürgerprotest, S. 163–167. Zum kurfürstlichen Residenzschloss siehe allgemein Brommer/Krümmel, Höfisches Leben, S. 155–174.

[14] Die Einteilung und die damit verbundene Kategorisierung der Bewohner und ihrer Berufe am Ende des 18. Jahrhunderts, sowie alle damit verbundenen demographischen Angaben für das Ende der kurfürstlichen Zeit berufen sich (sofern nicht anderes angegeben) auf die Arbeit von François (wie Anm.6). Sie werden bei Dems:, Koblenz, S. 56–61 zusammengefasst. Prozentangaben beziehen sich immer auf die Zahl der Gesamtbe­völkerung in Koblenz gegen Ende des 18. Jahrhunderts.

[15] Vgl. Dollen, Die Koblenzer Neustadt, S. 219–238.

[16] François, Koblenz, S. 60. Der Hofstaat und die Garnison sind in dieser Zahl nicht miteinbegriffen.

[17] Ebd.

[18] Dülmen, Kultur und Alltag, S. 108.

[19] Dülmen, Kultur und Alltag, S. 194 und Fahrmeir, Stadt, Sp. 659. Auch für François, Koblenz, S. 193 verkörperten die Handwerker und Kaufleute „diese konservativen Werte am besten“ Vgl. auch Koelges, Handel und Gewerbe, S. 335–337.

[20] François, Koblenz, S. 134. Zur Verteilung des Immobilienvermögens siehe Ebd., S. 61–69 und Müller, Von der alten Stadt, S. 195.

[21] François, Bevölkerungs- und Sozialstrukturen, S. 309. Ähnlich bei Dems., Koblenz, S. 179.

[22] Zur Reformtätigkeit des Kurfürsten siehe François, Koblenz, S. 197, Müller, Von der alten Stadt, S. 37f. sowie Ders., Bürgerprotest, S. 163–167 und von der Dollen, die Koblenzer Neustadt, S. 138–150.

[23] Gemeint sind die bei Müller, Bürgerprotest, S. 168–178 dargestellten Erhebungen gegen die kurfürstliche Politik und die rechtlichen Vorteile des Adels. Laut Ebd., S. 167 ist die in der Aufklärung verbreitete Adelskritik „in das Bewußtsein zumindest der Wortführer der Koblenzer Bürgerschaft vorgedrungen“ und konnte sich dort zeitweise auch gegen die Obrigkeit durchsetzen.

[24] Rapp, Staatsverfassung, S. 18. Zu Aufbau, Funktion und Bewertung der Stadtordnung vgl. auch Müller, Von der alten Stadt, S. 49–55 und François, Koblenz, S. 22f.

[25] Vgl. hierzu Kampmann, Koblenzer Pressechronik, S. 32–37, Bucher, Pressewesen, S. 3 und Tilgner, Lesegesellschaften, S. 328.

[26] Kampmann, Koblenzer Pressechronik, S. 32

[27] Ebd.

[28] Zu den kurfürstlichen Vorgaben siehe Kampmann, Koblenzer Pressechronik, S. 32f.

[29] Ebd.

[30] Zum Anzeigenwesen siehe Lindemann, S. 248f. Scotti, Sammlung Trier, Dritter Teil, S. 1283 enthält die Verordnung vom 27.12.1777, die den Publikationszwang für solche Anzeigen festsetzte.

[31] Zur Begriffsgeschichte von „Öffentlichkeit“ vgl. grundlegend Hölscher, Lucian: Öffentlichkeit. In: GGB 4 (1978), S. 448–562 und Zimmermann, Clemens: Öffentliche Meinung. In: EDG 9 (2009), Sp. 336–338.

[32] Zur Bedeutung der Zeitungen im 18. Jahrhundert siehe Böning, Presse und Aufklärung, S. 151–164. Ferner Zimmermann, Medien, Sp. 363, Würgler, Medien, S. 43 und S. 63f., Faulstich, Mediengesellschaft, S. 27 und S. 225f. Vgl. auch Habermas, Strukturwandel, S. 71f.; Schwerhoff, Stadt und Öffentlichkeit, S. 21f. und Kunisch, Absolutismus, S. 47f.

[33] Bereths, Musikpflege, S. 68. Der gleichen Meinung sind Brommer/Krümmel, Höfisches Leben, S. 114.

[34] Bereths, Musikpflege, S. 68–70  und S. 179–193.

[35] Dülmen, Kultur und Alltag, S. 129.

[36] Dülmen, Kultur und Alltag, S. 130 und Salmen, Tanz, S. 7–15.

[37] Salmen, Tanz, S. 7.

[38] Zum „Kirchweih-Tanz“ siehe Schwedt/Schwedt, Bräuche, S. 11f., zu „Maibräuchen“ Ebd., S. 146–161. Die zahlreichen Repräsentationsformen der Koblenzer Handwerker werden bei Buslau, Fastnacht in Koblenz, S. 15f. und allgemein bei Dülmen, Kultur und Alltag, S. 140f. vorgestellt. Dominicus, Coblenz, S. 89 berichtet, dass 1774 in den Drei Reichskronen „zwei Englische, dann eine Stunde lang Menuetten dann abermals Englische u.s.w. getanzt“ wurden. Das klassische Menuett wird bei Salmen, Tanz, S. 189 erläutert.

[39] Salmen, Tanz, S. 6.

[40] Ebd. erläutert die genannten Klassifizierungen und sagt, dass Tänze „entsprechend ihrer Ausführung Indikatoren gesellschaftlicher Wirklichkeit“ waren. Nach Dülmen, Kultur und Alltag, S. 130 spiegelte sich im Tanz „die Ordnung des Lebens wider.“

[41] Buslau, Fastnacht in Koblenz, S. 20. Salmen, Tanz, S. 18–20 stellt diverse „Ball-Ordnungen“ vor.

[42] Buslau, Fastnacht in Koblenz, S. 19–21. Allgemein auch Salmen, Tanz, S. 9.

[43] Von den Zunftgelagen im Krämerbau, die „über 100 Thlr.“ kosteten, weiß Dominicus, Coblenz, S. 25.

[44] Sie waren Dominicus, Coblenz, S. 90 zu Folge bei 10 Gulden Strafe für die Wirte und Arrest der Teilnehmer verboten. Hierzu auch Buslau, Fastnacht in Koblenz, S. 20.

[45] So Wenzeslaus am 20.12.1784 bei Scotti, Sammlung Trier, Dritter Teil, S. 1362–1364. Hier werden auch Vorgaben für Hochzeitsfeierlichkeiten festgelegt. Vgl. auch Schmidt, Unterm Krummstab, S. 43.

[46] So die Ermahnung bei Scotti, Sammlung Trier, Dritter Teil, S. 1221.

[47] Scotti, Sammlung Trier, Dritter Teil, S. 1251 und Dominicus, Coblenz, S.90.

[48] Gesetz vom 30. 12 1782, abgedruckt bei Scotti, Sammlung Trier, Dritter Teil, S. 1320f.

[49] Ebd.

[50] Ebd.

[51] Buslau, Fastnacht in Koblenz, S. 19 und S. 21. Andere Bälle im Orangeriehaus in Kärlich, im Trierer Hof und im Wilden Mann, bei welchen „selbstverständlich nur Noblesse anwesend“ war, kennt Bereths, Musikpflege, S. 206. Von Bällen im Hof zu Holland und dreimal wöchentlich stattfindenden Bällen im Theater berichtet Buslau, Fastnacht in Koblenz, S. 20. Vgl. auch die Beschreibung eines solchen Balls bei Bertola, Malerisches Rhein-Reise, S. 254. Zu den Maskenverboten vom 09.03.1790 und 10.03.1792 siehe Härter, Repetitorium, S. 817 und S. 820 sowie Degen, Koblenz und die Franzosen, S. 58.

[52] Nach Dülmen, Kultur und Alltag, S. 132 änderte sich die Gastkultur im 18. Jahrhundert und „das Wirtshaus, das im 16. Jahrhundert noch von Adeligen aufgesucht wurde, war im 18. Jahrhundert nur noch der gesellige Ort desgemeinen Volkes.“ Nach Bereths, Musikpflege, S. 207, war kein Adel auf Stadtbällen zugegen. Für Braunschweig hat Albrecht, Gastronomie, S. 324–341 gezeigt, dass Wirtshäuser Ebd., S. 342 vor allem „Gleichgesinnte zueinander“ führte.

[53] So das Urteil von François, Koblenz, S. 192.

[54] Hierzu auch Rosseaux, Freiräume, S. 35.

[55] Nach Schilling, Stadt, S. 35 „war das Städtewesen des Reiches um 1800 differenzierter, spannungsreicher und zweifellos auch leistungsfähiger als dasjenige um 1500.“ Müller, Von der alten Stadt, S. 39 spricht auch für Koblenz von einem „partielle[n] Einbruch der Moderne“ im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts. nksrheinischen Gebieten siehe zuletzt ???

[56] Müller, Die französische Herrschaft, S. 33.

[57] Der Einzug wird bei Degen, Koblenz und die Franzosen, S. 89–97, ausführlich geschildert. Zur Vorgeschichte vgl. ebd., S. 64-88 und Müller, Die französische Herrschaft, S. 23–26.

[58] Mit Bezug auf die Rolle der Stadt während der Gegenrevolution verordnete General Pierre Bourbotte eine Kontributionssumme von 1,7 mio Livre. Dazu und zu allen weiteren Forderungen und der daraus resultierenden Not der Bevölkerung siehe Degen, Koblenz und die Franzosen, S. 97–113.

[59] Müller, Die französische Herrschaft, S. 27 und S. 31f. Die „cisrhenanischen Bewegung“ in Koblenz kann an dieser Stelle nicht weiter behandelt werden. Müller, Von der alten Stadt, S. 226–233 und Degen, Koblenz und die Franzosen, S, 135–147 geben einen Überblick.

[60] So das Urteil Müllers, Die französische Herrschaft, S. 37.

[61] Ebd., ab 1803 sei Koblenz „in staatsrechtlicher Hinsicht voll assimiliert” gewesen. Ähnlich bei Degen, Koblenz und die Franzosen, S, 200f.

[62] Müller, Die französische Herrschaft, S. 32.

[63] Ebd. Ders., Von der alten Stadt, S. 285 zählt 306 Verwaltungsbeamte und -angestellte in Koblenz. Zur administrativen Eingliederung vgl. auch Degen, Koblenz und die Franzosen, S, 163–176.

[64] Degen, Koblenz und die Franzosen, S. 193. Nach Wagner, Revolution, S. 277 wurde die Gesetzgebung rund um Kalender. Wärung, usw. 1798 publiziert und deren Nichteinhaltung mit Sanktionen belegt. Er wurde zum 01.01.1806 wieder abgeschafft.

[65] Müller, Die französische Herrschaft, S. 33f.

[66] Ebd. Vgl. Dülmen, Kultur und Alltag, S. 83 erkennt schon um 1750 mit dem Beginn der Aufklärung eine allmähliche Auflösung der „ständische[n] Lebensordnung”, wobei „zwei neue Varianten des bürgerlichen Selbstverständnisses“ entstehen: Neben dem Stadtbürger bzw. „Unterthan“ auch das neue Bürgertum bzw. der Staatsbürger, der nun auch Bauern und Adelige umfasste.

[67] Nach Müller, Die französische Herrschaft, S. 45f. hatte die Beseitigung der Zunftordnung sogar eine Individualisierung zur Folge.

[68] Müller, Von der alten Stadt, S. 279. Alle demographischen Angaben zur Koblenzer Bevölkerung während der französischen Herrschaft berufen sich im Folgenden (sofern nicht anders angegeben) auf ebd., S. 273–211.

[69] Ebd., S. 274 zählt von 1800 bis 1813 1500 bis 1600 Zuwanderer und erklärt dies durch eine anhaltend starke Geburten- und Zuwanderungsrate und die Ansiedlung französischer Beamte. Vgl. François, Bevölkerungs- und Sozialstrukturen, S. 286.

[70] Schätzung nach François, Koblenz, S. 22.

[71] Müller, die französische Herrschaft, S. 40.

[72] Nach Müller, Von der alten Stadt, S. 304 befand sich im ersten Munizipalrat von 1801 nur noch ein Angehöriger des früheren Magistrats (Johann Jospeh Mazza), während nach Ders., Die französische Herrschaft, S. 41 Kaufleute, Unternehmer und Wirte 55% des 30-köpfigen Rates ausmachten.

[73] Müller, Die französische Herrschaft, S. 41. Insgesamt waren 360 deutsche und 90 zivile und 119 militärische französische Beamte im Staatsdienst tätig. Die genaue Zusammensetzung wird bei Ders., Von der alten Stadt, S. 285f. dargestellt. Struck/Gantet, Revolution, S. 93f. sehen den Beginn dieser Entwicklung im Rheinland schon in den 1790er Jahren und verweisen auf die gleichen Umstrukturierungen.

[74] Müller, Die französische Herrschaft, S. 303.

[75] Müller, Die französische Herrschaft, S. 291. Zur Thematik vgl. ausführlich Clemens, Gabriele B.: Immobilienhändler und Spekulanten. Die sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung der Großkäufer bei den Nationalgüterversteigerungen in den rheinischen Departments (1800–1813). Boppard 1995.

[76] Müller, Die französische Herrschaft, S. 41f. 1808 gab es 878 patentierte Handwerker, die in 50 verschiedenen Berufen arbeiteten.

[77] Ebd., S. 39 „Mindestens die Hälfte der Koblenzer Bevölkerung lebte weiterhin am Rande des Existenzminimums bzw. an der oder gar jenseits der Armutsschwelle.“ Zu den napoleonischen Reformen in diesem Bereich siehe Bellinghausen,2000 Jahre, S. 279 und Degen, Koblenz und die Franzosen, S. 215.

[78] Müller, Die französische Herrschaft, S. 45. Dies gilt erst für die Zeit ab 1797. Hierzu ausführlich Pabst, Klaus: Bildungs- und Kulturpolitik der Franzosen im Rheinland zwischen 1794 und 1814. In: Franzosen und Deutsche am Rhein. 1789–1918–1945. Hrsg. v. Peter Hüttenberg und Hansgeorg Molitor. Essen 1989 (Düsseldorfer Studien zur Neueren Landesgeschichte und zur Geschichte Nordrhein-Westfalens Bd. 23), S. 185–202.

[79] Müller, Die französische Herrschaft, S. 35f. Umrissen wird die napoleonische Kirchenpolitik bei Struck/Gantet, Revolution, S. 96–102. Zur Auswirkung der Kirchenpolitik auf das alltägliche Leben in den linksrheinischen Gebieten siehe generell Wagner, Elisabeth: Revolution, Religiösität und Kirchen um 1800. In: Franzosen und Deutsche am Rhein. 1789–1918–1945. Hrsg. v. Peter Hüttenberg und Hansgeorg Molitor. Essen 1989 (Düsseldorfer Studien zur Neueren Landesgeschichte und zur Geschichte Nordrhein-Westfalens Bd. 23), S. 267–288.

[80] Ausführlich geschildert bei Lindemann, Deutsche Presse, S. 256–260.

[81] KA, Extrableilage vom 01.04.1798.

[82] KA, Nr. 28 (1798).

[83] Kampmann, Pressechronik, S. 56.

[84] Etienne François konnte anhand der Heiratsurkunden während der französischen Herrschaft eine enorme Alphabetisierungsrate in Koblenz feststellten. Erläutert bei François, Koblenz, S. 69–81.

[85] Zur allgemeinen Diversifizierung und Systematisierung im 18. Jahrhundert siehe Würgler, Medien, S. 50–56. Vgl. auch Faulstich, Mediengesellschaft, S. 40–43, der die zeitgenössischen Begriffe wie „Zeitungswuth“ und „Lesesucht“ für das ganze Volk betont und Ebd., S. 41 „eine Zunahme allgemeiner Medienkompetenz“ für das Ende des 18. Jahrhunderts statuiert.

[86] Die dabei hervortretenden Entwicklungstendenzen hin zu einer Vergrößerung, Ausdifferenzierung und Öffnung der Koblenzer Vergnügungskul­tur wurden mit Hilfe des Programms Statistical Package fort he Social Sciences (SPSS) statistisch ausgewertet. Zur Methodik siehe einführend Engel, Andreas [u.a.]: Sozialwissenschaftliche Datenanalyse. Koblenz 2001.

[87] KA, Nr. 2 (1800).

[88] KA, Nr. 2 (1800).

[89] KA, Nr. 17 (1801).

[90] Bei Martin Lambricht wurde nach KA, Nr. 7 (1801) „die drei Fastnachtstage Musik gehalten“ und nach KA, Nr. 44 (1800) „den Winter hindurch alle Sonntage damit continuiert.“

[91] KA, Nr. 14 (1805).

[92] KA, Nr. 5 (1807).

[93] KA, Nr. 52 (1806).

[94] Musik im Ehrenbreitsteiner Wirtshaus Zum Grünen Wald wird in KA, Nr. 48 (1800), in der Lilie am Rheintor in KA, Nr. 7 (1801), bei Sauerborn in KA, Nr. 16 (1798) und im Kaffeehaus von Franz Weiß in KA, Nr. 5 (1802) erwähnt. Tanzmusik kündigt Johann Herrmann in KA, Nr. 17 (1809) an.

[95] KA, Nr. 14 (1800).

[96] KA, Nr.17 (1800).

[97] KA, Nr. 16 (1808).

[98] KA, Nr. 3 (1808).

[99] Dülmen, Kultur und Alltag, S. 129.

[100] Die im Kurfürstentum streng vorgegebene Sonntagsheiligung ist bei Scotti, Sammlung Trier, Dritter Teil, S. 1216f. nachzulesen.

[101] Nach Schmidt, Musik-Institut, S. 36 handelte es sich dabei „eher um anspruchslose Unterhaltungsmusik“.

[102] Almanach d’adresses, S. 100.

[103] KA, Nr. 1 (1798) kündet von Konzerten, die wahrscheinlich nur bis 1798 stattfanden. Siehe hierzu auch Schmidt, Musik-Institut, S. 36.

[104] Vgl. Kramp, der Kaiser kommt, S. 19–29.

[105] Kampmann, Pressechronik, S. 56. Informationen zur Nachfolgezeitung finden sich bei ebd., S. 78–80.

[106] Anreize liefert Diaz-Bone, Diskursanalyse und Populärkultur, S. 126–151.

[107] Am 17.03.1787 werden diese verboten, da sie „oft die benachbarten Ortschaften in Unruhe und Schrecken versetzen […] feuergefährlich sind“ und „nur abergläubischer Mißbrauch“ darstellen. Scotti, Sammlung Trier, Dritter Teil, S. 1459.

[108] Nach Schwedt/Schwedt, Bräuche S. 210 ist das Weinfest in Winningen, unweit von Koblenz, das älteste. Dominicus, S. 22f. schildert den Ablauf einer Bürgermeistereinsetzung in Koblenz, eine religiöse Großveranstaltung behandelt Lambert, In weißen Gewändern, S. 27–29; die Teilnahem des Kurfürsten bei Prozessionen ist bei Brommer/Krümmel, Höfisches Leben, S. 185f. dargestellt. Vom Kutterruffschneiden der Schifferzunft berichtet Schmidt, Unterm Krummstab, S. 45, von den „Lustdirnen“ Bertola, Malerische Rhein-Reise, S. 147.

Die Militärbäckereien der preußischen Festung Koblenz und Ehrenbreitstein

Militärbäckereien

 

„Der 1816 beginnende Ausbau von Koblenz und Ehrenbreitstein zur preußischen Festung zog den Aufbau einer militärischen Infrastruktur zur Versorgung der Festung und der Garnison nach sich. Bei der Bereitstellung des wichtigen Grundnahrungsmittels Brot setzte die preußische Militärverwaltung in Koblenz auf Selbstversorgung. 1821 ging die im Festungsbauhof/Proviantamt am Clemensplatz (heute Reichenspergerplatz) untergebrachte Garnisonsbäckerei mit zwei in der französischen Zeit installierten Backöfen in Betrieb. Für den Kriegsfall sollten in den folgenden Jahren weitere Bäckereien in den Festungsteilen eingerichtet werden, sodass im Falle einer Armierung ausreichende Kapazitäten zum Brotbacken zur Verfügung standen. So entstand 1827 in dem soeben fertig gestellten Rheinkasemattenkorps (später Rheinanschlusskaserne) der Prototyp eines gänzlich neuen Ofens, der ausgiebig getestet und für gut befunden wurde. Er sollte als Vorbild für drei weitere Backöfen dienen, von denen 1828 zwei in Fort Großfürst Konstantin und einer im Untergeschoss des Kehlturms der Feste Kaiser Franz zur Ausführung kamen. Der Letztgenannte ist heute der einzige noch erhaltene Festungsbackofen der gesamten Festung Koblenz und Ehrenbreitstein“ (Klappentext).

Matthias Kellermann: Die Militärbäckereien der preußischen Festung Koblenz und Ehrenbreitstein. Zur Geschichte der Koblenzer Militärbäckereien unter besonderer Berücksichtigung der Kriegsbäckerei in der Feste Kaiser Franz. Koblenz: Fölbach, 2018. – 84 S., zahlr. Ill., Kt. ISBN 978-3-95638-414-1. – 12,80 EUR.

70 Jahre Rittersturz-Konferenz

Rittersturz_1892

Gaststätte auf dem Rittersturz kurz vor der Eröffnung, 1892 (StAK FA 1-931).

 

Sebastian Gleixner bietet in seiner pädagogischen Handreichung zur Arbeit von Schülern mit archivischen Quellen folgenden Einführungstext zur Geschichte des Rittersturzes und der Rittersturzkonferenz:[1]

Beim Rittersturz handelt es sich um einen steil abfallenden Felsen des Hunsrücks, der direkt an die Stadt Koblenz heranreicht. Der Sage nach stürzte sich dort im Mittelalter ein unglücklich verliebter Ritter in den Tod.

Seit dem 19. Jahrhundert war der Aussichtspunkt wegen seines herrlichen Ausblicks über das Rheintal besonders beliebt. Deshalb wurde 1892 auf dem Rittersturz eine erste Gartenwirtschaft eröffnet, die man 1925 zum Hotel ausbaute. Ab 1928 führte eine über 400 m lange Zahnradbahn, die Rittersturzbahn, dorthin. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Hotel eines der wenigen unzerstörten Gebäude für größere Veranstaltungen in Koblenz. In den ersten Wochen nach der Befreiung durch die Amerikaner diente es als Sitz der US-Militärregierung und wurde dann von den Franzosen beschlagnahmt.

Auf Einladung des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Peter Altmeier, trafen sich die Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder sowie Louise Schroeder, die Oberbürgermeisterin von Berlin, das damals unter der Blockade der Sowjets zu leiden hatte, vom 8. bis 10. Juli 1948 im Hotel auf dem Rittersturz. Thema der Konferenz waren die Frankfurter Dokumente, die ihnen von den Militärgouverneuren der westlichen Besatzungszonen vorgelegt worden waren. Diese sahen v. a. die Gründung eines deutschen Weststaates vor. Die Ministerpräsidenten beschlossen aber einheitlich, dass diese Gründung nur ein Provisorium bis zur Errichtung eines gesamtdeutschen Staates sein sollte. Daher sollte es auch keine verfassunggebende Nationalversammlung, sondern einen Parlamentarischen Rat zur Ausarbeitung eines Grundgesetzes geben. Beratungen zur geforderten Neuregelung der Ländergrenzen wurden vertagt. Dem Entwurf eines Besatzungsstatuts trat man sehr selbstbewusst entgegen und versuchte, mit eigenen Vorschlägen das Zusammenspiel zwischen den deutschen Institutionen und den Alliierten festzuschreiben.

Auch wenn die Alliierten, v. a. die Amerikaner, enttäuscht reagierten, dass die Ministerpräsidenten einen so zurückhaltenden Standpunkt zur Gründung eines Weststaates einnahmen, einigte man sich schließlich kurz darauf am 26. Juli 1948: Der Ausarbeitung des Grundgesetzes und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland stand nun nichts mehr im Wege. Indem die Ministerpräsidenten den provisorischen Charakter des neuen Staates besonders betonten, wurde letztlich die Chance auf eine Wiedervereinigung, wie sie 1990 stattfand, überhaupt erst möglich. Das wiederum zeigt die große Bedeutung der Rittersturzkonferenz für die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Dass auf dem Rittersturz nach der Gründung der Bundesrepublik am 25./26. August 1949 noch eine zweite Ministerpräsidentenkonferenz stattfand, ist weniger bekannt. Die Länderchefs behandelten hier u. a. die Fragen, wann und wie der Bundestag, der Bundesrat und die Bundesversammlung erstmals einberufen werden sollten.

Trotz seiner bewegten Geschichte begann in den 1950er-Jahren der Niedergang des Hotels. Nachdem der Rittersturzfelsen abzurutschen drohte, wurde das Hotel 1974 abgerissen. Bereits 1959 war der inzwischen unwirtschaftliche Bahnbetrieb eingestellt worden.

Auf Initiative des damaligen Ministerpräsidenten Altmeier wurde später ein Denkmal zur Rittersturzkonferenz errichtet, das zum 31. Jahrestag am 8. Juli 1979 eingeweiht wurde. Zum 60. Jubiläum, 2008, erfolgte die Erneuerung des gesamten Geländes.

 

Rittersturz_um_1930

Berghotel Rittersturz, um 1930 (StAK FA 1-931).

 

Literatur:

50 Jahre Rittersturzkonferenz 1948-1998. Die Stunde der Ministerpräsidenten. Wissenschaftliches Symposion im Bundesarchiv in Koblenz am 8. Juli 1998. Hrsg. von Heinz-Günther Borck. Koblenz 1998.

Düwell, Kurt: Die Rittersturz-Konferenz vom Juli 1948. In: Rheinland-Pfalz entsteht. Beiträge zu den Anfängen des Landes Rheinland-Pfalz in Koblenz 1945-1951. Boppard am Rhein 1984 (Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz 5), S. 411-432.

Duppré, Fritz: Einübung in die Politik unter Peter Altmeier. In: Rheinland-Pfalz persönlich. Erinnerungen und Begegnungen. Mainz 1987, S. 39-67, hier S. 45-50 (persönliche Erinnerungen an die Rittersturz-Konferenz).

Gleixner, Sebastian: Mit Schülern an die Quellen: Projektarbeit in Archiven. In: Unterrichtsmaterialien Geschichte, Sekundarstufe I, 8. Ergänzung. Hallbergmoos: Stark-Verl., 2013, S. 1-44.

Himbert, Alexa: Rittersturzkonferenz. In: Zeugnisse rheinischer Geschichte. Urkunden, Akten und Bilder aus der Geschichte der Rheinlande. Eine Festschrift zum 150. Jahrestag der Einrichtung der staatlichen Archive in Düsseldorf und Koblenz. Red.: Franz-Josef Heyen und Wilhelm Janssen. Neuss 1982 (Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Jahrbuch 1982/83), S. 164-166, 432.

Michels, Willi K.: Die Rittersturz-Konferenz 1948. Ein historisches Ereignis im Koblenzer Stadtwald. In: Unser Stadtwald. Die grüne Lunge von Koblenz. – Amt für Liegenschaften und Forsten der Stadt Koblenz. – Koblenz 1993, S. 144-148.

Rittersturz-Konferenz. Konferenz der Ministerpräsidenten elf westdeutscher Länder im Hotel Rittersturz bei Koblenz vom 8. bis 10. Juli 1948. Katalog zur Ausstellung aus Anlaß des 40. Jahrestages. – Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz. – Koblenz 1988.

[1] Gleixner, S. 21.

 

 

Neuerscheinung: Louis-Lazare Hoche (1768-1797). Französischer General am Rhein

Hoche

 

„Am 24. Juni 2018 jährt sich nun Hoches Geburtstag zum 250sten Mal. Dies allein wäre schon Anlass genug, sich noch einmal intensiv mit dem Leben und Wirken eines Generals auseinanderzusetzen, der sich zeitlebens für die republikanische Idee eingesetzt und versucht hat, seine eigenen Vorstellungen im Sinne der Republik militärisch wie politisch umzusetzen. Bei aller Bewunderung für seine Leistungen, die er in seiner knappen Zeit erbrachte, sollte aber nicht vergessen werden, dass Hoche durch und durch Soldat war, der zur Erreichung seiner Ziele auch unpopuläre, ja grausame Maßnahmen ergriff, Todesurteile über die Feinde der Republik fällte und vollstrecken ließ. Dieses Buch erzählt daher nicht nur sein kurzes Leben, sondern gibt auch Einblicke in die Irrungen und Wirrungen der Revolution, deren Opfer er beinahe geworden wäre. Es berichtet zudem anschaulich über seine Bemühungen zur Stabilisierung der Republik gegen innere und äußere Feinde sowie eine sinnvolle und verträgliche Integration der eroberten linksrheinischen Gebiete, die sein früher Tod jedoch zunichtemachte“ (aus dem Vorwort von Matthias Kellermann, S. 10-11).

Jean-Noël Charon: Louis-Lazare Hoche (1768-1797). Französischer General am Rhein. Koblenz: Fölbach, 2018. – 197 S., zahlr. Abb. ISBN 978-3-95638-415-8, 14,80 EUR.

 

#Hoche, Louis-Lazare #Charon, Jean-Noël

Vortrag und Ausstellung: Die Revolution von 1848/49 in Koblenz

 

Bürgerwehr-Marsch

„Anfang des alten 1848er Bürgerwehr-Marsches“ (StAK KH 127 Nr. 36).

Die Revolution von 1848/49, die freiheitlichen und demokratischen Ideen für kurze Zeit zum Durchbruch verhalf, hat auch in Koblenz die Gemüter heftig bewegt. Eine paradierende Bürgerwehr, die Formulierung politischer Programme, die Bildung parteiartiger Vereinigungen sowie eine lebhafte Publizistik zeugen davon, dass sich die Ideen von Freiheit, Einheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit mit Macht Bahn brachen. Michael Koelges, Leiter des Stadtarchivs Koblenz, hält am Freitag, 1. Juni 2018, um 18 Uhr im Mittelrhein-Museum einen bebilderten Vortrag zu den Ereignissen in der Stadt. Der Eintritt ist frei. Darüber hinaus ist im Stadtarchiv in der Alten Burg, Burgstraße 1, bis zum 14. Juni während der Öffnungszeiten (Mo 14-17 Uhr, Do 10-13 Uhr) eine Kabinettausstellung kostenfrei zu besichtigen, die diese bewegten Jahre der Stadtgeschichte anhand schriftlicher und bildlicher Quellen veranschaulicht.

Vortrag und Ausstellung sind der Beitrag des Stadtarchivs zu den Koblenzer Wochen der Demokratie. Vom 25. Mai bis zum 15. Juni 2018 bieten rund 30 Akteure 50 Veranstaltungen der verschiedensten Art zum Thema Demokratie an. Anlass ist die Rittersturz-Konferenz, die vom 8. bis 10. Juli 1948 im Koblenzer Hotel Rittersturz stattfand und die sich zum 70. Mal jährt.

 

Wozu_Demokratie