Die Orgeln der Pfarrkirche St. Peter in Neuendorf

Spieltisch der neuen Orgel von St. Peter am 25. März 2021 (Foto: Willi Gabrich).

Anlässlich der Orgelweihe am 16. Mai 2021 befasst sich Willi Gabrich mit der Geschichte der Orgeln in der Neuendorfer Pfarrkirche St. Peter.

#Gabrich, Willi

Architekturaufnahmen zum Neubau des Koblenzer Regierungs- und Oberpräsidialgebäudes

Die Aufnahmen liegen im neu erschlossenen Bestand 700,375 (Nachlass Regierungsbaumeister Carl Loewe) des Landeshauptarchivs Koblenz vor (Link).

Oberpräsidialgebäude in der Kronprinzenstraße (heute Stresemannstraße), 1911 (StAK FA 4,21 Nr. 12 Bild 35).

Neues Regierungsgebäude (links) und Hauptzollamt (rechts), 1906 (StAK FA 4,21 Nr. 9 Bild 99).

#Loewe, Carl

Ad gloriam Dei[1]. Matthäus Aßolino (1799-1866), katholischer Pfarrer in Gemünden, Horchheim und Polch

Von unserem Gastautor Ralf A. Glöckner

Der Autor erforscht das Leben des katholischen Geistlichen Matthäus Aßolino, der nach der Priesterweihe am 6. April 1833 bis 1837 Kaplan in Schweich war und dann als Pfarrer von 1837 bis 1840 in Gemünden/Hunsrück, von 1840 bis 1845 in Horchheim (heute Koblenz-Horchheim) und von 1845 bis zu seinem Tod 1866 in Polch wirkte.[2]  Geboren noch zur Zeit der Revolutionskriege, lebte er in einer Phase der Neuorientierung und des Aufbruchs der katholischen Kirche in der dem Ende der napoleonischen Herrschaft folgenden politischen Neustrukturierung. Im seit 1815 preußischen Rheinland fand sich die überwiegend katholische Bevölkerung in einem Staat wieder, der protestantisch geprägt war. Die katholische Kirche musste ihren Platz in Staat und Gesellschaft definieren, Positionen sichern, aber auch Grenzen anerkennen. Letztlich prägte der Geist des Katholizismus nichtnur als religiöse Überzeugung, sondern auch als kulturelle Identität die Provinz mit.

Die Geburt

Als der erste Artikel, der sich mit der Horchheimer Zeit des Geistlichen beschäftigte, 2017 erschien, waren die Informationen über die Geburt am 19. September 1799 und die Herkunft unzureichend; weder war damals der „Weitenau“[3] oder „Weidenau Königreich Bayern“[4] benannte Geburtsort lokalisierbar, noch waren die Eltern bekannt.[5]

Nach mehrjähriger Suche konnte der Verfasser endlich einen Geburtseintrag für Aßolino feststellen und einsehen. Danach wurde er geboren in Weitnau, Haus Nummer 28, und getauft auf die Namen Mat[t]häus Michael.[6] Den Vornamen Michael benutzte sein Träger offensichtlich später nicht. Weitnau ist der Hauptort des gleichnamigen Marktes (Verwaltungsgemeinschaft) im Oberallgäu in Bayern. Im Geburtsjahr Aßolinos gehörte der Ort jedoch noch zu Österreich und wurde erst durch den Frieden von Preßburg am 26. Dezember 1805 an das mit dem gegnerischen Frankreich verbündete Bayern abgetreten.[7]

Abb. 1: Weitnau. Ansichtskarte, gelaufen 1919.

Der Vater

Eltern waren Joseph Andreas[8] Assolino/Aßolino und Maria Eva geborene Haw. Im Geburtseintrag erscheint als Beruf des Vaters „Wachtmeister von Erzherzog Johann“, die Mutter wird geborene „Hauin“[9] genannt, was der Aussprache des Namens als „Hau“ entspricht. Die weitere Angabe bei der Mutter als „verwittibte Assolino“ lässt schließen, dass der Vater zwischen Zeugung und Geburt verstarb oder fiel. Die für „ehelich“ oder „unehelich“ im Taufregister vorgesehenen Spalten sind nicht ausgefüllt.[10] Wachtmeister war ein dem Feldwebel entsprechender Unteroffiziersdienstgrad bei der Kavallerie. „Erzherzog Johann“ bezeichnet das nach seinem Inhaber benannte Dragoner-Regiment der österreichischen Armee, das 1798 die Nr. 3 führte, dessen Inhaber von 1785 bis 1795 Erzherzog Joseph Toscana und ab 1795 Erzherzog Johann waren. Untergliedert wurden die Kavallerieregimenter in – etwa Bataillonen entsprechende – Divisionen, die nach dem jeweils planmäßig vorgesehenen Dienstgrad des Führers benannt waren.[11]

Nach den Militärunterlagen war Joseph Aßolino um 1762 in Ungarn geboren und am 1. März 1781 assentiert (gemustert). Die Körpergröße wird mit 5 Schuh, 4 Zoll, also umgerechnet etwa 1,69 m, angegeben. Als Gemeiner im Kais. Königl. E.H. Joseph Toscana Dragoner-Regiment Nr. 3 wechselte er von der 2. Escadron Oberst-Division am 19. Juli 1786 zur 1. Escadron derselben Division und wurde am 20. September 1786 zum Vicecorporal, am 1. Februar 1787 zum Wirklichen Corporal befördert.[12] In dieser Einheit wird er in der Revisionsliste von Hotschag vom 19. März 1788 als Corporal geführt.[13] Hodschag liegt heute in Serbien und heißt Odzaki.[14] Im 1. Koalitionskrieg gegen Frankreich wurde Aßolino, bereits Wachtmeister, am 1. Juli 1794 mit der silbernen Denk- und Ehrenmünze für Unteroffiziere und Soldaten ausgezeichnet, verliehen vor der Front vom Regiments-Commandanten, Oberst Franz Freiherr von Bueren.[15] Entsprechend dem Zweck der Verleihung hieß die Auszeichnung folgerichtig ab 1809 Tapferkeitsmedaille.[16] In der Liste einer Revision der 2. Escadron der Oberstleutnant-Division der EH Johann-Dragoner vom 17. Dezember 1795 in Theresienstadt in Böhmen ist auch der Wachtmeister Joseph Aßolino erfasst.[17] Naheliegend ist, dass er, falls schon damals in derselben Einheit eingesetzt, unter den 13.000 Soldaten war, mit denen der 81jährige Feldmarschall von Bender die Festung Luxemburg gegen die überlegenen Franzosen verteidigte, aber letztlich am 7. Juni 1795 kapitulieren musste.[18] Der Rückmarsch ging über Grevenmacher nach Koblenz,[19] wo die Soldaten vom 17. bis zum 19. Juni über den Rhein setzten. Am 16. Juni war Feldmarschall von Bender bereits in Koblenz von den französischen Besatzern in Person des Generals Marceau ehrenhaft empfangen worden.[20]

Der Name

Bei den Recherchen zum Leben des Pfarrers Aßolino blieb letztlich immer ein Zweifel, wie der Name geschrieben wird. Die Abweichung „Asselino/Aßelino“[21] kann, da selten, vernachlässigt werden. Beim Eintrag im Geburtsregister für Matthäus Michael wird „Assolino“ mit Doppel-s geschrieben.[22] Wir finden den Namen auch in anderen Unterlagen sowie auf dem Grabstein in Polch mit „ss“ geschrieben, wobei vom Aussehen her die Platte auf dem Stein erneuert worden zu sein scheint. Das alphabetische Taufregister der katholischen Pfarrei Weitnau,[23] die Sterbeurkunde der Gemeinde Polch[24] sowie teilweise die Listen des Priesterseminars und zum Teil die Militärunterlagen für Joseph Aßolino[25] benutzen die deutsche Schreibschriftform mit der Buchstabenkombination, die als „hs“ erscheint, manchmal fehlerhaft damit verwechselt wird, aber eine Kombination von Innen- und End-s sein dürfte, also ein Eszett ist.[26] So unterschrieb Matthäus Aßolino auch. Wilhelm Roth übernimmt in seinen Beiträgen zur Geschichte von Horchheim den Namen wie der Verfasser ebenfalls mit Eszett.[27]

Abb. 2: Die Unterschrift des Pfarrers Aßolino.

Der Name dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit italienischen Ursprungs sein. Dabei findet man die Formen Assolini, Azzolino, Azzone und andere Varianten.[28] Dass Joseph Aßolino aus Ungarn stammte, steht der Herkunft des Namens aus Italien nicht entgegen; Österreich war ein Vielvölkerstaat mit vielfachen Verwirbelungen innerhalb der Bevölkerung und große Teile der nördlichen Hälfte Italiens gehörten damals zum Habsburgerreich.[29] Das passt auch zu der Auskunft, die der Verfasser von Professor Sergio Azzolini, geboren 1967 in Bozen, Dozent für Fagott,[30] erhielt, der davon ausgeht, dass sein Name von der norditalienischen Adelsfamilie Azzi herkomme.[31] Andere Erklärungen geben als Ort der ältesten ersten Namensnennungen Fermo in Mittelitalien an und ordnen die Familie ebenfalls dem Adel zu.[32] Decio Azzolino (Azzolini) der Ältere (1549-1587) und sein Großneffe Decio Azzolino der Jüngere (1623-1689) waren Kardinäle der katholischen Kirche; beide sind in Fermo geboren.[33] Der Jüngere war ein Freund der Königin Christine von Schweden, der Tochter Gustav Adolfs, die nach ihrer Abdankung wohl überwiegend in Rom lebte. Azzolino soll der Legende nach die Bekanntschaft der Königin gemacht haben, als diese aus einer Kutsche nicht aussteigen konnte, weil Wasserlachen ihren Weg behinderten und Azzolino seinen teuren Mantel auf die Erde warf, um der Königin den Weg zu ermöglichen.[34] Eine Rolle spielt der Kardinal in dem historischen Roman von Katrin Burseg „Die Rebellin des Papstes“.[35]

Die Mutter

Die Mutter Maria Eva Haw/Hau wurde am 22. Januar 1777 in Bekond getauft; sie war das sechste von zehn Kindern des Johann Haw (1740-1801) und der Maria Barbara geborene Quirin (1746-1814). Taufpatin war Maria Eva Göbert, die Schwester des Vaters, die 1767 Johann Gebert geheiratet hatte.[36] Wann und wo Eva Haw Joseph Assolino heiratete, wo das Ehepaar danach lebte, ist bislang nicht bekannt. Da in den Büchern der Pfarrei Weitnau kein weiterer Eintrag für den Namen Aßolino (Assolino) gefunden wurde, liegt die Vermutung nahe, dass die Familie nicht dauerhaft dort wohnte, sondern die Mutter sich lediglich, ihrem Mann folgend, zur Geburt in Weitnau oder zumindest zeitlich begrenzt im Ort aufhielt. Dann wäre insoweit Aßolinos Schicksal eines Soldatenkindes mit dem Gneisenaus vergleichbar, der am 27. Oktober 1760 in Schilda während eines Feldzuges geboren wurde, als die Mutter im Tross der Reichsarmee folgte, in der der Vater Soldat war.[37]

Eva Assolino kehrte offensichtlich mit dem Kind an die Mosel zurück. Im Eintrag im Sterberegister Polch vermerkt Kaplan Fuchs, dass Aßolino in Bekond nahe Trier erzogen worden sei („[…] educatus in Becond, prope Treviros“).[38] Bei der am 5. Oktober 1801 geborenen Tochter ihres Bruders Johann Baptist Hau (Haw) war Eva Aßolino (Asselino) aus Bekond Patin.[39] In 2. Ehe heiratete sie am 29. November 1801 in Hetzerath den am 20. Dezember 1774 in Bassey/Frankreich geborenen französischen Gendarmen Johann August Noirot[40] und gebar am 14. Oktober 1802 in Hetzerath Johann Dionysius Augustin Noirot, der am 7. Januar 1803 verstarb.[41] Eva Noirot, mit Wohnort Hetzerath, war im gleichen Ort am 29. April 1806 Taufpatin des Friedrich Hammand, Sohn des Gendarmen Francois Hammand.[42] In Bekond, das nunmehr als Wohnsitz in der Sterbeurkunde genannt wird, starb Eva Noirot, verwitwete Assolino, geborene Haw/Hau am 28. 0ktober 1813. [43] Der junge Matthäus war da 14 Jahre alt.

Abb. 3: Bekond vermutlich um 1935 (gelaufene Ansichtskarte, Stempel unleserlich, Briefmarke 6 Pfennig Hindenburgmedaillon).

Die Heimat

Aßolino blieb dem Trierer Land verbunden. Er besuchte in Trier Gymnasium und Priesterseminar, erhielt dort die Weihen und bekleidete danach als erste Stelle die eines Kaplans in Schweich.[44] Offensichtlich war er in die Sippe der Mutter eingebunden. Man kann annehmen, dass er auch die Sprache seiner Heimat angenommen hatte: Moselfränkisch. Französisch sprach er wohl nur in geringem Umfang,[45] obwohl es die Muttersprache des zweiten Ehemannes der Mutter und von 1798 bis Ende der Franzosenzeit Amtssprache im Departement de la Sarre, zu dem Trier, Bekond und Hetzerath gehörten, war. Verbindung zur Mosel gab es auch später. Haushälterin von Pfarrer Aßolino war ab September 1840 in Horchheim und danach in Polch die am 13. Juni 1820 als Tochter von Nicolaus Welter (um 1789-1862) und Margaretha Kunzen (1793-1819) geborene Maria Veronica Welter aus Hetzerath,[46] welche jedenfalls im Mai 1864 noch für den Pastor tätig war; in dessen Testament vom 4. Mai 1864 wurde sie mit einem Vermächtnis bedacht.[47] Es spricht nichts gegen die Vermutung, dass sie sehr wahrscheinlich bis zum Tod Aßolinos ihre bisherige Arbeit ausübte.

In seiner Polcher Zeit schrieb Aßolino am 2. April 1857 anlässlich einer Beschwerde über das zugige Pfarrhaus, dass bei ihm eine „Base Veronica Konzen“ zu Besuch sei.“[48] Maria Veronica Konzen und Aßolino hatten die Urgroßeltern Gerhard Haw/Hau (1702-1769) und Maria Elisabeth Godefridi (1715-1774) gemeinsam. Deren Enkelin Margaretha Gebert (um 1777-1829), Tochter von Eva Maria Haw und Johann Gebert, heiratete 1797 Philipp Kunzen (*1762), für den es die zweite Ehe war; Maria Veronica Kunzen (*1797) war Kind aus dieser Ehe. Sie wiederum war Taufpatin und Tante der Haushälterin Veronica Welter. Allerdings war Veronica Welter nicht blutsverwandt mit dem Pfarrer, da ihre Mutter Margaretha geborene Kunzen (*1793) aus der ersten Ehe (1786) des Großvaters Philipp Kunzen mit Maria Magdalena Blesius (1764-1793) stammte.[49]

Abb. 4: Familie und Heimat.

Die Moselaner Familie Haw war durch die Zeiten eng mit der katholischen Kirche verbunden. Johann Peter Haw, der ältere Bruder des Gerhard Haw/Hau, des Urgroßvaters Matthäus Aßolinos, starb am 17. September 1775. Er hinterließ durch letztwillige Verfügung dem Erzbischöflichen Priesterseminar in Trier 40.000 Reichstaler als geistliche Stiftung, deren Zweck die Förderung des Priesternachwuchses vornehmlich aus den Reihen der eigenen Verwandtschaft war. Eine Klarstellung der Bestimmungen erfolgte durch Clemens Wenzeslaus am 27. September 1779. „Seit dieser Zeit haben zahlreiche Mitglieder die Hawsche Stiftung in Anspruch nehmen können und sind Priester geworden.“[50] Auch der Ordensgründer Pater Johannes Maria Haw (1871-1949), dessen Seligsprechungsverfahren inzwischen eingeleitet ist, wurde noch über die Stiftung gefördert;[51] sein Urgroßvater Johann Baptist Haw war Aßolinos Onkel.

Abb. 5: Verwandtschaft Aßolino – Pater Johannes Haw.

Der Weg zum Priester

Zuvor Gerber von Beruf,[52] folgte Aßolino doch dem Geist und der Tradition der Familie mütterlicherseits und wurde katholischer Geistlicher. Im Priesterseminar stand ihm, der auch „Jahrgangsältester“ war, ein Freiplatz über die Hawsche Stiftung zur Verfügung, was deren Statuten entsprach, da Aßolino mit dem Stifter verwandt war.[53]

In den Aufzeichnungen des Seminars wird Aßolino erstmals genannt in der Liste der „Nomina Alumnorum peractis feriis 1829“[54] als „Aßelino Mathias ex Weitenau prope Hungariam nat. 21ma Sept. 1899“[55]. Dieser Eintrag ist mehrfach falsch. Der Vorname ist Matthäus. Beim Geburtsjahr, das 1799 heißen muss, hat sich ein Schreibfehler eingeschlichen. Die fehlerhafte Zuordnung des Geburtsortes mit „nahe Ungarn“ orientierte sich möglicherweise an der Herkunft des Vaters. [56] Auch ein Eintrag in späterem Verzeichnis, der Weitenau ins Bistum Konstanz verlegt, ist falsch.[57] Wenn Matthäus Aßolino für die Eintragungen verantwortlich war, kann man annehmen, dass er – zumindest damals – vom Ort seiner Geburt nur geringe Kenntnisse hatte. Er war auf die Erzählungen seiner früh verstorbenen Mutter angewiesen. Auf dieser Übermittlung mag es auch beruhen, dass in anderen Seminarunterlagen der Beruf des Vaters mit Oberstleutnant angegeben wurde;[58] das könnte als falsche Interpretation aus der Zugehörigkeit des Wachtmeisters Joseph Aßolino zur Oberstleutnant-Division entstanden sein. Wie es zur Angabe des falschen Geburtstages, was jedoch später korrigiert wurde,[59] kommen konnte, ist nicht erklärbar; vielleicht handelt es sich um das Taufdatum.

Matthäus Aßolino wurden im Priesterseminar als „Dauer des Vorstudiums“ zugerechnet 1 Jahr privat und 6 Jahre Gymnasium in Trier, allerdings mit Unterbrechungen durch gesundheitliche Probleme. Zur Gesundheit wurde auch festgehalten „schlechte Augen“. Er absolvierte 3 theologische Kurse.[60] Die Dauer des Studiums betrug 4 Jahre und 6 Monate;[61] es wäre die Diskrepanz zu klären, dass er erstmals in der Liste des Priesterseminars für 1829 („nach den Ferien“) genannt wurde.[62] Am 19. Dezember 1832 wurde er zum Subdiakon, am 6. April 1833 zum Priester geweiht. Am 27. April 1833 ging er als Kaplan bis zum Jahr 1837 nach Schweich.[63] Die dortige Kirche St. Martin war 1819-1822 neu gebaut worden als klassizistische Saalkirche; sie brannte 1891 bis auf den Turm ab,[64] der im unteren Bereich in der heutigen Kirche von 1894-1899 erhalten ist. [65]

Die Macht des Wortes

Die erste Stelle als Pfarrer trat Aßolino in Gemünden (Hunsrück) im Dekanat Simmern, einem Ort mit konfessionell gemischter Bevölkerung, an. De Lorenzi gibt in seinem Buch zur Geschichte der Pfarreien, das auf dem Stand gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist, 817 Katholiken an „unter 1948 Akatholischen“. Die Pfarrkirche St. Petrus u. Paulus war simultan, d. h. von beiden Konfessionen genutzt, das Pfarrhaus katholisch. Kirche und Pfarrhaus waren „klein und eng“.[66] Das Simultaneum endete mit Erbauung der neuen katholischen Kirche 1899, die wie die vorherige den beiden Aposteln geweiht ist und 1904 konsekriert wurde.[67] Die zuvor gemeinsam genutzte Kirche ist heute die evangelische.

Abb. 6: Die alte (heute nur noch evangelische) Kirche in Gemünden.

Im Juli 1837 erwartete die Gemeinde bereits den neuen Pfarrer: „ […] er wird am 3. August hier eintreffen.“[68] Im November 1837 stellte der Zeitungsbericht fest, dass Aßolino täglich einmal, sonntags zweimal Gottesdienst halte, und die „Kirche […] wenigstens sonntags stets gedrängt voll“ sei. Es zeige sich religiöser Sinn bei den Katholischen, wie zuvor auch bei den Evangelischen.[69] Es kam vor März 1839 zu religiösen Wirren bzw. Problemen. Namentlich in Mengerschied, das zur Pfarrei Gemünden gehörte, wurde jeweils andersgläubigen Armen Unterstützung verweigert. Die beiden Geistlichen, der evangelische Pfarrer Lindenborn und der katholische Pfarrer Aßolino, sprachen sich ab und griffen ein. Karl Ludwig Lindenborn (1808-1877) war evangelischer Pfarrer in Gemünden von 1835 bis 1842.[70] Es wurden Versöhnungspredigten abgehalten, wobei die Pfarrer jeweils die des anderen aufsuchten. Auch außerhalb Preußens wurde der Vorgang beachtet. So schrieb das Fürther Tagblatt im August 1837 darüber und sagte zum Ergebnis: „Es hat das Beispiel beider Männer und ihrer Predigt eine glückliche Wirkung gehabt, indem Einigkeit und gegenseitiges Entgegenkommen in beiden Kirchspielen zurückgekehrt sind.“[71] Im Zeitungsbericht vom 26. März 1839, im Nachtrag vom Bürgermeister, wurden die beiden Geistlichen als „Männer von so ausgezeichnetem Charakter, wie die sich solcher weder die evangelische noch die katholische Gemeinde hierselbst jemal zu erfreuen hatte“, bezeichnet.[72]

Am 19. Januar 1840 wurde beiden Pfarrern, auch zur großen Freude ihrer Gemeinden,[73] bei der Feier des Krönungs- und Ordensfestes in Berlin der Rote Adler Orden IV. Klasse verliehen. Der Vorschlag war im Jahr zuvor erfolgt. Daraus erfahren wir auch, dass Aßolino keine früheren Orden besaß. Die Feier fand im königlichen Schloss statt. Die Messe in der Schlosskapelle endete mit dem Tedeum.[74] Die Rede im Rittersaal hielt der Erste evangelische Bischof, Königliche Hofprediger und Domherr Dr. Eulert.[75]„Mit dem Königlichen Schloss ist das Berliner Schloss gemeint, dessen Kubus und Außenfassaden jüngst rekonstruiert wurden.“[76] Die Ehrung der Pfarrer, die dem toleranten Miteinander der Konfessionen ihren Einsatz gewidmet hatten, war wohl nur folgerichtig für die preußische Politik, die dies wünschte.[77] Friedrich Kilian Abicht, der Nachfolger Lindenborns als evangelischer Pfarrer von Gemünden 1842 sah in den Ordensverleihungen wegen der „s o g e n a n n t e n  Friedenspredigten“ den Grund dafür, dass „ […] beide Geistliche bald darauf auf gut dotirte Pfarrstellen befördert“ worden seien.[78] Karl Ludwig Lindenborn erhielt 1875 noch den Roten Adler Orden III. Klasse mit Schleife;[79] die Schleife zeigte an, dass er Inhaber bereits der IV. Klasse war.

Man kann davon ausgehen, dass Aßolino in besonderem Maß das gesprochene Wort beherrschte und einsetzte. In seinem späteren Wirken als Pfarrer von Horchheim und Polch spielten die Predigten ebenfalls eine zentrale und entscheidende Rolle, wenn sie auch nicht immer und bei jedem auf Zustimmung stießen. In Roths Pfarrchronik Horchheim, die etwa von 1935 datiert, finden wir den Satz „Von seinen hervorragenden Predigten erzählen noch heute die Horchheimer.“[80]

Ein neuer Pfarrer für Horchheim

Am 10. Februar 1840 starb im Alter von 74 Jahren[81] Georg Bendel, Pastor von Horchheim seit 1803 und Dechant des Dekanats Engers seit 1832.[82] Aus Horchheim wurde eine Eingabe an die königliche Regierung gerichtet mit der Bitte, David Roos, gebürtig aus Rheinbreitbach, zum Pfarrer einzusetzen. Die Unterzeichner waren: Mathias Erben (Kirchenrat und Gerichtsschöffe), J. Keßelheim (Kirchenrath), Jacob Schömann (Kirchenrath), Johann Goebel (Kirchenrechner und Gerichtsschöffe), Jos. Beckenkamp (Gerichtsschultheiß und Ortsschöffe), Anton Leidner (Ortsvorstand) und Simon Rosenbaum (Ortsvorstand). Als Begründung verwies man auf die überschwänglich gelobte Tätigkeit des David Roos, der, nachdem Pastor Bendel ab 1835 durch „Kränklichkeit und Altersschwäche“ seinen Pflichten nicht mehr allein nachkommen konnte, als Kaplan eingesetzt war.[83] Roos wurde jedoch, nachdem er die Pfarrei noch bis zur Ankunft des neuen Pastors verwaltet hatte,[84] Pfarrer in Grenderich, Dekanat Blankenrath, von 1840-1854 und danach von 1854-1886 in Müden im Dekanat Cochem.[85]

Am 24. Februar 1840 bewarb sich Aßolino mit Erfolg um die Stelle des Pfarrers in Horchheim.[86] Er trat diese am 24. Juni 1840 an[87] und wurde am 28. Juni 1840 vor dem Bürgermeister von Eyß und dem Definitor Neukirch vereidigt. Der Definitor ist der Stellvertreter des einen Bezirk verwaltenden Dechanten. Neukirch war Pfarrer von Heimbach-Weis seit 1806 und später selbst Dechant des Dekanats Engers von 1841 bis 1848.[88] Ernahm die Stelle des verstorbenen Dechanten Bendel bei der Vereidigung wahr. Der Eid lautete bereits auf Friedrich Wilhelm IV., der ab 1840 König von Preußen war: „Ich Matthäus Aßolino schwöre zu Gott und verspreche seiner Königlichen Majestät Friedrich Wilhelm dem Vierten, meinem Allergnädigsten Herrn und dessen rechtmäßigem Thronfolger Treue und Gehorsam; auch gelobe ich, daß ich das Wohl seiner Königlichen Majestät und seiner Staaten nach Kräften fördern, alles dem Vaterlande Verderbliche, soviel an mir ist, abwenden und alles dasjenige leisten und thun werde, was treue Unterthanen dem Landesherren schuldig sind, alles, so wahr mir Gott helfe und sein heiliges Evangelium.“[89]

Johann Jacob von Eyß (1803-1874) war Bürgermeister in Ehrenbreitstein, zu dessen Bürgermeisterei (Gemeindebezirk) auch die Gemeinden Pfaffendorf und Horchheim gehörten. Es galt vor dem Inkrafttreten der Preußischen Gemeindeordnung von 1845 noch die Übergangsregelung, erwachsen aus der rechtsrheinisch nassauischen und linksrheinisch französischen Historie. Die Funktion des späteren Ortsvorstehers wurde für Gemeinden unterhalb der Bürgermeisterei vom Ortsschöffen wahrgenommen. In concreto war dies in Horchheim Karl Josef Beckenkamp (1778-1847)[90], der zuerst Ortsschöffe und 1845-1847 Ortsvorsteher[91] war.

Die damalige Pfarrkirche von 1819/20 war eine Hallenkirche mit dem von der Vorgängerkirche erhaltenen romanischen Turm, der noch in die jetzige Kirche integriert ist. In der alten Kirche zur Zeit Aßolinos war bereits der heutige, aus der Karmeliterkirche in Koblenz stammende Hochaltar vorhanden; jedoch war das ursprüngliche Altarbild aus der Karmeliterkirche ausgewechselt, das seinerseits einen Platz in der Kapuzinerkirche in Ehrenbreitstein gefunden hat.[92]

Abb. 7: Der im Kern romanische Turm der Horchheimer Pfarrkirche.

Das alte Pfarrhaus von 1725, das Aßolino bezog, stand auf gleicher Parzelle (Parzelle 85, Garten: Parzelle 86) wie das heutige von 1915, nur unmittelbar an der Straße, während das neue Pfarrhaus (Emser Straße 333) versetzt ostwärts mit Vorgarten gebaut wurde.[93] Im Zug des Neubaus wurden die alten Gebäude abgerissen, allerdings auch mit der Maßgabe, dass „die beim Abbruch der vorhandenen alten Gebäude sich als brauchbar herausstellenden Materialien […] wieder verwandt“ werden sollen.[94] Es ist daher nicht auszuschließen, dass Bauteile heute noch vom alten Pfarrhaus stammen.

Das Pfarrhaus wurde zu Aßolinos Antritt renoviert, denn der verstorbene Bendel hatte es offensichtlich zu einem Renovierungs- und Reparaturstau kommen lassen.[95] Bauinspektor von Lassaulx[96] wurde mit der Erstellung des Kostenanschlages beauftragt. Johann Leickert[97] führte die Reparaturen aus. Geprüft wurde, wer die Kosten trägt, Gemeinde oder höhere Behörde. Ferner wurde geprüft, ob die Erben von Pfarrer Bendel in Anspruch genommen werden könnten; man nahm davon Abstand, mit der Begründung, weil Bendel das Pfarrhaus seit 1803 bewohnt habe „und aus der damaligen Zeit ein Inventarium nicht vorhanden“ sei. Am 11. Februar 1841 wurde das Pfarrhaus nach eingehender Besichtigung an den neuen Pfarrer übergeben; anwesend waren Bauinspektor von Lassaulx, Pfarrer Aßolino, Ortsschöffe Beckenkamp, Kirchenrat Keßelheim und Bürgermeister von Eyß, welche auch die Urkunde unterschrieben. Im Übergabeprotokoll heißt es: „In der unteren Etage befinden sich drei Zimmern und eine Küche, in der oberen ein Saal, vier Zimmer, sowie ein Abtritt. Auf dem Speicher ist eine Schlafkammer und zwei abgetrennte Räume. Sodann sind in den verschiedenen Lokalen drei Oefen, ein Heerd und ein Kessel vorhanden, so wie in der Scheune eine Kelter. Die Scheune, so wie der in 1837 neu erbaute Viehstall befinden sich ebenfalls in gutem Zustand“.[98] In dem vertragsgemäßen Zustand wurden die Räume am 04. Dezember 1845 von Pfarrer Aßolino dann wieder zurückgegeben.[99]

Abb. 8: Das neue Pfarrhaus in Horchheim.

Über den Zustand der Pfarrei liegt im Pfarrarchiv ein Schriftstück, das wohl im Zusammenhang mit späterer gerichtlicher Auseinandersetzung erstellt wurde, allerdings den Verfasser nicht erkennen läßt. Der Schriftsatz schildert katastrophale Zustände bei der Amtsübernahme durch Aßolino, der „eine seit bereits 60 Jahren vernachläßigte P[f]arrei“ vorgefunden habe. Pfarrer Kratz (bis 1803) sei „ein stiller guter Mann“ gewesen, „der aber die Kraft nicht“ gehabt habe, „seine Herde gut zu führen“. Die Jahre der Französischen Revolution hätten „das Volk ganz mit dem damaligen Zeitgeist des Bösen fortgerissen“. Bereits Pfarrer Bendel habe schon bei Amtsübernahme 1803 die Übelstände erkannt, die unter Hinweis auf die Geburtsregister ausgeführt werden: „Selbstmorde, Aussetzen neugeborener Kinder, viele uneheliche Kinder waren nichts Seltenes“. Angesichts der Widerstände, die auch vor tätlichen Angriffen auf ihn nicht Halt machten, habe Bendel jedoch eingeschüchtert und ängstlich resigniert und die Dinge laufen gelassen. Niemand hatte daher „Achtung vor dem Geistlichen“. Bei Aßolinos Dienstantritt hätten in Horchheim „mehr als 24 Personen, die außer der Ehe Mütter geworden“, gelebt; der Schriftsatz spricht von Ehebrüchen, von „Schamlosigkeit in Wort und Bild, besonders beim weiblichen Geschlecht“, von Trunksucht, Fluchen, Lästern, „Ehrabschneiden“. Die Schule sei ebenfalls im „elendsten Zustand“ gewesen; der Lehrer solle mehrfach betrunken zum Unterricht erschienen sein. Aßolino habe zum Abstellen der Übelstände nicht nur keine Unterstützung erhalten, sondern vielmehr Widerstand, so in der Schule vom Lehrer und den älteren Schülern; die Sendschöffen hätten ebenfalls Maßnahmen zur „Besserung des Volkes“ bemüht „zu vereiteln“.[100] Möglicherweise war der Schreiber der vorerwähnten Ausführungen parteiisch zugunsten Aßolinos, indes sprechen die teilweise doch sehr konkreten Angaben für einen hohen Wahrheitsgehalt.

Die Sendgerichtsbarkeit

Wiederholt trat auf Antrag des Pfarrers Aßolino das Sendgericht der Pfarrei zusammen. Send (Sendgericht, Sendamt) war eine alte geistliche Gerichtsform mit Wurzeln im Mittelalter, die über Verstöße innerhalb des kirchlichen Lebens urteilte; zuletzt waren angesehene Laien Richter als Sendschöffen. Auch gegen Mitte des 19. Jahrhunderts existierten rechtsrheinisch im preußischen Rheinland, zu dem Horchheim seit 1815 gehörte, noch Sendämter. Als Rechtsgrundlage wurde auf den kurfürstlichen Erlass vom 16. August 1589, bestätigt durch die nassauische Regierung unter dem 16. August 1803, verwiesen. [101] Linksrheinisch konnten die Sendämter nicht überleben, da dieses Kurtrierer Gebiet seit 1794 faktisch und nach dem Frieden von Lunéville 1801 auch staatsrechtlich französisch war. Der Send verhängte bei seinen Sprüchen entsprechend den genannten gesetzlichen Vorgaben neben Rügen durchaus Strafen, die als solche empfunden wurden.[102] Die staatlichen Behörden halfen bei Ladungen und Vollstreckungen.[103] Die Pfarrei St. Maximinus in Horchheim firmierte auch offiziell unter  „Pfarr- und Sendamt“. Als Sendschöffen erscheinen Johann Keßelheim, Matthias Erben, Conrad Kylian und Jacob Schömann, wobei nicht unbedingt alle Sendschöffen bei jeder Sitzung anwesend sein mussten. Die Sendämter beschäftigten sich neben ihrer Funktion als kirchliches Sittengericht in der Praxis auch mit Fragen der Vermögensverwaltung;[104] so befasste sich „der Send zu Horchheim“ am 24. November 1842 mit der Ablösung einer alten Verpflichtung.[105]

Am 29. November 1840 verhandelte der Send unter dem Vorsitz des Pfarrers über die Vorwürfe ungebührlichen Benehmens im Gottesdienst und Störung der Andacht sowie 1841 über Verlassen der Prozession nach Ehrenbreitstein zur Firmung durch eine Anzahl Firmlinge am 22. September 1841 in Pfaffendorf und Ehrenbreitstein zum Aufsuchen des Wirtshauses. Bemerkenswert ist, dass bei dieser Prozession unter denen, die sich in Pfaffendorf betrunken hatten, auch weibliche Mitglieder der Pfarrei waren („zum öffentlichen Scandal von Pfaffendorf“). Gegenstand des Send vom 2. Oktober 1842 war das Fehlen junger Leute im Gottesdienst sonntagnachmittags, die bei Nachsuche „mit Geld spielend“ angetroffen wurden. Neben Geldstrafen wurde auch, teilweise alternativ, Gestellung von Wachs oder Linnen verhängt. Rückschlüsse auf die Kaufkraft und den Geldwert lässt  z. B. der häufige Strafausspruch auf Lieferung eines ½ Pfund Wachses oder Zahlung von 9 Silbergroschen und 6 Pfennigen zu.[106]

Die Frühmesse

Der neue Pfarrer stellte eine fehlerhafte Buchführung beim Frühmessfonds fest, insbesondere durch nicht belegte Verluste. Aufgabe des Frühmessers in Horchheim war es, die erste Messe bei Tagesanbruch zu lesen. Nach 1830 finden wir aber in der Pfarrei keinen eigens dazu angestellten Priester mehr. Finanziert wurden die Frühmesse beziehungsweise das Entgelt des Frühmessers durch einen mit Schenkungen und Stiftungen beschickten Fonds, der bei sachgerechter Verwaltung durchaus Gewinn abwerfen konnte. Die Verwaltung des Fonds und das Beitreiben der Gelder verliefen jedoch mit Problemen; es würde den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen, wenn man die wirtschaftlichen Vorgänge darstellen und eine Gesamtbilanz erstellen wollte. Auf die Anforderung durch Aßolino konnte der damit beauftragte und dafür zuständige Rechner Beckenkamp 1841 keine ordentliche Abrechnung vorlegen, da er eine solche seit 1818 nicht mehr erstellt hatte. Erst 1844 brachte er überhaupt Belege bei. Das Generalvikariat wurde eingeschaltet; den Fall bearbeitete der Delegat Nußbaum in Vallendar. „Nach eingehender Untersuchung des Falles gab dieser sein Urteil dahin ab, Beckenkamp habe sich keine Unterschlagungen zu Schulden kommen lassen, wie Pastor Aßolino angenommen hatte. Die vorgelegten Quittungen seien richtig, nur fehle ihnen die gesetzliche Formalität.“[107] Wenn Roth („Beiträge zur Geschichte von Horchheim“) fortfährt: „Pastor Aßolino war also zu weit gegangen, wenn er Beckenkamp des Betrugs bezichtigte“[108], so bleibt indes objektiv doch die Feststellung einer nicht ordentlichen Buchführung durch Beckenkamp, zu der er verpflichtet gewesen war.

Das Neujahrsständchen

Nachdem Teile der Horchheimer Einwohnerschaft sich beim Bischof von Trier über Aßolino beschwert hatten, ging Bürgermeister von Eyß davon aus, dass zwischen „Aßolinound diesen Einwohnern eine höchst gereizte Stimmung“ bestand. Daher verweigerte er auf Anfrage des Anton Schweikert aus Horchheim vom 29. Dezember 1844 die Erlaubnis, in der Neujahrsnacht 1844/45 dem Pfarrer ein Ständchen zu bringen. Der Bürgermeister „hatte auch den Ortsvorstand in Horchheim angewiesen, jeden öffentlichen Aufzug nicht zu dulden“. Ortsschöffe Beckenkamp, der die Flurschützen und Gemeindebeistände ebenfalls dementsprechend belehrt hatte, beschied eine Anfrage „einige[r] junge[r] Bursche[n]“ auf Erlaubnis des Musizierens gleichfalls negativ. Die jungen Leute ließen sich jedoch von ihrem Vorhaben nicht abbringen. Mit den angeworbenen Musikanten, den Gebrüdern Uhrmacher aus Pfaffendorf und Jakob Holtkamp aus Koblenz, ging die Gruppe durch den Garten des Gastwirts Peter Seyl in den Hof des Pfarrhauses. Die Musik rief dann die Flurschützen auf den Plan, die das Ständchen beendeten und sogar die Musikanten verhaften wollten, wozu es allerdings nicht kam. Aßolino versuchte vergebens zu beschwichtigen.[109] Die Flurschützen waren eigentlich für Wald und Flur zuständig, „mußten auch nach Aufforderung des Vorstehers bei Streitigkeiten in Wirtschaften und Tanzmusiken zur Ruhestiftung einschreiten“[110] Über die Ausrüstung sagt Struth, sie seien „mit einem sogenannten Schützenstock, unten mit Eisenspitze und Haken, bewaffnet“ gewesen; ob dies auch 1844/45 der Fall war, lässt sich mangels zeitlicher Angaben bei Struth jedoch nicht sicher sagen.[111]

Der nächste Akt spielte dann im Gasthaus des Peter Seyl. Dorthin folgten die Beistände Leidner und Erben, die sich auf der Straße aufgehalten hatten, mit drei Flurschützen den Musikanten. Die Beistände beharrten darauf, die Musikanten zu verhaften. Es kam zum Tumult, Gastwirt Seyl berief sich auf sein Hausrecht. Um „Thätlichkeiten zu vermeiden“, verließen Flurschützen und Beistände die Wirtschaft, ohne die Musikanten verhaftet zu haben. Diese gingen danach zu General von Müffling und brachten ihm das zweite bestellte Ständchen dar, was ohne Störung geschah.[112] Wilhelm Freiherr von Müffling war Gouverneur der Festungen Koblenz und Ehrenbreitstein; nach seiner Pensionierung 1843 mit dem Charakter eines Generals der Infanterie wohnte er in dem von ihm erworbenen Anwesen, das bei einem späteren Eigentümer den Namen „Villa Markana“ erhielt.[113] Anschaulich erzählt  wird die Geschichte des Ständchens an Neujahr von Jopa Schmidt in der Horchheimer Kirmes-Zeitung von 1969.[114]

Die Königlichen Regierung Koblenz überprüfte letztlich den Vorgang des Musizierens für den Pastor und legte am 2. April 1845 als Ergebnis dar, dass ein Gesetzesverstoß nicht vorgelegen habe, da die Musik „nicht auf der Straße, sondern innerhalb abgeschlossener Räume“ stattgefunden habe. Das Eindringen der Polizei in den Pfarrhof sei dagegen unbefugt gewesen. Die ursprünglich wegen Ruhestörung verhängten Polizeistrafen könnten nicht aufrechterhalten werden.[115]

Jedenfalls beweist das Ständchen, dass der Pfarrer auch Freunde hatte, während offensichtlich andere gegen ihn hetzten, was sich auch daran zeigt, dass das am gleichen Tag nach den Vorfällen an und bei dem Pfarrhaus General von Müffling gegebene Ständchen ohne alle Probleme ablief. Die Anzeige durch den Ortsschöffen Beckenkamp an die Oberbürgermeisterei erwähnt das Ständchen für den General nur beiläufig, vermerkt aber ausdrücklich, dass der Pfarrer ansonsten bei Vorfällen, die bei „erlaubter Musik und Vergnügungen“ sich ereignet hätten, sich geärgert und „sogleich Anzeige höheren Orts gemacht habe“[116]. Ersichtlich legte der Ortsschöffe zweierlei Maß an.

Harte Worte von der Kanzel

Die Predigt vom Sonntag, dem 26. Januar 1845 erregte Aufsehen.[117] Beckenkamp berichtet nach Aufforderung durch diese an die Oberbürgermeisterei. Aßolino habe das Gleichnis vom Sämann verlesen und darüber gepredigt.[118] Dabei sei er in „eine solche Wut“ gekommen, „daß man nicht konnte denken, daß dieses eine natürliche Menschenstimme sey.“ Er habe dabei ausgerufen: „der leibhaftige Teufel und Sathan ist in euch allen.“ Bei vielen sei „Angst und Zittern“ die Folge gewesen und ungefähr 60 bis 70 hätten die Kirche verlassen. Nach dem Gottesdienst seien die Menschen, die aus der Kirche kamen, noch vor dieser verharrt und es soll gerufen worden sein „der Teufel kommt“.[119] Ob dieser Satz auf Aßolino selbst bezogen war, geht aus dem Bericht nicht hervor. Anderer Ansicht ist indes Jopa Schmidt, der ausführt, die Bemerkung sei dem Pastor beim Verlassen der Kirche aus der Menge zugerufen worden.[120] Wenn Aßolino die Mitglieder seiner Gemeinde „beschimpft“ hat, darf dies nicht an heute vielleicht üblichen Predigten katholischer Geistlicher gemessen werden. Auch Pater Leppich (1915-1992), „Maschinengewehr Gottes“ genannt, oder Kardinal Meisner (1933-2017) aus Köln, der sich laut EXPRESS als „Wachhund Gottes“ bezeichnet haben soll,[121] pflegten sich teilweise sehr deutlich auszudrücken. Zu Gunsten Aßolinos muss man ferner die vorangegangenen Geschehnisse berücksichtigen und bedenken, dass der Bericht von Beckenkamp stammt, der offensichtlich ein Feind des Pfarrers war. Bürgermeister von Eyß ging allerdings bei der Information an den Landrat davon aus, dass Aßolino wohl zu „der Störung des Gottesdienstes Veranlassung gegeben“ habe und war der Meinung, es „würden solche Vorfälle sicher vermieden werden, wenn der Pfarrer die „gehörige Mäßigung und die so nöthige Pastorale Klugheit einer gereizten Bevölkerung gegenüber“ beachten würde.[122] Aus Polch gab es später ebenfalls Beschwerden über Predigten Aßolinos, in denen er ohne Rücksicht auf Betroffene sich verallgemeinernd und übertreibend äußerte.[123] Allerdings sind Vereinfachung und Übertreibung typisch für Reden vor dem Volk und damit auch für Reden von der Kanzel.[124] Eines war jedoch sicher: man hörte Aßolino zu.

Contra ius et legem[125]

Eine weitere Aktion und Provokation von Horchheimern verhinderte Bürgermeister von Eyß. Aßolino zeigte an, dass am 2. Februar 1845, also wenige Tage nach der vorerwähnten Predigt, eine Gruppe von 30-40 Mann, wahrscheinlich mit dem Gastwirt Leidner an der Spitze, in Prozession nach Pfaffendorf ziehen wolle unter Mitnahme von Kreuz und Fahne. Der Bürgermeister wies daraufhin den Ortsschöffen Beckenkamp an, dieses, verbunden mit Strafandrohung für Zuwiderhandlung, zu unterbinden. Dabei erfolgte auch der Hinweis, dass niemand ohne Erlaubnis des Pfarrers befugt sei, Kreuz und Fahne aus der Kirche zu nehmen und Prozessionen zu veranstalten.[126] In Pfaffendorf war Jakob Kuß von 1833 bis 1861 Pfarrer;[127] ob diesem der Zug der „Meuterer“ gefallen hätte, ist fraglich.

Der Justizsenat in Ehrenbreitstein ermittelte gegen mehrere Einwohner von Horchheim, darunter auch Anton Leidner und Joseph Beckenkamp, wegen Störung des Gottesdienstes und Beleidigung des Pfarrers Aßolino. Bürgermeister von Eyß wurde zur Stellungnahme zu Leumund und bisherigem Lebenswandel der Angeschuldigten aufgefordert, wozu dann im Bericht vom 22. Juni 1845 indes nichts Negatives vermerkt wird.[128]

Nach einer Beschwerde mehrerer Einwohner gegen den Ortsvorstand ordnete die königliche Regierung eine Überprüfung an. Obwohl „mehrere Beschwerdepunkte als ungegründet oder übertrieben“ angesehen wurden, traf das mit Schriftsatz der Regierungsabteilung vom 30. November 1845 festgehaltene und vom Landrat am 6. Dezember1845 weiter zum Vollzug gegebene Prüfungsergebnis die Feststellung, „daß der Ortsvorstand von Horchheim nicht überall so verfahren hat wie wir dieses von demselben erwartet hätten“. Weiter führte der Bericht aus: „Zuvörderst müssen wir es ernstlich mißbilligen, daß der Ortsvorstand die Bürgerschaft auf das Gemeindehaus bestellt und dort zur Unterschrift der gegen den Pfarrer Aßolino verfaßten Klageschrift aufgefordert hat. Wollen wir es auch nicht als erwiesen ansehen, daß faktisch jemand zur Unterschrift gezwungen worden sey, so läßt sich doch nicht verkennen, daß ein moralischer Zwang in dem ganzen Verfahren gelegen. […]. [D]as […] beobachtete Verfahren können wir nur als der Stellung einer Behörde nicht entsprechend bezeichnen. Indem wir dasselbe dem Ortsvorstand streng verweisen, erwarten wir, daß sich derartiges nicht wieder ereigne, widrigenfalls wir strenger ahnden werden.“ Weitere missbilligte Aktionen des Ortsvorstandes, namentlich von Beckenkamp und Leidner, wurden im gleichen Schreiben der Regierung gerügt, geregelt und geahndet, sind jedoch hier nicht von Interesse, da sie nicht Aßolino betreffen. Zu Stellung und Auftreten des Gastwirts Anton Leidner soll jedoch aus dem vorerwähnten Schreiben nochmals zitiert werden: „Der Beistand Leidner scheint übrigens auch ganz außer Acht zu lassen, daß er nur dann als Ortsvorsteher zu fungieren hat, wenn der Schöffe abwesend oder sonst dauernd verhindert ist, oder ihn speziell delegiert hat. Dieses ist dem Leidner besonders einzuschärfen.“[129]

Nach seinem Tod wurde über Beckenkamp die folgende Bewertung zu den Akten gereicht: “[…] Was derselbe während dieser 32 Jahre geleistet, wie viel und wie bereitwillig er für jede Verbesserung von öffentlichen Anstalten in der Gemeinde wirkte, davon geben dieselben hinlänglich Beweise. Die mit den Dienstverrichtungen eines Lokalbeamten so vielfach verknüpften Unannehmlichkeiten und Kränkungen hat der Verstorbene geduldig ertragen und seinen Lohn für die Aufopferungen in dem Bewußtseyn getreuer Pflichterfüllung gefunden. Sein Wirken wird bei den dankbaren Bewohnern von Horchheim noch lange Zeit im Andenken bleiben.“[130] De mortuis nil nisi bene [131]– doch darf dieser Nachruf der historischen Wahrheit willen nicht die vorgenannten Mängel in der Amtsführung und die offensichtliche Parteilichkeit „in Sachen Aßolino“ vergessen machen.

Die Parteien

Zu den Stärken der Gruppen der Gegner oder Freunde des Pfarrers fehlen natürlich letztlich genaue Angaben. Die überlieferte Anzahl derer, die wegen der Predigt die Kirche verlassen hatten oder eine Prozession nach Pfaffendorf veranstalten wollten, ist relativ gering im Verhältnis zur Einwohnerschaft. 1844 hatte Horchheim 1025 Einwohner, davon 26 protestantische.[132] Anton Struth, Jahrgang 1831, Gemeindevorsteher 1892 bis 1910, gibt als Größenverhältnis an, dass, „etwa 3/5 der Gemeinde“, darunter „die einflußreichsten Personen des Ortes und des Gemeindevorstandes“, zu den Gegnern des Pfarrers gezählt habe. Dabei seien die verfeindeten Parteien als Assoliner oder als Sachsenhäuser, „nach dem Geburtsort der Mutter des Hauptgegners“, bezeichnet worden.[133] Leider nennt Struth den Hauptgegner nicht beim Namen. In Frage käme als solcher – das ist jedoch Spekulation – der Wirt Leidner,der als „bemittelter Mann“ bezeichnet wurde, dem auch viele verpflichtet waren auf Grund erhaltener kleiner Darlehen und „Gevatterschaften“.[134] Struth berichtet weiter: „Der Zwiespalt spitzte sich so zu, daß die Sachsenhäuser Sonntags in Prozession nach Pfaffendorf zur Kirche gingen, ebenso die beiden Parteien an verschiedenen Tagen getrennt nach Bornhofen. Die Feindschaft war so groß, daß jede Partei ihre besonderen Wirtschaften und Geschäftshäuser hatte. Schlägereien entstanden und Spottlieder wurden gegenseitig gesungen. Auch nach der Versetzung des Herrn Pastors Assolino hielt die Feindschaft noch Jahre lang an.“[135]

Gastwirt Seyl, dessen Wirtschaft unmittelbar neben dem Pfarrhaus lag, ergriff offensichtlich Partei für den Pfarrer, während der Gastwirt Leidner dessen Gegner war.[136] Aus den Akten zum Themenkreis „Neujahrsständchen“ gewinnt man den Eindruck, als seien die Freunde des Pfarrers vielfach junge Leute gewesen. Man könnte überlegen, ob vielleicht auch ein Konflikt der Generationen ausgetragen wurde, der Jugend gegen die „Etablierten“.  Die Ursachen dieser Feindschaft wurden möglicherweise bereits gelegt, als der Wunschkandidat einer Gruppe Horchheimer nicht als Pastor installiert wurde; andere Vorkommnisse gaben dann der Feindschaft neue Nahrung.

Abgang

Aßolino bewarb sich als Pfarrer nach Polch[137] und wurde auch dorthin versetzt. Mit Schreiben vom 9. Februar 1846 an den Landrat berichtete Bürgermeister von Eyß, Aßolino habe ihn über Versetzung und Wegzug nicht benachrichtigt, vielmehr habe der Bürgermeister die Information erst von Kaplan Schubach erhalten, der als Pfarrverwalter/Administrator eingesetzt war und dies vom 5. Dezember 1845 bis zum 9. Juni 1846 blieb;[138] Matthias Schubach wird auch als Kaplan aus Ehrenbreitstein[139] sowie in späteren Schriftsätzen als Religionslehrer am Gymnasium in Koblenz und als Professor bezeichnet. Von Eyß begab sich am 4. Dezember 1845 nach Horchheim, um dem Administrator die Pfarrwohnung zuzuweisen. Er zog Ortsschöffen Beckenkamp und Sendschöffen Johann Keßelheim bei. Aßolino war im Begriff abzureisen, nahm jedoch an der Besichtigung des Pfarrhauses teil, unterschrieb das Protokoll[140] und stieg in den Wagen, um nach Polch abzufahren.[141]

Der Landrat sah sich veranlasst, „Exzesse“ in Horchheim bei der Abreise Aßolinos zu untersuchen. Das Ergebnis war indes nicht sehr ergiebig. Bürgermeister von Eyß berichtete, dass einerseits die Fuhrleute aus Polch, welche den Umzug Aßolinos dorthin bewerkstelligten, bis nach Mitternacht beim Gastwirt Peter Seyl sich aufgehalten und dort gesungen hätten, am 4. Dezember dagegen die Musik beim Gastwirt Leidner zu einer geschlossenen Gesellschaft gehört hätte.[142]

Abb. 9: Polch (Ansichtskarte gelaufen 1911).

Horchheimer Nachwehen

Dem Wechsel nach Polch folgten Auseinandersetzungen zwischen Aßolino und der Pfarrei Horchheim beziehungsweise der Kirchenfabrik über die Vergütung. Als Kirchenfabrik ist das Vermögen zu verstehen, das der Unterhaltung der Kirche dient. Aßolino begehrte Vergütung für den von ihm 1844 und 1845 unentgeltlich gestellten Messwein. Er habe dies zwar auch 1840 bis 1843 getan, daraus sei jedoch keine Verpflichtung entstanden. Das Bischöfliche Generalvikariat lehnte mit Schreiben vom 28. August 1846 den Anspruch mangels Rechtsgrundlage ab. Es sei nicht erwiesen, dass je ein Pfarrer für die Stellung des Messweins Vergütung erhalten habe oder ein anderer ihn gestellt habe; vielmehr liege die Vermutung nahe, dass der Pfarrer „aus irgendeinem Rechtsgrunde z. B. wegen des Genusses eines Weinbergs zu dieser Stellung verpflichtet sei“. Ein Weinberg stand Aßolino indes als Pfarreinkommen zur Verfügung.[143]

Auch forderte er für 1844 und 1845 einen finanziellen Ausgleich dafür, dass er das Opferwachs unentgeltlich zur Verfügung gestellt habe; 1840-1843 habe er es der Kirche geschenkt ohne Aufgabe des Rechts. Opferkerzen bei Taufen, Aussegnungen und Hochzeiten seien als Stolgebühren zu betrachten; Stolgebühren sind solche, die der Priester für Tätigkeiten mit der Stola erhält, wie bei Taufen etc.. Das Generalvikariat verfügte am 26. August 1845, dass ab 1846 die eine Hälfte des Opferwachses der Kirche, die andere Hälfte dem jeweiligen Pfarrer zufalle. Da Aßolino das Opferwachs auch früher ganz der Kirchenfabrik überlassen hatte, erhielt er vom Generalvikariat die Entschädigung in Höhe des begehrten Geldbetrages zugesprochen.[144]

Die Pfarrgemeinde behauptete Überzahlung, da Aßolino Vergütung als Pfarrer von Horchheim bezogen habe für einen Zeitraum, in dem er bereits Pfarrer in Polch war. Das „Pfarr-und Sendamt in Horchheim, die Rechte der Kirchenfabrik daselbst vertretend“,erhob deswegen „mittels Ladung vom 23. November 1846“ Klage vor dem Landgericht Koblenz mit dem Antrag, den Beklagten zu verurteilen, 497 Taler, 18 Silbergroschen und 11 Pfennig oder „einen durch Zeugen und Sachverständige zu ermittelnden Betrag zu bezahlen samt Zinsen und Kosten“. Als Prozessvertreter traten für das klägerische Pfarr- und Sendamt der Advokat-Anwalt Justizrat Longard I, für den Beklagten der Advokat-Anwalt Justizrat Adams I auf. Beide Rechtsanwälte waren hervorragende Vertreter ihres Standes und engagierteAkteure im politischen Katholizismus.Der Advokat-Anwalt mit umfassender Zulassung bei den Gerichten entspricht dem heutigen Rechtsanwalt, während der Advokat geringere Möglichkeiten hatte.[145]

Die Klägerin[146] führte aus, das Pfarreinkommen sei ab Stichtag jeweils Johanni (24. Juni), beginnend 1840 bis 1845 im Voraus von der Pfarrgemeinde gezahlt worden. Das Einkommen habe sich zusammengesetzt aus „[…] dem Zehnten, welcher durch die Begüterten in der Gemarkung Horchheim abgegeben wird; […] dem Ertrag der verpachteten Pfarrgüter; […] dem Ertrag der von der Pfarrei selbst bewirtschafteten Güter und […] einer Summe von [jährlich von der Gemeinde gezahlten] 10Thalern […].“ Das sich daraus ergebende Durchschnittseinkommen des Pfarrers p. a. sei anzusetzen mit 901 Talern, 12 Groschen, 6 Pfennigen, gebildet aus dem Zehntem von 685 Talern, 22 Silbergroschen, 6 Pfennigen, den Pachtzinsen von 155 Talern, 20 Silbergroschen, dem vom Pfarrer selbst erwirtschafteten Ertrag von 50 Talern sowie der Zahlung von 10 Talern durch die Gemeinde.Da der verklagte Aßolino für volle 6 Jahre Einkommen bezogen habe, er aber bereits am 4. Dezember 1845 nach Polch abgereist sei, habe ihm nur ein Einkommen für 5 1/2 Jahre weniger 19 Tagen zugestanden, so dass der Beklagte die Bezüge für 6 Monate und 19 Tage rückerstatten müsse. Daraus ergab sich der Betrag des Zahlungsbegehrens in der Klage.[147]

Im Rechtsstreit um die Bezüge wurden viele Zeugen vernommen, darunter auch kommissarisch am 24. November 1847 vor dem Friedensrichter in Zell der frühere Horchheimer Kaplan David Roos, 42 Jahre alt, Pfarrer in Grenderich, sowie seine 37 Jahre alte Haushälterin Maria Anna Rubröder, die diese Tätigkeit auch für Pfarrer Bendel in dessen letzten zwei Jahren ausgeübt hatte. Eine detailliertere Prozessdarstellung und Auswertung der in beträchtlichem Umfang erhaltenen Schriftstücke sowie der gegenseitigen Argumentation der Parteien kann an dieser Stelle, da der Rahmen gesprengt würde, nicht erfolgen. Es sei jedoch eine kleine Abschweifung erlaubt auf die Institution der Haushälterinnen. Diese traten vielfach als ganz junge Frauen ihren Dienst im katholischen Pfarrhaus an, alterten mit „ihrem Pastor“ oder wurden, wie Anna Rubröder, vom Nachfolger übernommen und führten wohl auch in der Regel ein ebenfalls zölibatäres[148] Leben.

Das gerichtliche Verfahren endete durch Vergleich vom 14. Dezember 1848, genehmigt vom Bischöflichen General-Vikariat am 23. März 1849, mit überwiegendem Obsiegen der Pfarrgemeinde. Zwar steht im Vergleichstext als Klageforderung die Summe von 479 statt 497 Talern, jedoch ist dabei bereits rechnerisch von einem „Zahlendreher“ auszugehen. Als erledigt mitverglichen wurden sämtliche im Raum stehenden, aber nicht im Verfahren rechtshängig gemachten Forderungen, die von der Klägerseite „wegen Unterlassung ortsüblicher Bebauung und Düngung der Felder und Weinberge“ und vom Beklagten geltend gemacht werden könnten „wegen neuer Anlegung von Weinbergen und Bestellung von Fruchtfeldern, deren Ernte erst 1846 […]“ eingebracht wurde. Bei den Wingerten wird der Umfang der Bewirtschaftung, die dem Pfarrer oblag, deutlich, da von 6000 Stock gesprochen wird. [149] Weinbau prägte damals noch das Dorf. [150]

Aber auch mehr den persönlichen Bereich betreffende Zwistigkeiten wirkten noch nach. Aus der Zeit in Polch ist ein „Tagebuch“ von Aßolino über Empfang und Verwertung freiwilliger Gaben, Auslagen, Forderungen und ausstehender Stolgebühren erhalten. Im „Tagebuch“ finden wir einen Vermerk über eine Zahlung vom 18. Februar 1846 an Advokat Siegl, Koblenz, für Prozesskosten in einer Sache ./. Beckenkamp und Leidner; auch auf eine Auseinandersetzung Beckenkamp ./. Aßolino kann geschlossen werden.[151] In einem Brief vom 30. Juni 1846, der wohl an den Nachfolger Pfarrer Knöll gerichtet ist, schrieb Aßolino, dass ein Prozess noch anhängig sei, in welchem „der Schultheiß Beckenkamp“ ihn verklagt habe: „[…] weil ich vor dem Sendamt gesagt, er sei ein schlechter Kerl.“[152] Die Akte zu diesem Prozess konnte der Verfasser bislang nicht finden.

Auf dem Maifeld

Die neue Stelle stellte gewiss bereits deswegen höhere Anforderungen, weil Polch mit etwa 2100 Einwohnern 1845 größer als Horchheim sowie Sitz einer Bürgermeisterei mit mehreren Gemeinden war.[153] Die Pfarrei umfasste auch Ruitsch, Caan (heute: Kaan), Kerben, die Sürscher Höfe, die Kurbener Höfe und die Nettemühle. Daher war die Pfarrei für einen Kaplan ausgelegt. Die notwendige Stelle des Kaplans war wegen des Priestermangels, zeitweilig nicht besetzt.[154] 1847 wurde Aßolino von der Gemeinde für die Zeit vom 07. November 1846 bis zum 22. Januar 1847 ein Kaplansgehalt bewilligt, da er in dieser Zeit die Kaplansstelle wahrgenommen und insbesondere auch die Sonntagsfrühmesse gelesen hatte.[155] Pfarrer und Gemeinde bemühten sich intensiv um die Zuweisung eines Kaplans.[156] Mit Karl Hubert Hoffmann als Kaplan ab 4.September 1848 und seinen Nachfolgern trat dann wohl eine gewisse Regelmäßigkeit ein.

Die Stelle erwies sich offensichtlich als „schlecht bezahlt“. So wurde der wirtschaftlichen Situation und der Besonderheit des Dienstverhältnisses wegen am 22. Oktober 1860 Befreiung von der Einquartierung für den Kaplan beantragt. Mit Schreiben vom 21. Mai 1861 an den Bürgermeister von Polch verwies Balthasar Kreckel, Kaplan seit 26. August 1858, darauf, dass sein Gehalt seit langem nur 131 Taler [p. a.] und einen nicht konkreter angegebenen, aber wohl als gering erachteten Betrag an Silbergroschen ausmache. Dem Kaplan wurde daraufhin eine Zulage von 25 Talern gezahlt. Auch Kaplan  Jakob Feller, der am 10. Juni 1862 auf Kreckel folgte, beantragte erstmals am 27. November 1862 eine Gehaltszulage mit der Begründung der Notwendigkeit unter Verweis auf die Bewilligung an Vorgänger im Amt. Auch er erhielt eine Zulage von 25 Talern, die zumindest für 2 Jahre aktenkundig ist. Kaplan Fuchs, der bei Aßolinos Tod und seit 26. August  1865 im Amt war, bat gleichermaßen um Zulage.

Um 1845 erhielt Aßolino neben anderen Einkünften, zu denen etwa Stolgebühren und Naturalleistungen zählten, Gehalt aus der Staatskasse von jährlich 262 Talern.[157] Mag das Einkommen in Horchheim auf den ersten Blick dagegen hoch erscheinen, muss man  berücksichtigen, dass dieses zum Teil aus ursprünglich noch zu realisierenden Forderungen und Möglichkeiten wie Pfarrzehntem und Pachtzins oder selbst aus dem Land erwirtschaftetem Gewinn bestanden hatte und unmittelbare Geldzuwendung nur die jährliche Zahlung von 10 Talern war. Solche Unterschiede in der Handhabung links und rechts des Rheins waren nicht ungewöhnlich in der Rheinprovinz. Bei der Eingliederung des Rheinlandes in Preußen blieben vielfach bestehende Praktiken und Einrichtungen unberührt, was sich beispielsweise im Fortbestehen des Code civil als „Rheinisches Recht“ bis zu dessen Übergang ins BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) oder im rechtsrheinischen Fortleben der links des Rheins untergegangenen Sendgerichte zeigte.

Am 28. Januar 1851 wurde Aßolino zum Definitor im Dekanat Mayen, zu dem Polch damals gehörte, ernannt.[158] Dechanten im Dekanat Mayen waren bis 1858 Johann Michael Schnitzler, Pfarrer zu Mayen und von 1858 bis 1862 der am 17. Januar 1798 in Horchheim geborene Dr. Johann Joseph Rosenbaum, [159] Pfarrer zu Andernach, Träger des Roten Adler Ordens IV. Klasse.[160]

Polch im Revolutionsjahr 1848

Nationale Einheit für ganz Deutschland und bürgerliche Freiheiten waren Grundziele der 1848er Revolution. Die Details entziehen sich einer Kurzfassung. Theodor Heuss nennt eine „schwer übersehbare, wechselreiche, widerspruchsvolle Mannigfaltigkeit der Motive“.[161] Auch das Umland von Koblenz und Mayen war eingebunden. Die Katholiken und ihre Geistlichkeit, wie in Polch Pfarrer Aßolino, spielten im Rheinland eine bedeutende Rolle.

Nach den Berliner Straßenkämpfen mit Toten am 18. und 19. März 1848 gab es in Koblenz am 21. März eine Volksversammlung und am 23. März einen Trauergottesdienst in der Liebfrauenkirche, deren beide Türme wie auch das Stadthaus schwarz-rot-gold beflaggt waren.[162] Mehrere Polcher, die sich in Koblenz aufhielten, ließen sich sogleich dort eine Fahne anfertigen und warteten, bis sie fertig war. Für den 28. März 1848 berichtete das Coblenzer Tageblatt vom 1. April 1848, dass, von den aus Koblenz Heimgekehrten „auf dem Kirchthurme unter unsäglichem Jubel der Einwohner“ angebracht, die schwarz-rot-goldene Fahne auch in Polch wehe, die Ortsbehörde die Fahne habe entfernen lassen, sie aber nach Protest wieder freigegeben habe.[163] Der angesprochene Kirchturm war noch der der alten Kirche, in der am 1. Mai 1849 die letzte Messe gelesen wurde.[164]

Die Akteure werden im Zeitungsartikel vom 1. April nicht genannt, aber es wäre denkbar und würde auch ins Bild der Persönlichkeiten passen, dass auf der einen Seite der Pfarrer als Befürworter des Aufziehens der Nationalflagge und auf der anderen der Bürgermeister gestanden haben könnten. Melchior Driesch (1807-1892) war Bürgermeister der Bürgermeisterei Polch von 1845 bis 1879 und Ortsvorstand der Gemeinde Polch von 1849 bis 1856. Pfarrer und Bürgermeister hatten, wie sich auch in den vielen Folgejahren zeigte, ein sehr gespanntes Verhältnis zueinander. Später im Kulturkampf stand Driesch ebenfalls fest auf der Seite der Staatsgewalt. [165]

Abb. 10: Der Tagungsort Paulskirche.

Vom 31. März bis zum 3. April 1848 tagte das Vorparlament in der Paulskirche in Frankfurt. Am 18. Mai 1848 wurde dort die Nationalversammlung eröffnet. Die Erwartungen waren hoch. Das Verlangen, die Unabhängigkeit der Kirche vom Staat in der Verfassung festzuschreiben, lehnte der Verfassungsausschuss am 3. Juni ab. Eine Masse von Petitionen im katholischen Rheinland war die Folge.[166] Protest kam auch aus Polch. Pfarrer Aßolino verlas am 18. Juni 1848 nach dem Hochamt eine „Adresse“[167] an die Nationalversammlung, erläuterte diese und legte sie in der Schule zur Unterschrift aus:

„Hohe Versammlung!

Der Ruf nach Freiheit ist durch ganz Deutschland erschollen; er hat auch unsere Gauen erfüllt. Wir wollen Freiheit und zwar in jeder Beziehung und für Alle, so weit dieselbe mit der gesellschaftlichen Ordnung bestehen kann. Wir wollen

I. vor Allem Freiheit des Gewissens nicht nur, sondern auch Freiheit der Kirche; und da diese bis jetzt in so vielen Stücken wider alles Recht und über alle Gebühr von den Staatsregierungen in ihrer Wirksamkeit gehindert und in ihrem rechtlichen Bestande gefährdet worden ist, so wollen und verlangen wir deren gänzliche Unabhängigkeit von der Staatsgewalt und sind überzeugt, daß nur, wenn diese gewährt wird, Friede und Einigkeit in Deutschland möglich ist.

Vertreter des Volkes! Mit schönen Verheißungen ist uns nicht gedient. Die Vergangenheit hat uns deren Werthlosigkeit gezeigt. Einen Zustand wollen wir, in welchem eine neue Knechtung der Kirche unmöglich ist, und hütet Euch wohl, dieses Werk, welches besonders das katholische Deutschland von Euch erwartet, unvollendet zu lassen! Denn Zwietracht statt Eintracht würde die Folge seyn und entweder würde sich ein Theil von dem andern trennen, oder das Schwert würde zuletzt entscheiden, was Ihr jetzt friedlich zu lösen berufen seyd.

Wir wollen namentlich:

Gänzliches Wegfallen des Einflusses der Staatsgewalt bei Besetzung geistlicher Aemter.

Aufhebung aller landesherrlichen Patronate, wo dieselben noch bestehen.

Wegfallen der Berufung an die weltliche Macht in geistlichen Sachen.

Freien Verkehr der Bischöfe mit dem Oberhaupt der Kirche und mit ihren Untergebenen, ohne daß für die Veröffentlichung ihrer Erlasse irgend eine Genehmigung der Staatsgewalt eingeführt werden könne.

Anerkennung der römisch-katholischen Kirche als selbstständiges Rechtssubjekt mit der freien Befugniß, Güter zu erwerben, zu verwalten und zu veräußern.

Anerkennung des Rechts sämmtlicher Mitglieder dieser Kirche, in beliebige Corporationen zusammen zu treten.

Als Folge der geschehenen Säcularisation Dotation der bestehenden Bisthümer, Seminarien und Pfarreien.

Wir verlangen

II. unbeschränkte Lehr- und Unterrichtsfreiheit ausdrücklich garantiert durch die Verfassung, unter Aufhebung aller Beschränkungen, welche derselben bis jetzt entgegen standen, und daß die, welche auf auswärtigen Anstalten ihre Bildung erlangen, deshalb keiner Benachteiligung unterworfen werden.

Wir verlangen

III. eine wahrhaft freie Gemeindeverfassung und Gemeindebeamte von der Gemeinde ge-wählt und gleiche Berechtigung aller Bürger zu den Staatsämtern.

Wir verlangen

IV. eine wohlorganisierte Bürgerbewaffnung für ganz Deutschland mit freier Wahl der Führer, Verminderung des stehenden Heeres in Friedenszeiten, Verminderung der Staats- und Verwaltungsbeamten, der zu großen Staatsgehälter und Pensionen.

Wir verlangen

V. Verminderung der Steuern und Besteuerung für alle Bürger ohne Ausnahme nach Steuerkraft.

Indem wir dieses verlangen, sind wir überzeugt, daß wir in unserm guten Rechte sind, bei dem Bestreben für das allgemeine Wohl des deutschen Vaterlandes keinem unserer Mitbürger zu nahe treten, und daß wir also unsere Stimme nicht vergebens erhoben haben werden.

In der Hoffnung der Erfüllung ihrer ernsten Wünsche unterzeichnen die Bürger von Polch.

Polch, den 18. Juni 1848“[168]

Diese Petition stimmte weitgehend überein mit anderen aus dem Kreis Mayen. Beim Vergleich mit einer gedruckten Ausfertigung aus Saffig vom 19. Juni 1848 fallen einige Unterschiede ins Auge. Während der Wortlaut zu I. und II. absolut gleich ist, weichen zu III. die beiden Erklärungen voneinander ab. Saffig verlangt „eine völlige Garantie der provinziellen Eigenthümlichkeiten und Interessen, sowie eine freie Gemeindeverfassung und gleiche Berechtigung aller Bürger zu den Staatsämter.“ Die Polcher Adresse wird konkreter, wenn sie die Wahl der Gemeindebeamten durch die Gemeinde verlangt. Aßolino hatte dabei möglicherweise ganz speziell die Gemeindevertretung in Polch und die dortigen Verhältnisse vor Augen. Mit III. endet der Forderungskatalog aus Saffig, während Polch mit den Punkten IV. und V. ergänzt. Die beiden Schlusssätze in der Polcher Petition sind zwar etwas ausführlicher, aber inhaltlich nicht abweichend.[169]

Ein Inserat aus Polch, das den Verfasser nicht erkennen lässt und im Coblenzer Anzeiger vom 21. Juni 1848 veröffentlicht wurde, übte harsche Kritik an der Adresse, deren Vorstellung und dem gesamten Vorgehen Aßolinos. Er habe in der Polcher „Kirche einen Vortrag gehalten, in welchem er in s e i n e r Weise auseinandergesetzt […habe], welche traurige Wendung die kirchlichen Angelegenheiten bei dem Reichstage in Frankfurt genommen haben sollen.“[170] Dabei wurden insbesondere Art und Weise, in der der Pfarrer das Thema dargestellt habe, gerügt. Das verwundert, soweit der Vortrag angegriffen wurde, nicht; denn aus anderen Vorgängen ist bekannt, dass Aßolino in seiner Rede auch drastische Ausdrucksweise nicht scheute.[171]

Pfarrer Aßolino schrieb auf das Inserat hin eine ausführliche, im Coblenzer Anzeiger vom 2. Juli 1848 abgedruckte Entgegnung, in der er ausführte, dass er „nichts weiter gethan habe, als was jeder katholische Pfarrer im Einverständnisse mit Gleichgesinnten gethan hat.“[172] Eingaben der Katholiken gab es vielerorts; in Koblenz wurde deren Petition vom 6. Juni 1848 mitunterzeichnet von den Pfarrern Karl Josef Holzer (Liebfrauen) und Philipp Krementz (St. Castor).[173] Soweit die Kritik des anonymen Verfassers behauptete, dass von circa 2300 Pfarrkindern „vielleicht 100 dem Ruf ihres Seelenhirten gefolgt“ seien,[174] erwiderte Aßolino, dass „mehr als 150 Bürger […], meistens Familienväter“ unterschrieben hätten und er ausdrücklich die Urwähler angesprochen habe: „Hätten etwa Kinder, Jünglinge, Mädchen, Frauen und überhaupt Wahlunfähige bis zum Säuglinge hin unterzeichnen sollen?“[175]

Im Coblenzer Anzeiger erschien gleichzeitig mit der Entgegnung des Pastors von Polch auch ein Inserat, unterzeichnet mit „Mehrere Horchheimer Freunde des Herrn Assolino“, in dem die Verfasser meinten, sie „hätten nun auch noch große Lust, dem fahrenden Ritter [Anm. d. Verf.: gemeint ist Aßolino] eine nachträgliche Abschiedsrede zu halten“, allerdings scheuten sie die Kosten des Inserats.[176] Es waren wohl zusätzlich einige Trittbrettfahrer mit späten Rachegedanken aus Aßolinos früherer Pfarrei Horchheim am Werk.

Die Kirche

Als Aßolino 1845 die Pfarrstelle in Polch antrat, stand noch die alte romanische Kirche St. Stephan, die jedoch von Größe und Zustand den Anforderungen nicht mehr genügte und auch seit 1843 als baufällig eingestuft war. Seitdem betrieb die Gemeinde den Neubau, der schließlich 1849 bis 1852 erfolgte. Während der Bauzeit wurden die Messen in der St. Georgskapelle gehalten,[177] die ein Kulturdenkmal der frühen Romanik, vielleicht sogar die „älteste Kirche auf dem Maifeld“ ist.[178] Aßolino selbst hatte am Kirchenneubau wohl offensichtlich wenig Anteil. Als die Einweihung anstand, kam es zum Eklat, der ein sehr gespanntes Verhältnis zwischen Gemeindevertretung und Pfarrer offenkundig werden ließ. Der Gemeinderat bat den Bischof um Einweihung der neuen Kirche, verweigerte aber dem Pfarrer über einen Gemeinderatsbeschluss die Herausgabe der Kirchenschlüssel  und beschloss am 22. Juni 1852 eine „Eingabe an den Herrn Bischof zu Trier“ mit der Bitte, Aßolino abzulösen. Übergeben wurde die Beschwerdeschrift von Bürgermeister Driesch am 09. Juli 1852. Dabei trug der Gemeinderat vor, dass er vor dem Gewissen nicht vereinbaren könne, dem Pfarrer die Schlüssel der neuen Kirche auszuhändigen.. Die Gründe werden in der Eingabe nicht griffig, zudem ohnehin dadurch relativiert, dass Aßolino weiter bis zu seinem Tod Pastor von Polch blieb und dort auch segensreiche Institutionen in die Wege leitete. In der Beschwerde steht, dass dem Bischof des Pfarrers „Charakter  […] aus seinen früheren amtlichen Stellungen zur Genüge bekannt seyn“ werde.[179] Dabei drängt sich der Verdacht auf, dass es Verbindungen zwischen Horchheim und Polch gab; denn in Gemünden, der anderen früheren Pfarrstelle, wurde kaum etwas Negatives über Aßolino gesagt. Letztlich obsiegte der Pfarrer, der schließlich die Einweihung vorbereiten musste. Der entsprechende Gemeinderatsbeschluss war nicht rechtens und wurde vom Regierungspräsidium am 7. September 1852 „als die Competenz des Gemeinderaths überschreitend“ aufgehoben.[180] Offensichtlich wollte der Gemeinderat den Pfarrer für anderes „abstrafen“, was aber mit der Kircheneinweihung nichts zu tun hatte.

Abb. 11: Die zur Zeit Aßolinos erbaute Kirche St. Stephanus in Polch.

Das Pfarrhaus

Das dem Pfarrer damals zur Verfügung stehende Pfarrhaus war nach einem Angebot von 1782 durch den Zimmerermeister Heinrich Schilling[181] in der Pastorstraße 1783[182] erbaut worden. Heute macht das Haus, das nicht mehr als Pfarrhaus dient, aber optisch seinen historischen Charakter bewahrt hat, einen gepflegten Eindruck. Jedoch fünfzig Jahre nach seiner Erbauung stand eine Serie von Reparatur- und Renovierungsarbeiten an. 1832 waren Arbeiten an der Gartenmauer, an Türen und Fenstern, an Küchenboden und Außentreppe sowie zur Errichtung einer Abortanlage notwendig.[183]

Aßolino rügte ebenfalls Mängel und forderte Reparaturen ein.[184] Am 4. Juni 1846 schrieb er an die Gemeinde, dass von dieser „[…] in dem Pfarrhause verschiedene bauliche Reparaturen und Einrichtungen vorgenommen und resp. ausgeführt werden möchten, wozu er als Nutznießer gesetzlich nicht verpflichtet ist.“ In der Sitzung vom 27. Juni 1846 wurde der Grund der Forderung nicht bestritten, lediglich über Höhe und Umfang wurde gesprochen und beschlossen, „[…] das kleine Thürchen aus dem unteren Pfarrhofe nach dem Hause hin und die Reparatur an dem großen Hofthore sollen sofort ausgeführt, die sonstigen Einrichtungen, als da sind a. die Verlegung des Abtritts b. Erneuerung der Kellertreppe c. Fertigung zweier Zimmertüren, und: d. Oelanstrich der Thüren und Fenster […]“ wurden bis zum Vorliegen eines Voranschlages zurückgestellt.[185]Aber trotzdem hat sich wohl nichts getan, denn in der Sitzung des Gemeinderats vom 19. April 1847 wurde beschlossen, „weil Gefahr auf dem Verzuge haftet, ohne auf den Eingang der höheren Genehmigung zu warten sofort“ auszuführen und „in Verding“ zu geben „a.) die Reparatur des schadhaften Hofthores und b.) die Erbauung einer Treppe von mendiger Hausteinen [Anm. d. Verf.: Basalt] in den Keller“.[186]

Am 2. April 1857 beklagte sich Aßolino erneut über Zustand des Pfarrhauses insbesondere auch, dass die Kellertür nicht verschließbar sei, Zimmertüren nicht schlössen, die Bretter [Anm. d. Verf.: gemeint wohl der Zimmertüren] auseinander stünden und „nachteiliger Luftzug“ die Folge sei. Dabei halte sich seit mehreren Monaten eine Verwandte im Pfarrhaus auf, die an Gicht und Rheuma leide. Nur ein Zimmer sei vernünftig beheizbar. Auch die Front des Hauses zur Straße sei in einem erbärmlichen Zustand Der Bürgermeister sei über alles schon lange informiert.[187] Der Landrat beschäftigte sich mit der Angelegenheit.Bürgermeister Driesch spielte das Problem in seiner Stellungnahme an den Landrat vom 27. Juni 1857 herunter mit der Erklärung, im vergangenen Jahr habe Aßolino ihn lediglich nebenbei informiert. Das Verhältnis zwischen beiden wird deutlich, wenn man die Formulierung des Bürgermeisters liest: „[…] im Vorbeigehen mir, dem man nur einen Wink schuldig zu sein glaubt, mündlich gesagt, […]“.[188]

Letztlich gab die Gemeinde das Haus auf und erwarb 1884 ein anderes Objekt zum gleichen Zweck.[189]

Abb. 12: Das alte Pfarrhaus in Polch.

Soziales Projekt

Im für das 19. Jahrhundert bereits hohen Lebensalter von etwa 60 Jahren begann Aßolino mit Energie noch ein großes soziales Werk, das sich sogar als Krönung seines Lebens bezeichnen ließe. Zumindest ab 1859 beschäftigte er sich mit der Gründung eines Hospitals.[190] Am 8. März 1860 zeigte er der Königlichen Regierung in Koblenz an, dass er in Polch „ein Kranken- und Waisen-Haus zu gründen beabsichtige“. Dabei wies er auf die bereits geleisteten Vorarbeiten hin. Ein Haus [Anm. d. Verf.: Klöppelstraße 7, Polch]. sei angekauft, an das noch ein Anbau errichtet werde. Das Haus werde mit Franziskanerinnen besetzt, die dafür bereits zugesagt hätten. Diese sollten „[…] Kranke und Waise zunächst aus hiesiger Pfarrei soviel tunlich in das Haus aufnehmen, um sie dort zu pflegen resp. zu erziehen“ sowie „[…] noch nicht schulpflichtige Kinder […] in Verwahrung und Unterricht nehmen, was besonders den armen Tagelöhnern sehr willkommen sein“ werde. Schulentlassenen Mädchen könnte „eine weitere Ausbildung für das häusliche Leben in einer Arbeitsschule“ erteilt werden. Die Schwestern würden Kranke auch „außer Haus und zwar, wenn sie arm [… seien], unentgeltlich, reichere gegen ein billiges Honorar pflegen“. In erster Linie zwar für die Pfarrei gedacht, wäre, wenn Platz vorhanden, es möglich, auch „fremde Hülfsbedürftige“ aufzunehmen.

Da jedoch die Einnahmen die Lebenshaltungskosten der Schwestern nicht vollkommen deckten, sollten sie auch, soweit durch Examina befähigt, in den beiden bestehenden Mädchenschulen unterrichten. Dadurch könnten sechs bis acht Schwestern finanziert werden, Überschüsse könnten den Armen zugute kommen, der Gemeinde werde „auch der Vortheil erwachsen, daß […] keine Pension im Falle […von] Dienstunfähigkeit beansprucht“ werde. Es folgte die Bitte, da die Schwestern bereits zum 1. Juni des Jahres 1860 für das Unterrichten zugesagt hätten, die beiden vorhandenen Lehrerinnen Schneider und Wimmert „zu deren Vortheile“ zu versetzen. Dagegen verwahrte sich allerdings die Zivilgemeinde; Bürgermeister Driesch gab am 25. September 1860 eine ausführliche und auf Aßolino bezogen äußerst aggressive Stellungnahme ab, in der er das Projekt des Pfarrers insgesamt negativ bewertete und unter anderem rügte, dass der Pastor Fakten im Alleingang geschaffen habe, da er weder Gemeindevertretung noch Kirchenrat vorher befragt habe. Mit Schreiben vom 15. Februar 1861 an Königliche Regierung erinnerte Aßolino an die Entscheidung und legte nochmals umfänglich sein Vorhaben dar, dessen Notwendigkeit und die Vorteile, die aus dem Wirken der Franziskanerinnen erwüchsen.[191]

Bereits im Hochamt am Fest der Erscheinung des Herrn (6. Januar) im Jahr 1860 hatte Aßolino seine Pläne zum Gegenstand der Predigt gemacht und dabei ferner ausgeführt, dass zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenz die Ordensschwestern auch die Mädchenschule übernehmen sollten. Notwendig sei dies auch durch „die verkehrte Erziehung“, „daß namentlich die weibliche Schuljugend nur Eitelkeit, Unbescheidenheit, schnippisches Wesen u.s.w. lerne“. Abhilfe könne nur geschaffen werden „wenn Ordensschwestern die Erziehung der weiblichen Jugend für die Zukunft leiten“ würden, was zudem auch finanzielle Vorteile für die Gemeinde hätte. Es folgte offensichtlich zuerst keine Reaktion seitens der ge- und betroffenen Lehrerschaft. Man achtete die Autorität des Pfarrers und hoffte, dass es keine Wiederholung gebe. Indes rügte Aßolino weiter Schule und Lehrer. Dies gipfelte schließlich in der Predigt am Weißen Sonntag 1861: „Eure Kinder lernen in den Schulen lesen, schreiben und rechnen, wie die Advokaten; aber Gottesfurcht, Demuth und Bescheidenheit fehlen namentlich der weiblichen Jugend. Ihr Eltern! Woher haben eure Kinder dieses vorlaute, schnippische Wesen? Woher kommt es, daß sie, kaum der Schule entlassen, euch über den Mund fahren, alles besser wissen wollen als die alten Eltern? O, ihr Eltern, woher anders, als von der Schule! Dort lernen sie lesen, schreiben und rechnen, wie die Advokaten, aber Christenkinder werden dort nicht gezogen.“ Dieser Wortlaut wurde im Schreiben vom 10. April 1861 an den Landrat wiedergegeben, in dem die Lehrer Stahl und Berresheim (Ruitsch) sowie die Lehrerinnen Schneider und Wimmert um Hilfe baten. Es wurde weiter als Reaktion auf die Predigt geschildert: „Schon bei den ersten Beschuldigungen fiel die Lehrerin Schneider in solch heftige Krämpfe und Zuckungen, daß alle Versuche , sie zum Bewußtsein zurückzuführen, erfolglos waren, und sie in diesem Zustande […] aus der Kirche getragen werden mußte“.[192]

Der Antrag, die Mädchenschulen mit Ordensschwestern zu besetzen, wurde indes am 27.Mai 1861 durch Entscheidung der Regierung abgelehnt.[193]  Doch das Projekt des Hospitals mit einer Einrichtung zum Verwahren kleiner, noch nicht schulpflichtiger Kinder kam zustande. Am 13. Juli 1861 stellte Aßolino vier Schwestern vor; am 11. Oktober 1861 erteilte die Regierung die Erlaubnis zum Betrieb einer Kleinkinderbewahrschule.[194]

Abb. 13: Das Gebäude des alten Hospitals in Polch.

Tod und Vermächtnis

Matthäus Aßolino starb am 27. September 1866 in Polch.[195] Der Grabstein für den „Definitor u. Pastor“ vor der St. Georgskapelle ist noch erhalten.

Abb. 14: Der Grabstein auf dem Friedhof in Polch.

Das sehr detaillierte Testament vom 4. Mai 1864 bestimmte die Pfarrkirche Polch zur Erbin, insbesondere des Hospitals mit allen Grundstücken, zugehörigen Gebäuden und Inventar, damit Kranken- und Waisenhaus sowie Kleinkinderbewahranstalt und Nähschule weiter betrieben würden. Es verdient Beachtung, dass Aßolino als Nutzer der Einrichtung zwar primär die eigenen Pfarrkinder sieht, aber „Nichtkatholiken […] nicht ausgeschlossen“ sein sollen, wenn „Raum und Mittel“ es zuließen, ebenso „Auswärtige“, wenn der Platz reiche. Eine Auflage war, dass jeweils am Fest des heiligen Joseph (19. März) alljährlich ein „Amt“ für das Seelenheil Aßolinos und das aller verstorbenen Wohltäter des Hospitals gehalten werde.[196]

Wenn in Polch ein Krankenhaus – mit einer Unterbrechung während des Kulturkampfs und seit 1899 an anderer Stelle – bis 1979 bestand,[197] so war das ein Ergebnis des Sozialwerks des Pfarrers Aßolino und seines Vermächtnisses. Die Idee der Kleinkinderbewahranstalt lebt fort in den Einrichtungen Kindertagesstätte und Kindergarten.

Abb. 15: Der Totenzettel.

Abbildungsnachweis:

Abb. 2 Pfarrarchiv St. Maximin Koblenz-Horchheim Nr. 17 , Abb. 15 Markus Weidenbach, Ochtendung; übrige Abbildungen Verfasser.

Ralf A. Glöckner, im April 2021

                                                                                             


[1] Lat.: Zur Ehre Gottes

[2] Karl Heinrich Theisen: Geistliche in und aus den Pfarreien der Verbandsgemeinde Maifeld. Personaldaten. Arbeitskreis für Geschichte und Kultur, Bd.2. 2013, S. 111; Bistumsarchiv Trier (im Folgenden BATr): Sterberegister Polch September 1866; Ralf A. Glöckner: Gerechtigkeit für einen Pfarrer. Die Horchheimer Jahre des Matthäus Aßolino (1799-1866). In: Horchheimer Magazin Kirmes. Teil I 2017, S. 80-85. Teil II 2018, S. 42-47. Teil III 2019, S. 44-51; ders.: Streiter und Kämpfer für Gott und die Kirche. Matthäus Aßolino, Pfarrer in Polch 1845-1866. In: Heimatbuch 2020. Hrsg. Kreisverwaltung Mayen Koblenz. Monschau 2019, S. 68-71

[3] Coblenzer Zeitung (im Folgenden CZ) 2.10.1866: Todesanzeige

[4] VG Maifeld Sterberegister Gemeinde Polch Nr. 183, 1866

[5] BATr Abt. 40 Nr. 133; BATr: elektronische Post vom 17.1.2017; Ralf A. Glöckner (wie Anm. 2)

[6] Bistumsarchiv Augsburg  (im Folgenden BAAug): Taufregister Weitnau. Taufen – 4 –T| Weitnau| Augsburg, rk. Bistum | Deutschland | Matricula Online.  https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/augsburg/weitnau/4-T?pg=41 vom 01.09.2020 (hier „Mathäus); BAAug: alphabetisches Taufregister Weitnau. Register Taufen – 9-T-R | Weitnau | Augsburg, rk. Bistum | Deutschland | Matricula Online. https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/augsburg/weitnau/9-T-R/?pg}5 vom 01.09.2020 (hier „Matthäus“)

[7] Wikipedia: Weitnau. https://de.wikipedia.org/wiki/Weitnau vom 11.09.2020, S. 1-2; allgemein zu Weitnau s. Martin Müller: Das Weitnauer Tal. Geschichte, Geschichten und Sagen. Weiler/Allgäu o. J.

[8] Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars in Trier (im Folgenden: BBPTr) AS VIII, 3. Catalogus Seminarii Episcopalis Alumnorum ab anno 1805 incipiendo. Verzeichnis der Alumnen, welche sich im Jahre 1831/32 im hiesigen Priesterseminar befanden; BBPTr AS VIII, 3. Catalogus Seminarii Episcopalis Alumnorum ab anno 1805 incipiendo. Verzeichnis a, der Alumnen, welche vom Jahr 1832/33 im Seminar zurückblieben […]; in Listen des o.a. Seminars taucht bei der Angabe für „Eltern“ der zweite Vorname Andreas auf, der in den Militärunterlagen nicht vermerkt ist.

[9] Beim Entziffern des Namens der Mutter im Geburtseintrag und mit weiteren Hinweise half Markus Weidenbach, Ochtendung; Karl-Josef Tonner: elektronische Post vom 22.10.2020

[10] BAAug:Taufregister Weitnau. Taufen – 4 –T|(wie Anm. 6)

[11] Wikipedia: k. u. k. Dragonerregiment „Erzherzog Albrecht“ Nr. 9. https://de.wikipedia.org/wiki/K.u.k_Dragonerregiment_“Erzherzog_Albrecht“_Nr._9. S. 4,10 vom 24.09.2020; Österreichisches Staatsarchiv: Schreiben vom 09.12.2020

[12] Österreichisches Staatsarchiv-Kriegsarchiv (im Folgenden: BKA-KA): Muster-Lista Des Kaiser-Königlich E.H. Joseph Toscana Dragoner Regiments ObristDiv:1te Escadron. Digitalisierung durch Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (im Folgenden GSU). https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QSQ-G9V5-9Z33?i=11&cat=495633 . Film Nr. 007611055 Aufn. 12; BKA-KA: Muster Lista Des Löbl. Kais.-Königl. E.H. Jos. Tosnanaischen Dragoner Regiments Oberstens 2te Escadron. Digitalisierung durch GSU. https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QSQ-G9V5-9ZNT?i=63&cat=495633. Film Nr. 007611055 Aufn 64, 83,84

[13] BKA-KA: E.H. Josep. Toscana Dragoner Oberst Div. 1te Escadron. Revisions Lista ddto Revisions Platz Hotschag den 19. Mart. 788. Digitalisierung durch GSU. https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QSQ-G9V5-9Z83?i=1054&cat=495633. Film Nr. 007611055 Aufn. 1055,

[14] Wikipedia: Odzaki. https://de.wikipedia.org/wiki/Odzaki vom 07.01.2021

[15]Amon von Treuenfest: Geschichte des k.u.k. Bukowinä’schen Dragoner-Regimentes General der Cavallerie Freiherr de Bihain Nr. 9. Von seiner Errichtung 1682 bis 1892. Wien 1892. https://books.google.de/books?id=h7NVAQAAMAAJ&dq=wacht… , S181; Belohnungsgeschichte der k.k. obligaten Mannschaft nebst den Statuten zur Denkmünze. Wien 1795 https://books.google.de/books?id=WFhRAAAAcAAJ&pg=PA62&lpg=PA62&dq=wachtmeister+… , S. 62; Wikipedia: k.u.k. Dragonerregiment „Erzherzog Albrecht“ Nr. 9 (wie Anm. 10). S. 4

[16] Wikipedia: Ehren-Denkmünze für Tapferkeit (Österreich). https://de.wikipedia.org/wiki/Ehren-Denkmünze_für_Tapferkeit_(… . S. 1 vom 04.09.2020

[17] BKA-KA: Revisions Liste Obrist Leutnant 2te Escadron. Digitalisiering durch GSU vom 17.Dezember 1795. https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QSQ-G9V5-9CBW?i=733&cat=495633. Film Nr. 007611055 Aufn. 774

[18] Rüdiger Wischemann: Letzte Belagerung der Festung Ehrenbreitstein. Die kurtrierischen Truppen in den Revolutionskriegen und die Belagerung der kurtrierischen, kaiserlichen und Reichsfestung Ehrenbreitstein durch die französischen Revolutionstruppen 1795 bis 1799. Berlin 2003, S. 147-148; Wikipedia: Blasius Kolumban von Bender. https://de.wikipedia.org/wiki/Blasius_Kolumban_von_Bender vom 23.12.2020

[19] von Treuenfest (wie Anm. 15), S. 186

[20] Christian von Stramberg`s Rheinischer Antiquarius. Coblenz, die Stadt. 1. Bd. . Bearb. und Hrsg. Hans Bellinghausen. Coblenz 1926, S. 155-156 (287-291)

[21]Karl-Josef Tonner: Familienbuch  Bekond 1640-1899. Köln-Widdersdorf 2014. Veröffentlichungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e. V.. Bd. 295, S.98; BBPTr AS VIII. 3. Catalogus Seminarii Episcopalis Alumnorum ab anno 1805 incipiendo. Nomina Alumnorum peractis feriis 1829

[22] BAAug: Taufregister Weitnau. Taufen – 4 – T (wie Anm. 6)

[23] BAAug: alphabetisches Taufregister Weitnau. Register Taufen – 9-T-R |(wie Anm.6)

[24] VG Maifeld. (wie Anm. 4)

[25] BBPTr (wie Anm. 8); BKA-KA (wie Anm. 17)

[26] Vgl. Bastian Sick: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Ein Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache. 17. Auflage. Köln und Hamburg 2005, S. 173

[27] Wilhelm Roth: Beiträge zur Geschichte von Horchheim. Wissenschaftliche Arbeit. n. v. . Kopie im Pfarrarchiv Horchheim, ca. 1935

[28] Internet: HouseOfNames: Assolino Geschichte, Familienwappen & Wappen https://translate.google.com/translate?hl=de&sl=en&u=https://www.houseofnames.com/assolino… vom 01.11.2019

[29] Vgl. Norbert v. Handel: Habsburg in Italien. Ein historischer Spaziergang von Karl V. bis zur italienischen Kriegserklärung 1915. Graz 2016

[30] Prof. Sergio Azzolini, Fachhochschule Nordschweiz: Curriculum Vitae. https://www.fhnw.ch/de/personen/sergio-azzolini vom 16.12.2019

[31] Martina Pratsch, Assistenz Sergio Azzolini: elektronische Post vom 20.12.2019

[32] Internet: HouseOfNames: Assolino Geschichte, Familienwappen & Wappen (wie Anm. 28)

[33] Wikipedia: Decio Azzolini der Ältere: https://de.wikipedia.org/wiki/Decio_Azzolini_der_Ältere vom 23.12.2019;Wikipedia: Decio Azzolino der Jüngere: https://de.wikipedia.org/wiki/Decio_Azzolino_der_Jüngere vom 22.01.2017

[34] Heinrich Pleticha: Römisches. Kleine Geschichten aus der Geschichte einer großen Stadt. 1. Auflage. Würzburg 1963, S.98.; s. auch Katrin Burseg: Die Rebellin des Papstes. Triumph und Tragödie: Das zweite Leben der Königin ohne Land. 1. Aufl. Köln 2010

[35] Burseg (wie Anm. 34)

[36] Tonner (wie Anm. 21), S. 98; ders.: elektronische Post vom 22.10.2020

[37] Hans Delbrück: Das Leben des Feldmarschalls Grafen Neithard von Gneisenau. I. Band. Berlin 1882, S. 11

[38] BATr: Sterberegister Polch (wie Anm. 2)

[39] Tonner: (wie Anm. 21)

[40] Karl-Josef Tonner: Familienbuch Hetzerath 1640-1899. Köln-Widdersdorf 2012. Veröffentlichungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e. V. . Bd. 283, S. 275; ders. elektronische Post vom 22.10.2020

[41] Tonner: Familienbuch Hetzerath.(wie Anm. 40)

[42] Ebd. 556,  S.154

[43] Standesamt Schweich Sterberegister 28.10.1813; Tonner (wie Anm. 40)

[44] Hans-Joachim Cristea: elektronische Post vom 28.12.2020;  BBPTr: Verzeichnis der Alumnen, welche sich 1831/32 im hiesigen Priesterseminar befanden (wie Anm. 8)

[45] BBPTr: Verzeichnis der Alumnen 1831/32 (wie Anm. 8)

[46] www.wgfff.net/Trier/Familienbuecher/Foehren.pdf am 05.12.2016; Markus Weidenbach: elektronische Post vom 19.10.2020; Tonner: Familienbuch Hetzerath. (wie Anm. 40), S. 397

[47] BATr Abt. R 1100.48 Nr. 270 S. 1-5

[48] Landeshauptarchiv Koblenz (im Folgenden: LHA Ko) Best. 655, 33 Nr. 839

[49] Markus Weidenbach: elektronische Post vom 19.10.2020; Tonner: (wie Anm.21), S. 97; ders.: Famlienbuch Hetzerath (wie Anm. 40), S. 222

[50] Rudolf M. Gall: Die Familie H a w im Moselland (mitgeteilt von Karl-Josef Tonner/Nachlass Rud. M. Gall WGfF 2011);  im Nachlass Rud. M. Gall Testament und Verfügung vom 27.09.1779

[51] Rudolf M. Gall: Die Familie  Haw im Moselland (Nachlass Rud. M. Gall WGfF 2011); Kathpedia: Johannes Maria Haw. http://www.kathpedia.com/index.php/Johannes_Maria_Haw vom 26.11.2020;  Wochenspiegel. Pater Johannes Haw ist der Seligsprechung ein Stück näher. https://www.wochenspiegellive.de/trier/stadt-trier/artikel/pater-joh… vom 26.11.2020

[52] BBPTr: Verzeichnis der Alumnen 1831/32 (wie Anm. 8); Christea (wie Anm. 44)

[53] BBPTr (wie Anm. 8);  BBPTr AS VIII. 3. Catalogus Seminarii Episcopalis Alumnorum ab anno 1805 incipiendo. Nomina Alumnorum peractis feriis 1829

[54] Lat.: Namen der Zöglinge nach Ablauf der Ferien 1829

[55] Lat.: Mathias Aßelino aus Weitenau nahe Ungarn geb. 21. September 1799

[56] BBPTr:  Verzeichnis der Alumnen 1829 (wie Anm. 53)

[57] BBPTr : Verzeichnis der Alumnen 1832/33 (wie Anm. 8)

[58] BBPTr (wie Anm. 8)

[59] BBPTr AS VIII, 3. Catalogus Seminarii Episcopalis Alumnorum ab anno 1805 incipiendo. Nomina Alumnorum peractis feriis autumnalibus 1830

[60] BBPTr:(wie Anm. 8)

[61] BATr Abt. 40 Nr. 133

[62] BBPTr: Verzeichnis der Alumnen 1829 (wie Anm. 53)

[63] BBPTr AS VIII, 3. Catalogus Seminarii Episcopalis Alumnorum ab anno 1805 incipiendo. Hier wird allerdings als Datum der Priesterweihe abweichend von Karl Heinrich Theisen (wie Anm. 2), BATr. (wie Anm 2) und CZ (wie Anm. 2) als Datum der Priesterweihe der 7.4.1833 angegeben

[64] Marita Klein, Pfarrsekretärin, Pfarreiengemeinschaft Schweich: elektronische Post vom 21.07.2016

[65] St. Martin Schweich-Pfarreiengemeinschaft Schweich http://www.pfarreiengemeinschaft-schweich.de/sankt-martin-schwei…  Vom 25.06.2016

[66] Philipp de Lorenzi: Beiträge zur Geschichte sämtlicher Pfarreien der Diözese Trier. II. Regierungsbezirk Koblenz. Trier 1877 Nachdruck 1984, S. 402

[67] Wandtafel in der kath. Kirche St. Peter und Paul, Gemünden

[68] LHA Ko Best. 655, 12 Nr. 161 (Zeitungsbericht Juli 1837)

[69] LHA Ko Best. 655, 12 Nr. 161 (Zeitungsbericht November 1837)

[70] Andreas Metzing Evangelische Archivstelle Boppard. Elektronische Post vom 29.08.2016 (Pfarrerbuch)

[71] Fürther Tagblatt Nr. 125, Mittwoch 7. August 1839, S. 651 https:/books.google.de/books?id=QKpDAAAAcAAJ&pg=PA651&lpg=PA651&dq=Fürther+Tagbl…

[72] LHA Ko Best. 655, 12 Nr. 162;

[73] LHA Ko Best. 655, 12 Nr. 162 (Zeitungsbericht vom 25. Januar 1840)

[74] Loblied der Kirchen „ Te Deum laudamus“ = lat.: Dich Gott loben wir

[75] LHA Ko Best. 403, Nr. 4186, S.201, 321, 421, 422; Allgemeine Preußische Staats-Zeitung Nr. 20, Berlin , Montag den 20. Januar 1840 ( LHA Ko Best. 403, Nr. 4168); G.F.H.Rheinwald: Allgemeines Repetitorium für die theologische Literatur und kirchliche Statistik. 28.Bd.. Berlin 1840. https://books.google.de/books?id=hroUAAAAJ&pg=PA187&1… vom 04.04.2016, S. 187

[76] Guido Hinterkeuser, Berlin: elektronische Post vom 20.07.2018

[77] Peter Brommer : Der Regierungsbezirk Koblenz im Großherzogtum Niederrhein im Spiegel amtlicher Berichte aus den Jahren 1816-1822. Trier, 2020, S. 271-275 (mit weiteren Nachweisen: Maßregeln zur Aufrechterhaltung des guten Einvernehmens zwischen den Konfessionen in gemischten Gemeinden 1818-1855; LHA Ko Best. 441, Nr. 21169; Intolerantes Benehmen verschiedener Religionsparteien gegeneinander 1819-1852. LHA Ko Best. 441 Nr. 20241)

[78] Friedrich K. Abicht: Kirchengeschichte des Fleckens Gemünden und seines Filials Schlierschied auf dem Hunsrück. ein Beitrag zur Kirchen- und Reformationsgeschichte des Hunsrücks. Kreuznach 1845, S. 147, 148 (Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz / Kirchengeschichte des……  https://www.dilibri.de/rlb/content/search/115079?query=Aßolino vom 04.08.2018; https://www.dilibri.de/rlb/content/pageview/115271?query=Assolino … vom 05.08.2018; https://www.dilibri.de/rlb/content/pageview/115272?query=assolino vom 05.08.2018)

[79] Andreas Metzing, Evangelische Archivstelle Boppard: elektronische Mitteilung vom 29.08.2016 (Pfarrerbuch)

[80] Roth (wie Anm. 27)

[81] Friedrich Felgenheier: Die Familien Horchheims 1653-1874.  Köln-Widdersdorf 2005 (Veröffentlichungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e. V. Bd. 206),  S. 359

[82] de Lorenzi(wie Anm. 66) S.487

[83] LHA Ko Best. 403, 10766, S. 5 – 8

[84] Pfarrarchiv St. Maximin Koblenz-Horchheim (im Folgenden PA St. Maximin) Nr. 17

[85] de Lorenzi (wie Anm. 66), S. 150, 189

[86] LHA Ko Best. 403, 10766, S. 11 (Ernennungsurkunde daselbst, S. 13)

[87] Roth (wie Anm. 27)

[88] de Lorenzi ( wie Anm. 66), S 486 – 487, S. 500

[89] Hans Lehnet: Horchheim. 200 Jahre Ortsgeschichte. Vom Dorf zum Stadtteil von Koblenz. Hrsg. Heimatfreunde Horchheim e. V. 2002, S. 133; LHA Ko Best. 403, 10766, S. 21

[90] Michael Koelges: Horchheim vom Beginn der preußischen Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. In: Horchheim 1214 -2014. Eine Festschrift zur Geschichte der Katholischen Pfarrei St. Maximin und des Stadtteiles Koblenz-Horchheim aus Anlass des 800-jährigen Bestehens der Pfarrei. Hrsg. Heimatfreunde Horchheim e. V. in Verbindung mit dem Ortsring und der Pfarrei. Koblenz 2014. S. 110 – 111; Felgenheier (wie Anm. 81), S. 6, 7

[91] Lehnet (wie Anm. 89), S. 230

[92] Manfred Böckling Pfarrei und Kirche St. Maximin. In: Horchheim 1214-2014 (wie Anm. 90), S.174, 175

[93] Alois Honsdorf: Alt-Horchheim in Karten und Fotografien. Hrsg. Heimatfreunde Horchheim e. V. in Zusammenarbeit mit dem Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz, Koblenz. Koblenz 1996, S. 45,46;

Stadtarchiv Koblenz (im Folgenden StAK): Bauakte Bürgermeisterei Ehrenbreitstein 106/13

[94] StAK: Bauakte Bürgermeisterei Ehrenbreitstein 106/13

[95] StAK Best. 655, 10 Nr.477; Lehnet (wie Anm. 89), S. 132

[96] Johann Claudius von Lassaulx (1781-1848), Architekt, Stadtbaumeister in Koblenz, Bezirksbauinspektor s. Wolfgang Schütz: Koblenzer Köpfe. Personen der Stadtgeschichte. Namensgeber für Straßen und Plätze.2. Aufl. Hachenburg/Mülheim Kärlich 2005, S.320, 329

[97] Bei Johann Leikert dürfte es sich um den Bauunternehmer J.L. handeln, der von 1808 bis 1847 lebte und dessen Nachkommen die bis 1931 bestehende und in Lahnstein bedeutende (Museum, Krankenhaus Niederlahnstein u. v. m.) Baufirma Gebrüder Leikert bildeten. Stadt Lahnstein: Vor 150 Jahren wurde Anton Leikert geboren. https:/www.lahnstein.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/?tx… vom 02.08.2018; Anton Struth: Erinnerungen aus meinem Leben. Erzählt von dem langjährigen Gemeinde-Vorsteher Anton Struth in Horchheim 1910. Nachdruck 1999 (Heimatfreunde Horchheim e.V), S. 1, nennt Johann Leikert als Gründer der Baufirma.

[98] StAK Best. 655, 10 Nr. 477

[99] Ebd.

[100] PA St. Maximin (wie Anm. 84) Nr. 17

[101] Ebd.

[102] Genealogie Schlöder/Schleder.Synodalen im Kurfürstentum Trier. Sendschöffen im Trierer Kurfürstentum. http://www.schloeder.net/synodales.php vom 07.01.2017

[103] LHA Ko Best. 403, Nr. 1356. Sendämter auf der rechten Rheinseite des Regierungsbezirks Coblenz; über Sendamt in Arenberg vgl. Clemens Theis: Oben am Berg. Beiträge zur Ortsgeschichte des Kirchspiels Arenberg. Koblenz, 1996, S. 74 -75, 79-83

[104] J. J. Wagner: Geschichte der Pfarrei Ehrenbreitstein. StAK HK4 Wag

[105] PA St. Maximin (wie Anm. 84) Nr. 17; zu den Aufgaben der Sendämter vgl. J.J. Wagner (wie Anm. 104)

[106] PA St. Maximin (wie Anm. 84) Nr.17

[107] Roth (wie Anm. 27)

[108] Ebd.; BATr Abt. 70 Nr. 2921; PA St. Maximin (wie Anm. 84) Nr. 350, 252

[109] StAK Best. 655, 10 Nr. 343

[110] Struth.(wie Anm. 97), S. 21

[111] Ebd

[112] StAK Best. 655, 10 Nr. 343

[113] Ralf A. Glöckner: Zwei Generäle, eine Straße und die Villa Markana. Das Rätsel um den Namen der Müfflingstraße. In: Kirmes-Magazin 2003, S. 42 – 45

[114] Hans Josef Schmidt:  „Der leibhaftige Satan steckt in Euch allen“. „Silvesterständchen beim streitbaren Pfarrer Assolino, erzählt von Jopa“. In: Horchheimer Kirmeszeitung 69, S. 24-25

[115] StAK Best. 655, 10 Nr. 343

[116] Ebd.

[117] Schmidt (wie Anm.114), S. 24 – 25

[118] Da es mehrere Gleichnisse vom Sämann gibt, ist nicht klar, welches hier angesprochen wurde.

[119] StAK Best. 655, 10 , Nr. 343

[120] Schmidt (wie Anm. 114), S. 25

[121] EXPRESS 6. Juni 2017, S.26

[122] StAK Best. 655, 10, Nr. 343

[123] LHA Ko Best. 655, 33 Nr. 934

[124] Vgl. Ludwig Reiners: Die Kunst der Rede und des Gesprächs. Bern 4. Aufl. 1962, S. 66 – 67

[125] Lat.: Gegen Recht und Gesetz

[126] StAK Best. 655, 10, Nr. 343; Schmidt (wie Anm. 114), S. 24 -25

[127] de Lorenzi: (wie Anm. 66), S. 505

[128] StAK Best. 655, 10 Nr. 343

[129] Ebd.

[130] StAK Best. 655, 10 Nr. 17 (Zeitungsbericht vom 24.3.1847)

[131] Lat.: Über Tote [soll man] nichts, wenn nicht gutes [sagen]

[132] Hans Lehnet (Bearb.): Horchheimer Alltag zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Mitteilungen aus dem kurtrierischen Lagerbuch von 1719 im Vergleich zur Neuzeit. Hrsg. Heimatfreunde Horchheim e.V.. Koblenz 2012, S. 14

[133] Anton Struth: (wie Anm. 97), Einführung S. 16

[134] StAK Best. 655, 10 Nr. 342; zum Wirt Leidner s. a. Ralf A. Glöckner: Gerechtigkeit für einen Pfarrer. Teil II (wie Anm. 1), S. 47; Die Angabe „nach dem Geburtsort der Mutter des Hauptgegners“ bei Struth (wie Anm. 97) lieferte keine Erkenntnisse.

[135] Struth (wie Anm. 97), S. 16

[136] PA St. Maximin (wie Anm. 84) Nr. 17

[137] BATr: elektronische Post vom 17.01.2017; BATr. Abt. 70 Nr. 2921, Bl. 17; Roth (wie Anm. 27)

[138] Roth (wie Anm. 27); Böckling: (wie Anm. 92), S. 184

[139] StAK Best. 655, 10 Nr. 477

[140] Ebd.

[141] StAK Best. 655, 10 Nr. 343

[142] Ebd..

[143] PA St. Maximin (wie Anm. 84) Nr. 17

[144] Ebd.

[145] Erich Klinge: Koblenz und seine Rechtsanwälte. Erinnerungen und Überlegungen aus Anlaß des 75jährigen Bestehens des Vereins der Rechtsanwälte Koblenz. Mittelrheinische Hefte 15. Koblenz 1988, S. 36-49 (mit Biographien der Anwälte Longard und Adams)

[146] Die durch das Pfarr- und Sendamt vertretene Kirchenfabrik

[147] PA St. Maximin (wie Anm. 84)  Nr. 17

[148] Von lat. caelibatus = Ehelosigkeit

[149] PA St. Maximin (wie Anm. 84) Nr. 17

[150] Vgl. Berthold Prößler: Weinbau in Horchheim. In: Horchheim 1214–2014. (wie Anm. 90), S. 283-292

[151] BATr Abt. R 1100.48, Nr. 171

[152] PA St. Maximin (wie Anm. 84) Nr. 17

[153]Karoline Henkel: Polch im 19. und 20. Jahrhundert. In:Polch im Maifeld. Geschichte und Gegenwart. Hrsg. für die Gemeinde Franz-Josef Heyen. Polch 1986, S. 202.

[154] LHA Ko Best. 655, 33 Nr. 789; 790

[155] Gemeinde Polch. Protokoll-Buch für die Berathungen  und Beschlüsse des Gemeinderathes. 20.09.1847 (Verbandsgemeindeverwaltung Maifeld in Polch, Einsicht ermöglichte Thomas Häuser.)

[156] LHA Ko Best. 655, 33 Nr. 790

[157] Henkel (wie Anm. 153), S. 342 mit Verweis auf Peter Schug: Geschichte der Dekanate Bassenheim, Kaisersesch, Kobern und Münstermaifeld, Trier 1966, S. 534; LHA Ko Best. 655,33 Nr. 789

[158] BATr. Abt. 1100,48 Nr. 81 „Conferenz-Verhandlungen der V. Definition des Dekanats Mayen vom Jahre 1851“ mit Ernennung des A. zum Definitor; aber: BATr Auskunft per elektronischer Post vom 09.06.2016 (jedoch mit Hinweis auf Abt. 1100, 48 Nr. 81) nach Klerusverzeichnis Definitor ab 1850

[159] Felgenheier (wie Anm. 81) S. 155

[160] Hans Josef Schmidt: Personen und Persönlichkeiten. In: Horchheim 1214-2014 (wie Anm. 90),S. 341-342

[161] Theodor Heuss: 1848 Die gescheiterte Revolution. Stuttgart 1948. Neuausgabe Stuttgart 1998, S. 74-75

[162] Josef Eisenach: Koblenz im Jahre 1848. In: Alt-Koblenz. Eine Sammlung geschichtlicher Abhandlungen. Hrsg. Hans Bellinghausen. II. Band. Koblenz 1932, S. 290; Hans-Günter Borck, Andrea Grosche, Dieter Kerber, Michael Koelges: „… ein freies Volk zu sein!“. Die Revolution von 1848/49. Begleitpublikation zur Ausstellung des Bundesarchivs in Zusammenarbeit mit dem Landeshauptarchiv und dem Stadtarchiv in Koblenz. Koblenz 1998 (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz Band 77), S. 151

[163]; Coblenzer Tageblatt Nr. 92, vom 1.4.1848; Helmut Kampmann: Koblenzer Pressechronik. 80 Zeitungen aus 3 Jahrhunderten. Koblenz 1998, S. 136

[164] Kath. Pfarrkirche St. Stephanus Polch. Hrsg. Pfarrgemeinderat der Pfarrgemeinde St. Stephanus Polch. Polch 2002, S. 1

[165] Henkel (wie Anm. 153), S. 214- 217, 260

[166] Helmut Rönz: Der südrheinische Klerus zwischen 1848 und der Beendigung des Kulturkampfes. Portal Rheinische Geschichte. http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/T… vom 02.11.2019. S. 6,7; Heinz Boberach: Die Koblenzer in der Revolution 1848/49. In: Koblenzer Beiträge zur Geschichte und Kultur. Neue Folge 7. Koblenz 1997, S. 31-32

[167] „Adresse“ bezeichnet ein aufwendiges, gehobenes Schreiben

[168] Coblenzer Anzeiger (im Folgenden CA) Nr. 161 vom 2.7.1848

[169]Bundesarchiv Berlin. DB51/277; Heinz Boberach: Rheinische Briefe und Akten zur Geschichte der politischen Bewegung 1830-1850. II. Band. 2. Hälfte (April-Dezember 1848). Unter Benutzung der Vorarbeiten von Joseph Hansen. Köln-Bonn 1976 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde), S.256-257

[170] CA Nr. 153 vom 21.6.1848

[171] Glöckner: (wie Anm. 1); LHA Ko Best. 655, 33 Nr. 934

[172] CA Nr. 161 von 2.7.1848

[173] Jürgen Herres: Das preußische Koblenz: in: EVM (Hrsg): Geschichte der Stadt Koblenz. Bd. 2 Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart, Koblenz 1993, S. 78; Boberach (wie Anm. 169), S. 214-217

[174] CA Nr. 153 vom 21.6.1848

[175] CA Nr. 161 vom 2.7.1848

[176] Ebd.; Böckling (wie Anm.92), S.194

[177] Kath. Pfarrkirche St. Stephanus Polch, Hrsg. Pfarrgemeinderat der Pfarrgemeinde St. Stephanus Polch, Polch 2002, S. 1; Die Kunstdenkmäler des Kreises Mayen. Bearb. v. Hanna Adenauer, Josef Busley, Heinrich Neu. Düsseldorf 1943, Rekonstruktion 1985 (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 17. Bd., II. Abt), S. 351

[178] de Lorenzi (wie Anm. 66), S. 347; DieKunstdenkmäler Mayen (wie Anm. 177) S. 352 -356

[179] Gemeinde Polch (wie Anm. 155)

[180] LHA Ko Best. 655, 33 Nr. 823

[181] Henkel Wie Anm. 153), S. 243

[182] de Lorenzi (wie Anm. 66),S.348

[183] Henkel (wie Anm. 153),S.243

[184] Henkel (wie Anm. 153) S. 243-244; Gemeinde Polch (wie Anm. 155) Protokolle 27.6.1846, 19.4. 1847; LHA Ko Best. 655, 33 Nr.839

[185] Gemeinde Polch (wie Anm. 155) Protokoll 27.6.1846

[186] Gemeinde Polch (wie Anm. 155) Protokoll 19.4.1847

[187] Henkel (wie Anm. 153), S. 243

[188] LHA Ko Best. 655, 33 Nr. 839

[189] Henkel (wie Anm. 153), S. 244; de Lorenzi (wie Anm. 66) S. 349

[190] Henkel (wie Anm. 153), S. 250; LHA Ko Best. 655, 33 Nr. 934

[191] LHA Ko Best. 655, 33 Nr. 779

[192] LHA Ko Best. 655, 33 Nr. 934

[193] LHA Ko Best. 655, 33 Nr. 779

[194] Henkel (wie Anm. 153), S. 250; LHA Ko Best. 655, 33 Nr. 814

[195] VG Maifeld (wie Anm. 4)

[196] BATr Abt. R 1100 Nr. 270, S. 1-5

[197] Henkel (wie Anm. 153), S. 250-256

Vorgenannten Personen, Archiven, Institutionen, Behörden sowie allen anderen, die dem Autor durch Unterlagen, Informationen und Hinweise halfen, sei ganz herzlich gedankt.

#Aßolino, Matthäus

Neuerscheinung: Der Regierungsbezirk Koblenz im Großherzogtum Niederrhein im Spiegel amtlicher Berichte aus den Jahren 1816-1822

Peter Brommer: „Es lebet hier ein ruhige, gutmüthiges und aufgewecktes Volk“. Der Regierungsbezirk Koblenz im Großherzogtum Niederrhein im Spiegel amtlicher Berichte aus den Jahren 1816-1822. Trier: Verl. für Geschichte und Kultur, 2020. – 485 S., Kt. ISBN 978-3-945768-12-9. – 39,90 EUR.

Klappentext: „Die monatlichen Berichte des Koblenzer Regierungspräsidenten an den preußischen König und der Landräte an den Regierungspräsidenten behandeln eine Fülle von Themen, zu denen wir bislang keinen Zugang hatten: Angesprochen werden Stimmung in der Bevölkerung, Klima/Witterung, innere Sicherheit, Krankheiten, Landwirtschaft, Schifffahrt, Charakteristik der Einwohner u. v. m. Die historische Forschung hat diese qualitativ sehr hochwertigen Archivalien bislang nicht genutzt. Dabei bieten die Quellen spannende Einblicke in die Lebenswelten der Menschen an Rhein und Mosel nach 1815. Zugleich zeigen sie aber auch, wie die Preußen in ihrem neuen Besitz die Verwaltung organisierten, und weisen dabei auf die Probleme hin, vor denen die Machthaber standen und für die sie Lösungen finden mussten. Ein reizvolles Quellen- und Lesebuch, das sowohl dem Fachwissenschaftler als auch dem historisch interessierten Laien eine spannende Lektüre bietet!“

#Brommer, Peter

Horchheim im Jahr 1891. Eine unbekannte Bleistiftzeichnung von Bertha Falckenberg (1867-1951)

Von unserem Gastautor Hans Josef Schmidt

Einführung

Heiner Drumm – 2. Vorsitzender der Kirmesgesellschaft Horchheim und Vorstandsmitglied der Heimatfreunde Horchheim – kaufte im Frühjahr 2016 von Herrn Helmut Freise in Andernach eine Bleistiftzeichnung (16×23 cm) von (Koblenz-) Horchheim. Diese Zeichnung stammte von einer Bertha Falckenberg (1867-1951). Die Ortsangabe mit Datierung lautete „Horchheim Oct. 1891“. Heute befindet sich die Zeichnung, die bei einem der zahlreichen Ausflüge der Familie Falckenberg nach Horchheim entstanden ist, im Ortsmuseum der Heimatfreunde Koblenz-Horchheim e. V. Bei den Recherchen zur Biographie der Künstlerin ergab sich schnell der Nachweis zur Verwandtschaft mit der bekannten Koblenzer Familie Falckenberg, die im 19. Jahrhundert eine Musikalienhandlung betrieb und aus der auch der berühmte Theaterregisseur und Schriftsteller Otto Falckenberg (1873 Koblenz-1947 München) stammt.

„Horchheim Oct. 1891“.

Zur Biographie:

Bertha wurde am 25.6.1867 in Köln geboren und ist am 8. Juni 1951 in Boppard gestorben.[1] Ihr Vater Johann Wilhelm Carl Falckenberg, Direktor der mittelrheinischen Bank Koblenz, war der Bruder des Vaters des Theaterregisseurs Otto Falckenberg, also war Bertha die Cousine von Otto.[2] Das Verhältnis war wohl von klein auf eng, denn Otto Falckenberg schreibt: „Als ich in die Schule kam und schreiben lernte, war das erste, was ich mit sechs Jahren für mich niederschrieb, ein hochromantisches Ritterstück: ein Ritter raubt das Ritterfräulein aus der Nachbarburg und will die Widerstrebende damit verführen, daß er sagte: ‚Bei uns gibt es mindestens einmal in der Woche Sauerkraut und Kartoffelklöße.‘ Dieses Stück wurde von mir und meiner Cousine Berta mit großem Pathos aufgeführt und meine sonst immer ernste und stille Mutter lachte Tränen. Freilich kamen ihr damals wohl die ersten Bedenken, ich möchte am Ende gar den Drang in mir spüren, Schauspieler zu werden.“[3] Falckenberg hat sich auch brieflich mit seiner Cousine Bertha ausgetauscht, als es 1906 um die Übernahme der Leitung des Königlichen Hofschauspiels in München im Jahr 1906 ging.[4] Abschriften bzw. Kopien der Korrespondenz zwischen Otto und Bertha aus den Jahren 1921, 1928 und 1942 befinden sich im Stadtarchiv Koblenz.[5] Als die Stadtbibliothek Koblenz am 15. Dezember 1987 in der Alten Burg eine Falckenberg-Soiree veranstaltete, wurde auch Bertha Falckenberg gedacht.[6] Die Mutter Sophie (1839 Kreuznach-1907 Koblenz) entstammte der bekannten Kreuznacher Winzer- und Weinhändlerfamilie Nedelmann.

Bankdirektor Carl Falckenberg mit Ehefrau Sophie geb. Nedelmann, Tochter Bertha, Hausmädchen Helene Höfer und Schäferhund Lux (Stadtarchiv Koblenz FA 2 Nr. 4727).

Die Künstlerin

Berthas künstlerisches Schaffen wäre dennoch wohl weitestgehend unentdeckt geblieben, wenn nicht ein Zufallsfund auf dem Speicher des Hauses Falckenberg in Boppard – eine Kiste mit Malgerätschaften aller Art, dazu Gemaltem und Gezeichnetem – die Angelegenheit ins Rollen gebracht hätte.[7] Bertha besuchte die Höhere Evangelische Töchterschule (spätere Hildaschule) in Koblenz.[8]

Bertha Falckenberg als Kind? Dem Foto ist jedenfalls mit Bleistift die Unterschrift Bertha F hinzugefügt (Fotoalbum Stadtarchiv Koblenz N 19).

Schon in jungen Jahren war sie der Kunst und den Musen zugetan. Im April 1884 machte sie sich auf den Weg in die Schweiz und begann im Mai mit dem Zeichenunterricht. Am 3.6.1884 erfolgte die Anmeldung an der „Ecole des Arts“ in Genf. Es ist überliefert, dass sie am 9. August zum ersten Mal nach einer Fotografie zeichnete. In der Schweizer Zeit verstärkte sich ihr Kunstinteresse, sie nahm Klavierunterricht und interessierte sich aber auch für Geometrie. Begeistert war sie von den Ausflügen in die weitere oder nähere Umgebung.

Die weitere künstlerische Ausbildung, so in der Portrait-Malerei, erfolgte in den Jahren 1886-1888 in Berlin in der Malschule des sehr berühmten Malers Carl Gussow. Nach einem ersten Besuch bei Gussow und der Begutachtung ihrer Zeichnungen wurde sie angenommen. Obwohl sie sich anfangs sehr schwertat, war Gussow aber der Meinung, „es würde sich schon machen, so übel wäre das Bild nicht.“ In der Zeichen- und Malschule des Vereins der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen zu Berlin in der Königgrätzer Str. 120 erteilte der Maler Hugo Louis (* 17.2.1847 Berlin) den Unterricht in Elementar- und Ornamentzeichnen. Bertha wohnte u. a. in der Fremdenpension von Frau von Blum und Fräulein von Brösigke.[9]

Späte Jahre und Lebensabend

Der Vater blieb bis zum Alter von 77 Jahren im Dienst als Direktor der Mittelrheinischen Bank in Koblenz und zog dann nach Boppard. Das 1867 erbaute Haus[10] in der Mainzer Str. 29 hatte er am 16.4.1898 (45.000 Goldmark) gekauft und im Februar 1899 bezogen.

Falckenberg-Haus, Boppard, Mainzer Straße 29.

Spätestens in den 1890er-Jahren hat Bertha ihr künstlerisches Schaffen in größerem Umfang beendet. Die Horchheim-Zeichnung zählt somit schon zum „Spätwerk“. Mir ist nicht bekannt, wie Bertha mit ihrem Talent und ihrer Kunstfertigkeit in späteren Jahren ist. Fast ihr gesamtes künstlerisches Werk ist verloren gegangen. Bertha war nicht verheiratet, hat sich aber stets um die Eltern gekümmert und musste sehr bescheiden leben, da das Familienvermögen infolge der Inflation in den 1920er-Jahren verloren gegangen war.

Ihre Nichte Jula Lorentz hat das Andenken an ihre Person stets hochgehalten. So sprach sie am 16. Juni 1955 im Deutsch-Evangelischen Frauenbund Boppard im Hotel Spiegel zu dem Thema „Lebensbilder aus alter Zeit“.[11] Anknüpfend an eine Dankeskarte von Bertha für eine Osterfreude, in den alten Akten des Frauenbundes vorgefunden, führte Jula Lorentz aus: „Um diesem von Frl. Falckenberg damals ausgesprochenen Dank nachträglich eine äußere Gestalt zu geben, möchte ich aus dem Nachlaß meiner Tante eine kleine, antike Bronce-Glocke unserem Bund schenken. Mir war die Idee im letzten Jahr, als wir dem katholischen Frauenbunde eine Glocke verehrten, gekommen. Daß wir uns immer mit Klopfen an Tassen und Gläser helfen mußten, wollte mir nicht gefallen. Diese antike Glocke stellt in ihrem Ornament die Symbole der vier Evangelisten unter den Namen dar: Mathäus, darunter sein Zeichen der geflügelte Mensch; Markus, sein Symbol der Löwe; Lukas mit dem Stier als Symbol, Johannes mit dem Adler. Am unteren Ende ist eingraviert: Boppard, Juni 1955. Dem Deutsch-evangl. Frauenbund zum Andenken an Bertha Falckenberg, * 25. Juni 1867 + 8. Juni 1951“.

Die Bronzeglocke (12 cm hoch, unten 7,8 cm breit) konnte dank Vermittlung von Frau Gärtner bei der Evangelischen Gemeinde in Boppard ausfindig gemacht werden. Hier wird sie heute noch bei Besprechungen des Presbyteriums eingesetzt. Allerdings ist die o. a. Gravur am unteren Rand nicht festzustellen, aus welchen Gründen auch immer. Ein zweites Exemplar in identischer Ausführung befindet sich auf einem Schrank in der Praxis von Dr. Ivonne Paetz in Boppard.[12] Da die Praxis früher von Dr. Bury geführt wurde, liegt die Vermutung nahe, dass Jula Lorentz dieses Glöckchen ihrem Arzt und Vertrauten Dr. Bury geschenkt hat.

Die Glocke der Evangelischen Gemeinde Boppard (in identischer Ausführung in der Praxis Dr. Ivonne Paetz in Boppard vorhanden).

Jula Lorentz führte in ihrem Vortrag weiter aus: „So kam sie [Bertha] 1898 nach Boppard mit ihren Eltern und dem schönen, großen Schäferhund ‚Lux‘. Von Kind an hatte sie besondere Liebe und Verständnis für die Natur und alles Getier. Unter ihrer Hand gediehen Pflanzen und Tiere, mit ihrer Pflege heilten Krankheiten und Wunden bei ihren Pfleglingen. Ihre Rassehunde brachten von Ausstellungen erste Preise heim. Ein besonderes Anliegen war ihr der Vogelschutz. Sie scheute keine Mühe, wenn es galt, ein Vogelnestchen zu schützen durch Anbringung von Dorngestrüpp oder dergl. Eine schriftliche Beschwerde über das frühe Krähen ihres Hahnes fiel mir noch dieser Tage in die Hand. Da stand die Aufforderung, das Tier an seinem frühen Morgenkrähen zu hindern. Es war dann immer ein besonderer Spaß, wenn abends die Jagd nach dem an Freiheit gewöhnten Hahn losging, bis endlich das erstaunte Tier im dunklen Ställchen eingesperrt war. Aber das Beste an dieser Geschichte war die Tatsache, daß der klageführende Nachbar sich morgens um 4 Uhr den Wecker stellte, damit er ja das stolze Krähen des Hahns nicht verpasste. Neben ihrer Naturverbundenheit trat schon früh ein ausgesprochenes Mal- und Zeichentalent hinzu, das gepflegt und gefördert wurde. Die Pensionszeit in der Schweiz gab der 18jährigen außer zu Sprachstudien die Gelegenheit, sich auf der Kunstschule in Genf weiterzubilden. Später folgten dann anderthalb Jahre in Berlin im Atelier des bekannten Malers Gussow zur Ausbildung im Portraitmalen in Oel“. Der Vortrag endete mit den Worten: „Aus allen Sorgen und Schwierigkeiten, die die Nöte der Zeit und der Verlust des Vermögens für sie mit sich brachten, konnte Bertha Falckenberg sich in die Welt der Kunst flüchten, immer lebhaften Geistes und voller Interesse für Wissenschaft, Kunst und Politik“.

Jula Lorentz: Aufnahme von Dr. med. K. Jos. Bury, Boppard, 6.7.1974, im Besitz von Frau Gärtner, Boppard. Auf diesem Foto ist das Tafelklavier von 1825 zu sehen, auf dem eine Schale und zwei Vasen stehen. Die Schale in der Mitte war ein Geschenk von Irene Müller (Nürnberg) an ihren Hausarzt Dr. Bury.

Nichte Jula Lorentz-Falckenberg, geboren am 19.7.1890 in Siegburg und am 11.6.1975 in Boppard gestorben, war ebenfalls eine bekannte Persönlichkeit in Boppard. Sie zog im Jahr 1911 mit ihrer Mutter Auguste Lorentz geb. Falckenberg (*26.5.1861 Köln) von Berlin in die Emser Straße 80 in Pfaffendorf, 1931 in die Emser Straße 53 (Rheinhotel).[13] Letztmalig wird sie 1940 im Adressbuch der Stadt Koblenz genannt. Ab 1.10.1944 wohnte sie in Boppard,[14] wo sie bis zu ihrem Tod im Haus in der Mainzer Straße lebte.

Bertha Falckenbergs Leben war in den letzten Jahren nicht einfach, sie war kränklich und lebte von der öffentlichen Fürsorge.[15] Ohne die Unterstützung durch viele Bürgerinnen und Bürger von Boppard wäre Ihr Leben noch schwieriger gewesen. Ihr Name ist heute in Boppard nur noch wenigen bekannt. Im Museum der Stadt sind keine Informationen bzw. Werke über bzw. von Bertha Falckenberg bekannt bzw. vorhanden. Das Haus in der Mainzer Straße 29 steht allerdings noch und wird von Friedhelm Freise, dem Sohn der Erbin Gudrun Freise, bewohnt. Die Familiengrabstätte auf dem Bopparder Friedhof ist allerdings schon vor vielen Jahren undokumentiert abgeräumt worden.

In ihrem letzten Willen vom 9. August 1949 setzte Bertha Falckenberg für den Fall ihres Ablebens die Kinder ihrer verstorbenen Geschwister zu gleichen Teilen als alleinige Erben ein: Jula Lorentz, Boppard; Karl Lorentz, Koblenz-Pfaffendorf; Edwin Lorentz, Brensbach/Odenwald; Hermann Falckenberg, Bünde/Westfalen. Im Inventarverzeichnis wurde auch ein altes Tafelklavier aus dem Jahr 1825 aufgeführt. Nach Auskunft von Helmut Freise ist dieses Klavier, das den Firmennamen des Urgroßvaters trug, der es den Großeltern 1858 zur Hochzeit geschenkt hatte, später an das Folkwang-Museum Essen abgegeben worden.

Was bleibt?

In Boppard gibt es noch Werke von Bertha Falckenberg. Im Besitz von Frau Gärtner sind folgende Werke, die auf dem Speicher des Falckenberg-Hauses im Nachlass von Jula Lorentz gefunden wurden:

  • Öl auf Malkarton:Mädchen mit Kopftuch und rotem Schal;
  • Porträt 1888 (dieses Bild stand immer auf einer Staffelei im Wohnzimmer von Jula Lorentz);
  • Dame mit Rüschenhäubchen 1888 (H. oder M. Nein?);
  • Junge Zigeunerin (weiße Bluse, rot-schwarz-kariertes Kopftuch, orange-roter Schal) 15.1.1887;
  • Mutter (?) der jungen Zigeunerin (weiße Bluse und rot-schwarz-kariertes Kopftuch) 4. Dec. 86;
  • Junge Frau in Tracht (Haube und großer weißer Kragen um die Schultern) 20.02.87;
  • Mädchenmit Ponyfrisur und rosa Schal (auf der Rückseite handschriftlicher Eintrag von Jula Lorentz: Evtl. Gräfin Kaunitz?);
  • Ölmalkreide: Klausenstraße in Dieblich;
Klausenstraße in Dieblich.
  • Aquarell: Klausenburg bei Koblenz-Ehrenbreitstein, signiert Falckenberg 86.
Klausenburg bei Koblenz-Ehrenbreitstein, signiert Falckenberg 86.

Dazu kommen noch 10 Ansichtskarten an Bertha Falckenberg bzw. ihre Eltern aus den 1890er Jahren, wobei u. a. auch der Elisenhof bei (Koblenz-) Arenberg als Adresse angegeben ist.

Frau Gärtner besitzt außerdem einen Alabasterschmuckkasten aus dem Besitz der Urgroßeltern von Bertha Falckenberg. Dem Kasten liegt eine Visitenkarte von Bertha bei, die auf der Rückseite folgenden Text von unbekannter Hand enthält: „Dieser Schmuckkasten stammt von Sophie Nedelmann, geb. Herff [sic!]. Sie erhielt ihn als Brautgeschenk von Karl Nedelmann im Jahre 1832.[16] Sie lebte damals auf der Gutleutemühle bei Kreuznach. Der Kasten besteht aus Alabaster. Auf den Deckel liess der Bräutigam die Gutleutmühle mahlen [sic!], das Brautpaar mit einer dritten Person, vielleicht ihrer Mutter oder Freundin, im Vordergrund.“

Auf die Werke im Besitz von Herrn Freise in Andernach soll an dieser Stelle auch noch einmal hingewiesen werden.[17]

Im Besitz der Familie Hermann Spelten in Dieblich-Mariaroth befindet sich eine Aquarellzeichnung von einem Haus in Mariaroth, das heute aber nicht mehr existiert. Sie ist datiert „dat. 19.7. 87“ und hat auf der Rückseite folgenden Text: „Den Neubürgern von Mariaroth, Weihnachten 1975, Tante Irene“.[18]

Mariaroth.

Schließlich ist noch auf ein Aquarell mit der Darstellung einer Moosrose im Besitz von Christian Simon in Boppard hinzuweisen.

Moosrose.

Es wäre denkbar, um nicht zu sagen wünschenswert, wenn „als Echo“ auf diesen Artikel noch weitere Werke von Bertha Falckenberg ans Tageslicht kämen. In einem Nachruf aus Berthas Freundeskreis heißt es: „Bertha Falckenberg war eine jener großen, tiefen und vielseitigen Naturen, die schlechthin in ein gut bürgerliches Milieu nicht passen. Zu ihr gehörte bei ihrer Vielseitigkeit ein bißchen ‚Bohèmewirtschaft‘ […] Solch reiches Leben ist unsterblich in seinen geschaffenen Werken und immer lebendig allen, die diesem Leben nahestanden“.[19] Bertha Falckenberg hat zu Lebzeiten immer eine Ausstellung ihrer Werke abgelehnt. Obwohl schon im Jahr 1951 die Anregung kam, das Werk dieser Künstlerin zu präsentieren, [20] ist es damals und auch in späterer Zeit meines Wissens nicht dazu gekommen. Vielleicht sollte man diesen Gedanken erneut aufgreifen. Wäre es nicht ein schönes Zeichen, wenn Bertha Falckenberg einen würdigen Platz in der Geschichte ihrer Heimatstadt Boppard fände?

Eine Kurzfassung des Beitrags finden Sie in der Rhein-Zeitung, Ausgabe B0 (Stadt Koblenz), Nr. 79, 6.4.2021, S. 20, sowie in der Rhein-Zeitung, Ausgabe J (Rhein-Hunsrück-Zeitung), Nr. 87, 15.4.2021, S. 18.


[1] Freundliche Auskunft des Standesamtes Boppard an das Stadtarchiv Koblenz vom 19.8.2016 (Standesamt Köln I Nr. 1948/1867 bzw. Standesamt Boppard (Nr. 100/1951). Für Informationen und Anregungen bin ich Marie-Luise Gärtner (Boppard), Helmut Freise (Andernach) und Michael Koelges (Stadtarchiv Koblenz) zu großem Dank verpflichtet. Frau Gärtner unterstützte Irene Müller (Nürnberg), die als Testamentsvollstreckerin nach dem Tod von Jula Lorentz fungierte. Herr Freise hat die Zeichnung 2016 an Heiner Drumm verkauft. Im Besitz von Herrn Freise, dessen Mutter das Patenkind von Jula Lorentz war, sind noch weitere Gemälde sowie Abschriften von Briefen und eine biografische Materialsammlung. Weitere Unterlagen befanden sich bei Henning Wenzel, einem Neffen von Bertha Falckenberg, in Siegen, darunter zahlreiche Unterlagen (Briefe aus der Berlin-Zeit 1886-1888, Tagebuch 1883-1887. In Wenzels Besitz waren auch das Ölbild Auguste Lorenz geb. F. „im Ballkleid“ und ein Skizzenbuch von 1876 („natürlich sehr kindlich“), das Pastellbild „Dame mit dem Umschlagtuch“ war im Besitz des Vetters Ernst Wenzel in Dortmund und zeigte dessen Schwester Sophie W., spätere Frau Werth.

[2] Kurzbiographien vom Mittelrhein und Moselland 1967-1975, S. 113: Bearbeiter Alexander Stollenwerk, Boppard. Zum damaligen Zeitpunkt fanden sich ihre Werke durchweg in Privatbesitz; Benner, Ferdinand: Wer war Bertha Falckenberg? In: Rund um Boppard 30.11.2007, Nr. 48, S. 18.

[3] Petzet, Wolfgang: Otto Falckenberg. Mein Leben – Mein Theater. München/Wien/Leipzig 1944, S. 29.

[4] Euler, Friederike: Der Regisseur und Schauspielerpädagoge Otto Falckenberg. München 1976 (Münchener Universitätsschriften – Fachbereich Geschichts- und Kunstwissenschaften – Münchener Beiträge zur Theaterwissenschaft Bd. 5). S. 11.

[5] Stadtarchiv Koblenz N 19 (Zug. 81/4 a) – Nachlass Falckenberg.

[6] Rhein-Zeitung 11.12.1987, Nr. 287: Otto Falckenberg aus Koblenz. Die Kusine Bertha teilte seine Leidensschaft (sic!). Erinnerungen an einen Großen des Theaters.

[7] Freise, Helmut: Bertha Falckenberg. Erinnerungen an eine Bopparder Bürgerin. In: Rhein-Hunsrück-Kalender, Heimatjahrbuch des Rhein-Hunsrück-Kreises 43 (1987), S. 127-132; ders.: Aus einer alten Mappe. In: Rhein-Lahn-Kreis. Heimatjahrbuch 1989, S. 207-209 (betr. vier Zeichnungen bzw. ein Aquarell von Bertha Falckenberg betr. Klostermühle Arnstein, Margaretenkirche Arnstein-Weinähr und ein Kinderportrait Marie Jacobi aus Weinähr/Gelbach); ders.: Nostalgische Rheinreise von Mainz bis Köln. Aquarelle, Zeichnungen, Lithographien 1800-1950. Andernach 2015 (Andernacher Beiträge 30), S. 57 (mit Abb. der Horchheimer Bleistiftzeichnung).

[8] Schulhefte aus dieser Zeit mit Aufsätzen etc. aus dem Deutsch-Unterricht im Besitz von Herrn Freise, Andernach.

[9] Die Familie von Brösigke war mit der Familie Falckenberg verwandt.

[10] Nach Information von Helmut Freise befindet sich diese Jahreszahl in einem Stein im Haus.

[11] Kopien im Besitz von Helmut Freise; s. a. Stadtarchiv Koblenz, wie Anm. 5; Unterlagen des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes Boppard befinden sich in der Archivstelle Boppard des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland (Best. 5 WV 024 B).

[12] Frdl. Information von Frau Gärtner, Boppard, vom 12.07.2020.

[13] Freundliche Mitteilung von Herrn Koelges, Stadtarchiv Koblenz, vom 16.05.2020.

[14] S. a. Helmut Schnatz: Der Luftkrieg im Raum Koblenz 1944/45. Eine Darstellung seines Verlaufs, seiner Auswirkungen und Hintergründe. Boppard am Rhein 1981 (Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz 4), S. 278 mit Anm. 68, S. 286 mit Anm. 107/108, S. 319 mit Anm. 227. Jula Lorentz schildert hier ihre Erlebnisse beim schweren Bombenangriff auf Koblenz am Abend des 6. November 1944 und ihre Rückfahrt mit dem Triebwagen nach Boppard.

[15] Landeshauptarchiv Koblenz Best. 700,250 (Nachlass Wilhelm Hütten, Boppard) Nr. 27 Bl. 63 a: Brief von Bertha Falckenberg an Bürgermeister Dr. Alexander Stollenwerk vom 20.5.1951 mit der Bitte um Unterstützung; s. a. Stadtbibliothek Boppard – Kartei Dr. Alexander Stollenwerk. Gymnasiallehrer Dr. Hütten wohnte in den 1950er-Jahren in der ersten Etage des Hauses Falckenberg – frdl. Information von Frau Gärtner, Boppard, vom 12.07.2020.

[16] Die Jahreszahl ist später ergänzt. Die Personenzuordnung ist allerdings unkorrekt. Julie Christine Herf (1793-1864) – und nicht Sophie Nedelmann geb. Herff – war mit Johann Carl Christoph Nedelmann (1788-1872) verheiratet. Sie sind die Urgroßeltern von Bertha Falckenberg. Durch Gebrauchsspuren ist die Zeichnung auf dem Deckel kaum zu erkennen.  Nähere Informationen zur Familie Nedelmann finden sich im Stadtarchiv Koblenz und bei Herrn Freise in Andernach (s. a. Anm. 1). Die eigentlichen Familienpapiere sind im Besitz von Hedwig von Velsen-Zerweck geb. Nedelmann, Neversdorf.

[17] S. Anm. 1.

[18] Irene Müller (Nürnberg). Frau Müller war Testamentsvollstreckerin bei Jula Lorentz; s. a. Anm. 1.

[19] Haack, Georg (Lönshof/Alken): Abschied von der Malerin Berta (sic!) Falckenberg. In: Rhein-Zeitung – Ausgabe N/St. Goar – 23.8.1951, Nr. 201, S. 4; s. a. Heidedichter Hermann Löns lebt im Baybachtal fort. Lönshof mit umfassender Sammlung persönlicher Erinnerungsstücke. In: Rhein-Zeitung 30.6.1964 Nr. 148; der Lönshof bei Burgen im Baybachtal, auf dem Haack lebte, ist 1979 abgebrannt; s. Georg Giesing: Fluchtweg Baybachtal. Der legendäre Widerstandskämpfer Peter Zeutzheim entkommt der Gestapo. Zell 2010, S. 171.

[20] Haack, wie Anm. 19.

#Falckenberg, Bertha #Falckenberg, Otto

Perspektiven auf die Rheinlandbesetzung im Nachlass von Hans Bellinghausen

Von unserer Gastautorin Katharina Thielen

In den 1920er-Jahren wurden 23 Frauen und zehn weitere Familien aus dem Raum Essen an den „Pranger“ gestellt und öffentlich bedroht. Mit Ausnahme der Herren Häuser, Kristkowiak und Sarbinowski sollen fast alle namentlich genannten und mit Adresse aufgeführten Beschuldigten „intime Freundinnen der Schangels“ gewesen sein.

Flugblatt um 1925 (StAK N 12 Nr. 38, S. 87).

Es handelt sich dabei um eine Abwandlung des Namens „Jean“ und eine Form des heute positiv besetzten Wort Schängel, sodass dieses Flugblatt – aus der Perspektive eines Koblenzers – mehr als ein besonders eindrückliches Beispiel moderner Denunziation in Kriegszeiten darstellt. Konkret gemeint waren französische Soldaten, d.h. die sogenannten Besatzungstruppen, die seit dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Versailles am 28. Juni 1919 einen Teil der linksrheinischen Gebiete verwalteten und im Januar 1923 von den Amerikanern die Koblenzer Zone übernahmen.

Broschüre aus dem Jahr 1923, hrsg. v. Deutschen Fichtebund e.V. (StAK N 12 Nr. 22, S. 8 f.).

Während den „elende[n] Dirnen“ im Ruhrgebiet für ihren konfliktfreien Umgang mit dem einstigen Erbfeind mit „Rache“ gedroht wurde, schlossen sich andere Frauen aus verschiedenen politischen Gruppierungen und konfessionellen Vereinen in Berlin zur Rheinischen Frauenliga zusammen, um gegen die Anwesenheit der französischen Soldaten im Rheinland zu protestieren. Besonders die Stationierung französischer Truppenkontingente aus den Kolonialgebieten im heutigen Afrika, Senegal, Tunesien und Marokko wurde als demütigender Bestandteil der Friedensbedingungen betrachtet und in einer großangelegten Staatskampagne scharf kritisiert, politisiert, sexualisiert und rassistisch aufgeladen. Dabei nahm die „weiße Frau“ mit den Worten des Deutschen Fichtebundes e.V. die Rolle des „Opferlamms“ Frankreichs bzw. des „wilden schwarzen Mannes“ und somit eine Schlüsselfunktion im öffentlichen Nachkriegsdiskurs ein.

l. Broschüre der Rheinischen Frauenliga, r. Vorderseite eines Plakats aus den 1920er-Jahren (StAK N 12 Nr. 42 und Nr. 38, S. 205).

Als selbsterklärtes Sprachrohr der Betroffenen unterstütze die Rheinische Frauenliga dieses nationale Bild der Frau und verbreitete von Berlin aus die Ansicht, dass Vergewaltigungen und Misshandlungen in den besetzten rheinischen Gebieten an der Tagesordnung standen. Eine in mehreren Auflagen gedruckte Propagandaschrift über „Farbige Franzosen am Rhein“ lieferte dafür zahlreiche schockierende Beispiele und vermeintliche Beweise aus verschiedenen Städten in der Region. Obschon sich die darin geschilderten Gewalttaten weder nachverfolgen ließen noch explizit auf Koblenz bezogen, schürte das populäre Heft auch am Zusammenfluss von Rhein und Mosel die Angst vor der sogenannten „Schwarzen Schmach“, zumal die letzten Amerikaner die Stadt mit Beginn des Ruhrkampfes 1923 verlassen hatten.[1]

Wenz, Jakob: Elf Jahre in Fesseln! Die Leidensgeschichte der Koblenzer Bevölkerung während der Besatzungszeit. Koblenz 1929, online abrufbar unter URL: https://www.dilibri.de/rlb/content/titleinfo/2029895 (Aufruf: 24.2.2021).

Das „geschwundene Gefühl der Sicherheit gegenüber den Besatzungstruppen“[2] wurde am 22. Juli 1925 in der Koblenzer Stadtverordnetenversammlung in Verbindung mit drei Überfällen auf Zivilisten – darunter auch auf eine junge Frau – besprochen und in einer „Leidensgeschichte der Koblenzer Bevölkerung“ von Jakob Wenz aus dem Jahre 1929 weitertradiert.

Flugbätter gefunden während des Ruhrkampfes (StAK N 12 Nr. 22, S. 75 und S. 24).

Neuere Forschungen belegen, dass diese und weitere polemische Geschichten über das Verhalten der Franzosen am Rhein zwischen 1918 und 1930 in der Regel nicht der Realität entsprachen. Dennoch wurden sie spätestens mit Beginn der separatistischen Bewegung und des Ruhrkampfes mit Hilfe von Flugblättern und Anklebezetteln massenhaft in Umlauf gebracht.[3]

Anklebezettel aus der Zeit des Ruhrkampfes (StAK N 12 Nr. 22, S. 70 und S. 73).

Als traditionelles Instrument der anonymen Meinungsäußerung stand diese offen besatzungsfeindliche Meinungsmache unter Strafe, war aber letztlich nicht zu kontrollieren. Die oberste Verwaltungsbehörde, die Haute Commission Interalliée des Territoires Rhénans (HCITR) unter Paul Tirard in Koblenz, setzte ihr daher eine eigene staatlich gelenkte Pressepolitik entgegen, die sich zum einen in aufwendig gestalteten, zweisprachigen Zeitschriften und in einem abwechslungsreichen Kulturangebot niederschlug.

La Revue Rhénane – Rheinische Blätter (StAK N 12 Nr. 29).

Zum anderen spiegelte sich die „Penetration pacifique“[5] und die Stimmen ihrer – durchaus vorhandenen – Unterstützer auf der Straße wider, indem einige Flugblätter und Zettel die „preußische Politik“ kritisierten. So sollte das Publikum beispielsweise darüber nachdenken, „wie Bismarck im umgekehrten Falle gehandelt hätte“ und was die „deutsche Methode in Frankreich und Belgien“ zur Zeit des Ersten Weltkriegs gewesen war.

Flugblätter aus dem Jahr 1923 (StAK N 12 Nr. 22, S. 58, 46, 62).

Um der Bevölkerung klar zu machen, dass der „Glaube“ an die deutsche Großmachtpolitik ein Irrglaube sei, griffen die jeweiligen Autoren und Drucker profranzösischer Schriften auf die Frakturschrift und ein „deutsches“ Erscheinungsbild zurück, das bei französischsprachigen Blättern und offiziellen Bekanntmachungen nicht gebraucht wurde.

Flugblatt aus dem Jahr 1923 (StAK N 12 Nr. 22, S. 56).
Plakate (StAK N 12 Nr. 38, S. 9 und S. 74).

Die gezeigten Druckschriften gehören zu einem umfangreichen Konvolut, das Hans Bellinghausen (1887–1958) zeit seines Lebens gesammelt hat. Einen Teil seiner regionalhistorischen Quellen stellte er der Öffentlichkeit in einer Ausstellung zum Thema „Rheinlands Freiheitskampf gegen Besatzung und Separatismus“ vor.

Ausstellungsraum in der Stadthalle Trier 1933 (StAK N 12 Nr. 23, Bild 1).

Diese Ausstellung wanderte – gelobt und gefördert von den NS-Behörden – durch das gesamte Rheinland und ist heute Dreh- und Angelpunkt der umstrittenen Diskussion rund um Bellinghausens Position als Koblenzer Lokalhistoriker zur Zeit des Nationalsozialismus.[5] Im Sinne der NS-Propaganda zeigte sie damals nur die eine, nämlich die spezifisch „nationale“ Wahrnehmung der Besatzungszeit – doch in seinem Nachlass ist jene große Bandbreite verschiedener zeitgenössischer Blickwinkel auf die interalliierten Rheinlandbesetzung überliefert, die auch die aktuelle Forschung hervorhebt. Über den „gescheiterten Frieden“[6] im Allgemeinen sowie die „französische Kulturpolitik“[7] bzw. die „Deutsche Propaganda im Rheinland“[8] im Speziellen sind seit dem Jubiläum 2014–2018 zahlreiche wissenschaftliche Publikationen erschienen, die eine Einordnung der hier behandelten Themen erleichtern und den Nachlass zu einem außergewöhnlichen Quellenfundus machen, der unter der Bestandssignatur N 12 eingesehen werden kann.  


[1] Farbige Franzosen am Rhein. Ein Notschrei deutscher Frauen. Berlin 4. Aufl. 1923, online unter URL: https://www.dilibri.de/rlb/content/titleinfo/2016609 (Aufruf: 24.2.2021), vgl. Maß, Sandra: Von der ‚schwarzen Schmach‘ zur ‚deutschen Heimat‘. Die Rheinische Frauenliga im Kampf gegen die Rheinlandbesetzung, 1920-1929, in: WerkstattGeschichte 11 (2002), Nr. 32, S. 44–57 und zuletzt Galen Last, Dick van/Futselaar, Ralf: Black Shame. African Soldiers in Europe 1914–1922. London 2015.

[2] StAK 623, Nr. 5995, S. 91 f.; vgl. StAK N 12, Nr. 42 und Nr. 25.

[3] Maß, Sandra: Weiße Helden, schwarze Krieger. Zur Geschichte kolonialer Männlichkeit in Deutschland 1918–1964. Köln 2006 und grundlegend Koller, Christian: „Von Wilden aller Rassen niedergemetzelt“. Die Diskussion um die Verwendung von Kolonialtruppen in Europa zwischen Rassismus, Kolonial- und Militärpolitik (1914–1930). Stuttgart 2001 (Beiträge zur Kolonial- und Überseegeschichte 82).

[4] Vgl. Wein, Franziska: Deutschlands Strom – Frankreichs Grenze. Geschichte und Propaganda am Rhein 1919–1930. Essen 1992 (Düsseldorfer Schriften zur Neueren Landesgeschichte und zur Geschichte Nordrhein-Westfalens 33).

[5] Eine Position innerhalb dieser Diskussion vertrat zuletzt Hennig, Joachim: Dr. Hans Bellinghausen (1887–1958). Heimatforscher und NS-Propagandist, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 44 (2018), S. 439–512.

[6] Engelen, Ute/Rummel, Walter (Hg.): Der gescheiterte Friede. Die Besatzungszeit 1918-1930 im heutigen Rheinland-Pfalz. Begleitband zur Ausstellung. Koblenz 2020 (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 129).

[7] Nöldeke, Marion/Schlechter, Armin: Französische Kulturpolitik, in: ebd., S. 109–128.

[8] Haarfeldt, Mark: Deutsche Propaganda im Rheinland 1918–1936. Essen 2017.


#Bellinghausen, Hans

Multimodales Storytelling – Koblenz vor Ort

Firmenwagen von Dr. Franz Mayer-Alberti vor dem Haupteingang des Fabrikgebäudes, 1930er-Jahre (Archiv Familie Alberti).

Im Rahmen des Projektes „Multimodales Storytelling“ haben Studierende der Universität Koblenz-Landau Beiträge zum Thema „Koblenz vor Ort“ erstellt. Die angehenden Kulturwissenschaftler*innen haben unter anderem die Historikerin Judith Höhn-Engers vom Stadtarchiv zur Geschichte der Kulturfabrik befragt. Klicken und scrollen sie sich gerne durch die versteckten, regionalen Stories …

#Mayer-Alberti (Familie)